L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Gegen Irrtümer

Was Manfred schreibt, interessiert mich nicht. Klaro bin ich, wie ich im Folgenden hoffentlich zeigen werde, mitverantwortlich für den Niedergang der (konservativen) Welt (welcher übrigens schon seit tausenden von Jahren gegenüber jeder neuen Generation oder Idee proklamiert wird, also Fazit: blablablabla). CK hat aber einige Punkte aufgeworfen, die ich nicht unkommentiert lassen möchte, da sie im Kommentarbereich zur Fußnote degradiert werden würden.

Zunächst die konservativen Vorwürfe an Liberale:

2. Der Liberale ist konservativen Werten gegenüber feindlich eingestellt. Konkret gemeint sind: Vaterland – Ordnung -Ehre – Reinheit – Fortschritt – Moral – Nation – Heimat -Treue – Boden – Sitte – Kraft – Reich – Natur – Wachstum – Anstand – Kameradschaft.

Keine Ahnung ob ich Liberaler bin. Schubladen interessieren mich eh nicht, wahrscheinlich bin ich nur ein postmoderner Relativist mit Hang zum relativierenden Postmodernismus. Also jene, welche die Konservativen überall im Mainstream vermuten. Lustig, denn dafür, dass alle solche po-po Rellis sind, muss ich mich häufig verteidigen.
Ja, ich bin vielen der genannten Punkten gegenüber feindlich eingestellt. Vaterland? So einige meiner Vorfahren sind Zugezogene, ich selbst bin nicht mal hier im Land geboren. Meinetwegen können diese ganzen Konstrukte aus den Köpfen der Leute verschwinden, besonders in so einem Zwergenstaat wie hier. Ordnung? Wenn Ordnung bedeutet, dass irgendwo jemand jeden meiner Schritte verfolgt und mich zur Ordnung ruft, wenn ich wieder mal irgendwas tue (wie z.B. Patriotismus für unsinnig erkläre), dann ja, dann bin ich auch gegen eine solche Form von Ordnung. Ehre? ähhhhhh… kapier ich nicht. Nein, erklärt es mir besser auch nicht. Die Lächerlichkeit dieses Begriffes sieht man am besten in „Starship Troopers“. Ok, cui honorem, honorem. Doch dazu muss es erstmal kommen. Aber für sich alleine stehend ist der Begriff zu leer. Reinheit? Autsch. Nachdem ich jetzt lange nachgedacht habe, was das zu bedeuten hat, komme ich nur zum Schluss, dass das nichts gutes sein kann. Reinheit des Herzens? Kinners, wir sind hier nicht in irgendeinem Barbie-meets-Spongebob-in-Narnia-Film. Wer das Wort Reinheit in den Raum wirft, spricht sich gegen Pluralismus aus, gegen die offene Gesellschaft, er spricht von Grenzen, vom Einsperren des Geistes und der Angst traditionell übernommene Muster zu überdenken. Fortschritt? Konservativ heißt „bewahren“ (Latein-Angeber-Notiz bitte selbst einfügen). Fortschritt heißt „fortschreiten von“ (progressio). Widerspruch. Moral? Auch Kannibalen haben eine Moral. Und wenn Moral als Schlagwort bedeutet, dass z.B. Sex nur zum Kindermachen oder striktes pro-life bla, ja, dann bin ich auch gegen Moral. Nation? Wie oben beim Patriotismus und Vaterland: ein Konstrukt, das seine Legitimation in Friedenszeiten verlieren sollte, ansonsten nur zur Definition einer Pufferzone und Abgrenzung gegenüber einem (realen) Feind herangezogen werden darf, solange man selbst nicht der Aggressor ist. Heimat? Heimat ist das, was man kennt, was man mag (oder auch nicht) und wo man ganz einfach mehr zuhause ist als sonstwo. Dahinter steckt keine Wertung oder gar ein Wert, sondern nur ein simpler, äußerst subjektiv empfundener, Zustand. Treue? Zu Freunden ok. Aber zu solch künstlichen Konstrukten wie Nationen? Oder Sportvereinen? Naaaaaah. Boden? Autsch. Sitte? wieder ein viel zu schwammiger Begriff, als dass es tatsächlich einen Wert darstellt. Außerdem ein kulturell geprägter Begriff, der Vieles umfasst, was zwar keine Opfer hinterlässt, dennoch den Rang eines Vergehens hat. Kraft? durch Fr…? Nein, mal im Ernst, wenn Kraft so etwas ist wie Tatendrang, wie Potenz (im allgemeinen Sinne „etwas tun können“) sein soll, dann ist dahinter nichts Verwerfliches und das will der Liberale ja nicht abschaffen (ganz im Gegenteil, bekommt er immer wieder zu hören er würde davon zuviel verlangen) Reich? C’mon… das ist zu einfach…Natur? Natur ist böse. Zivilisation ist im Grunde in einziger Kampf gegen die Natur, z.B. Häuserbau um gegen den Regen gewappnet zu sein, Kanäle gegen Überschwemmungen oder zur Irrigation (auch das ist gegen die Natur, Agrikultur ist ein einziges künstliches Einpferchen der Natur), Medizin allgemein, etc. Wachstum? Möööööp! Der Liberale, der Wirtschaftsnerd par Excellance ist also gegen Wachstum. Egal, warum nicht. Anstand? Höflichkeit? Ich bin dafür. Steifheit und rituelle Etikette? Eher nicht. Kameradschaft? Ja. Ich bin dagegen. Ich bin für Freundschaft und auch für zeitweilige Empathie, ich bin für Kollegialität und Zusammenhalt, aber „Kameradschaft“ erscheint mir dann doch vorbelastet. Das klingt so nach Aufopferung für eine Idee und dass alle am gleichen Strang ziehen müssen, auch wenn die Idee noch so schwachsinnig ist.

