L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Mobilmachung

Zu Beginn der Pandemie erklärte Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron: „Nous sommes en guerre!“ (zu deutsch: wir sind im Krieg!) Im Krieg mit einem neuen Coronavirus. In einem Krieg geht es darum den Feind zu besiegen. Dazu braucht es Waffen, Kugeln, Panzer, Flugzeuge, natürlich Soldaten… Gegen das Sars-Cov2-Virus haben wir Abstands- und Hygieneregeln, Masken, Kontaktbeschränkungen, Quarantäneregeln und Tests. Sowohl die aus dem LST bekannten PCR-Labortests als auch bisher viel zu wenig genutzte Antigen-Schnelltests, für deren Gebrauch ich mich bereits im Oktober, im November und nochmal im Januar stark gemacht habe.

Mir scheint jedoch, dass meine Botschaft noch immer nicht richtig angekommen ist. Und dies, obwohl wir durch das Auftauchen der neuen Mutationen aus Großbritannien, Brasilien und Südafrika (die britische Variante macht i.Ü. mittlerweile 39% der Infektionen in Luxemburg aus) das Virus eigentlich maximal eindämmen und die Inzidenzrate um 25 halten sollten (derzeit liegt sie in Luxemburg bei 150-160!, Stand 13.02.2021.)

Ich habe selber lange den- gerade im Vergleich zu Deutschland- permissiveren Kurs der Regierung Bettel begrüßt, doch nach dem Auftauchen der ansteckenderen neuen Mutationen musste ich einsehen, dass wir einen Kurswechsel brauchen. Die vorzeitigen Schulöffnungen im Januar haben schnell zu einem Wiederanstieg der Infektionszahlen und in der Folge zu einer erneuten Schließung der Schulen durch Bildungsminister Claude Meisch geführt. Sie sollten uns alle eine Warnung sein. „Mit diesem Virus leben“ ist schlichtweg nicht möglich. Zwar kann es nicht ausgerottet werden und wird somit mit der Zeit endemisch werden, aber bis zur Herdenimmunität durch ausreichend Impfungen muss es maximal eingedämmt werden. Auch weil eine erfolgreiche Impfkampagne eine niedrige Prävalenz des Virus voraussetzt, da sonst auch das Risiko durch den Evolutionsdruck entstehender Escape-Mutationen zu groß werden wird. Bedeutet das nun, dass ich für einen dritten Lockdown mich stark machen möchte? Nein! Ich will stattdessen die Idee in den Raum werfen, eine große Offensive mit flächendeckenden Ag-Schnelltests zu starten um die Infektionsketten des Feindes schnell zu enttarnen und zu ersticken.

Was sollte die Regierung Bettel tun? Ganz einfach: sie sollte millionenfach Schnelltests einkaufen und diese nutzen.

Erst einmal sollten alle Alters- und Pflegeheime, aber auch Krankenhäuser geschützt werden. An solchen Orten müsste es Eingangskontrollen geben mit gesetzlich vorgeschriebenen Schnelltests für Personal wie Besucher. Das Personal müsste regelmäßig alle zwei Tage getestet werden, die Besucher bei jedem Besuch. Obligatorische Schnelltests sollte es auch am Flughafen geben. Niemand sollte ein- oder ausreisen dürfen ohne vorher negativ getestet worden zu sein. Am größten Bahnhof des Landes in Luxemburg-Stadt könnte ebenfalls eine Teststation aufgebaut werden. Denkbar wären solche Schnelltest-Stationen auch überall, wo der Bürger in physischer Präsenz mit der öffentlichen Hand (Staat oder Kommunen) in Kontakt tritt, also bspw. im „Biergercenter“ zumindest größerer Gemeinden. Vor allem aber in Schulen könnten Ag-Schnelltests ein wichtiges Puzzleteil sein um nach einer Übergangsperiode im Homeschooling wieder Präsenzunterricht zu ermöglichen. Lehrer- die ja zumeist Beamte sind- könnten problemlos gesetzlich zu regelmäßigen Tests verpflichtet werden, bei den Schülern müsste man wohl auf Freiwilligkeit setzen, aber die meisten Schüler würden sich einem Test schon nicht verweigern.

