L for Liberty

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Doppelte Perversion

Ich wurde heute von einem treuen LfL-Leser auf folgenden Spiegelartikel aufmerksam gemacht. Ein belgischer „Transsexueller“ war nach seiner Geschlechtsumwandlung mit dem Ergebnis nicht zufrieden und wurde daraufhin euthanasiert.

Ich weiß jetzt nicht, wie akkurat der Spiegel die Geschichte dieser unglücklichen Person wiedergibt, aber ausgehend von dem dort Geschriebenen, wären aus meiner Perspektive zwei wichtige Punkte zu diesem Fall festzustellen.

1. Diese Person hätte wohl niemals zu einem Mann umoperiert werden dürfen, weil es sich nicht um eine wirklich transsexuelle Person handelte. Eine solche Person fühlt sich nämlich „im falschen Körper geboren“ (nicht selten zum Unverständnis der eigenen Angehörigen, die lieber hätten, jene würde ihr „natürliches Geschlecht“ endlich akzeptieren). Eine solche Person sieht sich als Teil des jeweils anderen Geschlechts, unabhängig davon, was das Umfeld sagt, tut oder denkt. Ihre Transsexualität ist ziemlich sicher angeboren, neue biologische Erkenntnisse deuten daraufhin.

Im hier vorliegenden Fall hat die Person hingegen psychologisch wahnsinnig darunter gelitten, dass ihre Eltern sie aufgrund ihres Geschlechtes schlechter behandelt haben als ihre Brüder. Daraus entstand der Wunsch nach einer Geschlechtsumwandlung. Nicht weil sie sich als Mann fühlte, ja ihrer Meinung nach ein Mann war, sondern allein weil sie ihren Eltern gefallen wollte. Da diese arme Frau jedoch eben gerade kein Mann war und daher aus voller Überzeugung eine OP wollte, war eigentlich vorherzusehen, dass KEIN OP-Resultat sie zufriedenstellen würde, sondern sie sich nachher nur als „Monster“ ansehen würde. Was habe ich da bloß getan? mag sie sich gedacht haben, als sie in den Spiegel sah und ihr bewusst wurde, wie sehr sie ihr eigenes Selbst (aus Minderwertigkeitskomplexen und/oder Ähnlichem) verleugnet hatte.

Konnte der Arzt dies im Vorfeld nicht erkennen und bemerken oder war es ihm egal? Aus der Ferne nicht zu beurteilen. Ein Arzt sollte sich auf jeden Fall immer seiner Verantwortung bewusst sein und nicht jede gewünschte Geschlechtsumwandlung einfach mal eben so durchführen. Das wäre unverantwortlich, geradezu pervers.

2. Sterbehilfe für einen unglücklichen Transsexuellen? Sterbehilfe für einen Menschen, der sicherlich schwere psychische Probleme hatte, aber ansonsten (körperlich) vollkommen gesund war und noch viele Jahre hätte leben können? Für einen Menschen, dessen erlittene psychische Verletzungen hätten behandelt werden können? Das ist m.E. eine nahezu unvorstellbare Perversion, an der sich kein moralisch integrer Mensch und schon gar kein Arzt hätte beteiligen dürfen.

Schwer kranke Menschen bringt man nicht um oder hilft ihnen auch nur dabei sich selber zu entleiben, nicht mal auf deren eigenes Verlangen hin. Sondern man versucht ihnen zu helfen, wie diese Hilfe auch immer konkret im einzelnen Fall aussehen mag. Das sollte eigentlich für jeden christlich oder säkular-humanistisch gesinnten Menschen eine Selbstverständlichkeit sein.

Ich bin nicht nicht generell gegen Sterbehilfe, im Gegenteil. In manchen hoffnungslosen Fällen- bspw. Krebs im Endstadium- kann ich verstehen, dass ein eh zum Tode „Verurteilter“ nicht unnötig Schmerzen erleiden möchte und lieber möglichst sanft, dafür aber etwas früher, stirbt. Und ich kann verstehen, dass ihn Liebende dabei helfen. So wie im Fall Timo Konietzka.

Solange aber eine Chance besteht, einen kranken Menschen zu heilen, solange nicht wirklich alles versucht wurde, eine dem Leben überdrüssige Person selbiges wieder schmackhaft zu machen, solange kann es schlichtweg nicht moralisch sein, einer solchen Person bei einer Selbsttötung zu assistieren. Und- manche Libertäre werden das vielleicht jetzt nicht gerne lesen- eine solche Tat darf in einem Staat- der die Unantastbarkeit der Menschenwürde hochhalten möchte (und nur in einem solchen will ich leben!)- eigentlich auch nicht rechtens sein. Das belgische Euthanasiegesetz gehört anscheinend dringend überarbeitet.

A voir aussi:
Après un changement de sexe raté, un Belge obtient le droit à l’euthanasie
Une euthanasie après une opération ratée de changement de sexe: « C’est conforme à la loi »

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Oktober 3, 2013 - Posted by | Belgien | , ,

1 Kommentar »

  1. […]  https://lforliberty.wordpress.com/2013/10/03/doppelte-perversion/ […]

    Pingback von Freet RTL sech op d’Kannereuthanasie? | Déi konservativ Säit | November 22, 2013


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