L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Flüchtlinge in Palästina

    1. Einleitung

„Since 1948 Arab Leaders have approached the Palestine problem in an irresponsible manner. They have used the Palestine people for selfish political purposes. This is ridiculous and I could say even criminal.“ (King Hussein of Jordan, 1960.)

Wenn das Reizwort “palästinensische Flüchtlinge” in aller Munde liegt, wenn wegen dem Leid der Flüchtlinge in Gaza und anderswo gewagte oder gar gefährliche Versuche unternommen werden, die israelische Blockade vor Gaza zu durchbrechen, wenn Pro und Contraverteidiger der Weltöffentlichkeit keinen Zweifel über die Richtigkeit und die Rechtfertigung ihres eigenen Handelns gestatten – dann ist es angebracht, den geschichtlichen Spuren des Flüchtlingsdramas nachzugehen.

Man wird so manches entdecken, was heute vielleicht einfach bestritten oder als politisch unkorrekt betrachtet wird. Vielleicht ist es für uns Europäer bisweilen sogar ein Vorteil das zu vergessen, was wir wissen.

Im Palästinakonflikt spielt die Flüchtlingsfrage eine zentrale Rolle. Sie entwickelte sich langsam von einem lokalen, durchaus lösbaren Problem in den 50er Jahren, zu einem scheinbar ausweglosen Problem und Streitpunkt der heutigen internationalen Politik. Erinnern wir uns daran, dass andere Flüchtlingsprobleme des letzten Jahrhunderts mit weit gigantischerem Ausmaß als das Palästinenser-Problem mehr oder weniger zufriedenstellende Lösungen gefunden haben.

Fassen wir die Probleme des Nahostkonflikts kurz zusammen:
– die Schaffung eines Palästinenser-Staates (mit ausschließlich nicht-jüdischer Bevölkerung),
– die Grenzen dieses Staates und dessen Hauptstadt,
– die Sicherheit Israels und internationale Garantien zu dieser Sicherheit
– die Siedlungspolitik Israels und die Rückführung der Siedler
– die ökonomischen Fragen, von denen besonders diejenige der Aufteilung des Wassers eine wichtige Rolle spielt.

Man möchte annehmen, dass bei der Schaffung eines Palästina-Staates die Flüchtlinge aus Gaza, Libanon und dem Westjordanland Bürger dieses Staates werden und somit nicht mehr als Flüchtlinge betrachtet würden. Dem scheint allerdings nicht so zu sein. Die Palästina-Flüchtlinge wollen ebenfalls zurück in das Gebiet des heutigen Staates Israel mit den Grenzen, wie sie vor dem Sechs-Tage Krieg von 1967 bestanden. Wenn ich nachfolgende Fragen in den Raum stelle, bin ich mir bewusst, dass nicht jedermann mit meinen Antworten einverstanden sein wird. Dies ist auch nur ein Versuch dazu beizutragen, differenzierte Eindrücke zu gewinnen, eigene Standpunkte zu überprüfen oder gar eine einseitige Aufklärung und Meinung ins Wanken zu bringen. Ob dies nun den vorherigen parti pris beeinflusst oder nicht, hängt nicht von mir, sondern von der intellektuellen Ehrlichkeit eines jeden ab.

Was ist ein Flüchtling und wie wird dieser Begriff nach internationalem Recht definiert? Was ist ein palästinensischer Flüchtling? Hat er das unveräußerliche Recht in seine Heimat, bzw. seinen Wohnort zurückzukehren? Soll er bei einer Null-Staatenlösung Staatsbürger des Libanon, Syriens, Jordaniens oder Ägyptens werden oder sollte man, wie nach der Hamas-Vorstellung, zuerst das „zionistische Gebilde“ zerstören, einen einzigen Islam(ist)ischen Palästina-Staat errichten und dann erst die Rückkehr von etlichen sieben Millionen „Flüchtlingen“ in Betracht ziehen? Welche Menschen haben sich seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Palästina angesiedelt? Was geschah nach der Auflösung des Osmanischen Reiches mit seiner Provinz Palästina? Wer besaß die Hoheit über diese Region bis zur Schaffung Israels im Jahre 1948? Wurden die Gebiete im West-Jordanland und Ostjerusalem von Jordanien nur besetzt oder annektiert? Wie war das Einwohnerverhältnis zwischen den Muslimen, den Juden, den Christen und den anderen Bewohnern?
Gehörte das Land seinen Bewohnern oder der islamischen Gemeinschaft? Waren die arabischen Einwohner die einzigen Flüchtlinge nach dem Unabhängigkeitskrieg von 1948? Was wurde vor 1948 unternommen um ein friedliches Nebeneinander der Juden und den Muslimen zu ermöglichen? Was wurde nach 1948 seitens der arabischen Länder und der UNO unternommen um das Flüchtlingsproblem zu regeln? Ich werfe all diese Fragen auf, obwohl nicht alle vollständig zu beantworten sind. Denn, hochmütig ist derjenige, der vorgibt, eine eindeutige Antwort auf alle Fragen zu haben!

Meine Absicht ist auch nicht die Frage des Flüchtlingsproblems bis zum heutigen Tage zu untersuchen. Fest steht, dass man klar vier wichtige Phasen in diesem Drama nachzeichnen kann. Die erste Etappe handelt vom Zustandekommen der Migrationwellen im Laufe des 19. Jahrhunderts bis zum Kriege im Jahr 1948 (welcher der Ursprung einer Reihe von Flüchtlingswellen in Palästina war). Die zweite Etappe von 1948 bis zum Kriege von 1967 beinhaltet die Rolle der Arabischen Liga in der Behandlung der Flüchtlingsfrage. Nach der erneuten Niederlage der arabischen Armeen veränderte sich die politische und geographische Landschaft sowie das Kräfteverhältnis im Nahen Osten. Die dritte Etappe reicht bis zur Gründung der Hamas, einer islamistischen Kampforganisation, welche den Gefolgsleuten von Yasser Arafat einen unbarmherzigen Bruderkrieg ansagte. Diesen Schnittpunkt würde ich als den Beginn des offen religiös motivierten Krieges bezeichnen, bei dem das palästinensische Volk als Pfand von seiner eigenen, gewählten Führung benutzt wird. Dabei geht es nicht mehr um die Schaffung eines Palästinenser-Staates, sondern primär um die Vernichtung Israels. Ist dies die vierte und letzte Etappe?

