L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Eine Antwort an Fabien O.

Einige Bemerkungen meinerseits in den sozialen Medien die letzten Tage haben für einiges Aufsehen gesorgt. Auch ein alter Fussballkumpel namens Fabien O. hat mir am Sonntag zu verstehen gegeben dass er meine Aussagen recht unglücklich finden würde. Dabei ist mir aufgefallen, dass wir einerseits in der Tat manches anders sehen, andrerseits ich mich aber wohl auch nicht ganz unmissverständlich ausgedrückt habe. Zeit auf einige Kritikpunkte seinerseits einzugehen und meinen Standpunkt näher zu erläutern.

„Deine Ansicht ist ziemlich eurozentristisch.“

Wenn ich mir die Wikipedia-Definition von „Eurozentrismus“ so ansehe, bin ich in vielerlei Hinsicht, allein schon aufgrund des Bildungssystems, ein Eurozentrist, wenngleich kein Rassist. Falls jedoch spezifisch gemeint gewesen sein soll, dass ich den islamistischen Terrorismus allein als einen Angriff auf Europa bzw. die sogenannte westliche Welt ansehe, dann jedoch nicht. Mir ist bewusst, dass die Terroristen nicht nur Europäer und Nordamerikaner bedrohen. Der islamistische Terrorismus ist natürlich eindeutig ein GLOBALES Phänomen. Es gab und gibt immer wieder Terroranschläge in Indien, in Indonesien, im Libanon, in der Türkei, in Ägypten, in Kenia, in Nigeria, in Russland, in Argentinien usw. usf. Je nach Land werden die Anschläge von jeweils anderen Gruppen durchgeführt, die jeweilige Bedrohung mag grösser oder kleiner sein, die politischen Begründungen jeweils lokalspezifisch begründet werden, aber der islamistische Terrorismus bedroht im Grunde die gesamte Welt. Ausser natürlich die Staaten, die zu den grössten Financiers desselben gehören.

„Ich dachte, nicht jetzt auch noch CK, als ich las, was Du gestern geschrieben hast“.

Ich hatte geschrieben, dass ich die Floskel „Das hat mit dem Islam nichts zu tun“ nach Terrorangriffen nicht mehr hören könnte, sie mich gerade zu agressiv machen würde und ich daher froh sei, dass diesmal wohl noch kein Politiker sie gebracht hätte (oder hab ich’s überhört?)

Mitnichten ging es mir dabei darum Muslime einem Generalverdacht auszusetzen, zu behaupten dass der Islam im Speziellen und Religion im Allgemeinen an sich zu Terrorismus führen muss (wenngleich ich als philosophischen Gründen überzeugter Atheist bin, aber dass Fass lassen wir jetzt lieber mal zu), ich wollte nur sagen, dass mich diese Floskel nervt weil a) es gibt ja gar nicht DEN Islam und b) haben die Akte der Terroristen sehr wohl etwas mit ihrer subjektiven (u.U. sehr oberflächlich-simplistischen) Exegese zu tun, mit der sich auseinandergesetzt werden muss, wobei insbesondere Muslime das tun müssen, da es ja ihre Religion sein soll, die die Terroristen angeblich „pervertieren“.

„Die Terroristen hassen uns wegen den Verbrechen der Kolonialzeit.“

Die Kolonialzeiten sind zwar lange vorbei, aber Hass kann natürlich von Generation zu Generation vererbt werden. Auch wenn das falsch wäre. Die Juden erziehen ihre Kinder ja auch nicht dazu, Deutsche wegen der Shoa zu hassen. Nur müssten dieser Logik nach vor allem Hereros in Deutschland, Inder in Großbritannien, Surinamesen in den Niederlanden oder Kongolesen in Belgien terroristisch aktiv sein. Die meisten Terroristen weltweit kommen aus muslimischen Ländern, wieso sollten Muslime mehr als alle Anderen einen Groll auf die früheren Kolonialherren haben? Ausserdem hatten die USA niemals Kolonien im Nahen Osten, wieso also 9/11?

„Die Terroristen hassen militärische Interventionen. Daher werden die USA oder Frankreich eher angegriffen als bspw. die Schweiz.“

Dieses Argument macht in der Tat gewissen Sinn. Die USA haben im Irak erst die Situation erschaffen, aus der ISIS hervorstieg. Frankreich hat sich in den Syrienkonflikt eingemischt und in Libyen. Das gefällt sicher nicht jedem. Nur erklärt das nicht wieso soviele einheimische Zivilisten bei Selbstmordattentaten in Ländern wie dem Irak oder Afghanistan abgeschlachtet werden. Es geht eben nicht nur gegen die fremde Macht von aussen.

„Wenn die Anderen es tun, ist es Terrorismus. Wenn der Westen das Gleiche tut, bspw. ein Krankenhaus bombardieren, nicht.“

Die Aussage kann ich erst recht nicht nachvollziehen. Die islamistischen Terroristen wollen ganz bewusst soviele Zivilisten wie möglich töten (etwas was sie übrigens von früheren Terroristen wie der RAF in den 70ern durchaus unterscheidet), unsere westlichen Armeen haben keinesfalls dieses Ziel. Hätten sie es, würden sie problemlos Massengenozide verüben. Tun sie aber nicht. Es wird vielmehr bewusst versucht, zivile Opfer zu vermeiden, was aber leider aus diversen Gründen oft nicht gelingt. Zudem verschanzen sich Terroristen oft noch in Krankenhäusern, Moscheen oder Schulen und benutzen Zivilisten als „menschliche Schutzschilde“ (übrigens alles glasklare Kriegsverbrechen !). Der vermutlich gemeinte Beschuss des MSF-Krankenhauses im afghanischen Kundus soll selbstverständlich untersucht werden, aber von vornherein den Amerikanern dort Absicht zu unterstellen, halte ich für „sehr gewagt“. Natürlich ist ein Toter tot, egal ob er durch Fahrlässigkeit, einen furchtbaren Irrtum, einen (nachvollziehbaren?) Unfall oder absichtlichen Mord starb, das Resultat ist dasselbe, aber die moralische Bewertung des Tötungsaktes ist je nach Fall eine vollkommen Andere.
Äpfel und Birnen.

November 17, 2015 - Posted by | Islamismus | , , ,

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