Jubeljubel freufreu! Ich stehe tatsächlich den meisten genannten „konservativen Werten“ eher feindlich gegenüber. Natürlich nehme ich mir das Recht raus konservative Ansichten zu vertreten, ohne dass ich diese irgendwem aufdränge. Wen würde es auch interessieren? Dass ich persönlich gegen Abtreibung bin und dennoch dafür plädiere, dass sie depenalisiert wird, ist kein Widerspruch. Hippies können mir also vorwerfen ein Konservativer zu sein, Konservative sehen mich als Hippie. Anything goes, und dabei habe ich selbst noch gar nichts getan. Gratis-Relativismus für Alle!! Hurra!

Patriotismus halte ich für eines der überflüssigsten Gefühle überhaupt. Klar hat jeder eine gewisse Verbundenheit mit dem, was er kennt, aber das dann extra hervorzuheben, halte ich für Unfug. Gefährlichen Unfug, denn der Schritt zum Erheben des eigenen Mikrokosmos gegenüber einem fremden ist nur ein sehr kleiner. Patriotismus ist unsinnig, weil es überhaupt keine Wertung ausdrückt. Man hat nur in den seltensten Fällen etwas zur „Heimat“ beigetragen oder sonstwie irgendetwas erschaffen, das nicht zu dem gehört, wo man eh nur hineingeboren wurde. Für etwas Gegebenes, nur simpel Seiendes, plötzlich ein Gefühl von Stolz zu entwickeln, ist etwas, was ich nicht verstehe.

Der konservative Patriot will also „das Beste für sein Land“. Diese Personifizierung des Abstraktums „Land“ kann ich nicht verstehen. Wer für „sein Land sterben“ würde, schaltet sich selbst aus, denn Verteidigung macht man für sich und seine Lieben, nicht für sein Land, seine Nation, seine Heimat, blabla, denn das alles sind Konstrukte. Aus diesem Blickwinkel schon fast wiederum ironisch, dass mir als po-mo-Relli gerne mal „Konstruktivismus“ vorgeworfen wird.

CK schreibt richtig:

Statt also den Liberalen vorzuwerfen, sie mögen manche Dinge nicht schätzen, wäre es ehrlicher zu sagen, dass die Liberalen, sogar untereinander, möglicherweise andere konkrete Vorstellungen zu Begriffen wie Werte, Moral und Ehre haben.

Andere Vorstellungen zu Begriffen. Klingt fast schon nach einen po-mo-Ralli. Cool, willkommen!