In diesem Artikel möchte ich mich besonders auf die erste Etappe beschränken, da sie die wichtigste bei der Beurteilung der Lösungsmöglichkeiten ist. Vorab soll klargestellt werden, dass es eine palästinensische Identität oder gar Nationalität nie gegeben hat und dass man in Ermangelung dieser Begriffe (bezogen auf Palästina), niemals von einem palästinensischen Volk reden konnte. Hätte die arabische Eroberung zu einer noch so kleinen arabischen Nation geführt, so hätte man den Anspruch auf die arabische historische Kontinuität in Palästina schwer abstreiten können. Aber dies war nicht der Fall. Dasselbe gilt übrigens auch für das jüdische Volk, das sich seit dem Altertum nicht mehr als Nation, sondern als Glaubensgemeinschaft verstand. Dies erklärt, dass unter den schwierigen Bedingungen, wie sie auch die anderen Volksgruppen (Araber, Drusen, Beduinen Ägypter, Tscherkessen, Armenier, Syrer etc.) im 19. und 20. Jahrhundert in Palästina vorfanden, sich bei denselben nur sehr langsam das Gefühl der Zusammengehörigkeit und der Solidarität entwickelte. Während das jüdische Volk, gesammelt unter dem Begriff des Staates ISRAEL, sich rasch zur Nation entwickelte, schaffte es die an sich heterogene Gemeinschaft der „Vertriebenen“ lange nicht, eine eigene Identität zu entwickeln. Besonders diese Tatsache führte dazu, dass die Gemeinschaft der palästinensischen Araber ein Spielball ihrer Nachbarstaaten wurde. Des Weiteren hat niemand es gewagt, einen demokratisch geäußerten Willen dieser Menschen zu provozieren und zur Kenntnis zu nehmen. Die Hilf-, Rat- und Tatenlosigkeit der internationalen Gremien in Sachen „Lösung des Flüchtlingsproblems“, die Revanche-Gelüste der vermeintlich militärisch überlegenen arabischen Streitkräfte führte schließlich zum Selbstverteidungskrieg Israels im Jahre 1967, welcher abermals, zur Schande der Araber, in einem vollkommenen militärischen Debakel endete. Israel, bis dahin „enfant chéri“ der immer für die bedrohten, entrechteten und ausgebeuteten Völker kämpfende „LINKE“, wurde seit diesem Sieg und im Zuge des eingefleischten Anti-Amerikanismus, als der Stärkere geächtet und die arabischen Palästinenser als die Schwachen anerkannt. Folglich wechselten die Sympathien, begünstigt durch die Ängste um einen Ölboykott, zugunsten der Araber und ihren liebgewonnenen Flüchtlingen.

Die erneute Ratlosigkeit der Politiker auf beiden Seiten, gegenüber den (unerwarteten) territorialen Eroberungen, der Besetzungen und erneuten Flüchtlingsproblemen, bereiteten besonders Israel große Schwierigkeiten. Israel war diesen Problemen nicht gewachsen. Es besteht (bis heute) kein Zweifel daran, dass verschiedene Entwicklungen, wie z.B. die demographische Entwicklung der arabischen Bevölkerung, ihre zunehmende Einflussnahme auf die amerikanische und europäische Politik (Öl, Waffenlieferungen, steigende Islamisierung Europa…) diesem kleinen Lande es erschweren überhaupt noch zu überleben. Auf der anderen Seite wuchs wieder die Verbitterung der Araber. Sie sollte mit dem Feldzug der Ägypter von 1973 Erfolg haben, wenn auch nicht militärisch, dann wenigstens moralisch und diplomatisch. Israel ist nicht unbesiegbar und daraus müssen Konsequenzen gezogen werden. Es scheint heute, dass die Strategie einiger arabischer Länder in den 70er Jahren nicht religiös motiviert war. Allerdings kamen die Friedensabkommen mit Ägypten und Jordanien bei den arabischen Brüdern äußerst schlecht an. Israel, das, wie bei den Verhandlungen mit Ägypten nach dem Motto „Land für Frieden“ gehandelt hatte, befand sich mit den Führern der PLO in einer unerwarteten Sackgasse. Führende israelische Militärs hatten auf die enormen Schwierigkeiten einer dauerhaften Besetzung der eroberten Gebiete aufmerksam gemacht. Neben der Forderung zur Zurückgabe des Landes, das 1967 erobert wurde und zu der Israel im Prinzip bereit war, häufte sich eine Anzahl von Forderungen, die Israel für schier unannehmbar betrachtete, z.B. die Forderung der Rückkehr aller Palästinenser in ihre früheren Wohngebiete. Dass die an den Westen gerichteten Friedensangebote Arafats nicht ernst zu nehmen waren, das erklärte er 1980 ganz offen in der in Caracas erscheinenden Zeitung El Mundo: “Frieden bedeutet für uns die Zerstörung Israels. Wir sind auf den totalen Krieg eingerichtet, ein Krieg, der sich über Generationen hinziehen wird.“
Kein Wunder, dass Israel im Gegenzug von einem Groß-Israel zu träumen begann und diese Kriegserklärung Arafats, wenn auch anfangs scheinbar nur aus rein taktischen Verteidigungsgründen, mit dem Siedlungsbau in den besetzten Gebieten beantwortete. Will Israel durch diesen absichtlich provozierenden Wohnungsbau in besetztem Gebiet diese vollendete Tatsachen-Politik nicht auch als Pfand bei den Friedensverhandlungen benutzen, um einen Rückzug der 500.000 Siedler gegen den Abzug der rapid steigenden Anzahl der arabischen Israelis zu bewirken? Wie problematisch dieser Schritt der Besiedlung sich auf die späteren Verhandlungen auswirkte, möchte ich an dieser Stelle nicht erläutern, da es den Rahmen dieses Artikels sprengen würde. Ich habe allerdings die Aussage Arafats absichtlich in diesen Kontext gestellt, obschon er nur indirekt zum Thema gehört. Ausgehend jedoch von dieser Aussage, die heute unverblümt von der Hamas ausgesprochen wird, stellt sich die wesentliche Frage, auf welches geschichtlich begründete Recht sich Arafat stützt, um für „seine“ Palästinenser ein unveräußerliches Recht zur Rückkehr einzufordern?

