L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Red Bull Leipzig, Red Bull Salzburg – Franchise statt Fussballklub

Ich kenne Jorge Arprin nicht persönlich – bin aber bereits vor einigen Monaten, nach einem Hinweis von CK, auf seinen Blog aufmerksam geworden. Insbesonders die Beiträge über frühere Fußballweltmeisterschaften haben mir immer sehr gut gefallen. Nun folgte vor kurzem ein weiterer Fußballbeitrag von Arprin. Hierbei ging es um RB Leipzig. Auf diesen Beitrag möchte ich gerne antworten.

In einem Punkt stimme ich Jorge Arprin auf jeden Fall zu: es ist jedem selbst überlassen, was er von RB Leipzig- wie von jedem anderem Verein übrigens auch- hält. Ob es überhaupt rational sein kann, einen Fußballverein zu mögen oder zu hassen, lasse ich mal dahingestellt, Rationalität ist aber wohl auch nicht der wichtigste Beweggrund von zig Millionen Fußballfans, die jedes Wochenende irgendwo auf der Welt in die Stadien pilgern. Ich mag den Begriff „Hass“ im Zusammenhang mit Fußball nicht unbedingt, behaupte aber mal dass es im europäischen Profifußball keine Vereine gibt die ich weniger mag als RB Leipzig und RB Salzburg.

Über den Begriff „Traditionsverein“ gehen die Meinungen natürlich weit auseinander. Insbesonders die Tatsache, dass Bayer Leverkusen von einigen nicht als Traditionsverein anerkannt wird ist für mich ehrlich gesagt unverständlich, da dies einzig und allein mit dem Argument begründet wird, dass der Fussballklub ohne das Bayer-Werk nicht existieren würde. Na, und? Vor 111 Jahren wurde der Verein gegründet, um den Arbeitern in der Fabrik am Rhein eine Möglichkeit zur Freizeitgestaltung zu bieten. Wahrscheinlich ist Bayer Leverkusen sogar der einzige Verein im deutschen Profisport, der älter ist als seine Heimatstadt (die Stadt Leverkusen wurde erst 1930 gegründet). Im Beitrag von Arprin wird als „Retortenverein“ ein „Verein, der nur dazu gegründet wurde Geld zu machen“ definiert – im Falle von Bayer Leverkusen ist das doch sehr weit hergeholt.

Ich versuche jetzt mir einen kurzen Augenblick, Fußball komplett ohne externe Geldgeber (also weder Sponsoren oder Investoren noch öffentliche Unterstützung für die Vereine oder TV-Gelder) vorzustellen: eine Bundesliga, in der Vereine aus ganz Deutschland mitspielen würden, würde wahrscheinlich schon an den Reisekosten scheitern, ohne Präsenz in den Medien würde es wohl schwierig werden hohe Zuschauerzahlen anzuziehen – und selbst die Instandhaltung eines Fußballplatzes (geschweige denn der Erwerb eines solchen) würde viele Vereine vor existenzielle Probleme stellen. „Geld macht den Fußball kaputt“ ist also eine Nostalgiephrase, die eigentlich schon in den 1950er Jahren überlebt war – auch hier gebe ich Arprin Recht. Wer irgendeinen Profisportverein als „antikommerziell“ ansieht hat entweder keine Ahnung von der Realität oder möchte sie einfach nicht sehen…