Patriotismus ist für mich kein Wert. Auch die oben genannten Stichworte sogenannter konservativer Werte sind sehr zweifelhaft, wenn man damit die eigene Abschottung gegenüber Anderen betreibt. Da kann man noch so oft den Unterschied von Patriotismus und Nationalstolz gegenüber Nationalismus erklären, die Begriffe verlieren in einer offenen Welt, welche nach Außen strebt und nach Innen unzählige fremde Elemente aufnimmt, jeglichen Sinn. Das heißt nicht, dass man keine Grenzen ziehen soll oder sich alles im Relativismus auflöst. Doch die vielen pluralistischen Elemente sollen aufgenommen und durchdacht werden. Stattdessen wendet man sich der eigenen kleinen Welt zu und sagt „Hier bin ich, hier stehe ich und das ist mein Tellerrand!“. Punkt.

Soundtrack zum patriotisch-konservativen Film:

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Oktober 25, 2010 - Posted by | Konservativismus, Offene Gesellschaft, Pluralismus, Toleranz | , ,

16 Kommentare »

  1. Also ich würde Dich schon glasklar als Liberalen betrachten 😉

    Freiheit ist für mich die Mutter aller Ordnung. Ordnung=Rechtssicherheit, Gewaltenteilung, Marktwirtschaft, Trennung von Staat und Wirtschaft wie Staat und Kirche.

    Ehre ist in der Tat ein altmodischer Begriff ebenso wie Sitte. Anerkennung bedeutender Leistungen und gute Manieren aber in der Tat nicht unwichtig.

    Mit „Reinheit“ kann ich auch nichts anfangen, ich bevorzuge „logische Konsistenz, sauberes Argumentieren, klares, rationales Denken“ udgl.

    Punkto Moral und Fortschritt bin ich definitiv kein Konservativer, sondern rationaler Egoist und progressiv.

    Nationen halte ich insofern für wichtig, als dass suprananationale Gebilde wie die EU zunehmend zentralistisch-planerisch und freiheitsfeindlich agieren. Stichwort: Föderalismus/Subsidiarität. Nation-intern bin ich dann auch Regionalist.

    Boden=territoriale Integrität des Staates. Aber unter gewissen Bedingungen bin ich auch für Vereinigungen oder Sezessionen. Benutze den Ausdruck Boden oder gar Reich aber sicher nicht.

    Natur=Auch der Mensch ist Teil davon, hat eine solche. Aber die sehen Konservative ganz anders als ich.

    Ein Wert ist für mich alles, was einem viel bedeutet. Insofern ist Heimat für mich ein Wert.

    Echte Konservative sind wir beide nicht. Aber ich wehre mich dagegen, manche Begriffe in der Aufzählung allein der Definitionsmacht der Konservativen zu überlassen.

    Dazu auch interessant, Ayn Rand vs. conservatives:

    Kommentar von CK | Oktober 25, 2010

  2. Ach ja noch was:

    Andere Vorstellungen zu Begriffen. Klingt fast schon nach einen po-mo-Ralli.

    Nicht ganz, da ich ja davon ausgehe dass Vorstellungen mehr oder weniger realitätsnah oder auch -fern sein können. 😉

    Wer für „sein Land sterben“ würde, schaltet sich selbst aus.

    Für die Freiheit und Rechtsstaatlichkeit seines Landes, die wiederum überhaupt erst die eigene, individuelle Freiheit garantiert. Natürlich könnte man auch versuchen in ein anderes Land zu flüchten, aber you know what I mean 🙂

    Dem hier stimme ich aber uneingeschränkt zu:
    Doch die vielen pluralistischen Elemente sollen aufgenommen und durchdacht werden.

    Kommentar von CK | Oktober 25, 2010

  3. schön, diese youtube-Einspielungen, aber ich verstehe leider nur die Hälfte… gibt’s das auch im Internet zu lesen…?

    Zu den konservativen Begriffen: ich kann auch mit so ziemlich jedem dieser Begriffe etwas anfangen und etwas Positives verbinden. Aber ich bin mir relativ sicher, dass ich jeweils etwas anderes im Sinn habe als ein stark konservativ denkender Mensch.

