L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Eine liberale DP (3)

Reform der Geldordnung und des Finanzsystems

Das 14. Jahrhundert n. Chr. war von Finanzkrisen geprägt und ist als das Zeitalter der Falschmünzerkönige bekannt geworden. Europäische Herrscher und Könige erhöhten zum Zwecke der Ausweitung ihrer Haushalte die Anzahl der Geldmünzen, indem sie den Edelmetallgehalt pro Münze senkten, ohne dieses auf der Prägung anzuzeigen. Die Geldmenge wurde so erhöht. Schlechteres Geld war die Folge. Gleichzeitig missbrauchten die Herrscher und Könige ihr Geldprägemonopol, ihre gesellschaftliche Autorität und ihre Möglichkeiten der Zwang- und Gewaltausübung, um sicherzustellen, dass dieses schlechte Geld als Zahlungsmittel akzeptiert werden musste. Auch die erste Finanz- und Wirtschaftskrise des 21. Jahrhunderts ist durch schlechtes Geld verursacht worden.

Die Methoden der heutigen Falschmünzerei sind jedoch um ein Vielfaches ausgefeilter als im 14. Jahrhundert. Die europäischen Herrscher und Könige des 14. Jahrhunderts mussten sich auf die Änderung des Edelmetallgehalts ihrer Geldmünzen beschränken, so dass die Geldmenge zumindest gewissen Beschränkungen unterlag. Im heutigen System des staatlichen Papiergeldmonopols kann die Zentralbank das Geld- und Kreditangebot aber sogar beliebig ausweiten.

Da Geld ein Mittel ist, um Güter und Dienstleistungen leichter austauschen zu können, verursacht eine Verschlechterung des Geldes eine Verschlechterung des Austausches von Gütern und Dienstleistungen. Falschmünzerei senkt den gesellschaftlichen Wohlstand. Sie führt, wenn sie systematisch und über ein staatliches Gewaltmonopol zentral betrieben worden ist, bei ihrer Aufdeckung oder Entdeckung zu einer Lähmung aller wirtschaftlichen Aktivitäten, die auf Arbeitsteilung und den Austausch von Gütern und Dienstleistungen angewiesen sind. Die einzelnen Wirtschaftssubjekte sind bei Falschmünzerei nicht mehr in der Lage festzustellen – sie sind vollkommen verunsichert und orientierungslos –, ob sie für das schlechte Geld, das sie für die von ihnen angebotenen Güter und Dienstleistungen erhalten, auch jene Güter und Dienstleistungen in der Menge erhalten können, die sie selbst nachfragen. Durch diese Verunsicherung und Orientierungslosigkeit gerät der Strom der Güter und Leistungen ins Stocken. Niemand weiß, welchen Preis er realiter für seine Güter und Dienstleistungen erhält. Investitionen werden zurückgestellt und Aufträge storniert, weil eine Kalkulation von Aufwand und Ertrag nicht mehr oder nur unter Bedingungen größter Unsicherheit möglich ist. Das heißt Falschmünzerei zerstört das Preissystem einer Volkswirtschaft, an dem sich die Wirtschaftssubjekte normalerweise orientieren. Denn Preise werden in Geldeinheiten notiert. Das geschwundene Vertrauen in das Tauschmittel Geld und die Zerstörung des gesellschaftlichen Preissystems durch schlechtes Geld führt zu einem Rückgang der wirtschaftlichen Kooperation, d.h. zu einem Rückgang der individuellen direkten und indirekten Tauschhandlungen, so dass der gesamtgesellschaftliche Wohlstand sinkt.

Zudem sind diese Formen der Geldmengenausweitung nichts anderes als Diebstahl und Umverteilung. Diejenigen, die das neue schlechte Geld zuerst besitzen, können noch zu alten Preisen kaufen, während alle anderen höhere Preise zahlen müssen. Heute profitieren Staaten und Banken auf Kosten der breiten Bevölkerung von den heutigen Formen der Falschmünzerei.

Zudem führt das vom Staat an die Geschäftsbanken verliehene Teilreserveprivileg dazu, dass auch Geschäftsbanken Falschmünzerei in Form von Geld- und Kreditschöpfung betreiben dürfen und zum Zwecke der vom Staat gewollten Förderung von Konjunktur und Wachstum und Finanzierung des Staatshaushaltes auch betreiben sollen. Der Staat verletzt dadurch nicht nur fundamentale Rechtsprinzipien; der Staat hat die Geschäftsbanken durch das Teilreserveprivileg bewusst zum Komplizen gemacht. Die Kosten dieser Politik tragen alle anderen. Die wütenden Proteste der Occupy-Bewegung sind verständlich, verkennen in der Sache jedoch, dass die Ursachen der derzeitigen Probleme in markt- und rechtsstaatswidrigen Privilegien für Geschäftsbanken und im staatlichen Geldmonopol liegen.

