L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Games & Klischee

Videospiele werden Gegenstand der Akademie. Was für Gamer längst ein alter Hut ist, wenn auch hauptsächlich auf soziologischer Ebene, kommt nun auch endlich in Luxemburg an. Ob die Prämissen allerdings so vielversprechend sind, wage ich zu bezweifeln.

Bei journalistischen Zusammenfassungen fällt immer etwas unter den Tisch, aber einige Punkte sind dann doch zu offensichtlich, als dass man sie einer möglicherweise game-unbedarften Journalistin in die Schuhe schieben sollte. „Muskelprotze und Sexobjekte“ heißt es in der Überschrift. Angesichts der Flut an erfolgreichen Games wie aktuell SimCity, die ständigen Add-ons für Sims3 oder der nicht enden wollende Erfolg von Minecraft wirkt eine solche Ansage bereits wie ein Klischee, das doch eigentlich hinterfragt werden soll. Aber nun gut, es gibt ja tatsächlich eine ganze Reihe von diesen Spielen.

Ja, jeder, der an der Game-Entwicklung interessiert ist, weiß, dass viele Videospiele sich durch Klischees bei der Zielgruppe anbiedern. Das ist einerseits enorme Faulheit der Gamedesigner, andererseits fehlende Risikobereitschaft sich bei der Zielgruppe unbeliebt zu machen. Besonders letzterer Punkt ist nicht unwichtig mal dekonstruiert zu werden. Auf soziologischem Plan kann man einige Ergebnisse z.B. bei Feminist Frequency nachschauen.



Aber jetzt mal Klartext zu dem kleinen Artikel über die angestrebte Studie:

  • Ob das Chancengleichheitsministerium der richtige Partner für eine solche Studie sein soll, bezeichne ich jetzt mal als strittig. Wenn schon staatliche Schirmherrschaft, dann eher das Kulturministerium, alles andere hat einen Beigeschmack, welcher die wissenschaftliche Unabhängigkeit in Frage stellt. Besonders im Zusammenhang mit dem letzten Satz, laut dem „versucht werden [soll], die hierzulande angesiedelten Videospiel-Firmen zu sensibilisieren“, liegt der Verdacht nahe, dass die Resultate schon irgendwo feststehen und nun nach Bestätigung gesucht wird.
  • Lara Croft als „Ausnahme“ zu bezeichnen, zeugt von einer unglaublichen Naivität. Lara Croft ist in den frühen „Tomb Raider“-Spielen eine leere Projektionsfläche mit breiten minimalpolygonierten sekundären Geschlechtsmerkmalen. „Stärke und Unabhängigkeit“ sind nicht ihre primären Tugenden, sondern in erster Linie ihre Oberweite. Sie ist ein wandelndes Klischee, das auf die pubertären Wünsche 15-jähriger zugeschnitten wurde. Mitnichten ist sie ein Gegenentwurf zu anderen Charakteren, sondern füllt genau jene Lücke aus, welche die Sausage-Parties der anderen Games offen lassen.
  • Die „Entsexualisierung“ Lara Crofts ist eher dem Zeitgeist geschuldet. Die Zeit, in der Silikonbrüste als Referenz herhielten, ist ein Relikt der 80ger und 90ger. Eine Reduzierung des Brustumfangs ist überhaupt kein Hinweis auf Entsexualisierung. Überhaupt ist die Frage interessant, inwieweit Entsexualisierung sein muss um eine starke Videospielfigur zu erhalten. Ich denke dabei an Bayonetta, welche von manchen pro-feministischen Gamerinnen gefeiert wird und dennoch bei oberflächlicher Betrachtung dem „Pfui-Bäh-Sex“-Reflex unterliegen könnte.
  • Die Studie, welche angeblich zeigt, dass Mädchen, welche die frühe und die neue Lara spielten eine abweichende Selbstsicherheit an den Tag legen, ist in ihrer beschriebenen Form bestenfalls unvollständig: Frühe Titel der „Tomb-Raider“-Reihe spielten sich ganz einfach sperriger und waren schwerer. Neuere Titel spielen sich butterweich und haben viele Hilfestellungen. Pixelgenaues springen ist nicht mehr nötig. Das heisst ganz einfach, dass die alten Titel (d.h. mit der noch nicht „entsexualisierten“ Lara) frustrierender sind. Von der unsauberen Pixelgrafik ganz zu schweigen. Ein Selbstsicherheitsgefühl anhand der Oberweite zu definieren ist anhand der gameplaytechnischen Differenzen ein Schnellschuss.

