L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Blicke in die Vergangenheit, Eindrücke aus der Gegenwart.

Für die Teilnehmer war die Israelreise 2013 die Verwirklichung eines lang gehegten Wunsches, die Gelegenheit, eine mehrere Jahrtausend alte Menschheitsgeschichte vor Ort nachzuvollziehen und in den von Gott und den Menschen gestalteten Landschaften zu erleben.

Eine kulturelle Reise in die Vergangenheit und die Gegenwart, in Begleitung unseres Reiseleiters Claude Sternberg (ein bestbekannter Israeli mit luxemburgischen Wurzeln), der uns zusätzliche Ausführungen zu unserem eigenen Wissensstand zur alten und neueren Geschichte Palästinas auf Wunsch in luxemburgischer, deutscher oder französischer Sprache mit bemerkenswerter Kompetenz lieferte.

Eigentlich war es nicht einfach, die Teilnehmergruppe zusammenzuführen. Schließlich hatten sich 18 Personen aus meinem Bekanntenkreis entschlossen, trotz den seit Monaten bestehenden Spannungen zwischen Syrien und den Nachbarstaaten, unter welchen besonders Israel bedroht ist, teilzunehmen. Angst also? Diesen Eindruck hatten wir nicht und während des gesamten Aufenthaltes konnten wir kein einziges Flugzeug über dem Himmel Israels beobachten, obschon anscheinend dicke Luft in diplomatischen Kreisen herrschte. Und die aktuelle Politik? Es herrschte Konsens in unserer Gruppe, dass es den Israelis und nicht uns zusteht, die Politik ihres Landes zu bestimmen und praktisch zu gestalten. Dieser Konsens erlaubte uns, die Reise als eine kulturelle, unpolitische Reise zu gestalten und schließlich auch so zu erleben.

Mit einem Direktflug von Brüssel nach Tel-Aviv, allerdings nach akribischen Sicherheitskontrollen von Seiten der Fluggesellschaft El Al (ein erlösendes und gleichsam beruhigendes Gefühl wenn man die Kontrollen hinter sich hat) landeten wir in Tel Aviv und wurden im Hotel Dan Panorama, direkt am Strand, einquartiert. Es verblieb der späte Nachmittag und der Abend für einen Spaziergang am belebten Strand.

Am zweiten Tag wurde uns ein moderner Bus für die Rundreise zur Verfügung gestellt. Das Steuer ward Rafa, einem früheren Offizier einer Panzerdivision von Tsahal anvertraut. Ebenfalls beruhigend! An der Küste entlang fuhren wir bis nach Akko, mit Besichtigungen von Caesarea und Haifa, nach Aschdod Israels größte Hafenstadt an einer schönen halbrunden Bucht und Sitz des Bahai-Schreins.

Zu den Mahlzeiten möchte ich sagen, dass wir insgesamt sehr zufrieden waren, dass sogar ich, als Vegetarier, absolut überrascht war über die Vielfalt der angebotenen Kost, eine Befürchtung, die ich vor der Reise, vor jeder Reise habe…

Weg vom Meer ging die Reise nach Galiläa, einen Abstecher nach Nazareth, wo die Verkündigungskirche, “die“ Sehenswürdigkeit Nazareths und zugleich eine der größten christlichen Kirchen im Vorderen Orient an diesem Tage leider nicht zugänglich war! In Tiberias, der bedeutendsten Stadt am See Genezareth, übernachteten wir im Hotel Caesar.

Am dritten Tag war ein Kibbuz programmiert, bevor die Stadt Safed, die Stadt der Kabbalisten, eine der vier heiligen Städte Israels, besucht wurde. Vom „Berg der Seligpreisungen“, wo Jesus den Kern seiner Lehren in der Bergpredigt zusammengefasst und zum ersten Mal das Vaterunser gebetet hat, genießt man einen herrlichen Panoramablick auf den See. (Unser Claude ist dagegen der Meinung, dass das Gebet zuerst auf dem Ölberg ausgesprochen wurde, wo sich heute die Pater-Noster-Kirche befindet, Lukas 11,1-4, Matthäus 6,9-13)

In der Folge des Tages war ein solch geladenes Programm vorgesehen, und auch ausgeführt, dass ich es nur noch in Stichworten wiedergeben kann: Ein Mittagessen am Ufer des Sees, natürlich mit dem sagenumwobenen Sankt-Peter-Fisch, Kapernaum, das zu den bedeutendsten Wirkungsstätten Jesu gehört; Tabgha, in dem die Speisung der 5000 stattfand. Ja, und dann war noch was. Die Namen der verschiedenen Kibbuzim die wir besuchten, habe ich mir nicht gemerkt. Laut Programm waren es der Kibbuz Sde Elihaou; die Kibbuzim Deganya und Ginnosar klingen jedoch auch bekannt ..

Am vierten Tag also, nachdem wir einen Pionier-Kibbuz der biologischen Landwirtschaft besichtigt hatten, ging die Reise weiter nach Beit Shean, einen Ort, der mir bis dahin völlig unbekannt war. Er gehörte als wichtiger Handelsknotenpunkt in der Antike zu den bedeutendsten Städten Palästinas. Besonders interessant ist das gut erhaltene römische Theater, das zu den schönsten römischen Bauwerken Israels zählt. Für mich war es die Stelle, an der uns die unerbittlichste Hitze umgab …

Und noch ein Kibbuz, Nir David, wo uns ein ausgezeichnetes Mittagessen erwartete. Zeit zum Weingenuss bleibt einem bei solch einem Programm nicht. Da würden Sie am Nachmittag die Fahrt durch das Jordantal, das St.George Monasterium bei Jericho im Canyon „Wadi Kelt“ ganz schön verpennen… und dabei eine der schönsten Landschaften (die Wüste Judäa) und Sehenswürdigkeiten Israels verpassen. Also, am Tag nur Wasser und abends nur wenig Wein, denn er ist unverschämt teuer. A propos Wasser: Einige Teilnehmer ließen es sich nicht nehmen, nahe bei der Stelle wo der Jordan den See Genezareth (bei Yardenit) verlässt, eine erneute Taufe, diesmal mit Original-Jordan Wasser, vorzunehmen. Weil der Jordan den Verlauf seines Bettes seit der Taufe Jesu etwas verlegt hat, ist es ziemlich sicher, dass der touristische „Baptismal Site on the Jordan River“ nicht die historische Stelle ist, an der Jesus die Taufe empfangen hat. Wie dem auch sei, wir tauchten unsere Füße in den Jordan.

Nicht teuer und äußerst interessant war der Abend, den wir bei Ulrich Sahm, einem Journalisten und leidenschaftlichen Koch in Jerusalem verbrachten. Sehen sie sich doch das Menu an und stellen sie sich einen orts- und politikkundigen Journalisten vor, der im Prinzip auf alle Fragen eine Antwort weiß. Sollte dies nicht der Fall sein, dann beantwortet er dieselbe eben mit einer Gegenfrage! Also. Ulrich ist auch Korrespondent des Luxemburger Worts in Israel. Eine nächtliche Rundfahrt durch die Altstadt musste programmbedingt ausfallen. Wer sagte doch : Zuerst das Essen, dann die Kultur! Oder so was Ähnliches?

Hervorzuheben bleibt bei der Jerusalem-Etappe das ausgezeichnete „Hotel Mount Zion“, das uns in letzter Minute zugeteilt wurde. Frühstück auf der Terrasse mit Blick auf die Altstadt und das Kidron-Tal… Ein Schlafzimmer wie einst für Saladin.

Die zwei folgenden Tage waren gänzlich der Altstadt gewidmet. Darüber zu berichten, das würde den Reiseleitern Konkurrenz machen. Höhepunkte in der Altstadt waren natürlich die Klagemauer und die Grabeskirche. Über Kitsch und Bazar in der Via Dolorosa und Umgegend reden und schreiben wir nicht!
Östlich gegenüber der Altstadt, getrennt durch das Kidrontal, der „Ölberg“, der Garten Gethsemane, an dessen Hängen die knorrigen uralten Olivenbäume stehen… Eine ideale und traditionelle Stelle für das Gruppenbild.

Der Morgen des 6.Tages galt der Besichtigung der nationalen israelischen Gedenkstätte, die an die Ermordung von 6 Millionen Juden durch die Nationalsozialisten erinnert : Das Memorial der Shoah :Yad Vashem. Beeindruckend, auch mit Inschriften der Namen einiger Ortschaften Luxemburgs, aus welchen die Juden in die KZs verschleppt und ermordet wurden.

Eigentlich durfte unser israelische Reiseleiter Claude uns nicht nach Bethlehem (palästinensisches Autonomiegebiet) begleiten. Weil er schon einige Jahre nicht mehr dorthin gefahren war, setzte er sich als Tourist unter uns und wir wurden von einem palästinensischen Reiseleiter zur Geburtskirche und einen großen Bazar geleitet… Die große Auswahl an holzgeschnitzten Krippenfiguren fand jedoch, vielleicht saisonbedingt, nicht den erwarteten Absatz.

Am 7. Tag ging es dann ziemlich schräge bergab… auf den Weg zum Toten Meer, gelegen etwa 394 Meter unter dem Meeresspiegel. Die Höhlen von Qumran kann man sehen, nicht besuchen, obschon wahrscheinlich noch etliche Rollen dort versteckt liegen.