Was aber ist nun bei RB anders als bei anderen Vereinen, Wolfsburg, Leverkusen, Hoffenheim und Ingolstadt inbegriffen? Zunächst ist mal die Absicht, einen Sportverein als Litfaßsäule zu nutzen, neu. Während in Wolfsburg, Leverkusen, Eindhoven und Ingolstadt Firmen einen Verein aus „ihrer“ Stadt unterstützen, wird im Falle von RB gezielt nach Standorten gesucht um eine Fußballfiliale zu eröffnen. Leipzig ist eine der größten Städte Deutschlands, die Region hat nur wenige halbwegs erfolgreiche Fußballvereine. Ich maße mir kein Urteil über die Fanszenen anderer Leipziger Vereine an, da ich diese nicht im Detail kenne, aber für viele Leute ist 2.Bundesliga, oder mittelfristig wohl auch Bundesliga, natürlich attraktiver als 4. oder 5.Liga. Eigentlich ist dies ja noch nichts Verwerfliches, aber ich begreife nicht, wie man sich als Fußballfan auf ein solches Unterfangen einlassen kann – wohlwissend dass RB rein gar nichts mit Leipzig zu tun hat – und wohl nicht davor zurückschrecken würde mit Kader und Kegel in eine andere Stadt oder Region „umzuziehen“, wenn in 5 Jahren vielleicht dort ein größerer „Zuschauermarkt“ sich erschließen würde. Was die Seattle Supersonics, alias Oklahoma City Thunder, im US-Basketball können, wird RB wohl auch zu Stande kriegen. Es wäre ja eigentlich unlogisch, wenn das Argument Zuschauermarkt, das RB nach Leipzig gezogen hat, später nicht mehr gültig wäre, wenn es darum gehen würde eines Tages Leipzig zu verlassen.

Ebenfalls anders als bei anderen Vereinen ist die, aus meiner Sicht sehr unschöne, Art und Weise wie RB andere Vereine „übernimmt.“ Statt Neugründungen anzustreben, versucht RB aus Gründen der Zeitersparnis, bereits existierende Vereine aufzukaufen. Leider mit Erfolg. Die Identität dieser Vereine wird völlig vernichtet, sämtliche Kennzeichen ihrerseits durch Kennzeichen der Marke Red Bull ersetzt. Natürlich wird dieses Ausmaß in Salzburg deutlicher sichtbar, wo mit Austria Salzburg ein Erstligist übernommen wurde – aber das Prinzip in Makranstädt war eigentlich das gleiche. Dies ist nicht verboten, passiert auch nicht ohne das Einverständnis der Vereinsverantwortlichen, die Art und Weise wie die Fans des alten Vereins ihrer Liebe beraubt wurden macht RB jedoch nicht sympathischer. (Immerhin wurde die alte Austria in Salzburg neu gegründet und ist längst auf dem Weg zurück in die oberste Spielklasse Österreichs.)

Die Tatsache, wie RB zudem in den unterschiedlichen Ligen mit unterschiedlichen Vereinen unterwegs ist, ist zumindest fragwürdig. Wie Rapid Wien beim Wechsel von Marcel Sabitzer ausgetrickst wurde, ist schlichtweg dreist. Zur Erklärung: der Spieler wollte Rapid verlassen, sein Vertrag ließ aber zu einer festgeschriebenen Ablöse nur einen Wechsel ins Ausland zu. So wurde er von Leipzig gekauft – um sofort nach Salzburg ausgeliehen zu werden. Dies war natürlich günstiger für RB als die Ablösesumme für einen „direkten Wechsel“ nach Salzburg mit Rapid auszuhandeln. Diesbezüglich gibt es, soweit ich weiß, noch keine genauen Regeln, aber da besteht auf jeden Fall Nachholbedarf seitens der Verbände diese Transfergeschäfte mit sich selbst zu regeln. Der Aufbau einer Franchise mit mehreren Vereinen ist ja auch eine völlig neue Entwicklung im Profifussball.

