L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

„Lëtzebuerg, du hannerhältegt Stéck Schäiss“

Als ich die ersten Sticker mit der Aufschrift „Lëtzebuerg, du hannerhältegt Stéck Schäiss“ gesehen hatte, musste ich schon still in mich hinein lachen. Ich hatte keine Ahnung um was es ging, dachte an Guerilla Marketing für … irgendwas? Später, aha, ein Theaterstück. Von Richtung22, alles klar. Es gab nur ein paar Aufführungen, doch jetzt ist das Theaterstück online zu bewundern.

Später kam es zu außertheatralischen Begegnungen, die ihrerseits fast schon Parodie waren: Sowohl Viviane Reding (CSV) als auch Fernand Kartheiser (ADR), hatten sich beschwert. Bei soviel Politprominenz-Trallalla muss das Stück gut sein.

Und um es vorweg zu nehmen: Ja, ist es. Dabei ist gar nicht mal soviel um die Darstellung herum gedichtet, die meisten Textpassagen sind 1:1 übernommen worden. Ihre Ursprünge finden sich in Marketingskommuniqués und aus Vorträgen und Interviews mit Politikern und Werbeanalysten. Das heißt, es wird im Stück nichts Neues eingebracht oder gar etwas enthüllt. Dafür werden die ganzen Verstrickungen aufgezeigt: immer wieder tauchen dieselben Namen auf und die gleichen leeren Worthülsen werden gebetsmühlenartig recycelt. So gerafft zusammengefasst wirkt alles, was mit dem Themenkomplex Nationbranding zu tun hat, lächerlich. Und das ist auch eines der Ziele der Produktion. „Lëtzebuerg, du hannerhältegt Stéck Schäiss“ zeigt also die Leere eines Brandings, wenn die Realität dahinter anders aussieht? So platt ist das Stück dann nicht: vielmehr zeigt es, dass die Realität dahinter genau das ist, was es verspricht, nur eben hübscher verpackt. Ohne Euphemismen bleibt nur noch Lëtzebuerg, du hannerhältegt Stéck Schäiss.

Dabei driftet das Stück nicht in den befürchteten Zynismus ab. Es werden zwar auch keine Lösungen präsentiert, aber der Umgang mit dem Thema zeigt, dass das Hauptaugenmerk auf der Bloßstellung der Brander selbst liegt, die in ihrer Funktion als (Aus-)Schöpfer von Marketing und Public Relations in Sprechblasen verfallen um das Offensichtliche für den Normalbürger bunt zu verpacken. Dabei ist ein gutes Image bei mir, Richtung 22 oder 08/15-Jempi unwesentlich. Es geht in erster Linie um ein Image bei der Zielgruppe, die dann auch versteht, was gemeint ist. Der Rest ist uninteressant, und jedes Meckern oder Jubeln ist nur eine oderflächliche Beschäftigung mit den Werbeslogans selbst – und damit ist man bereits reingefallen, fürs Outcome einerlei.

Das Stück stellt aber noch etwas heraus: die ganzen Manipulationsstrategien liegen klar vor uns, es braucht keine versteckten Absprachen oder gar Schattenkabinette, die aus dem Dunkeln heraus alles am Bürger oder Staat vorbei regeln. Sowohl Wutbürger als auch Jubelluxemburger haben massiven Anteil daran, dass sie umgesetzt werden. Ein stupides Verschließen vor allem, was gesagt wird und die Attitüde, dass „die da oben“ tun, was sie wollen, ist eine zynische Reaktion, die „denen da oben“ mehr nutzt als schadet. Besser ist es sie selbst sprechen zu lassen um die ganze Absurdität darzulegen. Dazu muss man keine Alternativen aufzeigen. Alternativen innerhalb dieser Logik aufzuzeigen bedeutet mitmachen. Zitieren als Komplettverweigerung kann vielleicht mehr die ganzen Strukturen dahinter offenbaren als ein ernsthaftes Mitredenwollen. So gut die Vorsätze auch sein mögen, am Ende wird man dort zum Stichwortgeber, wo man nicht mitgenannt werden wollte.

Wenn ich einen Kritikpunkt am Stück hätte, dann, dass sie noch hätten weiter gehen können z.B. wie hinter vielen der genannten Marketing-Campagnen die Beschwörung eines Wir-Gedankens auftaucht, der sich momentan ganz hässlich in Social Networks zeigt. Die für verschiedene Zwecke geschaffenen ideologischen Voraussetzungen (und damit auch Folgen) hätten vielleicht noch beleuchtet werden können. So sind viele der Hasskommentare im Netz mittlerweile ganz ähnlich gestrickt: die Konstruktion eines homogenen „wir“ gegen „die (da oben/anderen/intellektuellen Schwätzer/younameit)“ – ein Branding der ganz eigenen Sorte. Als Seitenhieb im Stück durchaus vorhanden, steckt dahinter ein weitaus größerer Themenkomplex als Rattenschwanz. Aber das noch einzubauen wäre vielleicht zuviel des Guten gewesen.

Kurz: schaut es euch bei Gelegenheit mal an.

richtung22.org
„Lëtzebuerg, du hannerhältegt Stéck Schäiss“ – Skript

Oktober 3, 2015 - Posted by | Allgemeines, Kurioses, Neues aus Luxemburg, Offene Gesellschaft, Video | , , , , ,

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