Ich gehe auch von einer normativen Wirkung von Videospielen aus. Ebenso Filmen, Werbung, Eltern, Freunde, Lego und Überraschungseier. Allerdings gehe ich auch von einer gewissen normativen Wirkung von Studien aus, welche die Voraussetzungen ihrer Ergebnisse erst schaffen. Und wenn mir ein Text dargeboten wird, welcher solche Lücken offenbart, bin ich mir nicht sicher, ob das Ergebnis adäquat sein wird. Ich lasse mich gerne eines besseren belehren, aber die Aussagen über Lara Croft haben meinen Skeptizismus geweckt.

In dem Sinne halte ich mich lieber an die von mir geschätzte Anita Sarkeesian (oder non games Laci Green). Ebenfalls haben Extra Credits gute Vorarbeit geleistet, genau so wie diese Einblicke in die Game-Industrie von Jim Sterling.

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März 29, 2013 - Posted by | Neues aus Luxemburg, Offene Gesellschaft, Philosophie, Pluralismus, Psychologie, Video, Wirtschaft | , , , , ,

23 Kommentare »

  1. De Fernand Kartheiser mécht sech op séngem Blog doriwwer lëschteg:
    http://fkartheiser.lu/?p=947

    Kommentar von CK | April 2, 2013

  2. Wobei bei Kartheiser der übliche antifeministische Reflex zum tragen kommt. Und dieser wird nur noch vom plakativem Antiintellektualismus getoppt, der ganz einfach die Möglichkeit eines interessanten Resultates negiert. Feminsitische Theorie im Rahmen einer Ergebnisoffenheit ist eine sehr interessante und ernst zu nehmende Sache.

    Dass die Linke gegen das Barbiehaus demonstriert finde ich gut. Dass sich Videospiele mal genauer angeschaut werden auch, wie gesagt schaue ich mir gerne z.B. Feminist Frequency an und teile auch vieles. Nur stelle ich bei dieser speziellen Studie der lux. Uni die Ernsthaftigkeit in Frage.

    Kommentar von JayJay | April 2, 2013

  3. Wer keine wirklichen Probleme im Leben hat, demonstriert halt gegen Barbiehäuser oder andere Spielsachen, solche Peinlichkeiten kann ich nicht ernstnehmen. So gab es ja auch Konservative die ein Problem mit einem genderneutralen Spielwarenkatalog in Schweden hatten. Das Eine ist so dämlich wie das Andere. Man soll seine Kinder einfach selber entscheiden lassen mit was sie spielen wollen.

    Die Kritik an Kartheisers Artikel ist natürlich richtig. Hab ihn auch nicht hier verlinkt, weil ich ihm zustimme, sondern weil ich zufällig drauf gestossen bin und mir eben auffiel, dass ihr beide anscheinend über die gleiche Projektidee gebloggt habt.

    Gegen eine Analyse von Videospielen habe ich nichts, wenngleich ich zugeben muss, dass dies aber auch nicht meine Welt ist. Laci Greens Themen interessieren mich da schon mehr 😉

    Kommentar von CK | April 2, 2013

  4. Wer keine wirklichen Probleme im Leben hat…

    Naja…nur weil du es unter Umständen nicht siehst, bedeutet es nicht, dass kein Problem besteht.

    Ansonsten ok.

