L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Neue Ligastruktur im deutschen Fußball wegen Corona – ein Vorschlag meinerseits

Eigentlich bin ich für Geisterspiele in den ersten drei Fußball-Ligen Deutschlands, sobald die Ausgangsbeschränkungen Mitte Mai wieder aufgehoben (und durch eine sinnvollere allgemeinere Beschränkung der Versammlungsfreiheit) ersetzt worden sind. Sollte es jedoch nicht möglich sein, in Liga drei die Saison zu Ende zu spielen, geschweige denn in den Regionalligen, schlage ich hier mal eine weitreichende Ligareform vor, die es ermöglichen könnte, alle Vereine sportlich mehr oder weniger zufrieden zu stellen. Die schwerwiegenderen finanziellen Probleme wären nach derselben indes nicht gelöst, sollen aber nicht Thema dieses Artikels sein.

Die erste Liga spielt die Saison im Mai und Juni, ggf. auch im Juni und Juli (zum 30.6. auslaufenden Spielerverträge sollten doch problemlos noch einmal um einen Monat verlängert werden können), zu Ende. So werden der deutsche Meister 2020, die Teilnehmer an den europäischen Wettbewerben 2020/2021 und die zwei direkten Absteiger bestimmt. Vor allem aber werden Sponsoren- und Fernsehgelder fliessen und somit Insolvenzen abgewendet werden. Eine Relegation wird es diesmal nicht geben.

Die zweite Liga tut es der ersten gleich oder die aktuelle Tabelle wird als Endtabelle akzeptiert. Am Ende werden jedenfalls ausnahmsweise vier Mannnschaften aufsteigen. In der aktuellen Tabelle wären das derzeit Arminia Bielefeld, der VfB Stuttgart, der Hamburger SV und der 1.FC Heidenheim. Absteigen wird niemand.

Die erste Bundesliga hätte somit nunmehr 18 – 2 + 4 = 20 Vereine. Eine Zahl, wie sie in allen anderen Topligen Europas (England, Spanien, Italien, Frankreich) ebenfalls gegeben ist. Es wird ab der Saison 2020/2021 wieder drei direkte Absteiger geben.

In der zweiten Bundesliga blieben 18 + 2 – 4 = 16 Vereine. Diese (eingleisige) zweite Bundesliga wird es jedoch in Zukunft nicht mehr geben. Ebenso wird es die oft als „Pleiteliga“ verschriehene (eingleisige) Dritte Liga- die ich eigentlich sehr mag mit all ihren Traditionsvereinen und der enorm spannenden Tabellensituation- in Zukunft nicht mehr geben. In Liga drei steigt ebenfalls niemand ab, stattdessen steigen sogar alle mit Ausnahme des FC Bayern II auf. Liga zwei und Liga drei werden nämlich zusammen fusioniert zu einer neuen zweigleisigen zweiten Liga wie es sie zuletzt nach der Wiedervereinigung Deutschlands gegeben hat. Aus den fünf Regionalligen steigen alle derzeitigen Tabellenersten auf (der 1.FC Saarbrücken im Südwesten, Türk Gücü München in Bayern, der VfB Lübeck im Norden, Altglienicke im Nordosten und Verl im Westen wegen des Verzichts von Rödinghausen). Die (zweigleisige) zweite Bundesliga umfasst nunmehr 16 + 19 + 5 = 40 Vereine, die in eine Nord- und eine Südstaffel à jeweils 20 Vereine aufgeteilt werden. Aus jeder Staffel steigen die Meister direkt in die Erste Liga auf, die jeweiligen Tabellenzweiten spielen eine Relegation um den dritten Aufsteiger zu ermitteln. Ebenso steigen aus jeder Staffel jeweils drei Vereine direkt ab. Ersetzt werden sie durch die Meister der fünf Regionalligen und den Zweiten im Südwesten.

