L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Ayn Rand : die Verfechterin des rationalen Individualismus

von Claude Hemmer

Sommerzeit ist Ferienzeit, ist Lesezeit. Ganz im Sinne dieser Gleichung habe ich mich während den Ferien mit einer nicht unumstrittenen Autorin beschäftigt, die sich sehr wohl in die Reihe jener libertären Autoren einfügt, welche meine engere Umgebung als Produzenten subversiver Literatur bezeichnen.

Ayn Rand ist die Begründerin einer philosophischen Schule, welche als Objektivismus besonders in Amerika bekannt wurde.

Aus dieser kurzen Einleitung ergeben sich zwei Fragen:

1) Wer war Ayn Rand? *

Ayn Rand (geborene Alissa Zinovievna Rosenbaum) wurde 1905 in St. Petersburg geboren. Sie besuchte in der tumultartigen, der Revolution folgenden Zeit zwischen 1921 und 1924, die Universität von Petrograd (Leningrad), wo sie im Hauptfach Geschichte und im Nebenfach Philosophie studierte.

Anfang 1926 flüchtete sie aus der Sowjetunion und kam dank der Hilfe von Verwandten aus Chicago in die USA. Nach der Änderung ihres Namens in Ayn Rand verließ sie Chicago in Richtung Hollywood und fand schließlich Arbeit als Lektorin.

Während der Weltwirtschaftskrise begann Rand sich auf ihre Schriftstellerei zu konzentrieren und schuf mehrere Kurzgeschichten und Theaterstücke.

Der erste größere kommerzielle Erfolg „The Fountainhead“ (neue deutsche Übersetzung: Der Ursprung) wurde 1943 herausgegeben, nachdem das Werk von einem Dutzend Verlegern als zu intellektuell zurückgewiesen worden war.

Ayn Rands Magnum Opus „Atlas Shrugged” (neue deutsche Fassung: Wer ist John Galt?) erschien 1957 und ist wohl eines der wichtigsten literarischen Werke des 20. Jahrhunderts. Dieser 1200 Seiten fassende Roman setzt die Prämissen ihrer Philosophie, die sie Objektivismus nannte, wirkungsvoll in Szene. Atlas Shrugged sicherte seinem Autor einen Platz in der Geschichte und wurde in einer Auflage von über 5 Millionen Exemplaren verkauft. Noch heute verkauft es sich gut mit über 100 000 Exemplaren pro Jahr.

Am eindrucksvollsten dokumentiert eine Umfrage der Library of Congress den Einfluss der streitbaren Egoismusverfechterin aufs Bewusstsein des modernen Amerika. Die renommierte Bibliothek fragte Tausende von Lesern, ob es ein Buch gäbe, das ihr Leben radikal verändert hatte. Auf Platz zwei als einflussreichstes Werk, direkt hinter der Bibel, kam Ayn Rands Epos.

Elektrisiert von Rands radikalen Ideen, war in den fünfziger Jahren auch der junge Alan Greenspan. Sie habe ihm „ die Augen dafür geöffnet, dass der Kapitalismus nicht nur effizient und praktisch, sondern auch das einzige, mit der politischen Freiheit des Individuums vereinbare System ist“ , so der langjährige Rand-Freund, der später mächtiger Chef der US-Zentralbank wurde. Nur schade, dass er in seiner Zeit bei der FED, seine zusammen mit Rand gewonnenen Ein- und Ansichten vergaß, und zusammen mit seinen Kollegen Zentralbanker zum größten Geldfälscher aller Zeiten wurde.

Um 1960 wandte Rand ihre Aufmerksamkeit der Sachliteratur zu, schrieb Dutzende von Essays und hielt viele Vorträge über Themen, die das gesamte Wissensgebiet der Philosophie durchquerten.
Sie starb in New York im März 1982.

2) Was ist Objektivismus? **

a.) Objektivismus als Ethik und Wertetheorie.