Die erst 1963 freigelegte und eindrucksvoll restaurierte Festung Massada wurde 2001 in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen. Nicht wie die Römer, nicht wie Sportler, wir wählten die Seilbahn zum Erklimmen der 450 Meter hohen Klippe. Wenn man sich der geschichtlichen Begebenheiten dieses Ortes nicht bewusst ist, dann ist man immerhin beeindruckt über diesen wuchtigen Felsen, mit Sicht auf einen großen Teil des Toten Meeres.

Unser Weg zum und ins Wasser des Toten Meeres war leider erschwert durch den Umstand, dass Salzkristalle über die man ohne beschuht zu sein nicht gehen kann, uns den feierlichen Einzug ins Salzwasser verwehrten… und damit auch das traditionelle Knipsen des zeitungslesenden Badenden.
In der Nähe des Toten Meeres machten wir einen Abstecher in das AHAVA Visitors Center. Die dort angebotenen Kosmetik-Artikel fanden einen reißenden Absatz. Sollte es Ihnen einmal einfallen, nicht nur die Rundreise durch Israel mitzumachen, sondern auch einige Tage „Wellness“ daselbst zu erleben, dann drängt sich der Kibbuz En Gedi ganz einfach auf. En Gedi, einst biblische Oase, seit 1950 ein Kibbuz, in dessen unmittelbarer Nähe das gleichnamige 27 km2 große Naturreservat liegt.

Nach diesem unvergesslichen Nachmittag setzten wir unsere Reise nach Tel-Aviv, dem Ausgangspunkt unserer Rundreise, fort. Wer glaubt, aus dieser „neuen“ Stadt sei nichts zu melden, der irrt sich gewaltig. Jedenfalls genügte uns die Zeit nicht, die Sehenswürdigkeiten dieser Stadt in einem Tage zu genießen. Wenn man sich die Zeit nimmt um das alte Jaffa zu besuchen, dann bleibt einem bei 1,2 Tagen kaum Zeit einige Museen zu besuchen oder etwa in der Dizengoff oder Ben Yehuda zu shoppen und die Düfte des Carmel Marktes einzuatmen. Wenn Kunst und Schönheit auch einen Duft besitzt, dann muss man unbedingt in Old Yaffa in die Frank Meisler Sculpture Gallery einkehren. Ich konnte bei aufmerksamen Hinsehen beobachten, dass einige Kreditkarten in dieser Kunstgalerie erhebliche Kratzer einstecken mussten. Man gönnt sich ja sonst nichts…

Ich möchte aber auch noch erwähnen, dass unser Freund Claude uns an diesem Abend mit einem gänzlich unvorhergesehenen Vortrag über koscheres Essen und Trinken überraschte. Essen und trinken Sie koscher oder halal? Wir kennen jetzt den Unterschied. Sie auch?

Am neunten Tag ist der Abschied von diesem Lande, dem „Heiligen Lande“, auf dem Programm. Ich war beruhigt, dass die Reise nicht nur ohne Zwischenfälle verlaufen war, es freute mich, dass alle Teilnehmer zufrieden bis begeistert von dieser Reise waren. Was könnte man (noch) mehr und besser machen? Die ausgewählte Route ist altbewährt, man sieht das Wesentliche. Eine Alternative oder gar zusätzliche Reise führt in den Süden bis ans Rote Meer…

Einige Tage mehr für Jerusalem, insbesondere für die Museen und die muslimischen Denkmäler, sowie Tel Aviv; das palästinensische Autonomie-Gebiet (Westjordanland) mit einigen historischen Orten; mehr Zeit für die Umgebung des See Genezareth (d.h. Galiläa) und die Golan-Höhen; ein Abschluss mit einigen Tagen in En Gedi. Es bleibt uns noch Zeit… das nächste Mal.

Jetzt denke ich an Jerusalem, ich sehe und höre Ofra Haza, die wunderschöne israelische Sängerin mit dem ergreifenden Lied „Yerushalayim shel zahav (Jerusalem of Gold)“. Ich bitte Allah, den Friedliebenden, seinen arabischen Untertanen die Übernahme Jerusalems auszureden, sag Ihnen: Jerusalem ist gut in den Händen derer, die es lieben und achten, seit mehr als dreitausend Jahren.

Jerusalem-Gruppenfoto

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Juni 18, 2013 - Posted by | Israel |

1 Kommentar »

  1. Ausgezeichneter Bericht Paul!! Dabei hoffe ich die Ehre zu haben noch vielen anderen Luxemburgern, die tausende Fazetten Israels ihnen zu zeigen und zu erklaeren!!
    Schalom und lasst uns noch „dieses“ Jahr in Israel treffen!!

    Kommentar von Claude Sternberg | Juni 19, 2013


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