Haben die Traditionsvereine „bessere“ Fans? Schwierig diese Frage zu beantworten, aber auf jeden Fall haben Traditionsvereine logischerweise eine hohe Anzahl an Fans, die ihrem Verein seit Jahren die Treue halten. Kann Leidenschaft für einen Fußballverein von heute auf morgen entstehen, nur weil zufällig ein großer Verein sich in der eigenen Region niederlässt? In der Saison 2011/2012 habe ich einige Spiele von 1899 Hoffenheim im Stadion besucht – und stand davor und danach auch einige Male im Gästeblock in Sinsheim. Sicher, auch hier haben einige Leute gesungen, auch hier trugen die Fans Trikots ihres Vereins, doch die wirkliche Leidenschaft, der unbedingte Wille der Fans, die eigene Mannschaft siegen zu sehen, habe ich dort vermisst. Überdurchschnittlich viele, so war mein Andruck in Sinsheim, wollten einfach nur ein gutes Spiel sehen – hätten sich aber genauso gerne ein Bundesligaspiel von Waldhof Mannheim oder dem Karlsruher SC angeschaut. Wie gesagt, ist dies nur mein subjektiver Eindruck, der bei den Spielen, denen ich in Hoffenheim beigewohnt habe, entstanden ist. Leidenschaft in den Stadien kann man natürlich nicht objektiv messen – und ob ich direkt von Hoffenheim auf RB Leipzig schließen kann ist auch eine andere Frage.

Dass die meisten Traditionsvereine, wenn sie in die 4.Liga absteigen, kaum Zuschauer haben, glaube ich nicht. Laut weltfussball.de liegt in der laufenden Saison in der Regionalliga West (also 4.Liga) der Zuschauerschnitt von RW Essen bei über 9600 Zuschauern. Bei Alemannia Aachen in der gleichen Liga sind es immerhin noch 7400. Beide Vereine liegen in einer Region, in der es zwar viele Einwohner, aber auch sehr starke (höherklassige) Konkurrenz gibt.

Arprin hat Recht – niemand muss RB hassen. Ja, es zählt auf dem Platz. Jedoch nicht nur. Auch die Leidenschaft auf den Tribünen macht den Reiz des Fußballs aus. Es bleibt Geschmackssache, aber ich finde es beeindruckend, wenn ein MSV Duisburg 24 000 Zuschauer bei einem Niederrheinpokalfinale im Stadion hat, auch wenn dort vielleicht kein One-Touch-Fußball gespielt wird.

Zum Glück gibt es halt auch noch andere Fußballvereine als RB und „hooliganverseuchte Fünftligisten.“

RBL

(Foto von Felix Abraham für bild.de)

Februar 5, 2015 - Posted by | Österreich, Deutschland | , , ,

10 Kommentare »

  1. Schön, hier wieder mal was über Fußball zu lesen. Ich klinke mich da gleich mal ein😉

    Ich bin Fan eines Traditionsvereins, der in der ersten Liga ständig gegen den Abstieg kämpft, und, so dieser dann realisiert wurde, in der zweiten Liga um den Aufstieg mitspielt. Und mir gehen auch bestimmte Vereine gegen den Strich. Zuallerletzt aber RB Leipzig. Warum?

    Ich mache das am Einbezug von Fans fest. Der ganze deutsche Osten hat keinen Bundesligaverein aufzubieten, und es ist auch nicht ersichtlich, wie er das ohne ein Engagement wie das von Red Bull in absehbarer Zeit schaffen sollte. Sicher, man kann den Leipziger Fans erzählen, wie wenig nachhaltig dieses Engagement u.U. sein kann, aber erstens gibt es da ja noch Statute der DFL und des DFB, die denen amerikanischer Profiligen nicht entsprechen, und zweitens dürfte auch denen der reale Spatz in der Hand lieber sein als die unwahrscheinliche Taube auf dem Dach. Ich jedenfalls würde es begrüßen, wenn Bundesliga-Spiele in Leipzig ausgetragen werden und wenn Leipziger Fans in großer Zahl zu den Spielen ihrer Mannschaft mitreisen.

    Das sehe ich anders bei Clubs wie Hoffenheim, Wolfsburg oder Ingolstadt. Das sind alles Vereine, die es auch ohne historisches Handicap nie in eine erste Liga schaffen würden, wenn sich nicht ein Unternehmer oder Konzernchef ihrer erbarmen würde. Die Schlachtenbummler dieser drei Vereine füllen bei den Gastgebern nur einen Bruchteil der für die Auswärts-Fans reservierten Fanblöcke. Deutlicher kann man auf Künstlichkeit nicht hingewiesen werden.