Ein negativer Schnelltest hätte eine Gültigkeit von maximal zwei Tagen. Eine Bescheinigung mit einem QR-Code wird in der Teststation ausgegeben (sei es auf Papier ausgedruckt, sei es per E-mail (aufs Smartphone oder Tablet) verschickt). Dieser Code könnte über GouvCheck verifiziert werden. Eine solche Bescheinigung könnte einem ggf. schneller Eintritt an einer anderen Kontrolle verschaffen, die man in den nächsten 48 Stunden passieren möchte. Ein positiv Getesteter begibt sich zuhause in Isolation und fünf Tage später auf Rezept in einen PCR-Labortest. Ist dieser Test negativ, darf die Person wieder aus ihrer Isolation heraus. Sonst muss sie noch weitere fünf Tage in Isolation verbleiben.

Gerne könnten auch private Unternehmen an der Schnelltestoffensive mitwirken, sei es mit eigenen Teststationen, sei es mit „reinen“ Kontrollstationen, die Testbescheinigungen anderer Stationen kontrollieren. Je mehr Akteure mitwirken, desto besser.

Gerade für einen reichen Kleinstaat wie Luxemburg wäre es ein Leichtes, massiv (öffentliches wie privates) Geld in Ag-Schnelltests zu investieren. Im Sportbereich müssen sie ja bereits benutzt werden. Billiger als ein Lockdown wäre eine erfolgreiche Schnellteststrategie sowieso. Einige Leser werden sich nun aber fragen: woher nehmen wir das ganze Testpersonal her? Nun, die Benutzung dieser Tests ist nicht sonderlich schwierig, der Ottonormalbürger könnte es in einem Crashkurs schnell erlernen und für die Arbeit in Teststationen eingespannt werden. Der Staat könnte zudem die Armee, das CGDIS, derzeit Arbeitslose sowie ehrenamtliche oder auch bezahlte Freiwillige rekrutieren. Apotheken könnten sich ebenfalls beteiligen wie in Böblingen. In Schulen könnten die Lehrer und zumindest die älteren Schüler sie in Eigenregie durchführen.

In einer zweiten Phase könnten Schnelltests auch in Apotheken an private Bürger frei verkauft werden. Hier gibt es zwar keine Meldegarantie für positive Fälle, aber man muss dem mündigen Bürger auch mal vertrauen, aktiv an der Bekämpfung dieser Pandemie mitwirken zu wollen und im Fall eines positiven Schnelltests schon moralisch richtig zu handeln. Im Normalfall würde man sich einen solchen Test besorgen bevor man Freunde oder Familienmitglieder zuhause besucht. Ist man dann positiv, wird man den Besuch jawohl absagen. Die Behauptung, u.a. eines Herrn Spahn, ein (falsch) negativ Getesteter würde sich in „falsche Sicherheit“ wiegen und u.U. andere wichtige Hygieneregeln nicht mehr einhalten, halte ich überdies für eine dreiste Verallgemeinerung. Und selbst wenn einige Menschen das tun würden, würden die Vorteile einer Benutzung dieser Schnelltests immer noch diesen einen Nachteil überwiegen. Sehr viele Bürger werden sich erst recht beteiligen wollen, wenn Lockerungen (wie bspw. die Wiedereröffnung der Gastronomie) über ein Ampelsystem fix an eine niedrige Inzidenzzahl gekoppelt sein würden, die zu erreichen somit jedes Einzelnen Ziel wäre.

Wir alle sind Soldaten in diesem Krieg gegen Sars-Cov2 und es wird Zeit endlich zur Mobilmachung aufzurufen und eine echte Offensive gegen den Feind zu starten, der uns seit nun einem Jahr wichtiger Lebensqualität beraubt.

Zum Abschluss dazu noch dieses schöne Erklärungsvideo (auf englisch!) von Björn Högberg:

Also lasst uns zusammen diese Pandemie beenden. Ein für allemal.

End the pandemic

Ebenfalls lesenswert zum Thema ist der Werwohlf:
Aus der Katze ein Pferd machen

Februar 14, 2021 - Posted by | Luxemburg | , ,

1 Kommentar »

  1. […] Und wieder hätte ich, bevor ich sowas schreibe, bei „L for Liberty“ vorbeischauen müssen. Was da geschrieben wird, ist immer jeden Link wert, also auch den hier: „Mobilmachung„. […]

    Pingback von Wenn Nachrichten zur Propaganda werden | Der letzte Biss | Februar 16, 2021


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