    2. Wem gehörte das Land bevor die arabischen Bewohner es sich für sich beanspruchten?

Eine kleine Rückkehr in die Geschichte kann uns weiterhelfen. Der berüchtigte Hitler-Freund Jamal Husseini, Führerfigur der palästinensischen Araber, erklärte am 9. Februar 1939 in Lausanne:
“It is in any way just, that the Arabs, who have lived on this land uninterruptedly for 1300 years, and whose lives are rooted in its soil, should be dispossessed by force, should be pushed aside, and should be blackmailed to enable the Zionist Jews to fashion a Jewish National Home on this land. Thats the problem…“ Leider ist diese Darstellung auch heute noch das Problem zahlreicher Europa-Politiker. Die Geschichtsschreibung hat diese Zweck-Legende allerdings längst widerlegt. Der Mythos eines palästinensischen Volkes musste erst geschaffen werden. Musa Alami (1897-1984), ein prominenter palästinensischer Politiker, meinte 1948 “The people are in great need of a „myth“ to fill their consciousness and imagination…“ : (.vgl. (6) Peters und (7) Avneri) Soziale Paroxysmen, Kriege und Zerstörung hinderten die arabische Bevölkerung nämlich daran, in Palästina Wurzeln zu schlagen und eine Tradition von ständiger Siedlung von Generation zu Generation zu verwirklichen:
Franzosen und Engländer, die beiden aktiven Kolonialmächte im Nahen Osten, teilten sich ihre Einflussbereiche in dieser Gegend auf. (Geheimabkommen Sykes-Picot von 1916) Libanon, Syrien, Transjordanien und der Irak bekamen Grenzen, die auch heute noch einigermaßen gelten, allein das Territorium von Palästina mochte nicht in diese Verteilung passen. Es bestand dort keine politische Struktur, keine Identität und kein Machtanspruch einer Gruppe unter den Einheimischen. Palästina war bevölkert, aber dünn besiedelt. Bevölkerungsstatistiken gibt es im 19. Jahrhundert nicht für Palästina, aber zeitgenössische Beobachtungen, wie z.B. die des englischen Arztes Dr. Thomas Chaplin oder Mark Twain, beschreiben uns die Gegend um 1865 (d.h. etwa 15 Jahre vor der ersten jüdischen Einwanderungswelle). Das Jesreel-Tal, das ziemlich genau zwischen Jordan und Mittelmeer im heutigen Norden Israels liegt, beschreibt Dr. Chaplin wie folgt: „In seiner ganzen Ausdehnung gibt es kein einziges Dorf – dreißig Meilen in jeder beliebigen Richtung – auch nicht. Es gibt zwei oder drei kleine Grüppchen Beduinenzelte, aber keine einzige beständige Siedlung. Man kann in dieser Gegend zehn Meilen reiten, ohne zehn Menschen zu begegnen.“ Dr. Chaplin beschreibt selbst Jerusalem als ein hässliches heruntergekommenes Bergdorf. Fromme Juden warten dort unter den elendsten Zuständen auf den Messias, Muslime vielleicht auf das letzte Gericht oder den Mahdi. Auffallend ist auch, dass die jüdischen Siedler überhaupt nicht an Jerusalem interessiert waren. Sie schufen die Hauptstadt eines neuen Israel: Tel Aviv. Galiläa empfand Mark Twain als „unbevölkerte Wüsten“ und die Stadt Kapernaum am Ufer des Sees Genezareth als „öde und menschenleer“. Zusammenfassend seufzt er: „Palästina ist verlassen und hässlich.“

Die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts brachte einen rapiden Anstieg der Bevölkerung Palästinas, bis die Einwohnerzahl im Jahr 1880 rund 457.000 erreichte. Vor dem Ausbruch des ersten Weltkrieges 1914 zählte der osmanische Zensus für das gesamte Palästina sogar 722.000 Einwohner, davon waren 83% Muslime, 11% Christen und 5% Juden. Ursache hierfür war neben einer Verbesserung der sanitären Verhältnisse und der Einwanderung von Christen und Juden, die Umsiedlung zahlreicher Flüchtlinge aus allen Teilen des Osmanischen Reiches. Ägypter wurden von Muhammad Ali nach seiner Eroberung Palästinas in der Gegend von Jaffa und Gaza angesiedelt. Tscherkessen aus Bulgarien und Rumänien, Flüchtlinge aus Algerien, Armenien und Muslime aus dem Kaukasus wurden allesamt auf Anordnung der Hohen Pforte in Palästina beheimatet. In anderen Worten, die zionistische Besiedlung der Region seit Ende des 19. Jahrhunderts und die damit einhergehende Schaffung einer Infrastruktur (Strassen und Eisenbahnlinien Jerusalem-Jaffa und Haifa-Nablus) hat nicht unwesentlich zu der lokalen Ansiedlung von Arabern beigetragen. Bemerkenswert ist auch, dass die Juden ihre Ländereien den arabischen Großgrundbesitzern, die zumeist in Beirut oder Damaskus wohnten, abgekauft hatten. Dies hatte aber zur Folge, dass die bisherigen Pächter dieser Ländereien den neuen jüdischen Besitzern weichen mussten.So ist die heutige Argumentation vieler Palästinenser, ihr Volk sei ein einheitliches Gebilde und bewohne Palästina seit 1300 Jahren oder gar seit biblischen Zeiten mit Skepsis zu betrachten. Viele Palästinenser sind die Nachkommen von Flüchtlingen, die kaum 40 Jahre vor der ersten Einwanderungswelle der Zionisten in Palästina ihre neue Heimat fanden. In Jerusalem bildeten die Juden mit 45.000 Bürgern im Jahr 1914 bereits seit Jahrzehnten die größte Bevölkerungsgruppe. Soweit zu dem Argument der ewigen Wohnstätte der Palästinensischen Flüchtlinge in Palästina. In Wirklichkeit lebten über Jahrhunderte Christen, Moslems und Juden in Palästina. Ihre Zahl ist nicht definierbar, aber die Masse der Muslime und Juden, die sich 1948 in Palästina befanden, waren (selbst) Immigranten die ab 1870 begannen, Palästina zu bevölkern.

Die Balfour-Deklaration hatte den Juden in Aussicht gestellt, einen eigenen Staat in Palästina zu errichten, ohne die Rechte der Araber dabei zu beeinträchtigen. Obschon die britische Verwaltung Rahmenbedingungen und Quoten für die Einwanderung von Juden und Arabern fixiert hatte, wurden dieselben mit großem Eifer missachtet, und allmählich missfiel den Arabern die nicht enden wollende Einwanderung der Juden aus aller Herren Länder. Von friedlichem Zusammenleben kann immer weniger die Rede sein und die Protektoratsmacht hatte viel Mühe, einen allgemeinen Aufstand und ein Gemetzel zu verhindern. Jüdische wie arabische Terroristengruppen übten fleißig an einer Auseinandersetzung und es kam zu den bekannten Massakern auf beiden Seiten.

