L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Primat der Politik in Währungsfragen – nein danke ! (2)

Um die Auswirkungen des Primates der Politik auf Währungsfragen einzusehen, hatte ich Ihnen, lieber Leser, in meinem vorigen Beitrag Gelegenheit gegeben, selbst in die Rolle der Politik zu schlüpfen und zu erfahren was Sie in dieser Position unternehmen könnten und würden. (*)

Sie haben als personifizierte Regierung des Landes schon Vieles erreicht. Sie haben sich zum ersten, per Gesetz, das Monopol der Gelproduktion gesichert. Damit konnten Sie sicherstellen, dass Sie das einstige Warengeld, wie z.B. Gold oder Silber durch Papiergeld ersetzen konnten, welches Sie zu minimalen Produktionskosten herstellen können. Sie haben dann, ebenfalls per Gesetz, die Bürger Ihres Landes gezwungen dieses billig geschaffene Papiergeld als allein gültiges Zahlungsmittel anzunehmen (legal tender law, monnaie légale et libératoire.)

Sie konnten dann zusätzliches Geld aus dem Nichts schaffen und haben dadurch einen Kaufkraftverlust hervorgerufen, da dem neuen zusätzlichen Geld ja keine neuen zusätzliche Produkte oder Leistungen entgegenstehen. Sie haben Inflation geschaffen und damit Ihre Bürger betrogen. Um diese eindeutige Situation zu vernebeln und den Betrogenen den Durchblick zu erschweren und sie von einer Flucht in reale (Sach-) Werte abzuhalten gehen Sie ab jetzt einen Schritt weiter.

Zusätzlich zur Monopolisierung der Geldproduktion, steigen Sie nun auch ins Bankgeschäft ein und schwingen sich zum Gründer und Inhaber einer Zentralbank auf. So wie Sie bislang Papiergeld aus dem Nichts kreieren konnten, so können Sie ab jetzt auch Geldkredite aus dem Nichts schaffen. Weil Sie Kredite aus dem Nichts schaffen können, also auch ohne vorher eine Sparleistung erbracht zu haben, können Sie Kredite zu niedrigeren Zinsraten anbieten als alle übrigen Personen (Sparer) oder Institutionen, selbst zu einer Zinsrate von Null. Es wird Ihnen jetzt möglich sich von den Banken unabhängig zu machen, ja Sie drehen den Spieß um und bringen die (Geschäfts-)Banken in Ihre Abhängigkeit. So schmieden Sie eine dauerhafte Allianz und Komplizenschaft zwischen Staat und Banken. Was müssen Sie tun? Sie, bzw. Ihre Zentralbank vergeben Kredite, welche Sie aus dem Nichts, also ohne vorangegangene Sparleistung, geschaffen haben. Diese Kredite vergeben Sie unter dem Marktzins an Geschäftsbanken. Anstatt wie vorher Zinsen an Banken zu zahlen, zahlen die Banken nunmehr Zinsen an Sie oder besser an Ihre Zentralbank. Darunter leiden die Banken jedoch nicht, weil diese Banken, Ihre aus dem Nichts erzeugte Kredite, weiter an ihre Kunden verleihen. Dies geschieht zu einem etwas höheren, aber immer noch unter dem Marktzins liegenden Zinssatz, so dass die Differenz als Gewinn verbucht werden darf. Damit jedoch nicht genug. Um die Geschäftsbanken besonders stark an einer andauernden Zusammenarbeit mit Ihnen zu interessieren, erlauben Sie ihnen, auf der Grundlage des von Ihnen geschaffenen Kredits noch weiteres, eigenes Geld (Buchgeld) und zusätzliche (Bank-)Kredite zu erzeugen, die Geldmenge also zu vervielfachen.

Das System ist einfach: Nehmen wir an Sie, d.h. Ihre Zentralbank verleiht 1000 Euro an eine Bank. Diese verleiht es weiter an einen Kreditnehmer. Der kauft Waren oder Dienstleistungen und bezahlt mit dem geliehenen Geld. Sein Lieferant zahlt die 1000 Euro auf sein Girokonto bei seiner Bank A ein oder sie werden ihm gutgeschrieben. Diese Bank A kann nun über diesen Betrag verfügen, muss jedoch im Rahmen der Mindestreservepflicht einen gewissen Prozentsatz, sagen wir 10% als Mindestreserve also 100 Euro bei der Notenbank hinterlegen. Der Bank bleiben für eine erneute Kreditvergabe noch 900 Euro. Ein neuer Kreditnehmer der Bank A gibt dieses Geld aus, der Empfänger zahlt denselben Betrag wiederum auf sein Konto bei der Bank B ein. Die Bank B zieht nun wieder die 10% Mindestreserve von 90 Euro ab und vergibt dann einen Kredit von 810Euro. Dieses Spiel, d.h. die (Giral-)Geldschöpfung läuft weiter bis die aufsummierten Beträge, die als Mindestreserve bei der Notenbank hinterlegt wurden, die anfänglichen 1000 Euro betragen.

Die Konsequenzen dieser Geldpolitik sind dieselben wie bei der Politik des leichten Geldes: Inflation, die Bürger sind die Verlierer. Mehr Geld wird in Umlauf gebracht, die Preise der Güter und Leistungen werden steigen, die Kaufkraft des Geldes wird sinken. Die Kreditausweitung hat keine Auswirkungen auf Quantität oder Qualität der existierenden Güter. Sie erhöht den gesellschaftlichen Wohlstand in keiner Weise, im Gegenteil. Die Kreditausweitung bewirkt jedoch eine systematische Einkommens- und Vermögenumverteilung zu Ihren bzw. Ihrer Zentralbank Gunsten und zu Gunsten aller in Ihrem Bankenkartell versammelten kommerziellen Banken. Sie und Ihre Bankerfreunde können so ein „unverdientes“ Einkommen erzielen. Sie und die Banken bereichern sich auf Kosten aller „echten“ Geldsparer, die aufgrund Ihrer Injektion billigen Kredits in den Kreditmarkt nunmehr ein niedrigeres Zinseinkommen erwirtschaften, als es ansonsten der Fall gewesen wäre. Dass solche Kreditausweitungen aus dem Nichts auch noch Konjunkturzyklen d.h. Krisen auslösen wäre auch noch ein wichtiger Aspekt, würde jedoch diesen Rahmen sprengen. Doch auch solche Krisen werden Sie nicht weiter stören. Sie, also die personifizierte Politik und Ihre Freunde werden dabei gewinnen. Zudem, anstatt als dreister Betrüger und Schmarotzer vor Ihren Wählern zu stehen, wird Ihnen die Geldschöpfung ermöglichen so zu tun, als würden Sie selbstlos „in die Zukunft investieren“ und Wirtschaftskrisen (die Sie verursacht haben) heilen.

Wenn Sie, lieber Leser, sich während der Zeit zweier Artikel als Politiker betätigen durften und sehen was Sie vollbracht haben, trotzdem für ein Primat der Politik über die Märkte optieren, dann kann ich Ihnen nur raten, zumindest Politiker zu wählen die sich anders verhalten als Sie es getan haben. Die Suche wird sich jedoch als äußerst schwierig erweisen…

* – Dieses Gedankenspiel entstammt einem Vortrag Hans-Hermann Hoppes im September 2011 anlässlich einer Veranstaltung des „Ludwig von Mises Institutes“ unter dem Titel: „Politics, Money and Banking“.

Juni 8, 2012 - Posted by | Klassischer Liberalismus, Wirtschaft | , , , , ,

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