L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Clusterausbruch

„Tut mir leid, Junge, sie haben uns erwischt!“ Dieser legendäre Satz des kürzlich leider verstorbenen Sir Sean Connerys in „Indiana Jones-Der letzte Kreuzzug“ kam mir spontan letzte Woche in den Sinn, als ich meiner Familie auf WhatsApp schrieb. Wir hatten uns diesen Klassiker eines Familienfilms in meiner Kindheit oft zusammen angeschaut und uns bei dieser Szene immer totgelacht. So schrieb ich in einem Anflug schwarzen Humors genau diesen Satz. „Tut mir leid, Junge, sie haben uns erwischt!“ Erwischt hatten mich aber keine Maschinengewehrsalven, sondern die Coronaviren aus Wuhan.

Anfang letzter Woche hatte ich 1-2 Tage leichtes Fieber und Glieder- wie Muskelschmerzen. Ich begab mich am Dienstag abend sofort in Autoquarantäne in meine Wohnung. Tags darauf erfuhr ich dass mein Kumpel P. positiv getestet worden war. Er hatte die gleichen Symptome wie ich, sein Fieber war jedoch schlimmer und er hatte sich sofort vom Hausarzt einen Coronatest verschreiben lassen. Ab dem Moment war mir klar, dass meine erste Vermutung richtig gewesen war. Ich werde selten bis nie krank. Fieber verschwindet bei mir meistens innerhalb einer Nacht. Als dies nicht der Fall war, war ich mir bereits sicher Corona erwischt zu haben. P’s Test war nun die offizielle Bestätigung für mich und ich informierte meine Familie.

Am letzten Wochenende im Oktober hatten wir uns- wie derzeit erlaubt- zu viert getroffen. P., D., T. und ich. Freitags in meiner Stammkneipe auf dem Belval. Auch D. hatte Symptome und wurde letzten Samstag offiziell als positiver Fall in die Luxemburger Statistik aufgenommen. T. ist bis heute nicht in einen Test gegangen, hatte sich aber ebenfalls in Autoquarantäne begeben. Ich begab mich gestern an einem Montagmorgen in einen Nasentest, in der Hoffnung vielleicht wieder negativ zu sein. Nichts da. Immer noch positiv nach fünf Tagen Isolation zuhause. Symptome habe ich aber glücklicherweise keine (mehr) bis auf ein ganz klein wenig Schleim im Hals. Zudem habe ich meinen Geruchssinn komplett verloren, aber der kommt schon hoffentlich irgendwann wieder. Am kommenden Wochenende darf ich wohl wieder aus der Isolation heraus, im Homeoffice werde ich zur Sicherheit aber noch länger bleiben.

Glücklicherweise hatte ich seit meiner mutmaßlichen Ansteckung am Freitag abend nicht allzuviele Leute getroffen. Die paar, die ich getroffen hatte, wurden alle bereits vor Tagen informiert und sind bisher gottseidank alle symptomfrei und/oder sogar negativ getestet. Die angesprochene Stammkneipe hat seit letzten Mittwoch übrigens geschlossen und öffnet erst wieder am Montag, den 16.11. Wirt und Besitzer V. sowie Bedienung F. sind nämlich ebenfalls krank geworden und wurden positiv auf Sars-Cov2 getestet.

Die Sache ist also klar. Auch wenn die genaue chronologische Reihenfolge der Infektionskette leider nicht nachvollzogen werden kann: es gab einen klassischen Clusterausbruch in meiner Stammkneipe!

Was lernen wir daraus?