Eine Mehrheit von Autoren ist sich einig, dass die Engländer vorwiegend das Interesse der arabischen Bevölkerung begünstigten und ihr Bestes taten, einen Einwanderungsstop für Juden zu bewirken, eine Politik, die bei der Abweisung der „Exodus“ im Jahre 1947 eine dramatische Illustrierung und Höhepunkt des britischen Immigrationsstops darstellte. Kein Wunder, dass die jüdischen Untergrund-Bewegungen sich ebenfalls der britischen Protektoratsverwalter annahmen und ihnen arg zusetzen.

Allmählich reifte die Erkenntnis, sowohl seitens der Engländer als auch seitens der Araber, dass ein Zusammenleben der beiden Gemeinschaften unmöglich sei : Das Land sollte also geteilt werden. Die Juden akzeptieren den Teilungsplan, die Araber nicht. Es kam zum ersten Krieg.

    3. Nach dem Unabhängigkeitskrieg von 1948

Die Zahl der arabischen Flüchtlinge belief sich im Mai des Jahres 1948 auf 430.000 bis 650.000. Andere Schätzungen beinhalten die Zahl von 538.000. Zu diesen Zahlen muss grundsätzlich gesagt werden, dass diese Zahl auch möglicherweise die Drusen, Beduinen und Christen einschließt. Eine genauere Erfassung machten die Araber meistens unmöglich, da sie sich weigerten, bei den Volkszählungen für Flüchtlinge teilzunehmen. Dies geschah im 19. Jahrhundert mit der Absicht möglichst wenige Menschen dem osmanischen Fiskus preiszugeben. Sobald die Hilfsprogramme der UNO erstellt waren, wurde allerdings seitens der Araber alles unternommen, die Zahl der Flüchtlinge aufzubauschen. Wie dem auch sei, eine Größenordnung in diesem Maße mag wahrscheinlich klingen.

Weil sich die vereinten arabischen Länder einig waren, dass der Krieg von 1948 schnell zu Ende sei, empfahlen, bzw. befahlen sie ihren arabischen Brüdern das Land zu verlassen. Dies tat auch die Mehrheit der Flüchtlinge, obschon sie nicht vertrieben wurden und 68% derselben ihr Dorf verließen ohne einen israelischen Soldaten gesehen zu haben.

Die böse Überraschung und die Ratlosigkeit der Kriegskoalition, die sich nach dem israelischen Sieg breit machte, bewog das arabische Oberkommando am 6. August 1948 in Beirut zur Mitteilung „es sei unvorstellbar, die Flüchtlinge nach Hause zu schicken, während ihre Häuser von den Israelis besetzt sind…“ Dies würde, nach der Meinung der Araber, ein erster Schritt für eine arabische Anerkennung des Staates Israel und der Teilung bedeuten.

Vielleicht hatten viele Palästinenser gehofft, dass das Westjordanland ihnen als Heimat zur Verfügung gestellt wurde und dass die große Masse der Flüchtlinge mit Hilfe Jordaniens und der internationalen Hilfsorganisationen dort eine endgültige Bleibe finden würde. Darauf mussten sie allerdings verzichten, weil Ost-Jerusalem sowie Cisjordanien (Westjordanland), wo sich zusätzlich zur regulären Bevölkerung Hunderttausende von Flüchtlingen befanden, nach dem Krieg von 1948 von Jordanien annektiert wurde.

Bloß ein einziger arabischer Staat, nämlich Jordanien, gewährte den Flüchtlingen volle bürgerliche Rechte. Sie wurden zu gleichberechtigten Bürgern des Königreiches. Im Laufe der Jahre zogen viele dieser Palästinenser (Flüchtlinge und Nicht-Flüchtlinge) nach (Trans)Jordanien, so dass heute etwas über 1,5 Millionen Palästinenser im Königreich Jordanien als Flüchtlinge registriert sind. Etwa 18% von ihnen leben zwar in Lagern, doch sind diese eher mit gewöhnlichen Armenvierteln zu vergleichen, wie sie auf aller Welt um viele Städte herum entstehen.

Andere Staaten, in denen sich die Flüchtlinge niederließen, vor allem in Syrien und Libanon, gewährten den Flüchtlingen kein Bürgerrecht und sie blieben auf dem rechtlichen Status von Staatenlosen. Letzten Berichten aus dem Libanon zufolge scheint die Libanesische Regierung den „Flüchtlingen“ ebenfalls Bürgerrechte zugestehen zu wollen. Am schlimmsten ist es nämlich heutzutage im Libanon, wo die Flüchtlinge noch großen Beschränkungen unterliegen. Sie erhalten vom Staat de facto keinerlei Sozialleistungen. Die Flüchtlinge benötigen sogar Spezialerlaubnisse, um ihr Lager zu verlassen. In anderen Worten: Die Aufnahme, die den Flüchtlingen in arabischen Staaten, vor allem im Libanon, zuteil wurde, gab ihnen keinerlei Möglichkeit, sich einzuleben. Man beließ sie einfach in ihrer traurigen und schwierigen Situation.

Während die Arabische Liga begann über die Nachkriegsstrategie nachzudenken, galt es, der neugeschaffenen UNO das Flüchtlingsproblem weiterzuleiten. Die Erfahrung verschiedener Länder und des verstorbenen Völkerbundes sollte, in Anbetracht der relativ kleinen Anzahl von Flüchtlingen, dazu führen, dieses Problem im Einklang mit der Würde derselben zu lösen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es ca. 20 Millionen Flüchtlinge. Eine zentrale Aufgabe des UN-Flüchtlingskommissariats „UNHCR“ besteht nach eigenen Angaben „in der Suche nach dauerhaften Lösungen für die Probleme von Flüchtlingen“, nämlich durch Neuansiedlung in Asyl- oder Drittländern.
Die Definition des Flüchtlings erfolgte allerdings erst durch die Flüchtlingskonvention, die am 28. Juli 1951 in Genf unterzeichnet wurde. Der Begriff Flüchtling gilt „für eine Person, die aus der begründeten Furcht vor Verfolgung ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung sich außerhalb des Landes befindet, dessen Staatsangehörigkeit sie besitzt und den Schutz des Landes nicht in Anspruch nehmen kann oder wegen dieser Befürchtungen nicht in Anspruch nehmen will.“ Die als „palästinensische Flüchtlinge“ geltende Gruppe, die im Zuge des Krieges von 1948 ihre Häuser verlassen hatte, genießt allerdings eine groteske Sonderstellung. Für sie hat die UNO eine zweite Flüchtlingsorganisation geschaffen, die „UNRWA“ (United Nations- Relief and Works Agency for Palestine Refugees in the Near East), wohingegen das UNHCR für alle übrigen Flüchtlinge zuständig ist. Die von der UNRWA versorgten Palästinenser besitzen außerdem eine höchst erstaunliche Eigenschaft: Ihr Flüchtlingsstatus ist nach den UN-Richtlinien, anders als bei allen anderen Flüchtlingen und entgegen der Genfer Flüchtlingskonvention, vererbbar. Die überwiegende Mehrheit
der heutigen “palästinensischen Flüchtlinge“ ist also niemals geflüchtet, sondern erlangte diesen einträglichen Status lediglich dadurch, dass sie von echten Flüchtlingen abstammt; die UNRWA verspricht den palästinensischen Müttern dadurch eine ewige Unterhaltgarantie für ihre Nachkommen. Nun soll es 1948 nach Angaben der UNO insgesamt ca. 720.000 solcher palästinensischer Heimatvertriebener gegeben haben, doch insoweit sind die Kriterien einmalig und zumindest fragwürdig, denn über die Hälfte davon hat dabei Palästina nie verlassen, sondern siedelte aus den Gebieten des zukünftigen Staates Israel ins Westjordanland oder in den Gazastreifen um; weitere zehn Prozent wichen nach Jordanien aus, dessen Gebiet bis 1922 ebenfalls als Teil Palästinas galt.