Das Bedürfnis nach Moral rührt, laut Objektivismus, von den charakteristischen Eigenschaften des Menschen her. Da der Mensch, anders als niedere Tiere, die für die Befriedigung seiner natürlichen Bedürfnisse notwendigen Handlungen nicht automatisch vollzieht, muss er hierfür seinen freien Willen ausüben. Um aber zu bestimmen, was diese Bedürfnisse sind und wie man sie befriedigt, muss der Mensch denken – er muss rational sein, d.h. die Realität bewusst wahrnehmen und darauf eingestellt sein, ihr entsprechend zu handeln. Der Mensch ist weder besonders schnell, noch stark, verfügt über keine scharfen Krallen, und ist nicht gut vor Umwelteinflüssen geschützt. Aber er ist um ein Vielfaches intelligenter als die anderen Tiere, und diese Intelligenz ermöglicht ihm eine Überlebensmethode, bei der die Ausübung dieser Intelligenz die zentrale Rolle spielt. Daher definierte Rand den Menschen als „das rationale Tier“.

Da der Verstand eine Eigenschaft des Individuums ist, hängt der Fortbestand jeder Person letztendlich von ihr selbst ab. Moralisch gesehen, sollten Menschen an sich selbst denken. Das ist die Lehre vom rationalen Egoismus, oder rationalem Individualismus. Es gehört zur moralischen Verantwortung jedes Individuums, „sich als Nummer Eins zu betrachten“. Wenn ein Mensch andererseits davon überzeugt wird, dass seine Existenz nicht von ihm selbst abhängt, sondern von Anderen (der Gesellschaft oder der Regierung), dann wird er sich in einen hilflosen Parasiten verwandeln und fordern, dass andere sich für ihn aufopfern.

Moralisch gesehen, liegt es bei jedem selbst, sich als Nummer Eins zu betrachten, aber nicht allein als Nummer Eins. Wenn wir uns dazu entschließen, bestimmte Verantwortlichkeiten zu übernehmen (wie z.B. die Verantwortung gegenüber unseren Kindern oder dem Ehepartner), dann sind wir moralisch dazu verpflichtet, sie zu erfüllen. Der Objektivismus sagt, dass es keine unfreiwilligen moralischen Verpflichtungen gegenüber Anderen oder „der Gesellschaft“ geben kann.

Objektivismus lehnt Altruismus ab; das ist die Theorie, die ehrenhaftesten Handlungen seien diejenigen, die Anderen nutzen, indem man seine eigenen Werte opfert. Niemand hat irgendeinen moralischen Anspruch auf Ihre Zeit oder Ihr Geld, nur weil er es brauchen könnte.

Nun, Handlungen die dazu bestimmt sind Anderen zu helfen, können einfach Ausdruck von Großzügigkeit sein, oder von Mitleid oder Nächstenliebe – was an sich nicht schlecht ist. Moralisch ausgedrückt, können Sie nicht daran sehen, ob eine Handlung gut oder schlecht ist, indem Sie feststellen, wer daraus einen Nutzen zieht. Rand lehnte dieses „Nutzen-Kriterium“ moralischer Werte ab.

Die andere Seite der Münze ist, dass der Objektivismus Plünderei ablehnt – Handlungen, die unternommen werden, um sich durch die Opferung anderer für sich selbst einen Nutzen zu verschaffen. Mit rationalem Egoismus meinte Rand, dass Moral darin besteht, in Übereinstimmung mit den generellen Prinzipien zu handeln, die das menschliche Leben lebenswert machen, und diejenigen Werte anzustreben, die in unseren rational bestimmbaren, tatsächlichen Interessen liegen.

Der Objektivismus verteidigt das Händlerprinzip. Ihr Wohlbefinden ist nichts, was Sie mit Gewalt erreichen können. Sie müssen Vernunft anwenden – Ihren Verstand. Produktion und Handel sind die entscheidenden Handlungsweisen, die Sie zum Überleben praktizieren müssen. Untätiges Herumlungern, Tagträumereien oder ununterbrochenes „Feiern“, wird Sie früh ins Grab bringen – und niemand wird zu Ihrer Beerdigung kommen, um Ihnen die letzte Ehre zu erweisen; was haben Sie auch getan, um sich das zu verdienen?

