L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

In der Stadt der Brunnen und Statuen

Nach der erfolgreichen „Road to Brazil“ – Tournee steht 2014/2015 nun die „Road to France“ an. Nach einem 1-1 im Heimspiel gegen Weißrussland ging es letzte Woche nach Mazedonien. Genauer gesagt in die Hauptstadt Skopje, die Bloggerkollege Andreas Moser als eine Mischung aus Las Vegas und Mekka beschrieben hatte.

Dienstag, 7.10.2014.

Im Regen begebe ich mich morgens gegen viertel nach neun zum Bahnhof Belval-Université, wo ich mit Max Wies zusammen im Zug nach Luxemburg-Stadt fahre, wo wir erstmal ein Brötchen essen und ich eine Cola trinke. Mit einem Flibco-Bus- in dem auch Mitglieder des Rentnerfanclubs „Roude Léiw“ mitfahren- geht es in der Folge über Trier zum Flughafen Frankfurt-Hahn. Unterwegs unterhalten Max und ich uns über Fußball und Politik und so vergeht die Zeit recht schnell.

Im Flughafengebäude treffen wir die beiden Trierer Jungs Mario und Pi (die sich, obwohl Deutsche, öfters auch Luxemburg anschauen), meinen Schweizer Freund Martin S. aus Basel und Pascal Grüneisen, unsere Bekanntschaft aus Rio. Nachdem wir die Sicherheitskontrollen passiert haben, trinken Pascal und ich gleich mal ein erstes Bier.

Später geht es an der Passkontrolle vorbei zum Gate. Dort wird eine sehr arbeitsfreudige deutsche Dame auf mich aufmerksam, die sicher auch als Gefängniswärterin eine gute Karriere vor sich gehabt hätte und vermutlich eine Genkreuzung aus der Putzfrau in der Lindenstrasse und Oberschwester Hildegard aus der Schwarzwaldklinik ist (ja, ich bin in den 80ern geboren und meine Eltern schauten immer deutsche Soaps.) Die gute Frau ist der Meinung, auf meinem selber ausgedruckten Ticket fehle ein Kulikreuz der Passkontrolle und kritzelt ein Kreuz darauf. Dummerweise bemerkt sie dabei, dass Pascal und Max zwar ein Small Cabin Bag Ticket haben, ihr jeweiliges Gepäckstück aber nicht so klein aussieht. Daraufhin müssen beide Jungs ihre Gepäckstücke in so ein Kontrollteil reinstecken, in welches Maxens Teil gar nicht hineinpasst und Pascals ein wenig hinauslugt. Beide müssen nun 35 Euro Aufpreis bezahlen. Vor allem in Pascals Fall eine harte Entscheidung. Beide hätten angeblich im Vorfeld ein Large Cabin Bag Ticket für 10 Euro Aufpreis sich zulegen müssen, jetzt sei hingegen der Strafaufpreis fällig. „Klein wäre halt ein Koffer, der ins Teil hineinpasst oder eine Sporttasche wie die ihres Freundes“. Sie verweist dabei auf meine Sporttasche, die zwar nur zur Hälfte gefüllt ist, aber in der Länge eigentlich auch zu lang ist um in das Kontrollteil hineinzupassen. Ich fange laut an zu lachen. „Warum lachen Sie denn?“ fragt „Hildegard“ erbost. „Naja, ich sehe jetzt nicht so wirklich den Größenunterschied zwischen meinem Gepäckstück und den beiden anderen hier“. Dies ist zugegebenermassen eher eine Ausrede als die Wahrheit. Aber ich kann ja schlecht sagen: „Ich lache über Sie, Frau Oberschwester“ 😉 „Na dann stecken Sie ihr Gepäckstück doch da mal rein. Das ist dann mal eine gute Demonstration. Wer weiß, vielleicht bezahlen Sie ja auch noch, weil Sie jetzt so dämlich gelacht haben.“ Daraufhin stelle ich meine Sporttasche kopfüber in das Teil, es lugt ein wenig hinaus. „Und jetzt drücken Sie mal von oben drauf“. Ich tue wie mir geheißen und siehe da, die Sporttasche passt komplett hinein. „Sehen Sie, eine solche Tasche kann man halt zusammenknautschen, die Teile ihrer Freunde aber nicht.“ „Ich verstehe“ meine ich und nicke. Die halbe Passagierliste hat die Demonstration ebenfalls mitbekommen und etwas hinzugelernt. Max ist verständlicherweise verärgert, aber die 35 Euro müssen er und Pascal halt doch bezahlen.

