L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Im Land des Fußballs

Nachdem ich jedes WM-Qualifikationsspiel von Luxemburg, zuhause wie auswärts, live vor Ort gesehen hatte, ging es diesen Monat nach Rio de Janeiro zur WM-Endrunde. FLF-Präsident Pol Philipp und Generalsekretär Joël Wolff hatten mir aus Dank für meine treue Unterstützung zwei Karten fürs WM-Finale besorgt. Mit auf die Reise nahm ich- wie fast immer eigentlich- meinen Schweizer Freund Martin.

Mittwoch, 09.07.2014.

Nachdem ich am späten Nachmittag per Zug und Taxi zum Findel gekommen bin, checke ich an einem Automaten ein und gebe im Anschluss mein Gepäck nach Rio auf. Halb sieben geht es mit der Luxair nach Frankfurt/Main, wo ich Martin treffe, der mit dem Zug aus Basel angereist ist. 22:15 Uhr geht es mit einem Nachtflug der Lufthansa alias Fanhansa weiter in die berühmte brasilianische Metropole. Unterwegs schlafe ich tatsächlich ganze fünf Stunden, es gibt zweimal etwas zu Essen und ich sehe mir eine Doku über „50 Jahre Bundesliga“ an. Leicht ärgern tut mich nur, dass die Niederlande im Elfmeterschießen gegen Argentinien ausscheiden (worüber der Pilot uns informiert). Deutschland-Niederlande wäre eigentlich mein Traumfinale gewesen. Stattdessen gibt es nun die dritte Auflage (nach 1986 und 1990) von Deutschland-Argentinien, was aber sicher auch kein schlechtes Duell ist.

Donnerstag, 10.07.2014.

Gegen fünf Uhr morgens (brasilianischer Ortszeit) kommen wir in Rio an. Wir sind schnell durch die Passkontrolle hindurch, holen unser Gepäck ab, tauschen Geld an einer Wechselstube um (allerdings zum eher unvorteilhaften Kurs von 1 Euro = ca. 2,6 Reais) und fahren mit einem Taxi zum Hotel Gamboa, wo ich zwei Einzelzimmer über expedia reserviert habe.

Nachdem wir eingecheckt haben, greife ich zu meinen üblichen Sicherheitsmaßnahmen: Pass und Personalausweis werden sicher verstaut (normalerweise im Zimmersafe, wenn einer da ist), ebenso wie meine drei Kreditkarten und die Hälfte des Bargeldes. Die andere Hälfte des Geldes nehme ich ebenso wie eine Fotokopie meines Persos in meiner Geldbörse später mit in die Stadt. Wenn das Geld eines Tages irgendwann knapp wird, nehme ich zusätzlich eine Kreditkarte mit, mit der ich an einem Geldautomaten im Laufe des Tages neues Geld abheben kann. Desweiteren habe ich einen Geldschein immer separat in einer Hosentasche um im Falle eines Raubüberfalls diesen dem Täter „anzudrehen“. So macht man das angeblich in Südamerika 😉 Ich bin eh sehr vorsichtig geworden, nachdem in Athen vor Jahren mal in der U-Bahn meine Brieftasche gestohlen wurde. Damals musste ich nämlich alle meine Kreditkarten telefonisch aus dem Fußballstadion heraus sperren lassen, war in der Folge auf Gelddarlehen meiner Mitfahrer angewiesen und musste später zuhause einen neuen Personalausweis beantragen. Sowas passiert mir nie wieder!

Unsere Zimmer sind übrigens sehr schön. Wir haben neben einer Dusche sogar ein Sprudelbad (also eine Badewanne mit Sprudelmechanismus) und eine kleine elektrische Sauna zu unserer Verfügung. Ehrlich gesagt habe ich dergleichen noch nie in einem Hotel auf meinem Zimmer gehabt (wobei ich nie mehr als 3 Sterne buche.) Nachdem wir uns ein wenig ausgeruht haben, geht es hinunter zum Frühstück. Auch dieses stimmt uns mehr als zufrieden: es gibt u.a. Omelette, Würstel, Käse, Schinken und diverse Früchte wie Ananas und Melone.

Wir begeben uns zu Fuß in die Stadt und kommen dabei gleich am Sambadrome vorbei und besuchen eine Sambaschule. Trotz der furchtbaren 1-7-Niederlage gegen die Deutschen zwei Tage zuvor sehen wir immer noch sehr viele brasilianische Flaggen über vielen Strassen und an vielen Häuserwänden wehen. Leider gibt es alsbald strömenden Regen, vor dem wir uns erstmal in eins der vielen Eckbistros flüchten.

Sambaschule
Brasilianische Flaggen

Später gelangen wir zum Maracanã, welches offiziell eigentlich Estádio Jornalista Mário Filho heißt, benannt nach einem prominenten brasilianischen Sportjournalisten. Hier wird am Sonntag das Finale der Fußball-WM stattfinden. Deutsche Fans sind noch nicht zu sehen, wohl aber einige argentinische und kolumbianische. Für wenig Geld lassen wir uns mit einer Nachahmung des WM-Pokals vor der Statue Hilderaldo Bellinis fotografieren. Two boys, one cup 😀

Two Boys, one cup

An einem Infostand frage ich eine Angestellte was sie uns an diesem regnerischen Tag anraten würde. Sie empfiehlt uns in die Altstadt zu fahren, was wir auch tun. Als wir an der U-Bahnstation Cinelandia mit der Rolltreppe nach oben fahren, gießt es schon wieder in Strömen. Wir flüchten auf einen Drink in ein Restaurant am städtischen Theater. Das Essen sieht so lecker aus, dass wir kurzerhand entscheiden dort später zu Abend zu essen. Vorher schlendern wir aber noch durch das Centro und ich trinke einen Latte Macchiatto in der bekannten Confeitaria Colombia.