    Und auch Leverkusen sehe ich anders. Ok, der Verein mag für die Arbeiter vor über hundert Jahren gegründet worden sein. Aber von den heutigen Profis dürfte kaum jemand einer Tätigkeit im Chemie-Werk nachgehen… Eine solche Hülle einem Profi-Klub überzustülpen ist materiell nicht viel anders als das, was Red Bull macht. Mit dem Unterschied, dass Leverkusen immer nur eine Fabrik bei Köln bleiben wird.

    Kritik am Gebaren der Einkaufspolitik halte ich, so sie von Fans anderer Vereine kommt, für heuchlerisch. Alle würden so handeln wie Red Bull im Kleinen oder die Bayern im Großen, wenn sie denn könnten. Aber darüber vergisst man, was Red Bull mittlerweile wirklich gut macht. Ihr Sportchef Ralf Rangnick steht für eine Philosophie des Fußballs, die in den RB-Vereinen praktiziert wird. Diese einheitliche Philosophie ermöglicht nicht nur den Wechsel von Spielern innerhalb des „Konzerns“, sondern auch die Integration von Nachwuchskräften. Es ist bei RB anders als bei meinem Lieblingsverein. Wenn bei dem ein neuer Trainer kommt, wird alles wieder über den Haufen geworfen. Bei RB wird das Konzept hingegen fortgesetzt. Und das trägt noch viel mehr als viel Geld zu dem schnellen Erfolg solcher Vereine wie Leipzig bei.

    Ob Hoffenheim, Wolfsburg oder Ingolstadt so weit sind, wage ich zu bezweifeln. Vielleicht am ehesten noch Hoffenheim, nach einer langen Periode der Irrungen und Wirrungen. Aber die haben den ewigen Nachteil, ein Dorfverein ohne große Fanbasis zu sein. Mein zweitliebster Verein ist der KSC, und wenn ich daran denke, wie der gegen alle Widrigkeiten immer wieder eine wettbewerbsfähige Truppe auf die Beine stellt, mit bodenständigen Trainern, dann nervt es mich schon, dass ein Retortenclub wie Hoffenheim denen junge Talente aus der Region wegschnappt.

    Leipzig hingegen schnappt niemandem aus der Region etwas weg. Da ist sonst nichts.

    Kommentar von Werwohlf | Februar 6, 2015

  2. @Luis: Guter Artikel !🙂

    @Werwohlf: Ich finde das Prinzip an sich gut, dass Konzerne in Fussball investieren, aber RB Salzburg empfinde ich als Perversion. Da wurde den Fans ihr geliebter Verein geraubt. Mittlerweile haben sie die Austria zwar neu gegründet und sind wieder auf dem Weg nach oben, aber solche Machenschaften kann kein echter Fussballfan für gutheissen.

    Wenn Red Bull als „normaler“ Sponsor (wie es zig andere Konzerne tun!) den VfB (oder Sachsen, Lok etc.) Leipzig oder eben Austria Salzburg wieder nach oben brächte/gebracht hätte: Gerne! (die im obigen Video redenden Austriafans sagen ja auch dass sie am Anfang froh über Mateschitz‘ Einstieg waren.) Ich gebe Dir ja durchaus recht, dass der Osten nach dem Wegfall Hansas endlich wieder einen Erstligisten bräuchte. Aber dieses komplette Zerstören einer vorherigen Vereinsidentität geht gar nicht. Das macht wirklich NUR Red Bull.

    Leverkusen und Wolfsburg sind Werksvereine, aber historisch gewachsen. Hoffenheim mag ich nicht, aber ich nehme Hopp durchaus ab, dass ihm an seinem Heimatverein etwas liegt. RB hingegen geht es nur um die eigene Marke. Das ist zwar allein noch nichts moralisch Verwerfliches, wird es jedoch, wenn auf diesem Altar jegliche Tradition zerstört wird.

    Ich bin kein Freund der Dichotomie Tradition-Kommerz, ich glaube dass man Tradition sogar sehr clever gut vermarkten kann, umso schlimmer jedoch, wenn Tradition und Geschichte komplett ausradiert bzw. abgekappt werden.