    Kommentar von Christian Rode | Oktober 25, 2010

  4. Aber ich bin mir relativ sicher, dass ich jeweils etwas anderes im Sinn habe als ein stark konservativ denkender Mensch.

    Dito.

    http://www.intellectualconservative.com/article3290.html
    ->Cf. Conservatism: An Obituary
    (Wo es den ganzen Artikel gibt, weiß ich jetzt aber nicht.)

    Audio gibt es hier:
    http://arc-tv.com/conservatism-an-obituary/

    Kommentar von CK | Oktober 25, 2010

  5. „since men are weak, fallible, non-omniscient and innately depraved, no man may be entrusted with the responsibility of being a dictator and of ruling everybody else; therefore, a free society is the proper way of life for imperfect creatures. Please grasp fully the implications of this argument: since men are depraved, they are not good enough for a dictatorship; freedom is all that they deserve; if they were perfect, they would be worthy of a totalitarian state.“

    Ein interessantes Argument! Wenn Menschen nicht fehlbar wären, es keine „fehlerhaften“ Meinungen gäbe, wenn alle also einer Meinung wären, dann gäbe es einen totalitären Staat. Der allerdings würde sich nicht wie ein solcher anfühlen, weil ja alle der Meinung wären, dass sie genau diese Form der Herrschaft wünschen. Das klingt schon ziemlich seltsam, zeigt aber eben doch, dass nach menschlichem Ermessen, totalitäre Herrschaft immer schlecht ist, weil es die „perfekten“ Menschen wohl nie geben wird.

    Kommentar von Christian Rode | Oktober 25, 2010

  6. @ CK
    Soll das heißen, Du bist deshalb Patriot, weil Du dankbar bist gegenüber dem Land, dass Dir Deine Freiheit garantiert?

    Kommentar von Adrian | Oktober 25, 2010

  7. @Adrian: Ich bin Verfassungspatriot (eine Einstellung, die Manfred eher negativ sieht, weil zu abstrakt), sogar die Monarchie sehe ich mittlerweile eher positiv(weil parteienlos/oberhalb-des-Parteienstaats im Gegensatz zu einem Bundes-Wulff/CDU), kenne aber auch sowas wie Heimatgefühl, Zugehörigkeit zu einem Volk mit gemeinsamer Geschichte sowie nationales Sportbewusstsein und Kameradschaft unter Fans (pro Fussball-NM, pro Schleck-Brüder, das ist JayJay komplett fremd). Du etwa nicht?


    Yeah!

    @Christian Rode: Das ist die Argumentation der Konservativen, die Ayn Rand FURCHTBAR fand und ablehnte. (Ich übrigens auch.) Der Mensch ist zwar nicht perfekt, aber zu gut (NICHT zu schlecht) für die Unfreiheit.

    Kommentar von CK | Oktober 25, 2010

  8. @CK: Der Argumentation würde ich jedoch zustimmen, der Sinn der Freiheit ergibt sich aus der Unvollkommenheit des Menschen.

    Kommentar von Robert Michel | Oktober 25, 2010

  9. @ CK
    Verfassungspatriot bin ich schon deshalb nicht, weil ich das GG doof finde.

    „kenne aber auch sowas wie Heimatgefühl“

    gelegentlich

    „Zugehörigkeit zu einem Volk mit gemeinsamer Geschichte“

    nein

    „sowie nationales Sportbewusstsein“

    nur wenn Kanada im Eishockey spielt

    „und Kameradschaft unter Fans“

    Gott bewahre 😉

    Kommentar von Adrian | Oktober 25, 2010

  10. @Michel: Sorry, sehe ich komplett anders. Nur in Freiheit kann der Mensch als Mensch leben. Gerade ein vollkommener Mensch (was wäre für Dich überhaupt ein vollkommener Mensch?) sollte also staatlich bevormundet werden???

    @Adrian: Keine Verfassung ist perfekt (nicht mal die amerikanische), aber doof finde ich das GG nicht. Vlt. einzelne Paragraphen wie „Eigentum verpflichtet“, aber unterm Strich haben die Väter des GG keine schlechte Arbeit geleistet.

    Du siehst Dich nicht als Deutscher? Identifizierst Dich du denn nicht mit der BRD und feierst den Mauerfall?

    Kommentar von CK | Oktober 25, 2010

  11. „Du siehst Dich nicht als Deutscher?“

    Ich bin halt einer. Aber was bedeutet das schon? Ist doch egal.

    „Identifizierst Dich du denn nicht mit der BRD“

    Nein.

    „und feierst den Mauerfall?“

    Doch, aber nicht aus Gründen der Wiedervereinigung Deutschlands. Von mir aus hätte eine nichtsozialistische DDR auch weiter existieren können.

    Kommentar von Adrian | Oktober 25, 2010

  12. @Adrian: Ok. Wir haben dann halt unterschiedliche Ansichten genauso wie JayJay und Nestor etwas andere Ansichten dbzgl. als ich haben.

    Für mich ist das alles primär eine Frage der persönlichen Identifikation/Zugehörigkeit, es ging und geht mir natürlich nicht darum gegen andere Länder/Nationen/Identitäten/Kulturen zu hetzen. (Wenn man eine Frau liebt, hasst man ja dafür nicht die Anderen. Man kann sogar mehrere Frauen lieben, genauso und noch viel einfacher mehrere Länder.) Und die für mich universellen, individuellen Freiheitsrechte sind ohnehin wichtiger als alles Andere.

    Trotzdem war es mir wichtig, das mal im Blog niederzuschreiben, auch auf die Gefahr hin missverstanden zu werden und meine Mitblogger zur Distanzierung von meinen Aussagen zu „nötigen“.

    Kommentar von CK | Oktober 25, 2010

  13. @Adrian: Hilf mir auf die Sprünge: was war nochmal am Grundgesetz doof? Die Menschenrechte? Die Föderalisierung? Die Demokratie? Dass es eine Regierung gibt? Oder alles zusammen?

    Kommentar von Christian Rode | Oktober 26, 2010

  14. @ Christian Rode

    Das GG ist eien Ansammlung völlig absurder, nichtssagender, sich gegenseitig ausschließender, schwammiger Paragrafen. Das geht schon mit Artikel 1 los:

    „(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“

    Doch was ist eigentlich „Würde“. Und wenn Würde A gegen Würde B steht, welche Würde ist dann höher zu schätzen? Und darf man, um die Würde zu schützen, andere Grundrechte einschränken? Was ist z.B. mit der Würde religiöser Menschen, deren Glauben durch Satire verunglimpft wird?

    Artikel 2: „(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.“

    Was ist denn bitte schön das Sittengesetz? Und seit wann kann eine Verfassung durch nachrangige Gesetze eingeschränkt werden?

    „(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.“

    Wieso kann einem mittels eines Gesetzes das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit genommen werden? Das empfinde ich als Verstoß gegen die Menschenwürde. Und ist die nicht laut Art 1 besonders geschützt?

    Art 3: (1) „Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.“

    Eine dreiste Lüge. Staatsbeamte und Regierung dürfen weitaus mehr, als der „gewöhnliche Bürger“. Männer müssen zum Zwangsdienst, Frauen nicht. Mütter udn Familien werden laut GG besonders geschützt. (siehe unten)

    „(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

    Der Staat fördert also de facto Ungleichbehandlung.

    „(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.“

    Großer Unsinn: Muss ich mit einer Frau eine Beziehung eingehen? Muss man Menschen einstellen, die kein Deutsch können? Muss eine christliche Kirche dulden, dass Moslems in ihrer Kirche zu Allah beten?

    Artikel 4: „(3) Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.“

    Zum Kriegsdienst nicht, aber zu anderen Fronarbeiten schon.

    Artikel 5: „(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt.“

    Eien dreiste Lüge: „Jeder“ darf das nicht. So darf man in Deutschland seine Meinung nur dann verbreiten, wenn sie nicht gegen den Volksverhetzungsparagrafen verstößt, bzw. die „Würde“ eines anderen verletzt (siehe Art 1).