Unser Abendessen (Picanha, dt. Rinderrückensteak, mit Pommes, Reis sowie Maniokmehl und Salat) mundest uns vorzüglich. Wie wir auch die Tage später immer wieder feststellen werden: das Essen in Brasilien ist wirklich toll, allen voran das Fleisch. Nur die Pommes schmecken eher vergammelt (kein Vergleich zu denen in Luxemburg und vor allem Belgien!) Wir schaffen tatsächlich das ganze Fleisch, die Beilagen jedoch nicht mal zur Hälfte. Die Portionen in Brasilien sind wirklich gigantisch. Nachdem wir bezahlt haben, geht es mit der U-Bahn und (erneut im Regen) zu Fuß zurück ins Hotel.

Essen

Freitag, 11.07.2014.

Nach dem Frühstück begeben wir uns im strömenden Regen zur U-Bahnstation „Presidente Vargas“ und fahren wieder nach Cinelandia. Wir besichtigen eine presbyterianische Kirche und das Caixa-Kulturzentrum. In demselben gibt es sowohl eine interessante Ausstellung über die Kultur der indigenen Völker Brasiliens als auch eine sehr beeindruckende Fotoausstellung von Worldpress, bei der es etliche Bilder aus bekannten Konfliktregionen (u.a. Gaza, Syrien, Irak, Nigeria) aber auch Natur- und Porträtfotos zu bestaunen gibt.

Im Laufe des Nachmittages besichtigen wir einige Kirchen, u.a. die Candelária Church. Die meisten Brasilianer (ca. 64%) sind römisch-katholisch, evangelikale Konfessionen, vor allem sogenannte Freikirchen, gewinnen jedoch immer mehr an Bedeutung, gerade in der Arbeiterklasse. Darüberhinaus gibt es diverse religiöse Minoritäten, unter ihnen auch Anhänger afrobrasilianischer Religionen wie Candomblé und Umbanda. Wir landen zufällig auch in einer Messe, bei der mir auffällt, wie stark es nach Weihrauch riecht. Ein etwas sparsamerer Umgang damit wäre meines Erachtens anzuraten.

Candelária Church

Wir kommen am Hafen vorbei, von wo aus Fähren nach Niteroi übersetzen und auch am Palast des Tiradentes. Jener war ein Anführer der Inconfidência Mineira, einer Separatistenbewegung, die ungefähr zeitgleich zur französischen Revolution die Loslösung Brasiliens von der Kolonialmacht Portugal und die Ausrufung einer unabhängigen Republik erreichen wollte. Tiradentes wurde wegen Landesverrats erhängt, über 100 Jahre später im modernen, republikanischen Brasilien wurde er jedoch nachträglich zum Volkshelden hochstilisiert und sein Todestag ist heute ein gesetzlicher Feiertag in Brasilien.

Tiradentes

Die Geschichte Brasiliens ist überhaupt recht interessant. Nachmittags besichtigen wir das Nationale Historische Museum, wo eben dieselbe anschaulich erzählt und erklärt wird: von der Kolonialgeschichte über die Unabhängigkeitserklärung (1822) und die Kaiserzeit, den teuren Dreierallianzkrieg gegen Paraguay (1864-1870), die vollständige Abschaffung der Sklaverei durch Regentin Isabel (1888), die Ausrufung der Republik (1889) bis hin zur neueren Geschichte des 20ten Jahrhunderts und der endgültigen Rückkehr zur freiheitlich-demokratischen Grundordnung 1985.

Nachdem ich einem Straßenhändler ein paar Socken abgekauft habe (man tut ja was für die Wirtschaft 😉 ) und einem weiteren leckeren Essen (Mixed Grill !) in einem guten Restaurant geht es zurück ins Hotel, wo ich vorm Schlafengehen noch ein wenig im Whirlpool herumplantsche.

Samstag, 12.07.2014.

Nach dem Frühstück fahren wir mit der U-Bahn nach Flamengo, von wo aus wir uns zu Fuß nach Laranjeiras begeben. Wir besichtigen das alte Estádio Manoel Schwartz, wo wohl gerade ein Spiel der zweiten Mannschaft von Fluminense stattfindet. 1919 fand hier die Südamerikameisterschaft statt, die Brasilien in einem Entscheidungsspiel gegen Uruguay 1-0 gewann (Tor durch Arthur Friedenreich). Wir sehen uns das gerade laufende Spiel bis zur Halbzeitpause an, besichtigen den Fanshop und fotografieren die Statue Castilhos, des legendären Torwarts der Selecão (1958 und 1962).

Fluminense
Castilho

Im Anschluss spazieren wir zu Fuß nach Botafogo, wo am von der FIFA genutzten Vereinssitz mehrere Fans, vor allem Argentinier, für Finalkarten anstehen. Mit einem Tourguide (Preis 10 Reais) besichtigen wir den Trophäenraum Botafogos (wo u.a. Vereinswimpel vom RSC Anderlecht und RW Essen zu bestaunen sind), einen sogenannten Zeittunnel (in dem das Botafogolied läuft und verschiedene Spieler abgebildet sind), den Raum für Pressekonferenzen und die Volleyballhalle.