    Investoren sind gerade auf der Insel gang und gäbe, wo es keine 50+x-Regel gibt. Viele Fans geisseln dies. Mich stört es persönlich jedoch nicht so. Chelsea hätte ohne Abramovich wohl kaum die CL gewonnen. „Mein“ Verein 1860 hat ebenfalls seit ein paar Jahren einen jordanischen Investor. Aber jeder setzt halt seine eigenen ethischen Grenzen.

    Dass rein sportlich betrachtet, bei RB gute Arbeit geleistet wird, streite ich natürlich nicht ab.

    Kommentar von CK | Februar 6, 2015

  3. Hat nicht direkt mit dem Thema zu tun, aber dennoch irgendwie bezeichnend: http://img-9gag-ftw.9cache.com/photo/aNZo1bv_700b.jpg

    Kommentar von JayJay | Februar 6, 2015

  4. als leipziger in direkter nachbarschaft des stadions zuhause aber kein dedizitierter fussballfan möchte ich gerne auch einen beitrag zu dem sehr gut recherchierten artikel leisten.
    @werwolf hat völlig recht, es braucht einen ostdt. verein in der bundesliga und ich würde mich freuen wenn rb leipzig einmal in der championsleague spielt.
    dass hätte (und wird keiner) der anderen leipziger vereine (die sammelbecken für gewaltätige und rechte gesinnungen sind) geschafft. auf solche vereine (und deren stadien) kann ich verzichten und da bin nicht nur ich froh darüber dass es einen zahlungskräftigen investor mit langem atem gibt sondern vorallem.die zuschauerinnen und zuschauer die mit ihren kinder und enkelkinder zu den spielen gehen wollen.

    und auch wenn eine riesige flagge von redbull über dem stadion weht, getrunken wird dieses gummibärenwasser in leipzig nämlich viel seltener als andere fitmacher getränke. beweis? verfügbarkeit in späti’s (getränkeladen für mehrheitlich alkoholische getränke mit verlängerten öffnungszeiten, im osten dt. verbreiteter aufgrund der geringen abdeckung von tankstellen)

    Kommentar von riegeros | Februar 19, 2015

  5. @Martin Riegeros: Also wer Red Bull trinken will, soll es trinken. Ich habe nichts gegen das Getränk, hab es sogar schon selber ab und zu getrunken. Und wie gesagt, an sich ist es ja gut wenn Konzerne in Sport investieren (Red Bull macht ja auch viel im Bereich „Extremsportarten“ und das ist begrüssenswert.)

    Es kann aber nicht sein, dass ein Verein wie in Salzburg übernommen wird und dann gesagt wird „Alles was vorher war, verleugnen wir jetzt“, wir ändern die Vereinsfarbe (Fans in violett bekamen sogar (zeitweise?) Stadionverbot), wir ändern den Vereinsnamen (wobei das zwar in Österreich leider vor Red Bull bereits normal war, siehe Tirol Milch, Casino Salzburg etc.) und jetzt ist es ein neuer, anderer Verein. Da lobe ich mir die Leute, die sich dem verweigert und die Austria neu gegründet haben.

    Leipzig ist zwar das gleiche Prinzip, aber es war nur ein kleiner Verein mit wohl kaum echten Fans, der übernommen wurde.

    Dass das Zentralstadion ein schönes Stadion ist und Erstligafussball darin gut für den ganzen Osten wäre, verleugnet hier wohl keiner. Kritisch bleibt aber, dass man kaum Mitglied bei Leipzig werden kann (ausser als Reicher). Es wäre letzendlich also auch im Interesse der Leipziger Fussballfans selbst, wenn dem irgendwie Einhalt geboten würde.

    Luis hat als Leverkusenfan natürlich auch keine Einflussnahme, aber ich bin froh, dass ich 1860-Mitglied bin/sein darf und dann auch über wichtige Entscheidungen des e.V.’s mitabstimmen darf, der ja weiterhin 51% der Stimmrechte an der KgaA hält (der die Profiabteilung und das ganze wirtschaftliche Geschäft unterstellt ist).