    „(2) Diese Rechte finden ihre Schranken in den Vorschriften der allgemeinen Gesetze, den gesetzlichen Bestimmungen zum Schutze der Jugend und in dem Recht der persönlichen Ehre.“

    „Schutz der Jugend?“ „Persönliche Ehre?“ – Noch mehr Ausnahmen also.

    „(3) Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung.“

    Ist ja wie zu DDR-Zeiten: Jeder darf alles, solange er mit dem Staat einverstanden ist.

    Artikel 6: „(1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.“

    Wieso sind Familien wichtiger als Singles? Ich dachte alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich? Und was geht es den Staat überhaupt an, wer mit wem wie zusammenlebt?

    „(4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.“

    Warum nicht auch Väter? Und wieso überhaupt? Und was bedeutet das eigentlich?

    Artikel 7: „(1) Das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates.“

    Bildungsplanwirtschaft

    „(3) Der Religionsunterricht ist in den öffentlichen Schulen mit Ausnahme der bekenntnisfreien Schulen ordentliches Lehrfach.“

    Wieso?

    Artikel 9: „(2) Vereinigungen, deren Zwecke oder deren Tätigkeit den Strafgesetzen zuwiderlaufen oder die sich gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder gegen den Gedanken der Völkerverständigung richten, sind verboten.“

    Und ich dachte wir hätten Meinungsfreiheit. Ach nee, stimmt ja nicht (siehe oben).

    Artikel 10: „(1) Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich.“

    Außer, die Regierung will es anders…

    „(2) Beschränkungen dürfen nur auf Grund eines Gesetzes angeordnet werden.“

    Sag ich ja.

    Artikel 11: „(1) Alle Deutschen genießen Freizügigkeit im ganzen Bundesgebiet.“

    Außer man wandert nackt durch die Straßen. Oder die Regierung will das anders…

    „(2) Dieses Recht darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes und nur für die Fälle eingeschränkt werden, in denen eine ausreichende Lebensgrundlage nicht vorhanden ist und der Allgemeinheit daraus besondere Lasten entstehen würden oder in denen es zur Abwehr einer drohenden Gefahr für den Bestand oder die freiheitliche demokratische Grundordnung des Bundes oder eines Landes, zur Bekämpfung von Seuchengefahr, Naturkatastrophen oder besonders schweren Unglücksfällen, zum Schutze der Jugend vor Verwahrlosung oder um strafbaren Handlungen vorzubeugen, erforderlich ist.“

    Sag ich ja.

    Artikel 12: „(1) Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen.“

    Außer die Regierugn hat andere Pläne…

    „Die Berufsausübung kann durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes geregelt werden.“

    Sag ich ja.

    Artikel 12a: „(1) Männer können vom vollendeten achtzehnten Lebensjahr an zum Dienst in den Streitkräften, im Bundesgrenzschutz oder in einem Zivilschutzverband verpflichtet werden.“

    Wieso nur Männer? Ich dachte Männer und Frauen sind gleichberechtigt? Ich dachte alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich?

    Artikel 14: „(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“

    Im Klartext: Wenn die Regierung Lust hat, führt sie die staatliche Wirtschaft ein. Denn die Regierung weiß letztendlich doch am Besten, wie man mit seinem Eigentum umzugehen hat.

    „(3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig.“

    Und wieso ist die Allgemeinheit wichtiger als der Einzelne? Und wer bestimmt wer die Allgemeinheit ist?

    Artikel 15: „Grund und Boden, Naturschätze und Produktionsmittel können zum Zwecke der Vergesellschaftung durch ein Gesetz, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt, in Gemeineigentum oder in andere Formen der Gemeinwirtschaft überführt werden.“

    Planwirtschaft…

    Und wieso, Christian, magst Du das GG?

    Kommentar von Adrian | Oktober 26, 2010

  15. @Adrian: Heute abend werde ich Dir darauf in einem eigenen Thread antworten. Und ich bitte Christian Rode darum, diesen Thread abzuwarten um Offtopic-Debatten hier zu vermeiden.

    Danke!

    Kommentar von CK | Oktober 26, 2010

  16. Lieber CK, ich bin sehr gespannt 🙂

    Kommentar von Adrian | Oktober 26, 2010


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