Botafogo
Pressekonferenz

Nachmittags begeben wir uns zur Copacabana, wo viele Polizisten zur Sicherheit anwesend sind. Hier findet das FIFA-Fanfest statt. Wir trinken erstmal Kokosnusswasser und genießen den Sonnenschein. Später schlendern wir vier Kilometer entlang des weltberühmten Strandes hinüber nach Ipanema. Dabei kommen wir auch an dem provisorischen Gebäude für die Fernsehstudios der verschiedenen Nationen vorbei.

Das Spiel um Platz drei (Brasilien-Niederlande, 0-3) sehen wir uns an einem Strandkiosk in Ipanema auf einem eher kleinen Fernsehschirm an. Brasilien hatte wirklich Pech bei so einigen Schiedsrichterentscheidungen, trotzdem muss man sagen, dass die Elftal wohl verdient gewann, da die Heimmannschaft in der Abwehr erneut eklatante Schwächen aufwies. Und gibt es in der zweiten Minute statt Gelb für Thiago Silva und Elfmeter zum 0-1 nur Freistoß für die Niederlande, dafür aber Rot wegen Notbremse gegen Thiago Silva, ich bezweifle, dass das Spiel anders geendet hätte. Oranje wird meines Erachtens insofern verdient WM-Dritter, aber eigentlich kann dieses Spiel um die „goldene Ananas“ von mir aus auch abgeschafft werden. Immer wieder laufen Leute am Kiosk vorbei, schauen auf den Fernsehschirm und schütteln entgeistert den Kopf. Irgendwie tun sie mir leid.

Copacabana

Nach einem Abendessen in einem Restaurant geht es mit der U-Bahn zurück ins Hotel, wo ich vorm Zubettgehen noch ein Bierchen genieße.

Sonntag, 13.07.2014.

Der große Finaltag! Wir fahren mit der U-Bahn nach São Cristavão. Martin hat seine Deutschlandfahne dabei, ich meine Luxemburgfahne, zudem trage ich ein Trikot der „roten Löwen“. Etliche Polizisten sind bereits anwesend und riegeln den Zugang zum Stadion ab. Niemand wird ohne gültiges Ticket auch nur in Stadionnähe gelassen. Martin und ich wollen in einem Eckbistro ein Bier trinken, stellen aber fest dass an diesem Tag Bierausschank offiziell verboten ist. Daraufhin kaufen wir uns zwölf Dosen Bier im nächstgelegenen Supermarkt. Ist eh billiger. Das brasilianische Bier (sowohl Brahma als auch Antartica) ist übrigens durchaus genießbar. Um Klassen besser als das furchtbare Superbock der Portugiesen.

Wir kommen kurz mit einigen Deutschen ins Gespräch. Irgendwann taucht ein Brasilianer mit einem Plakat auf, auf dem u.a. „Dilma raus“ (auf portugiesisch) steht. Auch wenn ich nichts gegen Dilma habe, mich überhaupt gar nicht mit brasilianischer Politik auskenne, lasse ich mich aus Spaß mit dieser Person ablichten. Das tut mir später leid, nachdem ich bis ein wenig mit diesem Typen gequatscht habe. Jener ist nämlich ultrarechts, verunglimpft Dilma als „frühere Terroristin“ und lobt die Militärdiktatur. Als er mir irgendwann gar noch zu erklären versucht, dass es ja keine Beweise für 6 Millionen ermordete Juden im Dritten Reich gäbe, wimmele ich den Kerl entgeistert ab. Sollten irgendwann Fotos von mir mit diesem „Nazi“ irgendwo auftauchen, hier befindet sich bereits vorauseilend meine Entschuldigung für diesen Fehler 😉

Auch mit einem brasilianischen Polizisten komme ich ins Gespräch. Er fragt ob Luxemburg eine gute Nationalelf habe. Ich meine, wir hätten erst vor kurzem 1-1 gegen Italien gespielt, allerdings auch mal vor Jahren (2006 in Freiburg) 0-7 gegen Deutschland verloren, womit wir wohl nicht so gut wären 😀 Auf diesen fiesen Witz gegen Brasilien geht der gute Mann jedoch nicht ein 😉

An zwei Polizeikontrollen vorbei (stets muss das Ticket gezeigt werden) begeben wir uns zum Maracanã. Was mir an einer WM immer gut gefällt, sind die vielen Menschen aus unterschiedlichen Nationen, die zusammenkommen. Wir sehen an diesem Tag nicht nur viele Argentinier, Deutsche und Brasilianer, sondern u.a. auch Schweizer, Kolumbianer, Mexikaner, Franzosen und sogar Kuwaitis. Im Stadion gerade angekommen, traue ich meinen Augen nicht. Da steht doch tatsächlich plötzlich Oliver Buch alias OBu vor uns. OBu ist seit Jahrzenten Allesfahrer mit 1860 München und so kennen wir uns seit Jahren. Was für ein Zufall! Herzliche Umarmung unter Löwenfans. In der Folge treffe ich auch noch Fans aus Kaiserslautern und komme mit einem netten Russen sowie drei brasilianischen Fans (jeweils ein Anhänger von Botafogo, Vasco da Gama und Flamengo) ins Gespräch, letztere meinen zu mir: „Of course, everybody hates Fluminense!“ 😛