    Kommentar von CK | Februar 19, 2015

  6. @CK: wie du ja weißt bin ich wirklich kein fussballfan und nicht jemand der viel darüber weiß, daher würde mich interessieren, was genau den so ein mitglied mitbestimmen kann? dann verstehe ich vielleicht wo dass problem liegt. vielleicht mal am beispiel von 1860?

    Kommentar von riegeros | März 15, 2015

  7. @Martin Riegeros: Das kommerzielle Geschäft findet mittlerweile bei allen Profivereinen in Kapitalgesellschaften statt (wobei die genaue Gesellschaftsform variieren kann, der FCB ist bspw. eine AG, der TSV 1860 eine KgaA mit einer Gmbh als Komplementär). Es gibt aber immer noch den alten e.V. (Fussballvereine sind ja heute Wirtschaftsunternehmen, aber historisch sind sie natürlich als eingetragene Vereine entstanden), der- laut DFL-Statuten- mindestens eine Stimmenmehrheit von 51% in der Kapitalgesellschaft haben muss. Eine ähnliche Regelung gibt es in Österreich, aber eben nicht in England.

    http://de.wikipedia.org/wiki/50%2B1-Regel

    Diese Regel sorgt dafür, dass der e.V. weiterhin den Kurs vorgibt und nicht ein etwaiger reicher Investor (wie bspw. ein Abramovich bei Chelsea) allein das Sagen hat.

    Als Mitglied der e.V. hast Du wie bei jedem anderen Verein auch gewisse Rechte und Pflichten, die von der Satzung des Vereins bestimmt werden. Du kannst aktives Mitglied einer Abteilung sein (viele Vereine wie gerade 1860 haben mehr als nur eine Fussballabteilung, bspw. Ski, Boxen, Turnen, Leichtathletik, bei Bayern sind Basketball und Schach recht erfolgreich um nur ein paar Beispiele zu nennen), als aktives Mitglied hast Du das Recht die Räumlichkeiten Deiner Sportart zu nutzen, Trainingskurse in Anspruch zu nehmen usw. Dann gibt es die passiven Mitglieder (wie bspw meine Wenigkeit bei 1860), die nicht selber aktiv Sport dort treiben, aber Teil des Vereins sein wollen (was manchen Fans allein symbolisch schon sehr wichtig ist.) Es gab ne Zeit (lange her allerdings), da musstest Du sogar passives Mitglied sein um eine Dauerkarte bei Sechzig kaufen zu dürfen (das hat KHW damals eingeführt um die Mitgliederzahlen der Fussballabteilung in die Höhe zu treiben.) Bei Vereinen mit grosser Nachfrage nach Tickets werden Mitglieder zudem bei der Vergabe bevorzugt. Zu Deinen Pflichten gehört natürlich in beiden Fällen Deinen Mitgliedsbeitrag jedes Jahr zu bezahlen. (Es gibt natürlich auch noch Ehrenmitglieder und ausserordentliche Mitglieder (meist Promis), aber das lassen wir jetzt mal.)

    Der Verein darf Mitglieder ablehnen, die ihm schaden könnten. Norman Bordin, ein in München bekannter vorbestrafter Neonazi, wollte Mitglied beim TSV werden, wurde jedoch zurecht abgelehnt.

    Als Mitglied wirst Du jedes Jahr zu einer ordentlichen MV des Gesamtvereins eingeladen und hast dort Stimmrechte. Die MV ist zuständig für die Wahl des Präsidiums, des Verwaltungsrates, des Ehrenrates, der Kassenrevisoren bspw. Man kann Satzungsänderungen vorschlagen, über die dann abgestimmt wird. Wie in jedem x-beliebigen Verein oder Verband halt.

    Die aktuelle Satzung des TSV 1860:
    http://www.tsv1860.org/verein/pdf-formulare/satzung_stand_nach_mv_14_07_2013.pdf

    Das alte Delegiertensystem wurde wieder abgeschafft (lange Jahre, seit den 70ern glaub ich, durften die Mitglieder auf der MV nur sie vertretende Delegierte wählen, die dann auf sogenannten DV’s die wirklichen Aufgaben wahrnahmen, mittlerweile gibt es wieder ein basisdemokratisches System wo die Mitglieder selbst abstimmen dürfen.)

    RB Leipzig hat einen Mitgliedsbeitrag von 800 Euro/Jahr und ein sehr strenges Aussortierungsverfahren. Wieso wohl? Damit nicht jeder Fan einfach Mitglied werden und reinreden kann. Daher mein Vergleich: 1860, FCK, KSC usw. sind FussballVEREINE, wo ein Mitglied am Vereinsgeschehen teilnimmt, RB ist ein reines FRANCHISEUNTERNEHMEN, wo man allein zahlende Kunden/Konsumenten im Stadion will, die ansonsten nichts zu sagen haben sollen.

    Nun muss man natürlich sagen dass Werksvereine wie Leverkusen oder Wolfsburg dbzgl. auch anders aufgestellt sind. Aber vielleicht kann Luis dazu mehr schreiben.

    Ein Fan von RB Leipzig muss sich halt fragen ob das für ihn so okay ist oder nicht (man kann ja auch argumentieren, dass es keine vereinsinterne Demokratie braucht, diese vielleicht sogar kompetente Leute aus emotionalen Gründen eher behindern könnte). Mir persönlich ist jedoch wichtig, dass der Verein, mit dem ich mich als Fan identifiziere und den ich unterstütze, mich als Mitglied, als Teil des Vereins, sieht und nicht aussschliesslich als Kunde.

    Kommentar von CK | März 17, 2015

  8. Und das meint die Jungle World (Ausgabe 12/2015): „Das Vorhaben von Red Bull, über kurz oder lang einen betriebseigenen Topclub in der Bundesliga zu etablieren, wird von den RB-Gegnern links wie rechts als Bedrohung nicht nur des eigenen Vereins, sondern auch als genereller Untergang einer Leitkultur gedeutet, die um jeden Preis gegen die Entfremdungen der Moderne verteidigt werden soll. Mit dieser reaktionären und ironiefreien Verklärung von Tradition, Authentizität und Bodenständigkeit befinden sich die Gegner des modernen Fußballs in trauter Eintracht mit einem anderen fußballbegeisterten Zivilisationsfeind: dem Nazi-Philosophen Martin Heidegger. Der machte nicht nur jene archaischen Topoi und Ressentiments philosophisch salonfähig, derer sich nun auch die Gegner des modernen Fußballs bedienen, sondern schätzte am Fußball vor allem die deutschen Tugenden.“😉
    http://jungle-world.com/artikel/2015/12/51631.html

    Kommentar von nestor76 | März 22, 2015

  9. So und jetzt alle mal schön lachen:
    http://www.faszination-fankurve.de/index.php?head=Red-Bull-Salzburg-Fans-singen-gegen-RB-Leipzig&folder=sites&site=news_detail&news_id=9669

    Herrlich! Die blöden RB-Salzburger schnallen nun endlich, dass ihr Verein nur eine Litfaßsäule für RB ist und auf lange Sicht logischerweise nur Nummer zwei hinter der Leipziger Hauptfiliale, die irgendwann genauso von einer anderen Filiale wieder verdrängt werden könnte (gottseidank NICHT München, denn RB wollte ja auch mal den TSV 1860 zu RB München machen, wie wir diese Woche erfahren haben, der Kelch ging gottseidank an uns vorbei, denn lieber spiele ich auf ewig zweite oder gar dritte Liga als einem Kunstprodukt in der Ersten zu folgen…) Das habt ihr euch redlich verdient, ihr Volldeppen! Jetzt lernt ihr es auf die harte Tour. Gegen das Mutterschiff in Leipzig zu singen, herrliche Realsatire😀

    Salzburg ist komplett weiss-violett ;-)))

    Kommentar von CK | April 30, 2015


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