In Kneipen (gerade in so kleinen Kneipen mit schlechter Belüftung) fühlt das Virus sich sehr wohl. Selbst wenn alle die vorgeschriebenen Regeln einhalten, kann die Bildung von Aerosolen nicht vermieden werden. Solche Aerosole müssen wir in der Kneipe leider eingeatmet und uns so mit dem Virus angesteckt haben. Durch Tröpfcheninfektion allein hätten sich nicht gleichzeitig soviele Menschen angesteckt. Mitglieder von Risikogruppen sollten Kneipen also unbedingt meiden! Alle Anderen müssen selbst entscheiden wieviel Risiko sie selber eingehen oder eben lieber nicht eingehen wollen. Die Gefahr zu leugnen, ist jedoch Schwachsinn. Jeder, der behauptet, „Ich kenne niemanden, der sich in einer Kneipe angesteckt hat“, kann in Zukunft einfach auf meinen Artikel verwiesen werden. Mindestens fünf Leute haben sich sehr wohl mehr oder weniger gleichzeitig in derselben Kneipe in Luxemburg angesteckt! Ein Kneipenbesuch ist zurzeit ähnlich gefährlich wie Henry Jones sr. an ein Maschinengewehr zu lassen.

Nach wie vor verteidige ich- trotz meiner eigenen Ansteckung- allerdings Luxemburgs Sonderweg, im Gegensatz zu allen drei Nachbarländern, die Gastronomie, selbst die Kneipen, vorerst offen zu lassen. Etwaige Leser aus diesen Ländern mögen sich hingegen ob der Schließung in ihrem Land bestätigt fühlen. Da die Zahl der Neuinfektionen wie die der Krankenhausaufenthalte in Luxemburg zwar auf einem konstant hohen Niveau sich seit Wochen befinden, allerdings auch nicht mehr exponentiell steigen, sondern sogar leicht angefangen haben zu sinken, sehe ich aber weiterhin nicht die Notwendigkeit weiterer Coronamaßnahmen. Mit Ausnahme derer natürlich, die ich bereits mehrfach vorschlug und bis heute leider nicht umgesetzt worden sind (Schule, anyone?!) Drastische Teil-Lockdowns lehne ich jedoch weiterhin aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten ab. Jedenfalls solange die Situation in den Spitälern nicht aus dem Ruder zu laufen droht. Luxemburg geht zweifellos einen gewagten Weg, aber ich stehe hinter demselben!

Richtig ist aber auch: jeder sollte genau überlegen was wirklich sein muss in diesen Pandemiezeiten und seine persönlichen Kontakte bestmöglichst beschränken. Aus Eigenschutz („Nicht jeder hat einen so milden Krankheitsverlauf wie ich!“) aber auch aus Fremdschutz. Jeder von uns kennt Leute, die er auf keinen Fall anstecken möchte.

In dem Sinne: bleibt alle gesund! Oder werdet zumindest nur leicht krank wie ich 😉

Coronaviren

November 10, 2020 - Posted by | Luxemburg | ,

4 Kommentare »

  1. Und wer ist nun der Autor von dieser wunderschönen Geschichte?
    Ich bin kein Corona-Leugner. Aber solch nach schönem Märchen klingende Geschichten helfen uns nicht weiter, wenn sie nich überprüfbar sind!

    Kommentar von Richard Heinz Setzer | November 10, 2020

  2. Herr Setzer, ich weiss nicht wer Sie sind, aber ich stehe zu dieser Geschichte mit meinem Klarnamen „Christian Klein“. Die Namen der Kumpels und der Stammkneipe wurden aus Datenschutzgründen anonymisiert (die genauen Daten sind aber den Luxemburger Tracern durchaus bekannt). Manche Leser wissen aber eh ganz genau welche Adresse gemeint ist und wer alles normalerweise mit mir zusammen sein darf seit Monaten. Das ist nämlich ein recht kleiner Kreis.

    Geht auch nicht drum der Kneipe und seinem Besitzer irgendeinen Vorwurf zu machen, sondern nur den Leuten zu sagen: „Überlegt was ihr tut“. Pub culture ist auch Teil der Luxemburger Kultur und ich möchte es nicht missen aber es ist ebenso eine Tatsache, dass man zurzeit damit rechnen muss in (vor allem kleinen, engen) Innenräumen wie eben in Kneipen das Coronavirus zu erwischen. Es ist derzeit überall im Land und wer das Gegenteil behauptet, hat nichts verstanden!