OBu
FCK-Fans

Auf unseren Sitzplätzen angekommen, stellen wir fest, dass hauptsächlich Argentinier um uns herumsitzen, der Block insgesamt ist jedoch recht gemischt gefüllt. Wir schießen einige Fotos. Die Stimmung auf beiden Seiten ist recht gut. Keine Hassgesänge gegen den Gegner, nur volle Unterstützung fürs eigene Team, sehr schön! 🙂 Der Ohrwurm der Argentinier („Brazil, decime que se siente“, auf die Melodie des Klassikers „Bad moon rising“) soll mir noch Tage später im Kopf herumspuken. Bei der ganzen Aufregung kriegen wir irgendwie nicht wirklich etwas von der Abschlussfeier mit, genießen dafür umso mehr die Vorfreude aufs Spiel und ich jubele frenetisch als Puyol zusammen mit einer keineswegs unbekannten Blondine den Pokal ins Stadion bringt.

Deutsche
Argentinische Fans und Martin

Das Spiel selbst ist durchaus ansehnlich, auf einem hohen taktischen Niveau, wir sehen ein „0-0 der besseren Sorte“, wie man so schön sagt. In der Verlängerung haben die Deutschen die „zweite Luft“ und gewinnen verdient durch ein herrliches Tor von Mario Götze, der gegen Ende der regulären Spielzeit für Miro Klose eingewechselt wurde.

Über das gesamte Turnier betrachtet sind die Deutschen- wie ich auch hier bereits gesagt habe- wohl absolut verdient Weltmeister geworden. Sie hatten das wohl stärkste Kollektiv sowie den besten Torwart des Turniers (Manuel Neuer) und einen der unberechenbarsten Spieler überhaupt (Thomas Müller). Zudem gewannen sie all ihre Spiele (bis auf das 2-2 gegen Ghana) mehr oder weniger überzeugend in 90 oder auch 120 Minuten und mussten kein einziges Mal ins Elfmeterschießen. Nicht zu vergessen, dass Deutschland seit der WM 2006 fünfmal zumindest im Halbfinale eines großen Turniers stand und somit so konstant ganz oben mitspielt wie ansonsten nur Spanien (Italien war 2006 Weltmeister, schieden aber 2010 und 2014 bereits in der Vorrunde aus, 2008 im Viertelfinale, die Niederlande standen 2010 im Finale, schieden aber 2012 in der Vorrunde aus, 2006 und 2008 im Achtel- bzw. Viertelfinale, Argentinien verlor zweimal gegen Deutschland im Viertelfinale 2006 und 2010, Brasilien kam ebenfalls zweimal nicht übers Viertelfinale hinaus dank Frankreich (2006) und Niederlande (2010), die Franzosen sind chronisch unbeständig, auch wenn sie jetzt wieder dabei sind, eine gute Mannschaft aufzubauen und England hat seit etwa zehn Jahren eh den Anschluss verloren. Für 2016 erwarte ich i.Ü. erneut Deutschland vorne mit dabei, ebenso Gastgeber Frankreich, ein wiedererstarktes neues Spanien sowie Belgien und die Niederlande, denen ich persönlich ohnehin noch am meisten die Daumen drücke).

Die Deutschen bekommen den Pokal überreicht und in ihrer Kurve geht die Party ab. Der Tag der Zufälle geht weiter. Ich werde von zwei Landsleuten angesprochen, die mir verraten, dass noch vier andere Luxemburger im Stadion sind, welche Karten über einen Preiswettbewerb bei Hyundai gewonnen haben. Denen wurde die ganze Reise (Flug, Hotel und Karte fürs Spiel) geschenkt. Zwei dieser vier Glückspilze sprechen mich ebenfalls noch kurz an. Als ich weiter nach oben schaue, traue ich meinen Augen nicht. Einer der beiden verbliebenen Luxemburger hat einen „FC Bieles“-Schal dabei. In Beles habe ich ca. 24 Jahre meines Lebens verbracht, es ist mein Heimatort sozusagen. Ich eile hoch zu den beiden Jungs und stelle mich vor. Wie sich natürlich alsbald herausstellt, haben wir so einige gemeinsame Freunde und Bekannte. Die beiden Brüder gehen auch regelmäßig zu Bundesligaspielen (der Eine ist Fan von Eintracht Frankfurt, der Andere vom FC Bayern) und sind große Deutschlandfans (beide tragen ein deutsches Trikot, haben aber auch eine Luxemburgfahne dabei.) Ich vermute dass bei der FIFA Blöcke nach Nationen verteilt werden, ansonsten wäre es schon ein großer Zufall, dass alle Luxemburger quasi im gleichen Bereich des Stadions versammelt sind.

Mexikanerin
Grüneisens

Mit den beiden Grüneisens (so ihr Name) geht es zur U-Bahn. Und zum nächsten große Zufall. In unserer U-Bahn voller Deutschlandfans ist auch die deutsche Fanbetreuung. Einer der Mannschaft spricht uns an und schenkt uns einen „Helmut“ (ein deutsches Fanzine). Jenes ist übrigens recht lesenswert (auch wenn sich ein gigantischer Fehler in der Ausgabe zum WM-Finale befindet, 1978 wurde Argentinien mit einem 3-1 nach Verlängerung gegen die Niederlande Weltmeister, nicht mit einem 2-1 über Italien.) Mir kommt der Fanbetreuer gleich bekannt vor und dann dämmert es mir. Der gute Mann ist kein Geringerer als der seit zehn Jahren in Rio lebende Martin Curi, der Autor dieses Buches, den ich kurz vor unserer Reise zudem angemailt hatte. Ich spreche meine Vermutung laut aus und habe Recht. „Dein Buch ist richtig klasse, habe es bereits ganz gelesen“ meine ich begeistert. Wir unterhalten uns kurz, bevor der Sportanthropologe aussteigt und wir weiter inmitten deutscher Fans und zwei hübscher Brasilianerinnen zur Copacabana fahren.

Brasilianerin

Dort essen wir Mixed Grill in einem Restaurant, zudem als „Vorspeise“ einen leckeren Shrimps-Eintopf, den uns argentinische Fans spendieren. „So soll es sein. Wir gewinnen und die Argentinier bezahlen uns das Essen“ meint Pascal Grüneisen lapidar. Etliche lustige Gespräche später begeben sich die Grüneisens zu ihrem Hotel zurück, während Martin und ich mit einem Taxi (die U-Bahn fährt bereits nicht mehr) zu unserem Hotel zurückfahren, wo wir den Abend bei einem letzten Bier ausklingen lassen.

Montag, 14.07.2014.

Nach dem Frühstück telefoniere ich mit Sportjournalist Laurent Schüssler, der meiner Story einen schönen Artikel in der meistgelesenen Tageszeitung Luxemburgs (dem Luxemburger Wort) widmet. Nachzulesen hier. Im Anschluss besichtigen wir das Vereinsgelände Flamengos, dem wohl populärsten Klub Rios. Hier gibt es zwei Schwimmbäder, Tennis- und Basketballplätze, eine Turnhalle, eine Kapelle für den Schutzheiligen Flamengos, Judas Thäddeus und natürlich das alte Stadion an der Lagune. Hier hat zu unserer Überraschung die niederländische Elftal während der WM trainiert. Wir besteigen die alte Tribüne und lassen unsere Blicke über das Gelände und Rio schweifen. Dabei kommen wir mit einem ebenfalls anwesenden Brasilianer aus Belém ins Gespräch. Leider einer der viel zu wenigen fließend englisch sprechenden Brasilianer, die wir auf unserer Reise treffen.

Welcom Nederland

An der Lagune und einem Heliplatz vorbei kommen wir zur Ruderabteilung von Vasco da Gama. Später essen wir in einem Restaurant in Nähe des Botanischen Gartens, wo es ein lecker Buffet gibt. Die Brasilianer sind wirklich sehr kreativ beim Essen zubereiten. So gibt es hier u.a. Lachs-Krabbensalat, überhaupt gute Salate (der Eiersalat ist auch sehr lecker), Käse, Salami und viel fantasievolles Fingerfood (bspw. Banane mit Schinken). Die Angestellten wundern sich dass wir nur vom Buffet kosten, aber wir wollen uns nicht jeden Tag mit Grillfleisch vollstopfen. Mit einem Bus geht es nach dem Essen zurück nach Lapa. Was uns dabei enorm erstaunt, ist, dass in jedem Bus ein eigener Kontrolleur mitfährt, der das Geld einsammelt und ein Drehkreuz zum Hereinlassen der Fahrgäste bedient. Sowohl in Luxemburg als auch in der Schweiz ist seit Jahrzenten längst der Chauffeur in doppelter Mission auch für die Fahrkarten zuständig. Fragt sich wie lange es dauert bis auch in Brasilien die Kontrolleure wegrationalisiert werden. Von Lapa aus begeben wir uns zu Fuß zurück in unser Hotel, wo ich ein schönes Sprudelbad nehme.

Vasco Rudermannschaft

Dienstag, 15.07.2014.

Martin und ich besuchen die berühmten Treppen des Escadaria Selarón, ein Kunstwerk des leider bereits verstorbenen Chilenen Jorge Selarón in Santa Teresa. Hier bieten einige Hippies Ramsch preis.

Escadaria Selarón

Wir besichtigen die Kathedrale São Sebastião. Eine solche (pyramidenförmige) Kathedrale habe ich noch nirgendwo auf der Welt gesehen. Eigentlich wollen wir eine Rundfahrt mit der Bondes-Tram machen, diese fährt aber derzeit wegen Reparaturarbeiten leider nicht. Stattdessen fahren wir mit dem Taxi zum Botanischen Garten, wo wir über 3 Stunden verbleiben und die Schönheit der dort angelegten Natur genießen: Baumriesen, Teiche, Springbrunnen, Statuen, ein Orchideenhaus… Auch die Überreste einer alten Schiesspulverfabrik können besichtigt werden.

Botanischer Garten
Botanischer Garten

Nach einem Essen im Restaurant vom Vortag (diesmal esse ich aber nach dem Salatbuffet auch noch ein Stückchen Pizza) geht es per Bus und zu Fuß zurück in unser Hotel, wo ich noch einen Saunagang einlege.

Mittwoch, 16.07.2014.

Am heutigen Tag nehmen wir an einer- zwei Tage vorher an der Rezeption gebuchten- Kleinbustour „Rio by day“ teil. Aus unserem Hotel sind Martin und ich die beiden einzigen Teilnehmer, aus diversen anderen Hotels jedoch sind Leute aus verschiedenen südamerikanischen Staaten (Argentinien, Bolivien, Peru, Chile) mit dabei, unsere Reiseführerin spricht abwechselnd spanisch und englisch. Eine Tour im Hotel zu buchen mache ich spätestens seit Israel/Palästina recht gerne, da solche Touren meist gut organisiert sind und man gerade bei den bekannten Sehenswürdigkeiten als Gruppe oft schneller vorgelassen wird (Stichwort: Priority Queues) als wenn man sich alleine irgendwo anstellt.