Die jüngste Weltfinanzkrise und die Überschuldungskrise von Staaten und Banken geht maßgeblich auf die Politik der Zentralbanken zurück. Deren falsche Geldpolitik fördert die Entstehung von Scheinwohlstand und Investitionsblasen, denn im heutigen System des staatlichen Papiergeldmonopols, das man auch staatliches Zwangspapiergeld nennen kann, können die Zentralbanken das Geld- und Kreditangebot beliebig ausweiten, was nichts anderes ist als Falschmünzerei. Die Alternative zum staatlichen Geldmonopol und dem staatlichen Zwangspapiergeld besteht für uns in einer marktwirtschaftlichen Geldordnung und der Zulassung von konkurrierenden Privatwährungen und freiem Marktgeld. Das bedeutet: Das staatliche Geldmonopol muss fallen.

Bei Gewährung von vollständiger Produzenten- und Konsumentenfreiheit im Finanzsektor wird es den einzelnen Menschen ermöglicht, in dezentralen Entdeckungsverfahren, die sich parallel zu den staatlichen Währungen entwickeln, und aus denen Schritt für Schritt für die staatlichen Währungen Konkurrenz erwächst, zu lernen, welche Geldart je nach individueller Situation und Bedürfnis und individueller Transaktionskostenlage jeweils für sie sinnvoll ist.

Da niemand freiwillig schlechtes Geld hält, wird der sich entwickelnde Währungswettbewerb die privaten, aber auch die staatlichen Geldproduzenten dazu anhalten, besseres Geld zu produzieren. Die individuelle Nachfrage nach gutem Geld wird bei einem allumfassenden Währungswettbewerb und der Möglichkeit für alle Menschen, die Produzenten von schlechtem Geld durch Abwanderung zu bestrafen, auch dazu führen, dass sich evolutionär eine neue Geldordnung entwickelt, in der die Möglichkeiten zur Geld- und Kreditschöpfung aus dem Nichts aufgrund von Wettbewerb beschränkt sind und dadurch die Wahrscheinlichkeit von gefährlichen Investitionsblasen und Scheinwohlstand sinkt.

Für sein eigenes Geld kann der Staat durch seine Zentralbank nach wie vor Zinssätze festlegen. Die evolutionäre Entstehung einer marktwirtschaftlichen Geldordnung würde es jedoch mehr und mehr erschweren, eine Niedrigzinspolitik durchzusetzen, die zwangsläufig Investitionsblasen entstehen lässt. Die privaten Emissionsbanken würden auf diese Zentralbankpolitik sofort durch höhere Zinsen, die sich auf Höhe des natürlichen Zinses einpendeln würden, reagieren und die Geldnachfrage so in ihre Privatwährungen lenken. Der Wert der staatlichen Währung würde sinken. Der Staat müsste bei gesunkener Kaufkraft seiner Währung zur Deckung seiner Ausgaben entweder die Steuern erhöhen, sparen oder neue Kredite aufnehmen. Sollten diese Kredite in der eigenen staatlichen Währung aufgenommen werden und aus purer Geldschöpfung bestehen, wird erneut die private Nachfrage nach der staatlichen Währung und somit ihr Wert sinken. Dieser Entwicklung könnte dann nur durch höhere Zinsen entgegengewirkt werden, wodurch sich die Rückzahlung dieser Kredite jedoch verteuert. Das heißt, der Staat würde durch die Zulassung von konkurrierenden Privatwährungen und eines allumfassenden Währungswettbewerbs gezwungen, eine nachhaltigere Haushaltspolitik zu verfolgen. Die Zulassung von konkurrierenden Privatwährungen und ein allumfassender Währungswettbewerb wären deshalb eine weit wirksamere Schuldenbremse als gutgemeinte Verfassungsänderungen oder ein neuer europäischer Fiskalpakt. Das heißt zusammengefasst: Wer die Stabilitätspolitik will, muss die Abschaffung des staatlichen Geldmonopols fordern.

* Obige Ausführungen entstanden in enger Anlehnung an ein Positionspapier der deutschen Gruppe „Liberaler Aufbruch“

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Mai 13, 2012 - Posted by | Klassischer Liberalismus, Luxemburg | , ,

1 Kommentar »

  1. Holà,

    …sorry net vill Zäit…awer ganz „mini-minimal“ Loscht (Pefferkäer)…

    quote: „Zudem sind diese Formen der Geldmengenausweitung nichts anderes als Diebstahl und Umverteilung. Diejenigen, die das neue schlechte Geld zuerst besitzen, können noch zu alten Preisen kaufen, während alle anderen höhere Preise zahlen müssen. Heute profitieren Staaten und Banken auf Kosten der breiten Bevölkerung von den heutigen Formen der Falschmünzerei.“

    … als en „défenseur accru, voire acharné“ vun déër (zimmlech neier…) Saach mam exoteschen Numm „econophysics“ (Neen, et ass kee Youghurt!)…:

    quote: „But making money from nothing does happen if you act before the market adjusts… It’s called arbitrage… and any time it’s possible…. it means that the economy isn’t in an equilibrium or optimal (aka „sub-optimal“…?) state. So much for the invisible hand of the market…“ (vun 2:36 un…)

    Hasta
    Pancho

    Kommentar von Pancho | Mai 22, 2012


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