In etwas mehr als zwei Stunden geht es mit der wizzair- deren Gepäckbestimmungen übrigens noch strenger als die der Ryanair sind- nach Skopje. Hin- und Rückflug zusammen kosten übrigens mit einem kleinen Handgepäck nur 54 Euro. 🙂 In der mazedonischen Hauptstadt angekommen, treffen wir nach der Passkontrolle gleich den vorher angefragten Fahrer aus unserem Hotel, der ein Schild mit meinem Namen hochhält. Wir wechseln jedoch alle erst einmal Euro in Denar um. Für 1 Euro gibt es 54,86 Denar (1:60 wäre wohl richtiger gewesen, aber Wechselstuben sind bekanntlich nicht blöd und profitieren von Arbitragegewinnen.) Im Anschluss geht es mit dem Fahrer zum Hotel Porta, wo wir einchecken. Pascal und Max teilen sich ein Zweibettzimmer, Martin und ich haben jeweils ein Einzelzimmer mit Doppelbett. Wir sind alle vier mit dem Hotel sehr zufrieden und würden es jederzeit weiter empfehlen. Ich habe für 4 Nächte umgerechnet ca. 192 Euro inklusive Touristeuer zu bezahlen.

Nachdem wir im Supermarkt um die Ecke noch Duschzeug eingekauft haben, geht es, bereits in der Dunkelheit des Abends, zu Fuß über die schöne Flusspromenade, an der Vardar entlang, in die Innenstadt, wo wir an der berühmten, nachts farbenfroh beleuchteten und mit einem Wasserspiel umgarnten Reiterstatue auf Mario und Pi treffen, die mit ihrem Hostel ebenfalls sehr zufrieden sind.

Reiterstatue

Zusammen geht es zum Abendessen ins Restaurant „Dion“, welches in der Folge unser Stammrestaurant in Skopje werden soll. Gutes Essen, sympathische Bedienungen. Wir essen zu sechst „Mixed Grill“, bestellen noch einmal Nachschlag, Mario gar noch einen zusätzlichen Hamburger, dazu trinkt jeder einige Bier. Trotzdem haben wir auf den Kopf nachher gerade einmal 10 Euro zu bezahlen. Skopje ist spottbillig für Luxemburger, vor allem das Essen. Aber auch die Taxis, deren Fahrtpreise vielleicht ein Fünftel der Luxemburger Preise ausmachen. Wäre Taxifahren bei uns so billig, ich würde verdammt oft Taxi fahren, was wir in Skopje in der Folge auch nur zu gerne tun. Für Mazedonier ist es natürlich nicht billig bei einem durchschnittlichen Monatsgehalt von gerade einmal 200-400 Euro. Während des Essens taucht eine bettelnde Katze auf, der ich etwas Fleisch abgebe. Ebenso zwei „Zigeunerjungs“, denen ich 50 Denar spende.

Mixed Grill

Katze

Am Fußballstadion vorbei geht es zum Aleksandar Palace, wo die Mannschaft und die Verbandsfunktionäre einquartiert sind. Wir treffen Pol Philipp, der uns ein Bier ausgibt und uns Tickets verspricht. Anschließend geht es mit einem Taxi zurück in unser eigenes Hotel.

Mittwoch, 8.10.2014.

Nach einem leckeren Frühstück geht es für Martin, Max, Pascal und mich per Taxi zur Millennium Seilbahn, die im Stundentakt 30 Minuten Pause macht um Stromkosten zu sparen. Für nur 100 Denar pro Person kaufen wir eine Hin- und Rückfahrt hoch zum Millennium Cross und wieder hinunter. Von da oben haben wir eine wunderschöne Aussicht über Skopje. Zudem gibt es Picknicktische, an einem arbeitet gerade ein junger Mann an einer Videobearbeitung.

Seilbahn

Milenium Cross

Wieder unten angekommen, geht es mit einem klassischen roten Doppeldeckerbus in die Innenstadt von Skopje, die wirklich eine Stadt der Statuen ist. Eine nach der Anderen gibt es im Zentrum zu bewundern. Ebenso wie einen Triumphbogen und ein Siegesdenkmal mit der Göttin Victoria. Wo früher Mutter Teresas Geburtshaus stand, gibt es heute Postkarten und mazedonische Flaggen an einem Souvenirstand zu kaufen (im Gegenzug wurde in der Nähe ein ihr zu Ehren errichtetes Denkmal gebaut). Strassenhändler laufen herum und verkaufen Sonnenbrillen und Parfüm.

Statue

Statue

Triumphbogen

Victoria

Im „Dion“ genehmigen wir uns „Bread Sticks with Cheese“, sehr lecker! 🙂

Bread Sticks with Cheese

Über die Kamen-Most-Brücke geht es an wunderschönen Springbrunnen vorbei in die Altstadt, wo wir an etlichen Geschäften (in denen es auch allerhand gefälschtes Zeug zu kaufen gibt) vorbei schlendern, den Bazar besuchen und an Moscheen vorbeikommen.

Brunnen

Brunnen

Altstadt

Moschee

An Gebäuden der Uni vorbei geht es in ein Einkaufszentrum und von dort später nach einem Abstecher ins Hotel zum Stadion, wo das Abschlußtraining der „roten Löwen“ stattfinden soll. Hier treffen wir Mario und Pi wieder, die an diesem Tag einen Groundhopping-Ausflug in den Kosovo gemacht haben und ziemlich euphorisiert wie alkoholisiert sind. Als die Ordner am Stadion uns leider nicht hineinlassen, wird Mario zornig und legt sich völlig unnötig verbal mit einem Ordner an. Wir begeben uns daraufhin alle zu einem anderen Eingang, von wo aus wir einen kleinen Teil des Feldes einsehen können. Die Jungs haben gerade ein Abschlußtrainingsspiel und als wir später beim Auslaufen „Letzebuerger, Letzebuerger, hey hey!“ skandieren, applaudiert Lars Gerson uns.

Im Aleksandar Palace treffen wir auf Pol Philipp, Jean Schiltz (der Max gleich einmal 20 Tickets schenkt), drei Luxemburger Journalisten und drei Vertreter des „Roude Léiw“. Mit Letzteren und zwei Journalisten essen Pascal, Martin und ich später zu Abend. Ich genehmige mir eine Art Geschnetzeltes in Pilzsoße mit Reis und Pommes. Dazu gibt es Bier. Da die längst komplett betrunkenen Trierer leider etwas zu sehr in der Lobby auffallen, beschwert sich ein Ober bei Pol Philipp, der daraufhin zu mir meint, es sei jetzt aber mal langsam Feierabendzeit. Ich begreife die Botschaft sofort und bestelle ein Taxi für unsere Vierergruppe. Nicht ohne vorher den beiden Trierern ans Herz zu legen lieber auch ins Bett zu gehen. Sollten sie dies nicht beherzigen und später rausfliegen, haben wir jedenfalls nichts damit zu tun. Ich entschuldige mich bei Pol für das Benehmen der beiden (dieser winkt natürlich nur ab, „Ass jo naischt geschitt“) und fahre mit meinen drei Begleitern ins Hotel zurück, wo wir uns alsbald schlafen legen.

Donnerstag, 9.10.2014.