Die direkten Verfolger der derzeitigen RL-Ersten wie Elversberg, RW Essen oder Lok Leipzig mögen sich erstmal grämen, dass ihnen die Chance verwehrt wurde, noch einmal den Tabellenführer anzugreifen, können sich aber damit trösten, dass der Konkurrent nächste Saison nicht mehr dabei ist und sie dann sogar direkt den Aufstieg in die Zweite Liga anpeilen können. Bayern II wird nicht erfreut darüber sein wieder in die Regionalliga zu müssen. Aber II-Mannschaften gehören ohnehin- wie in Luxemburg- in ein eigenes Ligensystem. Bayern II, Wolfsburg II und Andere könnten ja daraufhin vielleicht eine neue Reserverunde bzw. eine Nachwuchs-Bundesliga gründen, gerne auch mit 1860 II.

Wie es ab der Regionalliga bis zur C-Klasse runter weitergeht, überlasse ich wiederum dem DFB und soll hier nicht Gegenstand der Betrachtung sein. Ebenso wie eine Reform des DFB-Pokals, der m.E. ohne Zuschauer vorerst nicht mehr ausgespielt werden sollte. Solange es keine Zuschauer beim Fußball geben darf, sollte vielleicht stattdessen ein reiner Ligapokal der Erstligisten ausgetragen werden. Den DFB-Pokal macht gerade die erste Hauptrunde so schön, wenn die kleinen Davids gegen die großen Goliaths antreten, was ohne Zuschauer schlichtweg keinen Sinn macht. Dito für die Landespokale die vorerst ausgesetzt werden sollten bis Zuschauer wieder zugelassen sind. Halbfinale und Finale der laufenden Pokalsaison sollten aber natürlich noch ausgetragen werden. Die Stadionanforderungen der DFL an die zweite Liga müssten natürlich an diejenigen der dritten Liga nach unten angepasst werden, damit nicht etliche Vereine gezwungen werden ihre Stadien zu modernisieren, was erst recht keinen Sinn macht, wenn eh keine Zuschauer auf absehbare Zeit ins Stadion dürfen. Alle 60 Vereine der ersten und zweiten Liga sollten sich zusammen in der DFL organisieren und dort auch demokratisch die Aufteilung der Fernsehgelder festlegen.

Um den Vorschlag noch einmal zu illustrieren folgt nun eine mögliche Aufteilung der zwei Bundesligen für die nächste Saison. Ich habe den ganzen Osten mal zusammengelassen, weil ich weiß, dass den Fans aus den „neuen Bundesländern“ die alten Klassiker aus DDR-Oberligazeiten ganz wichtig sind. Die Zweiteilung muss also im Westen quer durch NRW verlaufen, wobei möglichst darauf geachtet werden sollte jeweils die Vereine im Ruhrpott und die am Rhein in der gleichen Liga zu halten. In unserem Beispiel sind zunächst alle Rheinvereine und alle Ruhrpottvereine im Süden, die Vereine Ostwestfalens im Norden. Das kann aber eben variieren je nachdem wer aus der ersten Bundesliga und den beiden zweiten Ligen absteigt, wer in die Erste Liga aufsteigt und wer aus der Regionalliga West in die Zweitklassigkeit hochkommt.

Erste Bundesliga (20 Vereine)

FC Bayern München
Borussia Dortmund
RB Leipzig
Borussia Mönchengladbach
Bayer Leverkusen
Fc Schalke 04
VfL Wolfsburg
SC Freiburg
TSG Hoffenheim
1.FC Köln
Union Berlin
Eintracht Frankfurt
Hertha BSC Berlin
FC Augsburg
FSV Mainz 05
Fortuna Düsseldorf
Arminia Bielefeld
VfB Stuttgart
Hamburger SV
1.FC Heidenheim

Zweite Bundesliga Nord (20 Vereine)

SV Werder Bremen
SC Paderborn
Holstein Kiel
Erzgebirge Aue
Hannover 96
FC St.Pauli
VfL Osnabrück
Dynamo Dresden
SV Meppen
Hansa Rostock
Eintracht Braunschweig
Chemnitzer FC
1.FC Magdeburg
Hallescher FC
FSV Zwickau
Preußen Münster
FC CZ Jena
VG Altglienicke
VfB Lübeck
SC Verl