    Kommentar von JayJay | April 2, 2013

  5. Es ist nun wirklich kein Problem, wenn ein Kind mit Barbiepuppen oder -häusern spielt. Ich kann ja noch Leute wie meinen Freund Raymond verstehen, die was gegen Spielzeugwaffen haben (wenngleich ich im Gegensatz zu ihm auch die meinen Kindern nicht verbieten würde, ich hab ja selber auch ab und zu damit gespielt und bin heute dennoch kein schiesswütiger Amokläufer), aber was man an Barbiehäusern auszusetzen hat…

    Das erinnert mich an einen mir bekannten Vater, der sich ernsthaft Sorgen machte, weil sein Sohn mit Bügeleisen gespielt hat. Ich verstehe auch dessen Problem bis heute nicht. Zumal auch Männer heute bügeln können müssen (mache ich allerdings ungerne 😀 )

    Kommentar von CK | April 2, 2013

  6. Es ist nun wirklich kein Problem, wenn ein Kind mit Barbiepuppen oder -häusern spielt.

    Jupp, wie vermutet schießt du vorbei. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist die Sozialisation mit einseitigen Rollenbildern und -zuweisungen. Ein Barbiehaus selbst ist kein Problem. Ebensowenig die Spielzeugpistole. Am besten beides zusammen.

    Kommentar von JayJay | April 2, 2013

  7. @7.

    Das Problem ist die Sozialisation mit einseitigen Rollenbildern und -zuweisungen

    Sowas unterschätzt die Persönlichkeiten von Kindern ganz gewaltig. Einfach mal Eltern fragen.

    Kommentar von Rayson | April 2, 2013

  8. @Rayson

    Das stimmt wohl, Kinder sind selten Idioten. Allerdings werden im Laufe der Jahre viele zu welchen. Und da sind Identifizierungen mit Rollenbildern und Medien, nicht zuletzt Erwartungshaltungen von nicht ganz gefestigten Eltern, vielleicht nicht ganz unschuldig dran.

    Kommentar von JayJay | April 2, 2013

  9. @8.

    Soweit ich weiß, sagt uns die Wissenschaft etwas anderes (siehe z.B. http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/harald-eia-gegen-den-gender-mainstream-das-wurde-haesslicher-als-ich-gedacht-habe-11899907.html). Mach aus „vielen“ „einige wenige“, dann stimmt’s vielleicht.

    Kommentar von Rayson | April 2, 2013

  10. aus “vielen” “einige wenige”, dann stimmt’s vielleicht.

    Nein, mache ich nicht.
    Die Filme habe ich gesehen und die sagen leider nicht viel aus. Was Gender-Mainstreaming angeht, bin ich auch sehr skeptisch, dieses staatlich verordnete Gedöhns hat nicht viel mit Forschungsergebnissen zu tun. Die genetische Disposition ist nicht zu vernachlässigen, aber, dass alleinig Genetik für alles verantwortlich ist, stimmt nicht (wird ebenfalls in den Filmen gesagt). Desweiteren sage ich nicht, dass man alles der Soziologie übernehmen soll, doch warum Punkte übergehen, nur weil sie einem ideologisch nicht in den Kram passen? Wir haben eine gewisse Kultur des Bewertens von Gender- und Klassen-, bis hin zu Rassenzuschreibungen (letzteres mittlerweile zumindest offen verpöhnt) und wenn man diese nicht überdenken möchte, soll man gewisse Vorwürfe nicht an jene richten, welche dies tun wollen.

    Kommentar von JayJay | April 2, 2013

  11. @10.

    Dass „allein Genetik für alles“ verantwortlich sei, behauptet keiner. Aber wenn man seine Kinder eben einigermaßen „normal“ behandelt (d.h. ohne Ausreißer in irgendeine Richtung), wird sich die genetische Prädisposition eher als Unterschied durchsetzen (und um die Unterschiede geht es ja). Dass damit eine „Bewertung“ verbunden sei und die von die jeweils abweichende Meinung auf ideologischen Festschreibungen beruhe, wären an dieser Stelle aus meiner Sicht unnötige Unterstellungen.