Die UNWRA erklärt den Flüchtling folgendermaßen „Flüchtling ist jede Person, die in Palästina lebte, und infolge von Feindeshandlungen ihr Haus und die Quelle ihres Lebensunterhaltes verlor und auf Unterstützung angewiesen ist“. Dieser Definition wurden zwei Zusätze angefügt. Der erste definiert als Bewohner des Landes, denjenigen, der mindestens zwei Jahre vor 1948 im Lande gelebt hatten. Der zweite Zusatz besagt, dass allen Flüchtlingen und ihren Nachkommen solange Unterstützung gewährt wird, bis sie gemäß den UNO-Resolutionen in ihre ehemaligen Häuser zurückkehren können.(vgl. Rubinstein) Dass diese Bestimmungen zu wahnwitzigen Situationen führten, ist leicht auszumachen. (vgl. Tarach).

Es bestehen im Gazastreifen und in den autonomen Palästinensergebieten im Westjordanland tatsächlich zahlreiche „Flüchtlingslager“. Etwa ein Drittel der Flüchtlinge lebt in derartigen Ghettos, die man sich allerdings nicht als Zeltstädte mit Notunterkünften vorstellen sollte, denn es handelt sich um ganze Städte oder Stadtteile, und die UNWRA sowie die regierende Hamas bzw. PLO tun alles andere als die darin lebenden Palästinenser zu integrieren. Im Libanon leben etwa 220.000 in solchen Flüchtlingslagern, in denen sie ebenfalls von der UNWRA versorgt werden. Polizei und Armee des Libanon haben in diesem Bereich keinen Zutritt. Zusammen mit denjenigen, die sich in Jordanien, Syrien und dem Libanon befinden, ergibt sich nach Angaben der UNWRA mittlerweile eine Gesamtzahl von viereinhalbe Millionen registrierten „palästinensischen Flüchtlingen“, etwa eineinhalb Millionen weitere sollen sich lediglich noch nicht registriert haben. Die Gruppe „Palästina-Solidarität“ nennt die Zahl von 7,4 Millionen palästinensischen Flüchtlingen, und ihnen, einschließlich der Nachgeborenen, wurde mit Erfolg eingeredet, keinen sehnlicheren Wunsch zu haben, als in israelische Städte „zurückzukehren.“ Kein Wunder allerdings, dass Palästinenser sich gerne in ihrer Opferrolle suhlen, denn die UNO und Europa alimentieren gut!

Nach diesem Exkurs in die raue Gegenwart zurück in das Jahr 1948.

Das Flüchtlingsdrama, das wegen des Starrsinns des arabischen Lagers im Laufe der 50er und 60er Jahre nicht gelöst wurde, hat sich mittlerweile maßlos verschlimmert. Die Verantwortung für dieses Drama liegt ausschließlich auf der arabischen Seite. Abgesehen von religiösen Fanatikern streitet kein Politiker diese Verantwortungszuweisung ab.

Eine andere Tatsache besteht darin, dass es auch auf der jüdischen Seite Flüchtlinge in gleicher Größenordnung gab. Dass Tausende von Juden normalerweise unter Zurücklassung ihres Vermögens nach Ausrufung des Staates Israel ihre arabischen Heimatländer verließen, war keineswegs freiwillig, sondern in der Regel Folge der Verschärfung ihres Dhimmi-Status und allzu oft auch handfester Pogrome. Arabische Länder entzogen den Juden zudem massenhaft die Staatsbürgerschaft, konfiszierten ihre Konten und verhafteten sie vor allem in Ägypten und im Irak wegen angeblicher
Propagierung des Zionismus oder des Kommunismus.

Die Gesamtfläche der entschädigungslos zurückgelassenen Grundstücke beträgt nach Schätzungen arabischer Juden das vier- bis fünffache der Fläche Israels. Kaum ein Palästinenser wird heute die Ansicht äußern, die arabischerseits erfolgte Ablehnung des UN-Teilungsbeschlusses von 1947 sei womöglich ein Fehler gewesen, obwohl es ohne diese Ablehnung zu dem ganzen Flüchtlingselend nicht gekommen wäre.

    4.Umsiedlungsmöglichkeiten

Nach dem Krieg von 1948 wurden viele Projekte, sowohl von arabischer Seite als auch von der Uno, zur Neuansiedlung der arabischen Flüchtlingen erdacht und vorgestellt. Internationale Experten stellten fest, dass die Neuansiedlung sowohl den Flüchtlingen als auch dem Gastlande große Vorteile bringen würde. Insbesondere wurde die außergewöhnliche Verfügbarkeit des Iraks hervorgehoben. In den Jahren 1950-1951 verließen etwa 100.000 irakische Juden das Land und es entstand eine große Lücke im Handelswesen, bei den Handwerkern und dem Beamtentum. Diese Lücke könnte geschlossen werden. Hab und Gut der jüdischen Flüchtlinge wurden ebenfalls im Irak gelassen.Der Führer der sozialistischen Partei des Irak, Salah Jabr, ehemaliger Premierminister erklärte: “The emigration of 120.000 jews from Iraq to Israel is beneficial to Irak and to Palestinian Arabs because it makes possible the entry to Iraq of a similar number of Arab refugees and their occupation of the Jewish houses there.“