Ein Leben im Streben nach unseren echten Interessen als Menschen, in dem Produktion und Handel zentrale Aktivitäten sind, ist keine „Selbstsucht“, wie sie im allgemeinen verstanden wird:
Es ist kein Leben, in dem man versucht, wie bei einem Kuchen in einem Nullsummen-Spiel, das größte Stück zu ergattern, sondern eines, in dem man größere Kuchen für alle macht.
Es ist kein Leben, in dem man andere Leute zum eigenen Nutzen übervorteilt, sondern ein Leben, in dem man seine Versprechen und Verträge einhält, und in dem man weiß, dass es im eigenen Interesse liegt, den Vertragsabschluss in jeder Situation zu verteidigen.
Es ist kein Leben, in dem man seine Verpflichtungen auf andere abwälzt, während man seinem Vergnügen nachgeht, sondern ein Leben, in dem man die eigenen Verpflichtungen trägt und sich das Vertrauen der Anderen und die Ehre für sich selbst, verdient.
Es ist kein Leben, in dem man Intrigen schmiedet und Anderen in den Rücken fällt, sondern ein Leben, in dem man durch Ausübung der Tugenden Ehrlichkeit, Integrität und Gerechtigkeit dazu beiträgt, das reibungslose Funktionieren der freien Märkte zu fördern und das Gefüge der zivilen Gesellschaft zu stärken.
Es ist kein Leben, das schäbig, einsam und ohne Gemeinschaftsaktivitäten ist, sondern ein Leben, in dem man großzügig seine Zeit und seine Arbeitsleistung einbringt, um mit den Leuten und Organisationen zusammenzuarbeiten bzw. sie zu unterstützen, die Ihre Werte teilen und Ihren Respekt verdient haben.

b.) Objektivismus und Politik.

Die Theorie über gesellschaftliche Organisation und Staatsgewalt

Die Grundlage der objektivistischen politischen Theorie ist die Idee der Individualrechte. Weil Individuen miteinander mittels freiwilliger Kooperation und freiwilligem Handel verkehren müssen, ist laut Objektivismus jede Handlung unmoralisch, welche den Konsens irgendeiner [der beteiligten] Parteien (typischerweise durch Gewalt oder Betrug) verletzt, und sollte somit bei Strafe verboten werden. Die Anwendung (oder Androhung) von physischer Gewalt, ist nur in den Fällen legitim, in denen man sein Leben, seine Freiheit oder sein Eigentum gegen einen Dieb, Angreifer oder Tyrannen schützt oder verteidigt. Objektivisten sind der Überzeugung, dass Menschen von Natur aus das Recht auf Leben, Freiheit (einschließlich der Freiheit, Eigentum rechtmäßig zu erwerben, zu besitzen und damit zu handeln), und dem Streben nach Glück haben.

Nach dem Objektivismus ist die einzig gerechte Regierung, eine begrenzte Regierung – darauf beschränkt, lediglich das zu tun, was als notwendig und unentbehrlich für den Schutz individueller Rechte gerechtfertigt werden kann: die Polizei, die Gerichtshöfe und die Landesverteidigung. Jede andere Funktion der Regierung ist ungerecht und moralisch ungültig, sofern sie erstens durch unfreiwillige Mittel finanziell unterhalten wird – wenn also die Bevölkerung nicht das Recht hat, sich dem zu entziehen; oder zweitens das friedliche und ehrliche Verhalten von Geschäftsleuten untersagt, die Firmen errichten wollen, die entsprechend ihren Zielen, Maßstäben und Prinzipien funktionieren, und die Märkte ihrer Wahl bedienen.