Beim Frühstück treffen wir Raymond, „Freeman“ Laurent und benem, die in der Nacht auch aus Luxemburg angereist sind und denen ich den Hoteltipp zu verdanken habe (ursprünglich wollte ich nämlich das Super 8 buchen, was ich gottseidank nicht getan habe, dazu später mehr.) Während Max mit den dreien ins Stadtzentrum aufbricht, fahren Martin, Pascal und ich mit einem deutschsprachigen Taxifahrer (manche Taxifahrer können hier besser deutsch als englisch) zum römischen Aquädukt, welches den Einheimischen nicht so wirklich ein Begriff ist, aber in jedem Reiseführer als Sehenswürdigkeit Skopjes angegeben wird.

Aquädukt

Mit einem weiteren Taxi geht es zu archäologischen Ausgrabungen aus der Römerzeit (Skupie). Hier komme ich auf englisch mit einem Arbeiter ins Gespräch. Jener trägt eine Real-Madrid-Hose. Wir unterhalten uns kurz über das Spiel heute abend (ich tippe auf einen Luxemburger Auswärtssieg, er auf ein Unentschieden) und er will wissen für welchen Fußballklub ich sei. „In Luxembourg, I am for Differdange, but I guess you don’t know them. In Germany I am for 1860 Munich, I guess you don’t know them either.“ Zu meiner Überraschung kennt er 1860 jedoch. „They once played in the first league, but they were relegated“. „Right“ erwidere ich ungläubig. „But who are you for in Europe?“ Ich erkläre ihm, dass ich bei Europapokalspielen eher neutral bin und manche Spieler toll finde (bspw. einen Zlatan Ibrahimovic), aber keinen Verein supporte. „I love Real Madrid“ meint er und schon unterhalten wir uns über Iker Casillas, der uns beiden zufolge in Rente gehört. Ein anderer Arbeiter läuft in Chelseatrikot hier rum. Auch wenn ich die sportliche Begeisterung für den tollen Fußball der Großen durchaus nachvollziehen kann, finde ich es irgendwie schade, dass diese Männer nicht zuvorderst mit mazedonischen Klubs sympathisieren.

Skupie

Mit einem Taxi geht es später zurück ins Zentrum, wo alle anderen Luxemburger und Trierer bereits wieder im „Dion“ abhängen. Mittlerweile sind auch Batty und Bacic mit von der Partie, die in irgendeinem Fünf-Sterne-Luxushotel in Skopje untergekommen sind. Pascal und ich verputzen wieder ein „Mixed Grill“. Batty, Bacic und die Trierer brechen in der Folge in die Altstadt auf. Die Verbliebenen bestellen noch einen Raki, der jedoch m.E. furchtbar schmeckt. Nicht mein Fall. Wir geben jedoch ordentlich Trinkgeld und brechen ebenfalls in die Altstadt auf. Bald fällt uns ein Typ in 1860trikot auf. Raymond und Laurent sprechen ihn noch vor mir an. Er heißt Michel, kommt aus Niederbayern, wohnt in Salzburg und studiert Soziologie in Skopje. Mit ihm geht es auf weitere Bier (und einen weiteren Raki) in eine gemütliche Kneipe. Hier unterhalten vor allem Martin und ich uns noch länger mit ihm über den „Chaosverein 1860“, KHW, die Stadionpolitik des TSV, Moniz u.v.a.

Michel

Während die Anderen vier zum Hotel zurückfahren, bleiben Martin, Pascal und ich mit Michel in der Kneipe und begeben uns später zusammen ins „Van Gogh“ wo wir die Anderen wiedertreffen. Nach einem letzten Bier geht es bald hoch zum Stadion, welches wir „balkan-style“ entern. Will heißen: wenn es mal wieder zu lange in der Schlange dauert, mogel Dich irgendwie nach vorne und lauf an den Kontrollen vorbei 😀 Das klappt ziemlich gut. 🙂

Das Spiel im mir gut gefallenden Stadion „Philipp II“ ist wirklich spannend. Erst führt der Gastgeber mit 1-0 durch ein Tor von Trajkovski, der unbehindert durch die ganze Luxemburger Abwehr hindurchläuft. Dann drehen Bensi (per Freistoß) und Turpel noch vor der Pause das Spiel. 1-2! Wir sind hellauf begeistert und singen unsere Lieder. In Hälfte zwei ist jedoch wieder das große Zittern angesagt. Ein von Philipps verursachter Elfmeter führt durch Jahović zum Ausgleich und als alle bei uns bereits mit dem Remis doch im Grunde zufrieden sind, trifft ein unglaublicher Sonntagsschuß von Abdurahimi uns alle ins Mark. 3-2 und Sekunden darauf wird abgepfiffen 😦

Ich bin minutenlang totenstill, erlebe dann einen Wutausbruch und verlasse schimpfend den Block um mich draußen allein zu beruhigen. Die wohl bitterste Niederlage, die ich je mit der Nationalelf erlebt habe! Ich bin fix und fertig… Dass einige Spieler später beim Auslaufen zu uns kommen, beide Torschützen ihre Leibchen verschenken, kann meine Laune nicht verbessern.

Stadion

Nach dem Spiel essen wir Hamburger im Restaurantteil des Hostels der Trierer, welches sich gleich in Stadionnähe befindet. Dabei erfahren wir, dass in einem Hotel in Skopje 20 Gäste wegen Ebolaverdachts unter Quarantäne gesetzt worden sind. Der Name des Hotels: Super 8. Genau DAS Hotel, welches ich ursprünglich buchen wollte. Der betreffende Gast, ein Brite, litt unter ebolaähnlichen Symptomen (innere Blutungen, Fieber) und ist im Krankenhaus verstorben. Alle anderen Hotelgäste dürfen das Hotel nicht mehr verlassen. Aus mir unerklärlichen Gründen werden die Proben des Toten in Hamburg untersucht, Mazedonien hat wohl (noch?) keine entsprechenden Einrichtungen. [ Zwei Tage später sollen wir erfahren, dass der Tote kein Ebola hatte, sondern vermutlich zuviel getrunken hatte und/oder einer Erkrankung des Zentralnervensystems litt. Wären wir in diesem Hotel gelandet, könnten wir jetzt zwar aufatmen, würden aber bis Dienstag in Skopje festhängen und das Spanien-Spiel verpassen… Nicht auszudenken.]

Batty und Bacic brechen zu ihrem Hotel auf. Auch Martin, Max, Pascal und ich bezahlen. Plötzlich klingelt das Telefon von Max. Batty und Bacic haben eben im Taxi eine Hinrichtung auf offener Straße miterlebt. Ein Mann wurde von einem Unbekannten aus seinem Auto gezerrt und mit einem Kopfschuss getötet. Der Taxifahrer machte sofort kehrt und flüchtete in eine Seitenstrasse. Vermutlich eine Geschichte organisierter Kriminalität- der Balkan ist eine Drehscheibe des internationalen Drogenschmuggels- oder doch wieder politische, innerethnische Unruhen wie bereits 2012? Wer weiß. Wir fahren lieber mit einem Taxi schleunigst zurück in unser eigenes Hotel (dabei sehen wir die bereits von der Polizei abgesperrte Straße), trinken dort ein letztes Bier und gehen schlafen.

Freitag, 10.10.2014.

Nachdem wir gefrühstückt haben und ich Geld an einem Automaten abgehoben habe, geht es für Pascal, Martin, Max und mich mit einem deutschsprachigen Taxifahrer (jener spricht wirklich fließend Deutsch, da er Familie in Stuttgart hat und selber mal in Deutschland gelebt hat) nach Matka. An einem schönen Fluss vorbei, auf dem man perfekt Kajak fahren kann, geht es hoch zum Stausee.

Fluss

Matka

Im dortigen Restaurant essen Max und ich ein leckeres Chicken Curry mit Mozzarella und Schinken, bevor wir nach einem Kaffee ein wenig auf einem Wanderweg durch die Natur entlang des Sees laufen.

