L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Wie kommt die Katze wieder vom Baum?

Seit dem 16ten März befindet sich Luxemburg in einem (partiellen) Lockdown wie ganz Europa. Von wenigen Ausnahmen wie Schweden und Weißrussland mal abgesehen. Die Katze musste vor der Pandemie auf den Baum flüchten. Da oben stellen sich jedoch nun ganz andere Probleme. Die größte Weltwirtschaftskatastrophe seit 1929 steht vor der Tür, (weitestgehend eingesperrten) Familien droht der Lagerkoller. Unzähligen Unternehmern droht die baldige Insolvenz, etliche Arbeitnehmer wurden bereits in Kurzarbeit geschickt, in anderen Ländern sogar bereits entlassen, die Staatsschulden wachsen notgedrungen, einem bekannte Lehrer vermissen tatsächlich ihre Schüler und und und…

Die Infektionskurve wurde drastisch abgebremst, die exponentielle Explosion wurde dank des Lockdowns abgewendet, momentan haben Luxemburg und auch Deutschland die Situation unter Kontrolle, besser als in anderen Ländern wie Italien, Spanien, Belgien oder Frankreich. Nun ist es sicher gut sich in Europa untereinander abzusprechen wie man vorgeht, jedoch spricht nichts dagegen, dass Länder, die es weniger schlimm getroffen hat, vielleicht 1-2 Wochen früher manche Lockerungen durchsetzen (unter Beibehaltung vernünftiger Grenzkontrollen zu den anderen Ländern!)

Die Katze muss aus diversen Gründen wieder vom Baum. Dies kann jedoch nur mittels einer vorsichtigen step-by-step-Exitstrategie erfolgen, die zudem von neuen Sonderregeln umrahmt sein wird, denn gerade Lockerungen des Lockdowns werden neue Vorsichtsmaßnahmen gegen das Virus mit sich bringen (müssen). Während und nach jeder Phase müssen die Zahlen (Neuinfektionen, Zahl der Krankenhausaufenthalte, Belegung der Intensivbetten usw.) genau beobachtet und evaluiert werden. Ausgehend davon, bleibt das Land entweder in der gerade gegebenen Phase, geht in die nächste Phase über oder muss gar eine Phase wieder zurück. Jede Phase muss mindestens 14 (eher 21) Tage dauern. 14 Tage deswegen, weil das die maximale Inkubationszeit bei Sars 2 sein soll. Es ist im Hinblick auf die Zahlen eminent wichtig, dass die Menschen die Regeln respektieren, darauf muss jeder ein bisschen mit achten, da die Polizei nicht überall sein kann, wenngleich sie Stichkontrollen durchführen und ggf. Bußgelder ausstellen wird.

Die meisten Experten sprechen von einem IV-Phasenplan. Phase I ist der momentane Lockdown, der ein total überlastetes Gesundheitssystem (mit vielen Toten) verhindert und die Menschen zudem für die Gefahren sensibilisiert und sie somit auf Phase II geistig-mental vorbereitet. Phase II beginnt am Tag X (dem Tag für den die ersten Lockerungen beschlossen werden.) Dieser Tag wäre frühestens am 20ten April, spätestens aber wohl am 4.05. (Mindestens bis zu diesem Tag bleiben die Schulen in Luxemburg bekanntlich geschlossen.)

Phase II: Öffnung der Geschäfte mit Sonderregeln (Tag X bis mind. Tag X + 14 Tage, bspw. 20.04. bis mind. 4.05.)

Allen Geschäften („Butteker“) wird wieder erlaubt zu öffnen, jedoch mit gewissen Sonderregeln. Mindestens zwei Meter Abstand zwischen allen Kunden, eine Glasscheibe an der Kasse, regelmäßige Desinfektionen und Mund- wie Nasenschutzpflicht, sprich Maskenpflicht. Eine solche Maskenpflicht dient dem Fremdschutz, weil Reichweite und Dosis versprühter Tröpfchen limitiert werden. Darüberhinaus sind im Alltag mehr denn je die bekannten Hygieneregeln eingehalten, die hier hoffentlich nicht mehr explizit erwähnt werden müssen. Alle Geschäfte bedeutet „alle Geschäfte, in denen die Abstandsregel eingehalten werden kann“. Diejenigen, wo dies nicht möglich ist (bspw. Friseur- und Kosmetiksalons, Tattoostudios) öffnen erst wieder in Phase III.

Banken und Versicherungen könnten wieder Kunden empfangen, aber nur mit Acrylglasschutz zwischen dem Kunden und dem Angestellten. Wer im Homeoffice arbeiten kann, bleibt im Homeoffice.

Produktionsketten in der Industrie werden wieder angeworfen, jedoch sollten die Arbeiter in Gruppen unterteilt werden und dürfen während der Arbeit nur Kontakt mit Mitgliedern der eigenen Gruppe haben.

Phase III: Wiedereröffnung der Gastronomie, Friseur- und Kosmetiksalons und anderer „gefährlicherer“ Plätze mit Sonderregeln, Wiedereröffnung der Schulen(frühestens Tag X + 14 bis Tag I, bspw. frühestens 04.05. bis Tag I oder M)

Kneipen und Restaurants dürfen wieder öffnen, jedoch mit gewissen Sonderregeln. Mindestens zwei Meter Abstand zwischen allen Gästen am Tresen, mindestens zwei Meter Abstand zwischen allen Tischen, pro Tisch nur eine Familie oder höchstens vier nicht familiär miteinander verbundene Personen, eine Acrylglasscheibe an der Kasse und am Tresen, regelmäßige Desinfektionen, Kapazitätsbeschränkungen, bspw. höchstens y Gäste mit y = Kundenfläche / 4qm2.

Clubs und Diskotheken müssten weiterhin entweder bis zur Phase IV geschlossen bleiben, es sei denn sie könnten die Einhaltung von Abstandsregeln überall, sogar auf der Tanzfläche, irgendwie gewährleisten. Fitnessstudios dürfen wieder öffnen, jedoch mit Kapazitätsbeschränkungen und Abstandsregeln. Friseur- und Kosmetiksalons wie Tattoostudios (und möglicherweise andere Dienstleistungsbetriebe, in denen keine Social Distancing möglich ist, sogar Bordelle) dürfen wieder öffnen trotz der Unmöglichkeit Abstandsregeln einzuhalten. Jedoch darf niemand dort erkältet erscheinen. Vor Erbringen der jeweiligen Dienstleistung könnte im Ohr Fieber gemessen werden. Wer mindestens 38 Grad Celsius hat, kann und darf nicht bedient werden. Freizeitparks könnten u.U. wieder öffnen, jedoch nur mit Sonderregeln. Geisterspiele könnten unter bestimmten Voraussetzungen nun ausgetragen werden und zumindest die Fußballfans trotz Corona bei Laune halten.

Wer im Homeoffice arbeiten kann, bleibt im Homeoffice.

Die Öffnung der Schulen muss wohl in zwei Subphasen geschehen. Phase IIIa: Grundschulen und Kitas werden wieder eröffnet um die Eltern zu entlasten. Spielplätze werden parallel ebenfalls wieder geöffnet werden. Abischüler sollten wieder zur Schule gehen können. Eine erfolgreiche Abwicklung des Première-Examens wäre Priorität Nummer eins der Sekundarschulen. Andere Sekundarklassen blieben noch etwas länger im Homeschooling. Das Semester an der Uni ist eh vorbei, die noch ausstehenden Prüfungen können im September geschrieben werden. Erst in Phase IIIb werden auch andere Sekundarschüler wieder zur Schule gehen.

Während all diesen drei Phasen bleiben reale Besuche in Alters- und Pflegeheimen generell verboten und nur in Ausnahmefällen erlaubt. Dort arbeitende Pfleger und andere Angestellte sollten regelmäßig (wenn möglich, jeden Tag) mit Corona-Schnelltests kontrolliert werden. Noch zuhause lebenden älteren Menschen sollte geraten werden die eigenen sozialen Kontakte bis zur Phase IV auf ein Minimum (engste Familienmitglieder, eine Handvoll Freunde) zu beschränken. Sie sollten mit allem was sie brauchen frei Haus beliefert werden. Andere Risikogruppen sollten im Homeoffice arbeiten (soweit möglich) und von ihren Arbeitgebern besonders geschützt werden. Je nach Gesamtlage der Situation wäre es denkbar, dass solche Menschen phasenweise präventiv gesetzlichen Krankenurlaub bekommen, in dem sie dann aber logischerweise das Haus auch nicht für Freizeitaktivitäten verlassen dürfen.

Durchgehend auf Hochtouren müssen die Tests laufen: sowohl die PCR-Tests um Infizierte zu detektieren und mittels Quarantäne aus dem Verkehr zu ziehen wie auch hoffentlich bald Antikörpertests, die wichtige Erkenntnisse über die Verbreitung des Virus in der Gesamtbevölkerung liefern und zudem (temporär) Immunisierte ausfindig machen. Diese Menschen könnten für sensible Arbeiten sehr nützlich sein.

Phase IV: Pre-Corona Normalzustand (an Tag I oder Tag M)

Diese Phase kann erst beginnen, wenn ein Impfstoff auf dem Markt ist. Also leider wohl frühestens in 12-18 Monaten. Erst dann wird es wieder Massenveranstaltungen geben wie bspw. Olympische Spiele, Fußballspiele oder andere Sportereignisse MIT Tausenden von Zuschauern, Musikfestivals, Straßenumzüge, Oktoberfeste, Karneval usw. Erst dann werden Tanzflächen ohne Abstandsregeln wieder geöffnet werden. Erst dann werden internationale Reisen wieder uneingeschränkt möglich sein. Ebenso darf man erst dann ohne wirkliche Notwendigkeit wieder aus dem Homeoffice heraus. Vermutlich wird auch dann erst der (bis dahin mehrmals verlängerte) gesetzliche Notstand wieder aufgehoben.

So sähe also- grob umrissen- der Vierphasenplan aus. Schneller könnte es nur gehen, wenn ein Medikament oder Medikamentenmix gefunden wird, das/der wirklich- in den gerade laufenden klinischen Studien bestätigt- als Heilmittel betrachtet werden kann. In dem Falle könnte Phase IV vor Tag I beginnen. Nennen wir diesen Tag mal Tag M. Ansonsten leider nicht.

Katze auf dem Baum

April 10, 2020 - Posted by | Deutschland, Luxemburg | ,

6 Kommentare »

  1. Das ganze ist von den lobesten multimilliardären hochgespielt worden vor 2 jahren sind in europa üder 30 000 durch influenza gesftoeben auch die spanische- schweine- und noc andere grippen daben xxx tote. Veruhrsacht
    Das hiern war test diktatorisch gesehen der schaden am mittelstand wird enorm sein

    Kommentar von Carlo donini | April 11, 2020

  2. @Carlo Donini: Den Vergleich mit der Schweinegrippe oder der schweren Grippewelle vor zwei Jahren finde ich nicht wirklich passend. Du schreibst selber, das waren 30 000 in ganz Europa während der Grippesaison. Jetzt sind es aber allein in Spanien und Italien 34 000 Tote in nur einem Monat. Das ist schon ne andere Grössenordnung.

    In meinen Augen ist Covid19 die schlimmste Pandemie seit der Spanischen Grippe vor 102 Jahren. Auch Luxemburg hat jetzt 54 Tote in vier Wochen. Wenn das so weiterginge (Konjunktiv!), dann hätten wir Ende des Jahres ca. 4 000 Coronatote. Die Frage ist halt, wieviele von diesen (doch ziemlich alten) Coronatoten sowieso in diesem Jahr an etwas Anderem gestorben wären. Aber man wird sicher am Ende des Jahres dann einen signifikanten Anstieg der Todeszahlen erkennen, weil im Jahr hat Luxemburg normalerweise ca. 4 000 Tote, aber das wären 2020 sicher bedeutend mehr wenn es so weiterginge wie bisher (und das obwohl wir die Situation eigentlich bisher gut im Griff haben, im CSA Sud bei mir um die Ecke ist es sehr ruhig 🙂 )

    Kommentar von CK | April 11, 2020

  3. Im Prinzip ist das ein sinnvolles Programm, ich würde nur die Fristen etwas ausdehnen, schon wegen des Zeitverzugs zwischen Test und Bekanntgabe des Ergebnisses. Also vielleicht nicht +14, sondern +21… Und auch sonst müsste man vielleicht differenzieren. Zum Beispiel sollte man m.E. keine Lehrer über 60 mehr in die Schlacht schicken. Und bevor Phase II beginnt, sollte die Reproduktionsrate besser kleiner als 1 sein.

    Kommentar von Werwohlf | April 11, 2020

  4. @Werwohlf: Danke erstmal für Dein Feedback! Du hast Recht, 21 Tage wären wohl besser als 14 Tage zur Evaluierung einer Phase und man könnte den Lockdown noch 1-2 Wochen länger halten um die Reproduktionsrate nochmal ein Stück tiefer zu drücken. Mit den Lehrern ist klar. Dieses Problem stellt sich aber in Luxemburg gottseidank nicht, weil Lehrer hier sowieso mit 60 in Rente gehen dürfen.

    Kommentar von CK | April 11, 2020

  5. Tu felix Luxemburgum!

    Kommentar von Werwohlf | April 11, 2020


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