Objektivisten betrachten die zwangsweise Bevormundung des modernen sozialistischen Wohlfahrtsstaates, als schädlich und ungerecht. Er behandelt Erwachsene wie Kinder, die hilflos sind, für sich selbst zu sorgen. Jeder Erwachsene, der ein Mindestmaß an Würde und Selbstrespekt besitzt, und eine Vorstellung davon hat, was er für ein Mensch werden will, sollte seine Stimme erheben, um gegen die vulgären Kompetenzüberschreitungen heutiger Staaten zu protestieren.

Objektivismus betrachtet als einzig gerechtes Gesellschaftssystem, ein System freien und freiwilligen Austauschs von Waren, Dienstleistungen und Ideen, d.h. Laissez-faire-Kapitalismus.

In einer kapitalistischen oder libertären Gesellschaft gäbe es keine „opferfreien“ Straftaten, keine zentral geplante Umverteilung von Einkommen, kein zentral geplantes Erziehungswesen, Gesundheitswesen, Transportwesen, Ernährungswesen, Rentenwesen oder zentral geplanten Wohnungsbau.

Objektivismus ist sowohl gegen die Versuche der Konservativen, durch angewandte Sozialwissenschaften einen „Krieg gegen Drogen“ zu führen, als auch gegen alle anderen Versuche, Verhalten gemäß dem eigenen Geschmack oder den eigenen Vorlieben, durch Gesetze zu regulieren. Menschen haben das natürliche politische Recht, sich in einer selbstzerstörerischen Weise zu verhalten, wenn das zu keiner physischen Beeinträchtigung Anderer führt oder Anderen schadet. Genauso ruft der Objektivismus zu einem philosophischen Kampf gegen die Versuche der Dirigisten auf, Sozialwissenschaft durch „Anti-Diskriminierungs-Gesetze“ und andere „progressive“ Wirtschaftsgesetze anzuwenden. Ayn Rand bestand darauf, dass jede staatliche Handlung oder Politik, die entworfen wurde, um irgendein gesellschaftliches Ziel zu erreichen, durch Gesetz oder Regulierungen, notwendigerweise die Freiheit einschränken wird, auf die die Bürger nach dem Gesetz der Moral eine Berechtigung haben.

Mit jedem neuen Gesetz, das friedliche Handlungen zwischen sich (handels-) einigen Erwachsenen, zur Straftat macht, verliert der Staat seine moralische Legitimation und seine Fähigkeit, gesetzestreues Verhalten zu fördern. Von der Prohibition bis zum „Krieg gegen Drogen“, beschneidet jedes neue Gesetz das Recht der Bürger, frei zu handeln (ob es sich nun um Waffen, Pornografie oder Betäubungsmittel handelt), erzeugt einen Mangel an Respekt gegenüber der Polizei (deren Korruption sie ermuntert), dem Gerichtswesen und den politischen Abläufen.

Jede Person hat das Recht, ihren Stolz auf ihre Intelligenz, ihre Erfolge und ihren Gewinn zu verkünden, und Ungerechtigkeit und Neid zu verurteilen, welche Ausdrucksweise sie auch wählt – und sich nicht darum zu kümmern, wessen Gefühle verletzt, oder wessen „Selbstachtung“ damit bedroht wird. Vor allem vertritt Rand, dass wir ein Recht darauf haben, gemäß unserem eigenen Verstand zu leben, auf eigene Weise, um unser selbst willen. Ob wir uns nun dazu entscheiden, anderen indirekt zu nützen (z.B. durch die Erzielung von Gewinnen und geschäftlicher Expansion), oder direkt (z.B. indem wir Ärzte oder gute Eltern werden), müssen wir jedem moralisch das Recht verweigern, nur einen einzigen unverdienten Cent oder eine einzige unverdiente Sekunde unseres Lebens zu verlangen.

* die biographischen Elemente entstammen der website: Ayn Rand
**dieses sowie eine ausführlichere Beschreibung des Objektivismus finden Sie unter:
Objektivismus
Objektivisten
Objektivismus heute

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