Vereine aus den Landesverbänden: Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen, Westfalen

Unterbau: RL Nord, RL Nordost, RL West

Zweite Bundesliga Süd (20 Vereine)

SpVgg Greuther Fürth
SV Darmstadt 98
Jahn Regensburg
SV Sandhausen
1.FC Nürnberg
VfL Bochum
SV Wehen Wiesbaden
Karlsruher SC
MSV Duisburg
Waldhof Mannheim
SpVgg Unterhaching
FC Ingolstadt
TSV 1860 München
Würzburger Kickers
KFC Uerdingen
Viktoria Köln
1.FC Kaiserslautern
SG Sonnenhof Großaspach
Türk Gücü München
1.FC Saarbrücken

Vereine aus den Landesverbänden: Baden, Bayern, Mittelrhein, Niederrhein, Hessen, Rheinland, Saarland, Südbaden, Südwest, Westfalen, Württemberg

Unterbau: RL Bayern, RL Südwest, RL West

Ball

April 25, 2020 - Posted by | Deutschland, Sport | , ,

6 Kommentare »

  1. Ich will das inhaltlich erst mal gar nicht kommentieren, nur: Hertha BSC Berlin gibt es so wenig wie Arsenal London…

    Kommentar von Werwohlf | April 27, 2020

  2. @Werwohlf: In England ist es der Arsenal FC, in Deutschland halt Arsenal London 😉 Aber ich verstehe Deinen Punkt dass man nicht „Berliner Sportclub Berlin“ sagen muss. Aber wie findest Du die Idee?

    Problem wäre allerdings, dass- grob geschätzt- bisherige Drittligisten zwar viermal mehr TV-Gelder bekommen würden, aber bisherige Zweitligisten nur noch die Hälfte des Bisherigen. Weil statt ca. 230:18 Millionen fur einen Zweitligisten und ca. 26:20 für einen Drittligisten gibt es dann ca. 256:40 Millionen für jeden Klub.

    [Wobei man natürlich nicht weiss ob die Fernsehgelder nicht auch adaptiert werden müssen und die fliessen ja ohnehin nur, wenn überhaupt wieder (ohne Zuschauer) gespielt werden kann.]

    Ich habe mir schon mal eine Geisterdauerkarte bei den Löwen geholt ( http://www.tsv1860.de/de/Aktuelles_News/5030.htm ) und auch ein Geisterticket für das Spitzenspiel der RL Südwest: Offenbach-Saarbrücken.

    Kommentar von CK | April 27, 2020

  3. Dann eben doch. Ich empfand zweigleisige Ligen immer als äußerst unattraktiv. Aber ich bin von alldem mittlerweile auch gedanklich wirklich zu weit weg, um den Gedanken daran irgendeine Bedeutung in meinem Leben beizumessen. Das liegt nicht nur an Corona. Mein Sky-Abo ist schon seit Monaten gekündigt, und der ganze Mist um Klinsmann hat sein Übriges getan… Ich bin erst mal raus.

    Kommentar von Werwohlf | April 30, 2020

  4. Werwohlf: Ja, anscheinend läuft es in Berlin mit Windhorst nicht viel besser als in München mit dem Jordanier 😉

    Kommentar von CK | Mai 1, 2020

  5. CK: Würde ich nicht unbedingt sagen. Das Problem begann damit, dass Preetz Dárdai auf Deibel komm raus ersetzen wollte und am Ende bei Covic hängen blieb, was sich als vorhersehbarer Fehler entpuppte. Nur deswegen wurde Klinsmann überhaupt nur zur Option.

    Kommentar von Werwohlf | Mai 3, 2020

  6. @Werwohlf: Danke fur Deine Meinung! Hertha schreibt wirklich negative Schlagzeilen in dieser Saison. Der Fall Kalou war ja auch eine riesige PR-Panne. Bin positiv überrascht, dass Angela Merkel dies nicht zum Anlass genommen hat, Geisterspiele- wie in Frankreich- zu verbieten.

    Kommentar von CK | Mai 8, 2020


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