    Kommentar von Rayson | April 2, 2013

  12. ohne Ausreißer in irgendeine Richtung

    Genau das ist in meinem Verständnis das Ziel der ganzen Genderforschung. Da bedarf es keine Ü-Eier nur für Mädchen oder ein spezielles Lego, weil damit eine Rollenzuweisung vorgenommen wird. Und es bleibt meine Überzeugung: sowas färbt ab, sonst hätten diese ganzen Klischeezuweisungen eines Cris Evatt oder Pease keinen fruchtbaren Boden. Oder dass „Twilight“ zu einem gefeierten Welterfolg wird trotz offensichtlicher Mägel in Sachen Frauen- und Männerbild. Ich habe auch nichts gegen Barbie, nur die Mechaniker-Barbie lässt eben auf sich warten. Die Simpsons-Folge mit „Malibu Stacy“ und „Lisa Leonheart“ bringt die Sache eigentlich ganz gut, wenn auch natürlich stark vereinfacht, auf den Punkt.

    unnötige Unterstellungen

    Es ist sehr gut möglich, dass ich mich bei Dir irre und Du bei mir gerade eine härtere Linie feststellst, als sie mir eigentlich eigen ist.

    Kommentar von JayJay | April 3, 2013

  13. @Rayson: „Sowas unterschätzt die Persönlichkeiten von Kindern ganz gewaltig. Einfach mal Eltern fragen.“

    -> Solche Aktionen wie die gegen das Barbiehaus kommen fast immer von Leuten, die selbstverständlich keine eigenen Kinder haben. Denn Eltern wissen dass der Nachwuchs sich meist das Spielzeug selber aussucht, oft sogar zum Leidwesen der Eltern.

    Und die recht interessanten Filme von Harald Eia habe ich selber alle sieben kürzlich hier auf dem Blog verlinkt. Der „blank slate“ ist natürlich ein Mythos, der längst tausendmal widerlegt wurde. Und den Eltern auch noch nie ernstnehmen konnten.

    @JayJay: „Das Problem ist die Sozialisation mit einseitigen Rollenbildern und -zuweisungen“

    1. Haben Mädchen meist nicht nur ein Barbiehaus, wie Du ja selber anmerkst.
    2. Im Barbieuniversum gibt es meinem Verständnis nach nicht mal einen Unterschied zwischen Mann und Frau. Barbie und Ken sind beide Profimodels, die sich schminken, hauptsächlich gutaussehen und im Glamour leben. Vermutlich ist Ken also auch noch heimlich schwul 😀
    3. Ist das Rollenbild der Barbie problematisch? Ja, insofern als dass ein oberflächliches Leben porträtiert wird. Da würde ich als Vater schon gegensteuern oder besser gesagt Überlegungen zur Ergänzung anbieten. Dafür sind Eltern ja in der Tat da.

    Es gibt tolle den gängigen Klischees widersprechende Vorbilder für Mädchen und dies in der realen Welt, historisch wie aktuell: von Marie Curie bis zu Marissa Mayer. 🙂

    „Kinder sind selten Idioten. Allerdings werden im Laufe der Jahre viele zu welchen. “

    -> Das hat wohl diverse Gründe. Nicht zuletzt auch unser marodes Bildungssystem.

    Kommentar von CK | April 3, 2013

  14. @Barbiehaus
    Öfffentlicher Platz für Werbezwecke und das vom Fernsehen (GnTM, DSDS, etc.) verbreitete Menschenbild? Seems legit. Eine ähnliche Aktion von Philipp Morris (z.B. Rauchen heisst Freiheit) oder der Kirche (z.B. Ohne Gott keine Moral) würde dich auch auf den Plan rufen. Fällt für mich in diesselbe Liga einer gewissen Indoktrination, die im privaten jeder handhaben kann, wie er will, im öffentlichen Raum aber Kritik angebracht ist. Warum nicht dieselbe Energie in ein Curie-Haus stecken? Oder zumindest das Prinzessinnenschminkmodeltadaaa brechen? Wird nicht gemacht, warum eigentlich? Warum will die Kundschaft dieses Plastikimage? Vielleicht weil sie nie etwas anders kennen gelernt hat? Da beisst sich die Katze selbst in den Schwanz. Denn wie gesagt sind Kinder von sich aus offen und neugierig. Und dennoch kriegen sie dann sowas wie in Berlin geboten.