Auch Syrien hatte einen enormen Bedarf an Landarbeitern und konnte möglicherweise 200.000 Flüchtlinge im Laufe von fünf Jahren einbürgern. Eine Zeitung aus Damaskus schrieb 1949: „Syria needs not only 100 000 refugees, but 5 million to work the lands and make them fruitful.“

In derselben Zeit schmachteten 200.000 Flüchtlinge in Gaza, zusammen mit 80.000 Einheimischen in der Hoffnung im Sinai angesiedelt zu werden. Tatsächlich begann die syrische Regierung das Experiment mit etwa 25.000 Flüchtlingen, die in einem Entwicklungsgebiet im Norden des Landes eingebürgert wurden. Leider veränderte sich die Lage grundlegend mit dem Umsturz im August 1949 und die sture Haltung der arabischen Führer setzte sich auch in Syrien durch.

Während die Zahl der Flüchtlinge wuchs, waren sich die arabischen Führer über die Rückkehr oder Nicht-Rückkehr einig geworden. Selbstverständlich müssen die Flüchtlinge zurück in ihre Heimat, aber nicht bevor Israel zerstört ist. Eine besondere Beachtung erzielte ein libanesischer Politiker, welcher die Anerkennung Israels vorschlug: „Wenn alle Flüchtlinge nach Israel zurückkehren, werden sie eine breite Mehrheit in Israel bilden. Das würde den arabischen Charakter Palästinas prägen, während eine mächtige fünfte Kolonne den Tag der Rache und der Abrechnung vorbereiten würde.“ Bemühungen internationaler Institutionen, wie z.B. der UNWRA zum Trotz lenkten die Araber nicht ein. Ein früherer Direktor dieser Organisation, Ralph Galloway, schrieb erbost dass „die arabischen Staaten das Flüchtlingsproblem nicht lösen wollen. Sie lassen es offen wie eine Wunde, als eine Beleidigung der Vereinten Nationen, als eine Waffe gegen Israel. Arab leaders do not give a damn whether Arab refugees live or die.“

Auch die wiederholten Vorschläge des UNO-Generalsekretärs Dag Hammarskjöld, die Flüchtlinge in die Volkswirtschaften der arabischen Region einzugliedern, dies zum
größten Vorteil derselben sowie der Flüchtlinge, wurden von den arabischen Staaten abgelehnt. Die Begründung dafür lautete, dass in diesem Falle die Flüchtlinge ihren Status als Flüchtling verlieren würden. Sollten die Flüchtlinge ihre neuen Wohnungen annehmen, so würden sie ihren Wunsch nach Hause zurückzukehren aufgeben und dies würde bedeuten, dass die arabische Welt eine Waffe gegen Israel verlieren würde. Das vielversprechende „Recht zur Rückkehr“ für die palästinensisch-arabischen Flüchtlinge welches die UNO-Generalversammlung in der Resolution vom 14. Dezember 1948 verankerte, führte schließlich dazu, dass ein Problem geschaffen und nicht gelöst wurde. Die Neuansiedlung, eine unwürdige Behandlung oder eine Beleidigung der palästinensischen Flüchtlinge?

Wir stellen also fest, dass es ebenso viele jüdische Flüchtlinge gab, die aus den arabischen Ländern fliehen mussten, beziehungsweise vertrieben wurden, als es arabische Flüchtlinge aus Israel gab. Diese Grundidee hätte zu einer vernünftigen Lösung führen müssen, sie sollte auch heute noch zu einer Lösung des Problems dienen. Obschon Araber bzw. die Muslime einen äußerst feinen Spürsinn für „Beleidigungen“ haben, müsste doch eine Diskussion über Neuansiedlung außerhalb den Grenzen des Staates Israels wenigstens geführt werden dürfen. Die moralische Rechtfertigung dafür bleibt die Flucht der Araber aus verschiedenen Regionen Palästinas einerseits, und die Flucht einer gleichen Anzahl von Juden aus den arabischen Staaten andererseits, wenn auch unter sehr ungleichen Umständen und Bedingungen.
Wird man wieder den imperialistischen und kolonialen Mächten, die selbstverständlich und wie immer, zu Diensten oder gar unter der Leitung des internationalem Judentums diese unerhörte Menschenschieberei in die Schuhe schieben?

Die Sachlage war einmal anders..Im Jahre 1939 veröffentlichte Mojli Amin, ein Mitglied des „Arab Defense Committee for Palestine“, in Damaskus ein Dokument, das auch den Arabischen Führern ausgehändigt wurde mit dem Titel Austausch der Bevölkerung.

    5. „Austausch der Bevölkerung“

Kluge Politiker hatten schon vor dem Zweiten Weltkrieg erkannt, nachdem Unruhen und heftige Auseinandersetzungen zwischen Juden und Arabern oft blutig endeten, dass ein friedliches Zusammenleben unmöglich sei. M. Amin schlug vor, dass alle Araber aus Palästina ausreisen sollten und in einen arabischen Nachbarstaat übersiedeln sollten. Im Gegenzug würden die Juden die arabischen Länder verlassen um nach Palästina zu gehen. Der Austausch der Bevölkerung sollte auf dieselbe Art und Weise geschehen wie die Türkei und Griechenland in den 20er Jahren ihre Bevölkerung austauschte.
Spezialkomitees sollten gebildet werden um das Vermögen der Juden und der Araber zu liquidieren. Amin fügte allerdings hinzu „I fear, in truth, that the Arabs will not agree… But in spite of this, I take upon myself the task of convincing them.” Er hatte zweimal Recht! Neben den Vorschlägen der britischen Protektoratsverwaltung, welche ebenfalls vor dem Kriege gemacht wurden, erklärte Herbert Hoover, früherer amerikanischer Präsident: „The Arab population of Palestine would be the gainer from better lands in exchange for their present holdings. Iraq would be the gainer for it badly needs agricultural population. Today millions of people are being moved from one land to another.” Warum also sollte der arabische und jüdische Bevölkerungsaustausch anders (oder nicht) vorgenommen werden als andere Massenbewegungen, die durch Neuansiedlung oder Absorption (wie z.B. in der Bundesrepublik) gelöst wurden?

