L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Endlich frei!

Nach über 5 Jahren Gefangenschaft ist Gilad Shalit heute endlich von der Hamas freigelassen worden. Man kann sich wohl kaum vorstellen wie schön das für den jungen Mann sein muss, endlich sein Leben wiederzuhaben und seine Familie wiederzusehen. Für ganz Israel ein Tag der Freude und der Erleichterung!

Es gab sicher kaum jemanden, der nicht mit ihm und seinen Eltern mitfühlte. Was Gilad passiert ist, hätte auch jedem anderen IDF-Soldaten passieren können. Jedes israelische Elternpaar ist sich wohl bewusst, dass es auch eins ihrer Kinder hätte sein können, dem ein solches grausames Schicksal widerfährt. Insofern gibt es sicher keinen Israeli (und hoffentlich auch sonst keinen Menschen), der den Shalits es nicht von ganzem Herzen gönnt, dass ihr Sohn endlich wieder frei ist.

Gilad

Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack ob des zu zahlenden Preises. Gilads Freilassung wurde sehr teuer erkauft. Über 1000 palästinensische Gefangene, darunter teilweise grausamste Kindsmörder, wurden im Gegenzug aus den israelischen Gefängnissen entlassen. [Gefangene, denen in manchen US-Bundesstaaten die Todesstrafe gedroht hätte, aber in Israel sogar studieren und regelmässig Familienbesuch bekommen durften (was dem jungen, unbescholtenen Soldaten Gilad im Gegenzug verwehrt blieb). Dies aber nur am Rande.] Diese Freilassung ist in vielerlei Hinsicht- nicht nur wegen der total ungleichen Gefangenenzahl- problematisch.

1. Wie werden sich nun die Familien der Opfer dieser Terroristen fühlen, wenn sie sehen, wie die Täter von damals im Gazastreifen wie Volkshelden gefeiert werden? Was ist mit ihrem Recht auf Gerechtigkeit?
Einige klagten ja vor dem Obersten Gerichtshof gegen den Deal der Regierung Netanjahu, aber ihre Klage wurde abgewiesen.

2. Werden die Freigelassenen in Zukunft ein „normales Leben“ führen, haben sie der Gewalt in der Zwischenzeit abgeschworen und sind resozialisiert? Ich befürchte, das ist bei den Wenigsten der Fall. Wer weiß also, welche unrühmliche Rolle sie noch in Zukunft spielen werden. Wieviele unschuldige Opfer werden ihr Leben durch die Hände mancher dieser heute freigelassenen Verbrecher verlieren? Wieviel Blut wird vergossen werden, was nicht hätte fliessen müssen, wären sie hinter Gittern geblieben? Sicher, der israelische Geheimdienst wird sie im Auge behalten, so gut es geht, aber eine wirklich umfassende Kontrolle gibt es leider nie.

3. Darf ein Staat sich überhaupt so erpressen lassen und solche Aktionen „belohnen“? Ermutigt die Regierung- deren Aufgabe es ist, den Schutz all ihrer Bürger zu gewährleisten- damit nicht weitere Aktionen dieser Art? Trägt sie nicht ihr Eigenes dazu bei, dass eines Tages ein anderer Soldat das schreckliche Schicksal erleiden muss, aus dem Gilad Shalit heute gerettet wurde? Die Hamas mag versprochen haben, sowas nicht mehr zu tun, aber was ist deren Wort denn schon wert?

Einerseits freut es mich also für Gilad und seine Familie und für das ganze Volk Israel, dem diesmal ein weiterer Fall Ron Arad oder eine Katastrophe wie bei Regev und Goldwasser erspart blieb, andrerseits habe ich- wie sicher ebenfalls fast jeder Israeli- Bauchschmerzen bei diesem Deal. Dennoch sei im Namen der Shalits denen gedankt, die diesen Deal durch ihren unermüdlichen Einsatz erst möglich gemacht haben: dem deutschen Unterhändler vom BND ebenso wie den Vermittlern aus Ägypten und angeblich auch der Türkei.

Auf ZDF sah ich übrigens heute morgen wie eine palästinensische Frau ihre Freude über die nahende Freilassung ihres Mannes äusserte. Sie meinte, es sei gut, dass ihre Kinder endlich ihren Vater wiedersehen könnten. Ich hoffe inständig, dass dieser Vater (wie hoffentlich auch alle anderen freigelassenen Väter) sich nun auch um ihre jeweiligen Kinder kümmern werden und nicht gleich wieder ihre Prioritäten anders setzen und es stattdessen leider wieder vorziehen, Juden zu ermorden.

Viele Menschen in Europa schöpfen ob dieses Deals nun auch wieder Hoffnung auf einen Frieden im israelisch-palästinensischen Konflikt. Das ist meines Erachtens aber leider nur naive Augenwischerei. Die Aktion heute hat Israel (und die am Frieden wirklich interessierten Palästinenser) kein Stückchen näher an denselben gebracht. Aber lassen wir das lieber. Freuen wir uns an diesem Tag einfach, dass Gilad endlich wieder dort ist, wo er hingehört: in seinem Heimatland Israel und bei seiner Familie!

Hier übrigens Gilads Interview im ägyptischen Fernsehen:

P.S. Ebenfalls mehr als lesenswert sind Claudio Casulas und Lilas Gedanken auf SoE.

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Oktober 18, 2011 - Posted by | Israel, Video | , ,

3 Kommentare »

  1. Wenn alle israelische Soldaten wissen, dass ihr Land bereit ist alles zu tun um sie aus einer eventueller Gefangenschaft zu befreien, haben wir damit die gesundeste Armee in der Welt aufgebaut… und das ist (meiner Meinung) mehr als tausende befreitenTerroristen wert…

    Kommentar von Claude Sternberg | Oktober 18, 2011

  2. Was für ‚gute‘ Nachrichten aus Israel … http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,793741,00.html

    Kommentar von Jerome | Oktober 31, 2011


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