Nach einem kurzen Abstecher zur Kathedrale São Sebastião geht es zum Sambadrome, wo man gegen ein kleines Entgelt Karnevalskostüme anziehen und sich damit fotografieren lassen kann. Das ist Martin und mir jedoch persönlich zu blöd und wir amüsieren uns über die gerade ebenfalls anwesenden Japaner, die genau dies nicht lassen können. Es geht weiter zum Maracanã und von dort endlich hoch auf den Corcovado, wo die weltberühmte Jesusstatue steht. Man kann diese per Zahnradbahn erreichen, aber auch mittels eines ausgeklügelten Systems von Kleinbussen, welches auch wir nutzen, nachdem der eigene Kleinbus vorschriftsmäßig an der Zwischenstation abgestellt worden ist.

Die Statue (unter der sich übrigens eine nette kleine Kapelle befindet) ist wirklich beeindruckend, aber die Aussicht über Rio ist noch spektakulärer. Eine Augenweide 🙂 Wir sehen die Strände von Copacabana und Ipanema, Leblon, die Lagune, den Zuckerhut, das Maracanã, die Favelas in den Bergen, die Brücke nach Niteroi…

Christ Redentor
Zuckerhut

Zu Mittag essen wir in einer Churrascaria, wo es neben einem leckeren Buffet auch „Fleisch satt“ gibt. Immer wieder kommen Kellner vorbei und schneiden uns lecker Fleisch von Spießen herunter. Uns mundet es vorzüglich. Einzig und allein mit Herz und Leber kann ich eher wenig anfangen, nicht so meine Geschmacksrichtung. Umso mehr Reis verputze ich. Vorzüglich auch die Thunfisch-Lasagne.

Nachdem wir noch in einen Souvenirladen gelotst wurden (Martin kauft einen tollen Schirm mit den Wahrzeichen Rios, ich jedoch mal wieder nichts), geht es in zwei Etappen mit einer Seilbahn hoch zum Zuckerhut. Hier genießen wir ebenfalls eine tolle Aussicht.

Seilbahn
Strand

Wir lassen uns nach der Tour nicht mehr zurück in unser Hotel fahren, sondern steigen mit den meisten anderen Tourgästen an der Copacabana aus. Am FIFA-Shop treffen wir einen Pokalverkäufer. Martin profitiert davon, sich eine Nachahmung des FIFA-WM-Pokals zu kaufen. In einer recht gefüllten U-Bahn geht es später zurück ins Hotel.

Donnerstag, 17.07.2014.

Nach dem Frühstück geht es mit der U-Bahn nach Ipanema. Für nur 5 Reais/Stuhl erhalten wir zwei Stühle bei einem Strandverkäufer, die wir anscheinend den ganzen Tag behalten dürfen. Einen Sonnenschirm können wir auch ausleihen, tun wir aber nicht. Vielleicht im Nachhinein ein Fehler, denn trotz Sonnencreme habe ich mir später einen Sonnenbrand auf beiden Oberschenkeln zugezogen. Bis fast zum Sonnenuntergang abends genießen wir die Sonne, plantschen abwechselnd ein wenig im Meer rum (hohe Wellen hat es in Rio!), ruhen uns aus und bewundern die hübschen Frauen in Bikinis. Als die Sonne untergeht, haben wir uns bereits wieder angezogen und genießen von einem Felsvorsprung herunter die Sicht auf den Strand von Ipanema. Nach einem leckeren Abendessen fahren wir mit der U-Bahn zurück ins Hotel.

Freitag, 18.07.2014.

Wir sind wieder am Strand von Ipanema und leihen uns wieder zwei Stühle aus. Wir genießen erneut einen herrlichen Sonnentag, das Meerwasser, ruhen uns aus und unterhalten uns über Gott und die Welt. Heute genehmige ich mir allerdings auch mal einen Caipirinha, das brasilianische Nationalgetränk. Kurz vor Sonnenuntergang ziehe ich mich schnell am Strand wieder um, was zwei Strandpolizisten auf den Plan ruft, die mich auf portugiesisch dafür beschimpfen, die Schwimmhose am Strand ausgezogen zu haben. Sei’s drum 😉

Caipirinha

Eigentlich sollen wir uns abends am Kiosk „Quase Nove“ mit Thaddeus Gregory Blanchette treffen, einem Anthropologen der Universität Rio. Doch dieser taucht nicht auf. Später erfahre ich über Facebook dass er aus beruflichen Gründen nicht hat auftauchen können. Nach zwei Bier am Kiosk begeben wir uns zum letzten Mal in ein gutes brasilianisches Restaurant und genehmigen uns „Mixed Grill“, bevor es mit der U-Bahn zum Hotel zurückgeht. In derselben treffen wir übrigens noch einen (leider kaum englisch, noch deutsch sprechenden) Brasilianer im Deutschlandtrikot, mit dem wir kurz ein wenig kauderwelschen.

Samstag, 19.07.2014.

Nach dem Frühstück checken wir aus dem Hotel aus, stellen aber unser Gepäck in einem eigens dafür vorgesehenen Raum ab. Mit einem Taxi fahren wir nach einem letzten, kurzen Bummel durch unser Viertel zum Estádio São Januário, der Spielstätte des von portugiesischen Arbeitern gegründeten Klubs Vasco da Gama. Eigentlich wollen wir uns nur das Stadion ansehen, stellen aber zu unserer Überraschung fest, dass an diesem Tag wohl ein Fußballspiel stattfindet, denn einige Fans von Vasco stehen bereits vor den Stadiontoren. Mit Hilfe einer englisch sprechenden Person besorgen wir uns spontan zwei Karten für das Fußballspiel gegen America Natal.

Das São Januário liegt mitten in einem von Vasco begeisterten Stadtviertel. Quasi überall identifizieren sich die Anwohner mit dem Arbeiterklub und irgendwie erinnert mich das alles ein wenig an das Grünwalder Stadion in München-Giesing. Wir trinken erst eine Cola, dann ein Red Bull und versuchen die Zeit bis zum Spiel totzuschlagen. Zudem besuchen wir den Fanshop von Vasco. Die Trikots sind recht hübsch. Immer mehr Menschen mit Fahnen und in Vascotrikots tauchen auf, einige auch in Brasilien- oder Portugaltrikot. Hier wird die Freundschaft zwischen Portugal und Brasilien verständlicherweise noch gepflegt. Einige Fans schießen Böller in die Luft, die wie Gewehrsalven klingen. Die Stimmung ist bereits vor dem Spiel recht gut.

Kurz vor vier entern wir das Stadion. Jenes gefällt mir recht gut, hat dieses Schmuckkästchen im portugiesischen Kolonialstil doch einen ganz eigenen Charme. Langsam füllt sich das Stadion, wenngleich es nicht ganz voll wird. Die Atmosphäre ist genau die meine. Kein Capo brüllt hier ins Megaphon, stattdessen kommt die Stimmung quasi-anarchistisch von überall her, besonders von der Gegengerade (wo wir stehen), aber auch aus der Kurve. Vor allem aber: quasi (fast) jeder macht mit, selbst auf der Haupttribüne. Vor Anpfiff werden Luftballons verteilt, die erst aufgeblasen und später absichtlich zum Platzen gebracht werden. Zusammen mit einigen Böllern bringt dies heiße südamerikanische Stimmung ins Stadion. Lametta rieselt vom Dach der Haupttribüne. Während des Spiels immer wieder Anfeuerungschöre von überall. Zwar ist unsere Sicht nicht wirklich gut (zumal alle Leute stehen), aber ich habe meinen Spaß am Spiel und der Fankultur.

Sao Januario
Haupttribüne
Fans von Vasco da Gama

In der ersten Halbzeit dominiert Vasco und geht verdient mit 1-0 in Führung, verspielt diese jedoch später wieder und das Spiel endet 1-1. Das bekommen wir jedoch nicht mehr mit, da wir in der Pause das Stadion bereits verlassen haben. Wir halten Ausschau nach einem Taxi, finden aber zunächst keines und begeben uns zu Fuß zurück in die Innenstadt. Irgendwann unterwegs hält doch ein Taxi an und wir fahren zur Presidente Vargas, von wo aus wir zu Fuss zurück zum Hotel laufen.

Wir holen unser Gepäck und verlangen nach einem neuen Taxi. Wie es der Zufall so will, will auch ein weiterer Hotelgast, ein junger Kalifornier salvatorischer Herkunft, zum Flughafen. Der gute Mann mit dem Namen „Marvin Alexander“ spricht perfekt spanisch und kommt mit demselben auch in Brasilien gut klar. Wir teilen uns zu dritt ein Taxi, was uns allen Kosten spart. Nachdem wir das Gepäck aufgegeben und eingecheckt haben, unterhalten wir uns noch zu dritt auf englisch und trinken einen leckeren Milkshake. Irgendwann ist „Boarding Time“ für Marvin Richtung Atlanta und wir entern die Lufthansa nach Frankfurt/Main, in der es wieder zweimal etwas zu essen gibt und ich mir u.a. doch tatsächlich drei Stunden Leonardo di Caprio beim Drogen konsumieren, rumbrüllen und rumficken reinziehe (Scorseses „The Wolf of Wall Street“).

Sonntag, 20.07.2014.

Wir landen 14:45 Uhr Ortszeit in Frankfurt auf dem Flughafen. Ich verabschiede mich von Martin, der mit dem Zug nach Basel heimfährt und tausche meine restlichen Reais zurück in Euro. Der Mann in der Wechselstube meint lachend, dass er noch nie so viele Reais erhalten habe wie in den letzten Tagen dank allen aus Brasilien heimkehrenden WM-Touristen. Wir unterhalten uns kurz über das WM-Finale. 17 Uhr fliege ich mit der Luxair wieder heim nach Luxemburg, in Gedanken schon wieder bei der nächsten EM-Qualifikation. Nach der „Road to Brazil“ bald also die „Road to France“.

Bis dahin wünsche ich aber erstmal allen Lesern einen schönen Sommer!

