L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Eine aufrichtige Entschuldigung

Hiermit will ich mich persönlich bei allen Lesern dafür entschuldigen, Sterbehilfe jahrelang eher wohlwollend betrachtet zu haben. Ich lag so falsch wie Theo Boer.

Zwar bin ich selbstverständlich theoretisch immer noch der Meinung, dass jeder Mensch das Recht hat sich selber umzubringen und respektiere vollends die Entscheidung schwer kranker Menschen wie Timo Konietzka ihr Lebensende selber zu bestimmen, aber die Praxis der Sterbehilfe ist leider inzwischen total ausgeartet.

In Belgien und den Niederlanden wurden in den letzten Jahren Menschen totgespritzt, weil sie zu erblinden drohten, weil eine Geschlechtsangleichung nicht das erwünschte Resultat brachte oder weil sie schwer depressiv waren oder unter sonstigen psychischen Krankheiten litten, denen zum Trotz sie jedoch noch jahrzentelang hätten leben können, in der Hoffnung auf pharmakologische Fortschritte.

Pech hat auch, wer mal irgendwann gemeint hat, er will über sein Lebensende in der Zukunft selber bestimmen und dann dement wird. Dem wird dann eines Tages ein Beruhigungsmittel in den Kaffee getan und die lieben Verwandten halten einen fest, während der Arzt einem die Spritze zu einem „Tod in Würde“ setzt. Natürlich „guten Glaubens“, wieso der „Gott in weiss“ später auch keine Sanktionen für diesen Mord erfahren muss.

Die Tage bin ich auch über dieses Video des „Economist“ gestolpert:

Diese junge Frau tut mir wirklich leid, aber die Ärzte in diesem Film handeln in einer für mich ethisch absolut nicht nachvollziehbaren und total schockierenden Art und Weise 😦

All das habe ich so nie gewollt und ich denke oder hoffe zumindest, die meisten Befürworter der Sterbehilfe wollten das eigentlich so nie. Trotzdem ist es so weit gekommen. Und verantwortlich daran sind eben auch Liberale wie meine Wenigkeit, die (naiverweise ?) zuerst den Fokus auf das Selbsteigentum gelegt haben.

Es ist nie zu spät einzusehen, dass man falsch lag. Hiermit gebe ich gerne zu, falsch gelegen zu haben und es tut mir leid. Unser Recht auf Leben muss, unabhängig von unserem konkreten gesundheitlichen Zustand, geschützt bleiben vor gutmeinenden Ärzten, Verwandten, kapitalistischer Kosten/Nutzen-Rechnung (gute Palliativmedizin mag viel teurer sein als Euthanasie, aber jeder sollte dennoch ein Anrecht auf diese haben !) und libertären Ideologen.

Ich werde in Zukunft mich stärker denn je dafür aussprechen, dass unsere Gesellschaft wieder lebensbejahender für Behinderte, Demente, Alzheimerkranke, Depressive usw. usf. wird. Diese Menschen gehören nicht als „Problemfälle“ einfach so „wegrationalisiert“. Sie verdienen ein aufrichtiges Bemühen zur Verbesserung ihrer persönlichen Lebensumstände und zur persönlichen Akzeptanz in unserer Leistungsgesellschaft, keine Giftspritze !

UPDATE (27.03.2017): Aufmerksame Leser unseres Blogs werden vielleicht verwundert anmerken, dass ich doch bereits seit 2013 hier einige kritische Artikel zu Sterbehilfe veröffentlicht und für Gesetzesreformen in den Beneluxstaaten plädiert habe. Das stimmt.  Aber bei der Einführung der Sterbehilfe in Luxemburg 2009 war ich- wie die dafür stimmenden Abgeordneten „meiner“ Partei- diesem Gesetz gegenüber damals sehr wohlwollend eingestellt und ich habe mich dafür- trotz nunmehr langjähriger- Bedenken nie entschuldigt. Irgendwie wurde das jetzt überfällig.

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März 26, 2017 - Posted by | Belgien, Niederlande, Video | , ,

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