    Dann soll es die Curie-Barbie geben. Gibt es aber nicht. Warum muss man solche Vorbilder regelrecht suchen anstatt dass sie so wie das dumme Blondchen sofort im Raum stehen?
    Zu 1) Es geht nicht nur darum, was Mädchen als Spielzeug haben, sondern um die Abtrennung dessen, was „für“ Màdchen und ebenso, was „für“ Jungs ist. Dies führt auch zu den immer noch vorherrschenden Männerbildern. Diese Tendenz scheint sich, wenn man z.B. die Hiphop-Kultur anschaut, wieder zu verstärken.
    Zu 2) Naive Interpretation: es geht darum, dass „frau“ sich gerne schminkt und ganz nach „Sex & the City“-Manier tratscht und dekoriert, während das Tätig-Sein den anderen überlassen wird (Lego Friends ist da ein gutes Beispiel: Mädchen Lego: Plätzchen backen und im Cabrio herum fahren, Jungs-Lego: Polizei und Feuerwehr).
    Zu 3) Schön, dass du mir zustimmst. Viel mehr habe ich niemals gesagt: „Gegensteuern und Überlegungen zur Ergänzung“, genau das ist es ja, was ich auf gesellschaftlicher Ebene fordere. dass dabei manche über das Ziel hinausfahren ist klar, aber warum an denen die Grundidee messen, so wie es Kartheiser tut?

    Kommentar von JayJay | April 3, 2013

  15. @JayJay: „Öfffentlicher Platz für Werbezwecke und das vom Fernsehen (GnTM, DSDS, etc.) verbreitete Menschenbild?“

    -> Ich kann mit GnTM, DSDS usw. wenig bis nichts anfangen. Einen Fernseher habe ich eh schon lange nicht mehr, weil m.E. zu wenig Qualität dort noch zu finden ist. Die interessante Frage ist jedoch: sind es die Produzenten, die diese Bilder erst schaffen oder sind sie nicht vielmehr nur Anbieter, die eben die Nachfrage bedienen müssen, denn diese zu bedienen bedeutet Kohle machen. Eine Henne-Ei-Frage wohl und vermutlich geht es auch in beide Richtungen, aber es gibt nunmal enorm viele Menschen, besonders weiblichen Geschlechts, die wollen diese Sendungen sehen. Wieso ist eine schwierige Frage.

    Ich will hier nichts behaupten, kann mir aber gut vorstellen, dass es durchaus AUCH (nicht nur, aber eben AUCH) natürliche Gründe dafür gibt, also Gründe die in der Natur der Frau liegen wieso diese Schönheits- und Singwettbewerbe interessant findet. Vieles in unserem Verhalten kann man wohl auch evolutionär erklären. Mir macht die Natur hier keine Angst. Es gibt genauso Gründe, die in der Natur des Mannes wohl liegen, wieso dieser (natürlich spreche ich nicht von allen Männern, sondern von einer groben Mehrheit) gerne sportliche Wettbewerbe sieht, in unserem Kulturkreis vor allem Fussball. Da kann man nun laut „Sexismus“ schreien, aber das ist nunmal meine ehrliche Meinung.

    Natürlich verleugne ich nicht die Faktoren „Kultur“, „Erziehung“ usw., es ist halt eine Mischung aus allem, inklusive eben der Natur. Zu welchen Prozent, ist letzlich wohl unmöglich zu sagen.