    Kommentar von CK | November 10, 2020

  3. Mensch Christian, ich hoffe mal, dass du so langsam raus bist aus der Sache. Manchmal verschlechtert sich der Zustand ja nach einer Woche oder so – aber du als Jungspund hast gute Chancen. Ich weiß, warum ich als Angehöriger einer Risikogruppe keine Kneipen und auch keine Restaurants mehr aufsuche. Aber das Hauptproblem liegt ja nicht darin, dass man sich selbst ansteckt. Sondern dass man, bevor man selbst überhaupt mitbekommt, dass man infiziert ist, das Virus weitertragen kann, denn gerade die Tage um die ersten Symptome herum (also schon vorher!) sollen die infektiösesten sein. Das ist das Raisonnement hinter den Lockdown-Verboten. Aber auf jeden Fall: Gute Besserung!

    Kommentar von Werwohlf | November 12, 2020

  4. @Werwohlf: Danke der Nachfrage! Ja, mir geht es soweit gut und ich darf übermorgen wieder aus der Isolation heraus.

    Kneipen würde ich jedem abraten, der irgendwie gefährdet ist. Restaurants eigentlich auch ausser es wäre ein ganz großes mit viel Abstand zwischen den Gästen und toller Belüftung. Ansonsten kann man sich ja zuhause beliefern lassen, wenn man nicht gerne selber kocht 😉

    Die Logik hinter den Lockdowns ist mir schon klar. Nur denke ich, dass der Staat halt zurecht erstmal versucht es ohne zweiten Lockdown zu schaffen die zweite Welle zu überstehen. Momentan klappt es auch. Eine Überlastung droht derzeit nicht, wohl aber kann man sich fragen wieviele Tote vertretbar sind. 35 in nur einer Woche fand ich jetzt schon etwas arg heftig. Diese Zahl sollte schon lieber wieder sinken. Sonst wird der Lockdown vielleicht doch kommen, nicht wegen Überlastung des Systems, sondern wegen zu hoher Todeszahl!

    Im Grunde muss jeder nur ein bisschen mitdenken. Wenn man am Wochenende seine Familie besucht, geht man halt nicht heute ins Restaurant oder in die Kneipe (egal ob offen ist oder nicht), und je nach Situation geht man vielleicht auch besser nie dahin, aber wenn man selber alleine lebt und weiss, dass man von anderen Menschen sich noch tagelang danach sowieso fernhält, kann man zur Schlussfolgerung kommen, doch mit Kumpels in der „eigenen Blase“ dahin zu gehen. Nur riskiert man eben dass man sich dann ansteckt so wie es D., P. und mir nun passiert ist. Aber wir können nicht sagen, wir hätten es nicht gewusst.

    Zurzeit ist der Kneipenbesuch(oder der Fitnessclubbesuch oder Kinobesuch usw. usf.) hierzulande halt immer noch eine eigenverantwortliche Entscheidung. Wir werden sehen wie das sich entwickelt. Man kann unserer Regierung auf jeden Fall nicht vorwerfen keinen „Mut zum Risiko“ zu haben. Es wäre allemal leichter gewesen einfach den drei Nachbarländern zu folgen statt auf „kleines gallisches Dorf“ mit „schwedischem Modell“ zu machen.

    Ich werde weiterhin hier berichten wie die Lage sich insgesamt entwickelt und selbstverständlich behält unsere Regierung Bettel sich das Recht vor jederzeit sofort neue Maßnahmen zu beschliessen, wenn Experten diese anraten.

    Unsere Gesundheitsministerin hat auf jeden Fall rekordverdächtige Beliebheitspunkte:
    https://www.rtl.lu/news/national/a/1612379.html

    Ich gönne es ihr 🙂
    [Der peinliche Aussenminister Quasselborn- bei Maischberger fiel er ja vor zwei Monaten wieder negativ auf mit „Die Österreicher jodeln“- ist mir hingegen immer noch zu beliebt 😉 ]

    Kommentar von CK | November 12, 2020


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