Die Bevölkerungsverschiebungen zwischen 1933 und 1945 beliefen sich auf 79.200.000 Seelen. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren zusätzliche 100 Millionen Menschen in Europa auf der Flucht. In Asien waren 8.5 Millionen Sikhs und Hindus auf der Flucht von Pakistan nach Indien und 6,5 Millionen Muslime flohen aus Indien nach Pakistan. Der pakistanische Präsident Ayub Khan erklärte 1960 auf einer Pressekonferenz in Cairo, dass er seinem Volk dies angeordnet habe „without substantial support from Muslims over the world” und er gab zu bedenken, dass die Pakistanische Umsiedlung von etwa sieben Millionen Flüchtlingen aus Indien ein Beispiel für die dreiviertel Million Palästina-Flüchtlinge in die arabischen Länder sein könnte. Im Jahre 1913 wurde ein moderner Präzedenzfall gesetzt, als die Türkei und Bulgarien eine gleichgroße Bevölkerung austauschten, und im Jahre 1923 tauschten die Türkei 1.250.000 Griechen gegen 355.000 Türken aus. Auf diese Art wurden Millionen von Flüchtlingen, die ihre Heimat aus religiösen, ethnischen oder wegen politischem Druck
verließen, erfolgreich neuangesiedelt. Unter den Dutzend Staaten, in welche Millionen Flüchtlinge geflohen sind um Asyl zu finden, waren es allein die arabischen Staaten die sich „en bloc“ weigerten bei der Umsiedlung mitzuhelfen oder gar Hilfe für die definitive Einbürgerung anzunehmen.

Von Israel wurde auf der Konferenz von Lausanne im Jahre 1949 der Vorschlag gemacht, als Gegenleistung zu der Anerkennung der Existenz Israels durch die arabischen Staaten, hunderttausend Flüchtlinge aufzunehmen, dies, obwohl der Kriegszustand noch nicht aufgehoben wurde. Aber dieser Vorschlag wurde strikt abgelehnt, da die Araber, und vor allem die palästinensische Führung, noch während Jahrzehnten Israels Existenzrecht ablehnten. Im März 1976 erklärte der Direktor des United States Committee for Refugees: “While everyone must accept their refugees-that´s the world situation, still, the Arab refugees are a special case.”

Dieses Fehlverhalten der arabischen Staaten, die einerseits die Flüchtlinge als Pfand gegen Israel benutzen und gleichzeitig ihr eigenes Verbrechen gegen die aus ihren Ländern vertriebene Juden verschweigen, scheint mir das größte Hindernis zur Lösung der Flüchtlingsfrage zu sein.
Wenigstens ein Teil der Weltöffentlichkeit hat die zynische, herzlose Manipulation der arabischen Welt gegenüber ihren arabischen Brüdern erkannt.

Männer, Frauen und Kinder, die in Flüchtlingslagern landeten, auf der Suche und der Hoffnung auf ein besseres Leben, werden neuerdings zu den fanatischsten Feinden Israels erzogen.
Warum hat diese Erkenntnis nicht zu einer vernünftigen Lösung geführt? Warum sollte das Problem der arabischen Palästinenserflüchtlinge anders sein als das anderer Flüchtlinge? Warum hat die UNWRA Milliarden Dollars -meist von den USA- ausgegeben um das Flüchtlingsdilemma zu verewigen?
Warum bleibt die arabische Welt mit 337 Millionen Menschen und einem Territorium von 15.434.156 Quadratkilometer so steinhart in seiner Ablehnung des winzigen Judenstaates mit 7.380.000 Einwohnern (davon 20,6% Araber) und einer Fläche (ohne die besetzten Gebiete) von 20.770 Quadratkilometern?

Trotz der Zersplitterung der arabischen Welt, ihrer ungleichartigen Reaktionen zu dem, was sie tatsächlich bedroht und entzweit, sie bleibt steinhart und unwahrscheinlich geeint
in dem, was sie mit der so gerühmten, bildhaften arabischen Sprache ausdrückt: Die Schlinge um den Hals des zionistischen Gebildes legen.

Der Sechs-Tage Krieg im Jahre 1967 hat neue Elemente in die Flüchtlingsthematik gebracht. Gebiete bleiben bis heute von Israel besetzt, andere wurden zurückgegeben wie der Gaza-Streifen, Friedensabschlüsse erfolgten mit Ägypten und Jordanien, aber das Flüchtlingsproblem bleibt.
In den 90er Jahren nimmt der Palästina-Konflikt eine religiöse Wende, die Inspiration und Haltung gegenüber den Juden wird von religiösen Fanatikern nach den übelsten Aussprüchen und Rezepten des Korans und dem Propheten diktiert. Ultra-orthodoxe Juden auf der anderen Seite scheinen die Handlungsfähigkeit der israelischen Regierungen ebenfalls zu erschweren, wenn nicht in verschiedenen Bereichen zu lähmen. Unser westlich geprägtes Denken mag es einfach nicht wahrnehmen, dass Menschen im 21. Jahrhundert nach den Vorschriften eines Predigers im 6. Jahrhundert leben, ihren Lebensstil ihren Mitmenschen gewaltsam aufzwingen und alle westlichen Werte zum Teufel jagen (wollen).

Das winzige Stück Erde, Israel genannt, ein Refugium für ein zweitausend Jahre lang verfolgtes Judentum, ein Stück Erde, das Millionen Juden hätte vor der Vergasung retten können, hätte man in den 30er Jahren Vernunft walten lassen. Diese Heimstätte der Juden ist ein Stachel, eine Schande in dem Teil der Erde, der vom Islam, einer Religion (!), und nicht etwa von einem darauf angesiedelten arabischen, wie jüdischen Volke beansprucht wird.

