L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Make Lëtzebuergesch great again

Kürzlich schlug eine Petition hier in Luxemburg hohe Wellen. Mit Erfolg, innerhalb kurzer Zeit unterschrieben über 10.000 Menschen das Begehr. Darin wird gefordert die “Lëtzebuerger Sprooch als 1. Amtssprooch an Nationalsprooch gesetzlech fir all Awunner zu Lëtzebuerg festzeleeën.“ Das Anliegen ist nicht neu und in einem gewissen Rahmen gerechtfertigt, ja sogar wichtig. Dennoch würde ich meinen Namen niemals drunter setzen.

Es ist ein wichtiger Punkt sich als Luxemburger einzugestehen, dass wir in unserem Polyglottismus bestehen, nicht darüber. Oder einfacher: jeder Luxemburger wird in eine Sprachrichtung gedrängt, sei es durch Familie, Umfeld oder Vorlieben. Wie auch an diesem Text ersichtlich, ist das hierzulande häufig Deutsch. Bei anderen ist es Französisch. Da die ganze Administrative auf Französisch läuft, haben erstere den gewaltigen Nachteil etwaige Behördenbriefe auf Anhieb zu verstehen. Einzelheiten gehen im ungewohnten Behördenfranzösisch unter und man muss gegebenenfalls mehrmals lesen um zu begreifen, um was es geht. Und hier setzt eine wichtige Kritik an der luxemburgischen Administrative an, die sich bislang nicht darum gekümmert hat und Französisch als Standart annahm. Unser Polyglottismus heißt nicht, dass alles auf Französisch sein muss, es bedeutet nur, dass wir Französisch in der Schule lernten um mit Victor Hugo klar zu kommen, LeMonde zu lesen und Louis de Funès im Original zu schauen. Dasselbe gilt für das Deutsche und im weitesten Sinne auch Englisch.

Alles, was über dieses Wissen hinausgeht ist Übung. Familie, Freunde, Schule, Bücher, Medien. Wir perfektionieren uns mehr in der einen Sprache als in einer anderen. Auf Luxemburg runter gebrochen ist das meistens Richtung Deutsch oder Französisch, seltener Englisch. Wer als jemand, der in seinem freiwilligen oder unfreiwilligen Umfeld eher eine Neigung zur deutschen Sprache hat, ein Behördenschreiben erhält, liest es mehrmals, greift gegebenfalls zum Wörterbuch. Dem müsste ein Land, das seinen Multilingualismus und seine Bürger ernst nimmt, Rechnung tragen.

Und hier kommen wir zum Problem mit der Petition: Wie kommt das Luxemburgische in Spiel? Durch die jeweilige Affinität zum Deutschen oder zum Französischen reichen beide Sprachen völlig aus, es bedarf keiner weiteren Übersetzung in Luxemburgische als administrative Sprache. Fast niemandem, eventuell noch einigen unter den älteren Mitbürgern (wobei das ein vorsichtiger Einschub ist, Beispiele fehlen), ist das Luxemburgische als Text umgänglicher als das Deutsche oder Französische. Ein Behördenschreiben wird dem Französisch nicht so bewanderten Leser fremder auf Luxemburgisch als auf Deutsch erscheinen, zumal der luxemburgische Text durch die vielen francophonen Lehnwörter zerrissen wird. Von den Kosten, die zusätzliche Übersetzungen mit sich bringen ganz zu schweigen.

Es bleibt also ein fahler Nachgeschmack. Einerseits ist es wichtig, dass sich diejenigen, die sich der deutschen Sprache näher fühlen, sichtbar machen. Gleichzeitig geht diese legitime Kritik an den Eigenarten luxemburger Berhördlichkeit in einem Amalgam luxemburgischer Eigentümerei unter. Die simple Forderung, dass Behördenschreiben auch auf Deutsch vorliegen sollen, wurde mit der Forderung nach mehr Luxemburgisch verknüpft, was zwar für Unterschriften sorgt, in sich aber nicht ganz schlüssig ist, zumal am Ende der Petition die Behauptung auftaucht, dass Luxemburgisch in Zukunft verschwinden werde. Das ist, wenn man sich die Entwicklung der letzten Jahre ansieht, statistisch falsch, aber Zahlen kann man sich zurechtbiegen.

Der Graben verläuft zwischen der legitimen Forderung den deutschsprachig Sozialisierten ihre Behördengänge zu vereinfachen und dem Sprung ins luxemburgischsprachige Mikrouniversum. Letzteres ist nicht notwendig um die Anfangsforderung zu erfüllen. Trotzdem wird hautsächlich ums Luxemburgische gerungen. Die Motivation reicht vom Gefühl der Überfremdung bis hin zu Aluhutträgern, die glauben, dass Bettel höchstselbst das Land in eine francophone Kolonie verwandeln möchte. Luxemburgisch lebt als Umgangssprache und es wäre viel Aufwand nötig das zu ändern. Mit einen offeneren Umgang mit Deutsch als weitere Default-Amtssprache wäre niemandem geschadet, aber vielen geholfen. Es besteht keine Notwenigkeit eines weiteren Schrittes aus der Anfangsforderung der Petition heraus hin zu Luxemburgisch als neuer sprachlicher Monolith im Behördenjargon. Damit wird man niemandem etwas vereinfachen. Warum die Fixierung aufs Luxemburgische einen derart großen Raum einnimmt, kann ich nur mutmaßen. Stimmen bringt es offensichtlich. Fragt sich nur, was die Motivation ist. Naiv-unschuldig ist sie jedenfalls auch nach 472 Tagen nicht mehr.

Lëtzebuerger Fändel mat lëtzebuerger Faarwen

Lëtzebuerger Fändel mat lëtzebuerger Faarwen

September 19, 2016 - Posted by | Luxemburg, Neues aus Luxemburg, Offene Gesellschaft, Patriotismus, Pluralismus | , ,

1 Kommentar »


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