L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Mein „Islamrassismus“

Auf Facebook schrieb der mir seit Jahren persönlich bekannte St.Paulifan Fouad A. : „Ich kenn deinen Islamrassismus seit Jahren und du nutzt alles um das zu untermauern…Sorry Christian…Magst ja ein ganz netter und kluger Kopf sein, aber wie du dich so auf eine Religion einschießen kannst, empfinde ich als lächerlich.“

Was war passiert? Ich hatte angemerkt, dass ich in München im Hotel eine vollverschleierte Frau gesehen hatte und mich das aufgeregt hat, dass ihr Ehemann ihr nicht mal im Urlaub gestattet ihr Gesicht zu zeigen und sie nun wie ein Pinguin verkleidet am Frühstückstisch sitzen muss und beim Essen leider ziemlich behindert ist.

Das war in der Tat nicht meine erste Attacke auf eine Exegese des Islams, die offenbar Vollverschleierung vorschreibt, obwohl viele Muslime sagen, dass diese nirgendwo im Koran oder in den Hadithen beschrieben wird. Ich bin kein Religionswissenschaftler und eigentlich ist mir auch egal wer hier recht hat, ich will jetzt nur einmal klarstellen, was meine Wünsche für die „islamische Welt“ und die Muslime weltweit sind und danach soll jeder selbst entscheiden, ob dieser „Islamrassismus“ meinerseits eine widerliche Position darstellt oder vielleicht doch eher nur eine absolut vernünftige Position für einen aufgeklärten, erzliberalen und sehr toleranten Menschen im Jahre 2019 in Europa.

Ich wünsche mir weltweit ein Ende patriarchalischer Geschlechterverhältnisse und ein Überwinden des Sexismus gegen Frauen wie gegen Männer. Jeder Mensch soll, unabhängig seines Geschlechtes, seines Alters, seiner Herkunft und seiner sexuellen Orientierung sein Leben nach seinen Vorstellungen leben dürfen. Frauen und Männer sind nicht nicht gleichartig, sollen aber gleichberechtigt sein, in allen Bereichen des Lebens, in der Wirtschaftswelt wie in der Zivilgesellschaft und vor allem auch in der eigenen Familie. Hier gibt es sicherlich auch im Westen noch einiges zu tun, aber in der muslimischen Welt, allen voran im Nahen Osten, noch vielmehr. Angefangen damit, dass man Frauen mal selber entscheiden lässt was sie anziehen wollen.

Vollverschleierung sieht furchtbar aus und soll meines Erachtens eigentlich verschwinden, da jeder Mensch in einer ziviliserten Gesellschaft sein Gesicht zeigen sollte. Ein staatliches Verbot lehne ich jedoch trotzdem ab. Kopftücher können durchaus sehr schön gestaltet sein, sollten aber freiwillig getragen werden. Kopftuchvorschriften gehören lieber heute als morgen geschreddert. Moscheen, ob mit oder ohne Minarett, sollen in Einklang mit geltendem Baurecht gebaut werden dürfen. Es sollten darin jedoch keine Hassprediger ihr Unwesen treiben. Ganz schön böse, mein „Islamrassismus“.

Ich gebe offen zu: ich hasse Gottesstaaten wie Saudi-Arabien oder den Iran, ich hasse die widerlichen Regimes dort, zuvorderst wegen dem was sie den dort lebenden Menschen antun. Das geht aber mitnichten GEGEN die dort lebenden Menschen, sondern GEGEN die Machthaber in Unterstützung freiheitsliebender Demonstranten. LfL hat sich vor Jahren bereits offen mit iranischen Freiheitsaktivisten solidarisiert.

Die muslimische Welt muss sich zudem ihres mehr oder minder unverhohlenen Antisemitismus entledigen, auch oder sogar gerade dem in „antiimperialistischer-antizionistischer“ Form Daherkommendem. Ebenso ihrer Affinität zu bekloppten Verschwörungstheorien, die „den Juden“, „den Zionisten“ oder „dem Westen“ die Schuld an hausgemachten Problemen geben.

„Islamrassismus“ ist auch meine Einstellung, dass Sklaverei weltweit enden muss, also auch die von muslimisch-arabischen Rassisten(!) betriebene Sklaverei im Südsudan, derer sich Andrew Brehm hier angenommen hat.

„Islamrassismus“ ist also die unverschämte „kulturimperialistische“ Einstellung, dass auch muslimische Frauen und Männer frei sein und für ihr eigenes Leben Verantwortung übernehmen, dass klerikalfaschistische Machthaber ihre Macht verlieren, Staat und Religion voneinander getrennt werden und der Einfluss religiöser Fanatiker über das Leben Anderer enden sollen. [Um den Whataboutisms bereits voraus zu kommen: Fundamentalistische Christen und Juden gehören in einem säkularen Staat selbstverständlich ebenso in ihre Schranken verwiesen.]

September 16, 2019 - Posted by | Islam, Islamismus, Sudan | , , ,

2 Kommentare »

  1. Rassistisch und sexistisch ist vor allem die Idee, dass es dir zusteht, dich darüber aufzuregen, wie andere sich anziehen. Und da sollte gerade jemand, bei dem die Freiheit im Titel steht, das Problem doch erkennen können.

    Kommentar von Muriel | September 20, 2019

  2. Jeder hat das Recht anzuziehen was er will (das streite ich ja gar nicht ab!). Genauso fällt es unter „Meinungsfreiheit“ anzumerken dass jemand- egal welcher Hautfarbe oder welchen Geschlechts- wie eine Vogelscheuche, ein Schlossgepenst, ein Clown oder Pinguin oder sonst irgendwas wegen seiner Kleider ausschaut. Sowas demjenigen ins Gesicht zu sagen, wäre natürlich nicht nett, deshalb tut man es auch nicht, sondern lästert nur hinter dem Rücken solcher Leute 😉

    [Erst kürzlich habe ich mich bspw. über den furchtbaren Karoanzug eines BR-Moderatoren ausgelassen. Der hat wohl den gleichen Schneider wie der Dobrindt. Furchtbar.]

    Jetzt konkret im Fall der vollverschleierten Frau in München ging es jedoch um viel mehr als nur eine Frage des schlechten Modegeschmacks. Eine Vollverschleierung ist ein Symbol für religiösen Fundamentalismus. Auch auf einen solchen besteht zweifellos ein Recht, solange man nicht die Rechte anderer Menschen verletzt. „Gedankenverbrechen“ gibt es ja keine. In Berlin darf man am Al-Quds-Tag auch mit Hamasfahne rumlaufen (Und das ist gut so! Man sollte m.E. sogar NS-Fahnen wieder erlauben, damit manche Menschen sich selber als „Arschlöcher“ kennzeichnen dürfen…) Jedoch muss man eben auch mit Kritik seiner Mitmenschen rechnen.

    Kommentar von CK | September 20, 2019


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: