L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Kontext ist wichtig

Wenn man in einer Funktion irgendwo hingeht, ist alles was gesagt wird auch innerhalb dieser Funktion zu werten. Besonders wenn es um offizielle Pressekonferenzen geht. Wenn sich also ein Theologe an einen religionsgeschichtlich trächtigen Ort begibt, sind alle seine Aussagen in und zu diesem Ort in genau einem solchen Kontext zu betrachten. Und dieser Kontext ist im vorliegenden Falle nicht Fatima.

Jeder kann seine Kritik an Allem äußern, auch am hiesigen Schulsystem, wie aktuell der luxemburgische Erzbischof in Fatima. Doch Angemessenheit sollte auch eine Vorrausetzung jeden weisen Menschen sein. Fatima hätte so viele Gelegenheiten gegeben, allgemein zwischen den engen Verbindungen Portugals und Luxemburgs zu berichten, denn auch hier gibt es ähnliche Erlebnisse. Stattdessen eine Rede zur Politik zu geben riecht sehr stark nach Parteinahme für die Christsozialen. Das Schulministerium ist bislang in LSAP-Hand, jeder Angriff kommt also jener anderen Partei zugute.

Und auch wenn in Fatima viele Portugiesen aus Luxemburg anzutreffen sind, so ist es gewiss nicht angemessen dort eine solche Kritik zu zu äußern. Die Legende von Fatima als volksreligiöses Wundergeschehen hat einen ganz anderen Ansatz: Mariaerscheinung und Wunderheilung sind ein reiner Glaubenssatz, der zwar weiterhin viele Gläubige anzieht, aber gerade auch dadurch einen sehr speziellen Kontext bildet. Ich streite dabei einzelnen Gläubigen ihre Spiritualität nicht ab, aber genau das ist der Kontext. Entweder man bewegt sich in einem (volks-)theologischen Kontext oder in einem politischen. Wenn man als Hirte die Spiritualität der Leute ausnutzt um Politik zu betreiben, ist das nach meinem Verständnis amoralisch. Die Stimmung und die Aura solcher Orte können auf manche Menschen auf besondere Weise wirken. Im Verbund mit einem Titelträger noch mehr. Gerade dann sollte man sich seiner Verantwortung bewusst sein und auf Stimmungsmache verzichten. Ich nehme einem Mann in einer solchen Position nicht die Naivität ab, diese Differenzierung nicht machen zu können.

Das luxemburger Schulsystem mitsamt Benachteiligung der jungen Portugiesen ist kein Thema theologischen Kontextes. Es ist nicht einmal Thema eines religiösen Disputs. Hätte er bei einem Besuch mit dem Lissabonner oder Differdinger Bürgermeister sowas geäußert, in einer politischen Talkshow oder persönlichem Blog oder Vlog, meinetwegen, jeder wie er will. Besonders aber in Zeiten angehender Wahlen sind solche Stellungsnahmen vor allem eines: Wahlkampf.

August 13, 2013 - Posted by | Christentum, Kurioses, Luxemburg, Neues aus Luxemburg, Offene Gesellschaft | , , , ,

Es gibt noch keine Kommentare.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: