L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Das Märchen von der Sozialdemokratie

von Claude Hemmer

Am 14 November jährte sich Astrid Lindgrens Geburtstag zum hundertsten Mal. Auch im Journal wurde der grossen Kinderbuchautorin gedacht. Dabei las ich sinngemäss folgendes Understatement: „Sie engagierte sich auch gesellschaftspolitisch.”

Auch wenn ein treuer Leser meine Rubrik über Jonathan Gullible’s Abenteuer mit einer Märchenstunde verglich, will ich doch nicht zum Märchenonkel mutieren. Dennoch will ich mich mit einem Märchen aus der Feder von Pippi Langstrumpfs geistiger Mutter beschäftigen und dabei an eine Geschichte erinnern, welche die damals erfolgsverwöhnte schwedische Sozialdemokratie in Aufruhr versetzte und massgeblich dazu beitrug, Olaf Palme vom sozialistischen Thron hinabsteigen zu lassen.

Astrid Lindgren war eine überzeugte Sozialdemokratin, engagiertes Parteimitglied. Im autobiographischen Märchen liest sich dies dann so:

“ Jetzt will ich euch ein Märchen erzählen. Es handelt von einer Frau, nennen wir sie Pomperipossa, denn so pflegt man in Märchen ja zu heißen. Sie wohnt in einem Land, das wir Monismanien nennen wollen, denn einen Namen muss es schließlich haben. Pomperipossa liebte ihr Land, seine Wälder, seine Berge und Seen und seine grünen Wiesen, aber nicht allein dies alles, sondern auch die Menschen. Und sogar die weisen Männer, die dem Land vorstanden, liebte sie. Oh, sie fand sie so weise und deshalb stimmte sie auch getreulich für sie, wann immer weise Männer gewählt werden sollten, in Monismanien zu regieren. Die weisen Männer, die dort schon seit über vierzig Jahren schalteten und walteten, hatten einen so guten Staat geschaffen, fand sie, denn niemand brauchte arm zu sein, alle sollten ihr Stück von dem Wohlstandskuchen abbekommen, und Pomperipossa war glücklich darüber, dass auch sie zum Backen dieses Kuchens ihr Teil hatte beitragen können.”

Im richtigen Leben lebte sie bescheiden, obschon sie sehr viel Geld verdiente, denn Astrid Lindgrens Bücher, Filme und Fernsehserien waren in den siebziger Jahren eine wichtige schwedische Exportware, die ihrer Urheberin einen guten Verdienst einbrachte. Aber Astrid interessiert sich weder für Geld noch für Investitionen. Im Lauf der Jahre hat sie große Summen an wohltätige Organisationen verschenkt, auch an einzelne Personen.

Neujahr 1972 schreibt sie in ihr Tagebuch:

„Was habe ich nur für eine gotteserbärmliche Menge Geld verdient, schlimmer denn je … Das macht mir Angst. Ich will kein Geld haben. Ein Glück, dass Finanzminister Sträng es haben will.“

Astrid Lindgren hat sich nie über die Steuern beklagt wie so viele andere Großverdiener. Im Gegenteil. „Ich bezahle meine Steuern voller Freude“, hat sie mehrfach erklärt.

Im Märchen heisst es:

“Nun gab es in Monismanien etwas, das Marginalsteuer hieß, und das besagte, dass je mehr Geld man verdiente, desto mehr davon hatte man dem Reichsschatzmeister abzuliefern, damit der Wohlstandskuchen gebacken werden konnte. Mehr als 80 bis 83 % wollte er aber von keinem haben, nein, er war ja nicht unvernünftig. „Liebe Pomperipossa“, sagte er, „so an die 17 bis 20 % darfst du für dich behalten und kannst damit tun, was du willst.“ Und Pomperipossa war von Herzen zufrieden damit und lebte froh und puppenlustig. Dennoch gab es im Lande viele unzufriedene Menschen, die an ihre Schilde schlugen und über „die drückende Steuerlast“, wie sie es nannten, murrten. Das tat Pomperipossa niemals, kein Mensch in Monismanien hatte von ihr je auch nur das leiseste Murren über ihren Beitrag zum Wohlstandskuchen vernommen. Im Gegenteil, sie fand das alles rundherum gut und gerecht und dachte bei sich, ganz gewiss gebe ich diesen weisen Männern meine Stimme, damit sie auch fortan die Geschicke unseres geliebten Monismanien lenken.”

Astrid Lindgren rebellierte erst, als sie ihre Steuerbelastung bei 97,5% wähnte. In Wirklichkeit lag ihre Belastung schon bei 102%. Sie rebellierte auf ihre Weise, sie schrieb das Anti-Steuer-Märchen „Pomperipossa in Monismanien“ aus dem die obigen Zitate stammen. Ihre, fast zur Selbstaufgabe gehende Nachsicht fand so ihr Ende und sie erfasste schlagartig den Charakter der sozialen und demokratischen Steuereintreiber. Es ist ihr grosses Verdienst um die Sache der Freiheit, den auf ihr Märchen massiv einsetzende Angriffen der schwedischen Sozialdemokraten widerstanden zu haben, die sie sogar bezichtigten, auf “ihrem Gold zu sitzen.“

Davon konnte nun beim übelsten Willen keine Rede sein. Und so stärkte Astrid Lindgren in der Sache und im Ergebnis die liberale Partei, was dazu führte, dass 1976 das Ende der jahrzehntelangen sozialdemokratischen Vorherrschaft erreicht war. Das ersparte den Schweden eine harte Bauchlandung und ermöglichte zumindest (zeitweise) langsame Verbesserungen.

Derzeit verfallen die Schweden wieder den Versuchungen des Wohlfahrtsstaates. Selbst die liberale Partei geht mit staatlichem Interventionismus auf Stimmenfang. Für all jene die jetzt neugierig auf das Märchen sind: die ganze Geschichte kann hier gelesen werden.
Für die Anderen sei der Schluss zitiert:

“Da beschloss Pomperipossa, auf die Straßen und Plätze hinaus zu gehen und Geld zusammen zu betteln um sich eine, wenn auch noch so kleine, Brechstange zu kaufen. Zittert, ihr weisen Männer, dachte sie, und verstärkt die nächtliche Bewachung eurer Geldkästen! 5 000 will ich jedenfalls haben – könnt ihr völlig hemmungslos stehlen, dann kann ich es auch!”

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