Das beschämende Schweigen über die Flucht, die Vertreibung hunderttausender Juden aus ihren arabischen Heimatländern sollte endlich gebrochen werden und in die Waagschale Justitias gelegt werden. Für diese Flüchtlinge gab es keine Hilfe, keine Entschädigung für Enteignung und auch kein Recht auf Rückkehr. Keine Milliarden mussten von der Weltgemeinschaft zu deren Lebensunterhalt ausgegeben werden und niemand schreit nach Rache für das ihnen zugefügte Unrecht. Kein Zweifel sollte daran bestehen, dass Menschen in der Not geholfen werden soll und daher darf auch in keinem Moment die Hilfe an Flüchtlinge (z.B. aus politischen Gründen) eingestellt werden. Zu dieser Problematik sollte aber nach 60 Jahren endlich vernünftig miteinander geredet werden. Gründe, die oben erwähnt wurden und das Argument, dass eine Aufnahme der Flüchtlinge in Israel das Ende dieses Staates bedeuten würde, leuchten wohl auch jedermann ein. Man kann bei Friedensverhandlungen mit Israel nicht verlangen, dass die Araber diese Menschenmenge wie Kuckuckseier in das israelische Nest legen. Die Umsetzung bzw. Aufrechterhaltung der Forderung des Rechts auf Rückkehr, das heißt Einreise-Bewilligungen für eine größere Anzahl von Palästinensern nach Israel, hat politisch eigentlich nur eine Bedeutung: die Beseitigung des Israelischen Staates.
Eine große Anzahl arabischer Flüchtlinge, die plötzlich die israelische Staatsbürgerschaft erhielten, würde den jüdischen Charakter des Staates gänzlich zerstören und das Land zu einem binationalen Staat, ja vielleicht sogar zu einem arabischen Staat machen. Mit anderen Worten: jeder Versuch das Problem der palästinensischen Flüchtlinge durch die Rückkehr in ihre ehemaligen Häuser und Heime in Israel zu lösen, würde ein noch größeres Übel bewirken, indem dann Juden aus ihren Häusern und Wohnungen in Jaffa, Haifa, Jerusalem vertrieben und entwurzelt würden. (vgl.Rubinstein.)

Wie steht eigentlich die Europäische Union zu diesem Konflikt?

In einer Studie von Charles Gheur aus dem Jahre 2003 wird die Haltung der EU ausführlich dargestellt. Besonders energische Stellungnahmen gehörten nie zu de Merkmalen der europäischen Diplomatie. Man begnügte sich mit einer Haltung, die man in diesen Kreisen als „Equidistance“ zu den Parteien bezeichnete, ein Begriff, der selbstverständlich nicht mit Neutralität zu verwechseln ist. Es heisst : “Il faudrait trouver une solution équitable à la question complexe de Jérusalem, ainsi qu`une solution juste viable et arrêtée d´un commun accord au problème des réfugiés palestiniens.“ Mit solchen banalen Aussagen kann man natürlich den Weg zum Frieden nicht pflastern!

Leider ist diese Studie durch neue Entwicklungen überholt. Wenn damals die EU auf Arafat und die Palästinensische Autorität gebaut hatte, dann muss sie jetzt auch noch die als Terrororganisation bezeichnete Hamas, doch von der Gazabevölkerung mehrheitlich gewählte Partei als Diskussionspartner, einbeziehen. Die existentielle Bedrohung Israels durch den Iran nimmt immer präzisere Konturen an und die libanesische Hisbollah sowie die Hamas haben ihr tödliches, gegen Israel gerichtetes Arsenal unter der duldsamen Aufsicht der UNO längst wieder aufgebaut. Das scheint aus der Sicht verschiedener europäischer Außenminister noch kein Problem zu sein, schließlich reichen diese Raketen noch nicht bis nach Stockholm, Brüssel oder Luxemburg. Einige uneinsichtige Politiker der EU-Staaten kommentieren die Selbstmordattentate, Schießereien und Raketenabschüsse aus sicherer Distanz. Jegliche Gegenwehr Israels ist prinzipiell unproportioniert oder gar unangebracht, jedenfalls zu verurteilen. Sie scheinen offenbar zuzusehen, zu gestatten oder gar zu unterstützen (siehe die österreichischen Beiträge zur Nukleartechnik im Iran), wie ein zweiter Holocaust vorbereit wird. Man kann aber davon ausgehen, dass sich Israel der Endlösung, diesmal von den Islamisten erdacht, mit allen Mitteln zu wehren weiß, dies zum Nachteil, zum Schaden Europas und insbesondere zur Schande der europäischen Politiker. Man kann aber wohl der EU, bzw. ihrem neuen „Außenministerium“ nahelegen, die Initiative zu ergreifen, dass in Anbetracht des ungelösten Problems und dem ungeheuerlichen Kostenpunkt dieser Operation, die palästinensische Flüchtlingsfrage außerhalb und unabhängig von eventuellen Friedensverhandlungen in der UNO diskutiert und endlich in dem Sinne gelöst wird, dass die Flüchtlinge endgültig in den Anrainerstaaten und in dem zu schaffenden Palästinenserstaat (insofern dieser noch zur Diskussion steht) neuangesiedelt werden. Die Lösung dieser Frage würde wahrscheinlich dem Friedensprozess einen neuen Aufschwung geben.

Da war noch eine Frage! Was oder wer hat das Flüchtlingsdrama in Palästina verursacht? War es der Teilungsplan der UNO? Waren es die Juden, die das von der UNO zugewiesene Land gegen den Vernichtungskrieg der Araber verteidigten?

    6.Literaturangaben

Avneri, Arih L.: The Claim of dispossession, Jewish Land-Settlement and the Arabs 1878-1948; Library of Congress, 1980, sixth Printing 2007.
Dachs, Gisela, Israel kurzgefasst, Bundeszentrale für politische Bildung, Mai 2010 Gheur,C.:L‟Union européenne face au conflit israélo-palestinien. Equidistance? Etudes 2003/3 Tome 399.
Klünzel, Mathias: Djihad und Judenhass (ça ira 2002).
Lozowick, Yacoov: Israels Existenzkampf. Eine moralische Verteidigung seiner Kriege. Konkret Literatur Verlag 2006.
Peters, Joan: From time immemorial, the origins of the Arab-Jewish Conflict over Palestine, 1984.
Rahmani, Moïse: L`exode oublié. Juifs des pays arabes. Raphaël 2003.
Rubinstein, Dany: Tatsachen & Argumente. Das Problem der palästinensischen Flüchtlinge.(www.anti-defamation.ch)
Tarach, Tilman: Der ewige Sündenbock. Telok 2009.
Yaron, Gil : Jerusalem (Bundeszentrale für politische Bildung) Bonn 2008

Dezember 11, 2011 - Posted by | Israel | , , ,

4 Kommentare »

  1. Danke für diesen tollen Artikel, lieber Kollege.

    Hier noch ein Video mit Danny Ayalon zum Thema:

    Kommentar von CK | Dezember 12, 2011

  2. Beachtenswerter Artikel.Ich habe ein paar gute Denkanstoesse bekommen. Warte auf weitere Posts.

    Kommentar von Heiko | Dezember 18, 2011

  3. Toller Post, ich komme ab jetzt regelmaessig

    Kommentar von Adrian | Dezember 21, 2011

  4. Und darum wird es in der Ausstellung gehen Ulrika Eller Rüter führte im Oktober 2011 ein Kunstprojekt der besonderen Art in Pal stina durch.

    Kommentar von Chloe Reynolds a | Januar 8, 2012


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: