L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Euthanasie : eine Frage des Eigentums !

von Claude Hemmer

Die Debatte über ein selbstbestimmtes Lebensende wird zunehmend emotional geführt. Aus einer nüchternen politischen Diskussion ohne Fraktionszwang sind parteipolitische Grabenkämpfe geworden. Bürgerinitiativen, verbunden mit Unterschriftensammlungen, wollen vermeintliche Mehrheiten anstreben oder beanspruchen, als wenn Mehrheit gleichbedeutend mit Recht sei.

Mir geht es in diesem Beitrag nicht darum, meine Sichtweise Anderen aufzudrängen oder Andersdenkende des Irrtums zu bezichtigen.

Aufgrund der Fragestellung: “Wem gehört der Mensch?“, gibt es m.E. grob gesehen drei Denkschemen, welche alle drei an sich kohärent sind und durchaus Anspruch auf Richtigkeit – aus der jeweiligen Perspektive – erheben können.

1)Der gläubige Mensch, sagen wir vereinfacht, der Katholik, geht davon aus, dass
Gott der Herr über Leben und Tod ist.

Gott hat den Menschen geschaffen, er ruft ihn auch ab. Der Mensch fügt sich dem Willen des Schöpfers, er darf die göttliche Vorsehung nicht durch eigenmächtige Entscheidungen durchkreuzen.

Diese vereinfacht dargestellte Einstellung ist ebenso klar wie kohärent, Selbsttötung, oder die Entscheidung der „eigenwilligen“ Bestimmung und Gestaltung des Lebensendes sind nicht Bestandteil dieses Konzeptes.
Der gläubige Mensch braucht diesbezüglich keine staatlichen Gesetze. Er erkennt göttliches Gebot an und handelt aus eigener Überzeugung danach.

Kritisch wird diese durchaus verständliche Einstellung erst, wenn der gläubige Mensch seine Sichtweise als allgemeinverbindlich erklären (lassen) will, wenn er also anderen Menschen, seien sie gläubig oder nicht, diese Position aufdrängen, oder sie sogar mittels politischer (Mehrheits-) Entscheidung per Gesetz allen aufzwingen will.

2)Der Kollektivist, der Mensch der sich vornehmlich als Teil eines Ganzen, der Gesellschaft, dem Volk, dem Staat, sieht, räumt diesem Kollektiv zumindest ein Mitspracherecht, wenn nicht sogar eine weitreichende Zuständigkeit bei den Entscheidungen des Einzelnen in Bezug auf seine Lebensgestaltung ein.

Aus dieser Einstellung stammt der Interventionismus, die Einmischung des Kollektivs in das Leben des Einzelnen. Aus der Selbstbestimmung des Kollektivs erwächst die Fremdbestimmung des Einzelnen. Der Einzelne hat Verantwortung, ja sogar eine ausgeprägte Bringschuld gegenüber dem Kollektiv, meistens dem Staat. Dieser entscheidet weitgehend über die Lebensweise des Einzelnen, dem es prinzipiell auch nicht gegeben ist, sich ohne weiteres aus diesem Kollektiv abzumelden. Der Staat entscheidet über den Bewegungsfreiraum, über den Freiheitsgrad des Individuums. Das Kollektiv bestimmt, ob und unter welchen Umständen der Einzelne das Kollektiv freiwillig verlassen darf. Freiheit wird gewährt, sie ist nicht angeboren.
In Bezug auf das Lebensende wähnt sich der Gesetzgeber dieses Kollektivs also durchaus berechtigt, Selbsttötung zu verbieten, sie als straffrei zu erklären oder partielle, bis hin zu kompletter Wahlfreiheit zu gewähren. Diese kollektivistische Sichtweise ist die einzige der dreien, welche eine allgemeingültige Regelung, eine Gesetzgebung braucht, ja voraussetzt. Ohne eine solche kann dieses Modell nicht funktionieren.

3) Der Liberale sieht sich als Eigentümer seiner selbst. Darauf beruht seine ganze Philosophie.

John Locke hat dieses auf dem Privateigentum basierende Konzept der Freiheit beschrieben. Der Mensch gehört ausschließlich sich selbst, niemand anderem, ansonsten er dessen Sklave wäre. Er gehört auch nicht dem Staat oder einem anderen Kollektiv, er ist weder Leibeigner noch Untertan. Er gehört sich selbst, ebenso wie alles was er sich erarbeitet, (rechtmäßig) erworben oder geschenkt bekommen hat. Über all dies darf er auch frei verfügen. Ihm gehört die Verfügungsgewalt, sie ist sein „natürliches“ Recht, das ihm von niemand zugestanden werden muss, das ihm auch niemand willkürlich entziehen darf.

Er ist, um auf die uns beschäftigende Thematik einzugehen, auch Herr über sein Leben und seinen Tod. Er verfügt eigenständig darüber, er braucht niemanden um Erlaubnis zu fragen. Er entscheidet auch unabhängig von den Umständen. Wenn er sich für den Tod entscheidet tut er dies ohne alt oder (unheilbar) krank sein zu müssen. Es ist eben seine persönliche, freie Entscheidung.

In dem Freiraum des Eigentümers seiner selbst und im Rahmen der grundsätzlichen Vertragsfreiheit darf er auch z.B. einen Vertrag mit einem Dritten abschließen und diesen damit beauftragen ihm beim Sterben behilflich zu sein oder ihn umzubringen wenn er dies nicht selbst kann. In diesem Sinne darf dem Beauftragten dann auch keinerlei Strafe drohen.

Auch die liberale Sichtweise bedarf eigentlich keiner Gesetzgebung, wenn die natürlichen Rechte des Einzelnen in unserer kollektivistischen Gesellschaft noch garantiert wären. Sind sie jedoch nicht mehr, seit ein arroganter Gesetzgeber sie eingeschränkt oder ganz abgeschafft hat. Interventionistische Zentralstaaten glauben ihre Bürger bevormunden zu müssen und ihre Lebens- wie auch Sterbensweisen gesetzlich regeln zu müssen.

Warum misst sich der Gesetzgeber das Recht an, dem Einzelnen unter besonderen Bedingungen oder in spezifischen Fällen, aufgrund des Gutachtens eines anderen kollektivistischen Gremiums, einen kleinen Teil eines Rechtes zuzugestehen, das dem Einzelnen – aus liberaler Sicht – ohnehin, und ohne wenn und aber gehört ?

Der Liberale braucht keine neuen Gesetze, im Gegenteil. Er braucht ein Gesetz, welches bestehende, die natürlichen Rechte des Einzelnen einengende oder verwehrende Gesetze abschafft. So gesehen, fährt der gesetzgeberische Zug, unabhängig vom Ausgang des derzeitigen Kräftemessens, in die falsche Richtung.

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