Bank

Vom Restaurant aus ist auch eine Bootsfahrt zu einer Höhle möglich, die wir jedoch nicht antreten, da dummerweise keiner von uns warm genug angezogen ist. Die Rentner vom „Roude Léiw“ (die vor uns nach Matka kamen) wie auch die Gruppe um Batty (die nach uns abends (!) dorthin aufbrechen) lassen sich dies jedoch nicht entgehen.

Bootsfahrt

Ich rufe den deutschen Taxifahrer an, der uns noch zu einer großen City Mall bringt, wo Max vergeblich nach einem mazedonischen Trikot sucht, ich mir jedoch einen leckeren Eiscafé genehmige.

Nach einer kurzen Rast in unserem Hotel geht es abends ein letztes Mal in Zentrum von Skopje, wo wir natürlich wieder im „Dion“ landen. Die haben richtig schönen Umsatz mit uns gemacht! 🙂 Ich esse diesmal aber nur brav griechischen Salat, da ich schon auf mein Gewicht aufpassen möchte. Später im Hotel trinke ich mit Pascal noch ein paar Bierchen und lache Tränen über Späße mit dem ebenfalls noch anwesenden Max. Martin geht hingegen brav ins Bett.

Samstag, 11.10.2014.

Nach dem Frühstück checken wir aus dem Hotel aus und lassen uns zum Flughafen bringen. Dort stelle ich mich mit Pascal und Max in die Schlange wegen ihrem Gepäck. Wir wollen mit der Dame am Schalter verhandeln um für 10 Euro Aufpreis (statt 35 Euro Strafe) noch eine Large-Cabin-Bag-Erlaubnis zu bekommen. Zuerst sieht es nicht gut aus und die Dame redet von 35 Euro, doch nach einer Weile ändert sie ihre Meinung und meint, da das Gewicht ja unter 10 Kilo sei, würde sie eine Ausnahme machen und die beiden bekämen sogar gratis ihr Large-Cabin-Etikett, sehr schön! 🙂

Bis zu diesem Zeitpunkt läuft alles nach Plan, doch plötzlich geschieht etwas vollkommen Unerwartetes. Martin schreit plötzlich auf und klammert seinen linken Arm an die Brust. Ich denke erst, er hätte sich irgendwo gestoßen oder eine falsche Bewegung gemacht, aber wie aus dem Nichts ist plötzlich „irgendwas rausgesprungen“. Da er sich bereits zweimal die Schulter ausgekugelt hat, vermute ich, dies sei erneut das Problem, doch Martin meint, der Schmerz sei diesmal „anders“. Ich helfe ihm den Pass aus seinem Rucksack zu nehmen und wir begeben uns zur ersten Kontrolle. Die Frau dort will jetzt aber einen Stempel auf unseren Flugtickets sehen zwecks Gepäckkontrolle. Ich stelle mich also mit Martin und dem ebenfalls noch stempellosen Bacic in die Schlange. Martin leidet. Am Schalter angekommen, lasse ich Martins Rucksack und meine Sporttasche als „Small Cabin Bag“s kennzeichnen und hole die Stempel auf unsere Tickets. Die Frau am Schalter fragt zudem, ob wir medizinische Hilfe brauchen. Ich bejahe das und ein Mann erscheint, mit dem wir uns in einen medizinischen Raum begeben.

Der Mann untersucht Martin und stellt diverse Fragen um einen Schlaganfall auszuschließen. Ich spiele Übersetzer. Danach macht der Arzt ihm eine (angeblich schmerzstillende) Spritze, die jedoch später kaum Wirkung zeigen soll. Eine Frau nimmt Martins Pass und notiert seine Daten. Währenddessen verrinnt die Zeit und irgendwann klingelt mein Handy. Max meint, wir sollen uns beeilen, das Gate schließe doch bereits in 15 Minuten. Ich fange langsam an, nervös zu werden. Die Zeit drängt, doch noch will der Arzt warten. Kurz darauf überrede ich ihn jedoch mit uns zum Gate zu gehen. Wir passieren die Stempelkontrollfrau und kommen zur Passkontrolle. Der Arzt nimmt unsere beiden Pässe und begibt sich sofort zu einem Schalter. Wir werden prioritär bedient dank seiner Intervention. An der Passkontrolle vorbei geht es zum Gepäckscan. Dort muss ich Martins Rucksack öffnen, der noch einmal näher beleuchtet wird. Mittlerweile ist die blonde Frau vom Schalter wieder aufgetaucht und nimmt sich unser an. Wir kommen zum Gate. Ich lächele Raymond an. „Das war knapp“ meine ich ganz cool…

Wir werden nun sogar bis zum Priority Boarding vorgelassen und stehen neben Batty und Bacic. Ich erläutere ihnen was passiert ist. Martin und ich entern tatsächlich als die beiden ersten Passagiere das Flugzeug. Die Letzten werden halt doch die Ersten sein, steht ja schon so in der Bibel 😉 Die Flugbegleiterinnen schauen erst einmal skeptisch und wollen vom Arzt wissen, ob Martin überhaupt flugtüchtig sei. Der Arzt bejaht dies gottseidank und Martin muss an einem Fensterplatz Platz nehmen um keine anderen Passagiere zu behindern. Pascal und ich nehmen in seiner Reihe Platz. Ich bedanke mich noch einmal sehr beim Arzt, wohlwissend dass ein Zurückbleiben in Skopje einfach keine vernünftige Option gewesen wäre.

Für Martin beginnt eine extreme Foltertour. Während Pascal und ich entspannt Bier trinken, leidet er Höllenqualen. Vor allem beim Start und bei der Landung. Irgendwann meint er: „Wenn das Flugzeug jetzt abstürzt, ist es mir egal. Hauptsache dieser Schmerz endet!“ Wir können leider nichts für ihn tun.

In Hahn angekommen, will ich eigentlich, dass Martin und ich vorgelassen werden, doch Ersterer will lieber als Letzter aus dem Flugzeug steigen um nicht von anderen versehentlich angerempelt zu werden. Dies bedeutet jedoch, dass wir erstmal wieder in einer Schlange vor der Passkontrolle stehen. Als wir endlich zum Schalter kommen, lege ich dem Kontrolleur unsere beiden Pässe dahin und meine: „Rufen Sie bitte sofort einen Arzt!“. Bald darauf kommen Sanitäter, später auch ein Notarzt. Martin wird nach einer detaillierten Ausfragung mit einem Beruhigungsmittel eingeschläfert und in einem Krankenwagen ins nächste Krankenhaus gebracht.

Ich fahre mit den anderen Luxemburgern (ausser Pascal, der mit der Sektion Trier bereits nach Trier aufgebrochen ist) im Flibco zurück nach Luxemburg.

Wie sich später herausstellen soll, war es doch wieder die Schulter bei Martin. Diesmal flog sie halt nur nach vorne heraus, die letzten beiden Male nach hinten, wieso es sich anders diesmal angefühlt hat. Das Heimspiel gegen Spanien endete leider mit einem klaren 0-4.

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Oktober 15, 2014 - Posted by | Mazedonien | ,

2 Kommentare »

  1. Jetzt erinnere ich mich an das Stadion „Philip II“. Gleich daneben beginnt der wunderschöne und recht große Stadtpark von Skopje, wo ich mich nach einem langen Fußmarsch zum und vom Aquädukt ausgeruht und vor der Hitze versteckt habe.

    Kommentar von Andreas Moser | Oktober 15, 2014

  2. @Andreas Moser: Genau ! 🙂 Im Gegensatz zu Dir habe ich übrigens nicht gelacht, sondern fand die neoklassische Stadtgestaltung richtig geil ! 😉

    Kommentar von CK | Oktober 15, 2014


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