    Ich würde aber zudem durchaus mal den advocatus diaboli geben und sagen, dass es ja auch nicht unbedingt ausschliesslich schlecht sein muss, klare Rollenverteilungen zu haben, insofern diese nicht erzwungen werden. Ich bin in einer konservativen Familie aufgewachsen- meine Mutter gab freiwillig ihren Beruf für uns Kinder auf- und ich muss sagen, das hat uns dreien enorm viel gebracht. Natürlich würde ich das heute nie von meiner eigenen Frau verlangen, aber ich halte das durchaus für eine legitime Wahl unter vielen Anderen. Und vermutlich ist es das, was mich an der ganzen Debatte stört: es kommt mir manchmal so vor, als sei Mütterlichkeit eine negative Eigenschaft, die den Frauen von klein auf ausgetrieben werden müsste. Und deshalb sollen Mädchen eben nicht mit Puppen und Barbies spielen.

    „Eine ähnliche Aktion von Philipp Morris (z.B. Rauchen heisst Freiheit) oder der Kirche (z.B. Ohne Gott keine Moral) würde dich auch auf den Plan rufen.“

    Drogen nehmen ist nicht unbedingt gut für die eigene Freiheit, aber solange damit gemeint ist, dass der Staat/die Gesellschaft einem das Rauchen nicht verbieten soll, stimme ich dem Slogan zu. Dem der Kirche stimme ich natürlich absolut überhaupt nicht zu, aber die Kirche muss das natürlich sagen. Wenn jetzt jemand sagt „Ohne Barbie kein Mädchen“ wäre ich da massiv dagegen. Jedes Kind soll mit dem spielen dürfen womit es spielen will und wenn man halt keine Barbie will, soll sie einem nicht aufgezwungen werden.

    „Dann soll es die Curie-Barbie geben. Gibt es aber nicht.“

    Es gibt Chemiebaukästchen. Damit könnten auch Mädchen spielen.

    „Warum muss man solche Vorbilder regelrecht suchen anstatt dass sie so wie das dumme Blondchen sofort im Raum stehen?“

    Als Kind hiessen meine Vorbilder Lederstrumpf, Winnetou, Huckleberry Finn und Tom Sawyer, Ivanhoe, die drei Musketiere, Zorro usw. Das waren also die klassischen (männlichen) Helden. Aber zumindest bei J.F.Cooper gab es auch starke Frauen, spontan fällt mir Cora in „Der letzte Mohikaner“ (gespielt von Madeleine Stowe in der letzten Verfilmung) ein. Aber tatsächlich haben die Mädels damals eher andere Sachen gelesen oder ferngesehen, bspw. Fury oder Black Beauty 😉 Aber wenn wir Fahrrad gefahren sind oder Baumhütten gebaut haben, sogar beim Fussball, waren immer auch Mädels dabei. Und wir Jungen haben auch mal mitgekocht. Ich hab mir sogar die Nägel ab und zu rosa gefärbt ohne dadurch schwul oder Transvestit zu werden 😉

    „Es geht nicht nur darum, was Mädchen als Spielzeug haben, sondern um die Abtrennung dessen, was “für” Mädchen und ebenso, was “für” Jungs ist.“

    Da bin ich natürlich massiv dagegen, jeder soll so eine Kindheit haben dürfen wie ich sie hatte. Sich frei entfalten dürfen.

    „Diese Tendenz scheint sich, wenn man z.B. die Hiphop-Kultur anschaut, wieder zu verstärken.“

    Ja, gut, da rennst Du bei mir offene Türen ein. Was in dieser Szene manchmal an frauenfeindlichem Dreck und wie Du richtig schreibst, auch an komischen- teilweise sogar kriminellen Männerbildern- abgesondert wird, ist unfassbar.

    „es geht darum, dass “frau” sich gerne schminkt und ganz nach “Sex & the City”-Manier tratscht und dekoriert“

    Der Erfolg von SATC kommt nicht von ungefähr. Es scheint eben etwas dran zu sein. Dass eine Frau besser dekoriert als ein Mann, ist nun wirklich Tatsache. Eine Frau belebt immer die eigene Wohnung, die gerade bei einem Menschen wir mir sonst sehr karg nahezu ausfällt. Gegen Schminken ist ja auch nichts zu sagen. Manche Männer gehen stattdessen ins Fitnesstudio. Schönheit wird durchaus beiderseits erwartet. Lego sollte für alle da sein. Da habe ich mit meiner Schwester oft zusammengebastelt.

    „dass dabei manche über das Ziel hinausfahren ist klar, aber warum an denen die Grundidee messen, so wie es Kartheiser tut?“

    Vielleicht weil diese am lautesten sind. Bei Kartheiser ist es aber wohl in der Tat so, dass jener einfach erzkonservativ ist und vermutlich umgekehrt ein Problem mit bspw. dem schwedischen Spielwarenkatalog hätte (könnte ich mir jedenfalls vorstellen…)

    Kommentar von CK | April 3, 2013

  16. Der Artikel von Hansen ist sehr interessant. Er hat m.E. absolut recht. Aber die Ablehnung von Studiengebühren in vielen Ländern verschlimmert die Situation gerade noch. Ist aber ein anderes Thema.

    Kommentar von CK | April 3, 2013

  17. Du nennt wieder so viele Punkte, wo ich sagen würde „knapp daneben ist auch vorbei“, es geht mir um übermittelte Bilder, nicht individuelle Empfindungen. Soweit geht das ganze doch gar nicht, warum dieses zwanghafte Suchen? Und vom Sein aufs Sollen schließen…naja…

    Als Kind hiessen meine Vorbilder Lederstrumpf, Winnetou, Huckleberry Finn und Tom Sawyer, Ivanhoe, die drei Musketiere, Zorro usw.

    Bud Spencer & Terence Hill, Peter Lustig und Joachim Bublath.

    Kommentar von JayJay | April 3, 2013

  18. „Joachim Bublath“ – > Ich muss leider gestehen, dass ich mich erst viel später für Wissenschaft und Technik interessiert habe. Ich war mehr der Abenteuerfreund. Oder auch Krimifreund. Meine Schwester und ich waren begeistert von „Remington Steele“ und Laura Holt, der wahren Detektivin.

    „es geht mir um übermittelte Bilder“ -> D’accord. Aber die Bilder bzw. ihr Erfolg haben ja auch Gründe.

    Soll alles so sein wie es heute ist? Sicher nicht. Aber dass Frauen sich schminken und schön kleiden (was egtl.hauptsächlich wegen anderen Frauen passiert, aber wovon wir Männer durchaus auch etwas haben) und Männer Fussball schauen, das kann ruhig so bleiben. 😉

    Kommentar von CK | April 3, 2013

  19. Das Video fand ich sehr gut. Auch wenn ich nicht darauf achte, welche Rolle Frauen in Videospielen haben, hat die Dame aus dem Video schon recht. Sie sind oft schwach oder den Männern untergeordnet und wenn nicht, sind es Sexobjekte. Thats how it rolls.

    Kommentar von Boris Schneider | April 5, 2013

  20. „Ein Barbiehaus selbst ist kein Problem. Ebensowenig die Spielzeugpistole. Am besten beides zusammen.“

    Erstaunlich, dass im 21. Jahrhundert das Spielen mit Spielzeugpistolen als unproblematisch angesehen wird. Ich würde mein Kind niemals mit so etwas spielen lassen.

    Kommentar von Adrian | April 6, 2013

  21. @21.

    Was ist das Schlimme daran?

    Ich habe übrigens als Kind nach Herzenslust mit Spielzeugknarren herumgeballert. Als ich später ein paar Monate meines Lebens dann täglich mit scharfen und geladenen Wummen durch die Gegend lief, war ich froh, die nie zücken oder heben zu müssen außer auf Schießbahnen. Ich wage die Behauptung, dass Wattebäuschchen als Spielzeug zumindest für diesen Zweck keinen anderen Effekt gehabt hätten.

    Kommentar von Rayson | April 7, 2013


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