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Juli 28, 2014 - Posted by | Brasilien | , ,

5 Kommentare »

  1. Netter Reisebericht. Aber das

    die Niederlande, denen ich persönlich ohnehin noch am meisten die Daumen drücke

    geht ja wohl gar nicht 😉

    Kommentar von Rayson | Juli 28, 2014

  2. Die Vorlieben der Luxemburger bei EM und WM sind ganz interessant. Wenn man mal von den Migranten bzw. (natürlich eingebürgerten) Nachfahren von Migranten absieht (die natürlich die Nationalelf ihrer Vorfahren unterstützen, also zumeist Portugal, Italien oder ein Team aus dem eh. Jugoslawien), unterstützen wohl die meisten bei uns ein Nachbarland (nicht selten das, wo sie studiert haben, muss aber ned unbedingt sein, ich hab ja selber mal in Kaiserslautern studiert), England oder die Niederlande. Wobei eigentlich wirklich alle Nationen vertreten sind, aber zahlenmässig sind die Genannten wohl vorne (zumindest empfinde ich das so.) Das macht ein Turnier immer sehr interessant.

    Ich würde mal sehen, dass die meisten „Bio-Luxemburger“ wie die beiden Grüneisens für Deutschland sind, was wohl insofern auch normal ist als dass man vor allem die Bundesliga verfolgt (an zweiter Stelle dann wohl die Premier League noch vor der französischen und belgischen Liga, eben mal wieder abgesehen von den Ferventen der portugieseschen (zumeist Benfica Lissabon) oder italienischen Liga (meist Juve oder Milan)), luxemburgisch ein germanischer Dialekt ist und man eben einfach nahe der deutschen Kultur einfach ist.

    Ich persönlich hab aber trotzdem mehr die Affinität zur alten Benelux-Union. Solange sie nicht gegen Luxemburg spielen, bin ich eigentlich (fast) immer für Holland oder Belgien. Jedenfalls was die sog. „Grossen“ angeht. Deutschland und Frankreich ist hingegen eher „Hassliebe“, schwer zu erklären. Wenn sie verlieren, finde ich es irgendwie lustig und man kann viele Leute aufziehen, wenn sie gewinnen, ist es aber auch okay, weil man viele Leute gerne hat, die sich darüber freuen.

    Meine Sympathietabelle wäre in etwa die Folgende (wobei das manchmal sich ändern kann, aber im Groben ist es einfach seit Jahren so und ich geb zu, dass die Gründe dafür überhaupt nicht rational sind, ja auch nicht sein können, von Platz eins mal abgesehen) : 1. Luxemburg (meine Nation, meine Elf, da bin ich einfach Patriot, da geht nichts drüber!)… dann käme lange nichts. Dann wohl auf ungefähr gleicher Stufe: Irland, Schottland (einfach wegen der Fankultur!), USA (finde die seit 1994 einfach nur geil, Alexi Lalas war einer meiner Jugendhelden und im Fussball sind sie halt einfach ein „Entwicklungsland“ und daher bin ich da für die US-Boys, in anderen Sportarten hingegen nicht, beim Basketballfinale in London bspw. war ich gegen die USA und für Spanien) und die Niederlande. 2002 fand ich auch mal Südkorea geil (Guus Hiddink ist einer meiner absoluten Lieblingstrainer! Er lässt den Fussball spielen, wie ich ihn egtl. mag.). Kurz dahinter kämen Belgien, die Schweiz, Dänemark, auch Wales, Liechtenstein und Nordirland verfolge ich ein wenig (seit ich dort war und mit deren Fans zusammen gefeiert habe) aber im Grunde wird es ab hier ziemlich egal. Man neigt gerade als selber-Zwerg zwar logischerweise eher dazu den sog. Kleinen und/oder Exotischen die Daumen zu drücken (so wie 2010 den Kiwis aus Neuseeland), aber im Grunde ist es ziemlich wurscht. Wobei: wenn Israel mal dabei wäre, wäre ich massiv auch für die, weil ich das Land so toll finde.

    Eine wirkliche Abneigung wie im Vereinsfussball (wo ich natürlich den FC Bayern nicht ab kann 😉 ) gibt es eh nicht. Wer- wie ich- viel reist und somit viele Länder besucht, kann jedem Land manches abgewinnen und so schaue ich auch enorm viele Spiele recht neutral.

    Und wie gesagt, nichts geht sowieso über das eigene Land. Würden wir gegen Oranje in einem Qualispiel spielen und die müssten gewinnen um beim Turnier dabei zu sein und für uns ginge es nur noch- wie ja quasi immer- um die alleinige Ehre, ich würde hoffen, dass wir ihnen alles versauen und Geschichte schreiben, weil während 90 Minuten gibt es keine Freunde. 😉

    Kommentar von CK | Juli 29, 2014

  3. schéin Resumé, huet mir ganz ganz gutt gefall, schéin Detailer an alles, nëmmen deng links déi misst op fr oder de, sinn an net op englesch. an wann ech esou Fotoen kucken „Spaass haste och “ hehehehe
    🙂

    Kommentar von yannick | Juli 29, 2014

  4. (Fußball-)Reisen bildet. Toller Bericht, danke!
    Ich habe das Finale in Albanien gesehen, wo mich die fast einhellige Unterstützung für Deutschland überrascht hat: http://mosereien.wordpress.com/2014/07/20/video-blog-wm-finale-2014/

    Ich selbst hätte nach ihrem ersten Spiel den Niederlanden übrigens auch den WM-Titel gegönnt.

    Kommentar von Andreas Moser | August 9, 2014

  5. In Luxemburg sind (ebenfalls trotz NS-Okkupation vor 70 Jahren) die meisten Fussballfans bei einer WM/EM auch für Deutschland. Das ist aber verständlich aus den von mir bereits genannten Gründen (cf. Post an Rayson.)

    Hier übrigens eine interessante Doku zu der Besatzungszeit:

    Kommentar von CK | August 10, 2014


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