L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Laisser cuire, laisser manger, laisser choisir!

(Zu deutsch: Lasst kochen, essen, wählen!) – Mein neues Motto Richtung HORESCA und Papa Staat. Da kann ich doch endlich und eher ausnahmsweise mal die schwarz-rote Regierung loben, die demnächst ein Gesetzesprojekt zur Liberalisierung des Konzessionshandels ins Parlament einbringen wird, was hoffentlich, auch mit Zustimmung der DP, votiert werden wird und schon beklagt sich Jean Schintgen, der Berater und Sprecher der nationalen Föderation der Hotelliers, Restaurant- und Kneipenbesitzer, vehement darüber.

Sehen wir uns die von ihm vorgebrachten Argumente einmal näher an.

Den Horesca Secteur fäert virun allem, dass dat qualitativ Verschlechterungen a Faillite mat sech bréngt.

Gut möglich, dass durch die Heruntersetzung der Markteintrittsbedingungen verstärkt Leute in der Gastronomiebranche tätig werden, die nicht wirklich gute Qualität anzubieten haben und viele davon bankrott gehen werden. Genauso wie aber vielleicht auch umgekehrt Leute ohne tolle Ausbildung auf dem Papier, aber mit beachtlichen autodidaktischen Fähigkeiten, erfolgreich sein werden und weniger gute Anbieter, die „unfairerweise“ eine Ausbildung gemacht haben, vom Markt drängen werden. Na, und? Zum Leben gerade eines Unternehmers gehört, etwas zu wagen und entweder Erfolg damit zu haben oder zu scheitern. Es gibt kein Recht auf Erfolg und kein Recht, sich möglicherweise erfolgreichere Konkurrenten mit Staatsgewalt vom Leib halten zu wollen. Auch glaube ich nicht dass der Staat, eine Kammer, Vertreter der jeweiligen Wirtschaftsbranche oder sonst eine Institution des realexistierenden Korporatismus beurteilen sollte welcher Betrieb Qualität anbietet und welcher nicht oder welche Person ihre Arbeit gutmacht und welche nicht. Auch nicht im Gastronomiesektor. Das sollten allein die Kunden mit ihren nachfragenden oder nicht-nachfragenden Mägen entscheiden dürfen. Es mag den einen oder anderen Gourmet zwar entsetzen, dass nicht jeder Kunde Geschmack hat, genauso wie es den einen oder anderen Musikliebhaber entsetzt, dass manche Leute lieber Britney Spears als J.S. Bach hören, aber dies rechtfertigt keinen gutgemeinten Paternalismus. Sonst könnte man den Leuten gleich ganz vorschreiben, was sie zu essen haben und was nicht. Wer Wert auf gute Qualität legt, wird meines Erachtens ohnehin immer ein entsprechendes Angebot finden.

Soss huet een en CATP als Kach gebraucht oder et huet een 3 Joer Beruffserfahrung gebraucht, an lo kann een einfach an dee Cours goen, dee maximal 10 Stonnen dauert, a scho kéint ee lassleeën. Dat géif géint de Motto goen, dass ee Qualitéit misst bidden, sou de Jean Schintgen.

Ich habe nichts gegen Ausbildungsmöglichkeiten jeglicher Art (im Gegenteil, ich bin für eine enorme Bildungsvielfalt), ich sage auch nicht, dass Diplome wertlos sind (sie mögen sogar wichtige Indikatoren sein), aber der vom Staat aufoktroyierte Zwang dahinter widerstrebt mir. Von mir aus soll jeder ein Restaurant, ein Hotel, eine Caféteria oder eine Kneipe aufmachen dürfen. Ich denke nicht, dass es eine öffentlich- sei es vom Staat oder den Gemeinden- vorgeschriebene Anzahl geben sollte. Genausowenig sollte es einen Kammerzwang, einen Meisterzwang oder sonstwelche Beschränkungen- nicht mal eine Pflicht zu einem nur zehnstündigen Kurs- geben. Der Unternehmer entscheidet welche Qualifikationsnachweise er von seinen Arbeitnehmern haben möchte. Und jeder sollte sofort loslegen dürfen, gerade in Zeiten der Arbeitslosigkeit.

Och d’Concessioune fir Caféen op ze maache gi liberaliséiert. De Jean Schintgen gesäit do 3 gréisser Problemer. Éischtens, eng Devaluatioun vun de Concessiounen, well ee se da vum Stat scho fir 15.000 Euro soll kënne kréien – den Duerschnëttspräis haut ass 35.000 Euro. Dat géif mat sech bréngen, dass deen elo schonn ze groussen Horesca Secteur – mat haut 2800 Betriiber – nach géif wussen.

Ist doch wunderbar, wenn die Konzessionspreise fallen. Eigentlich sind 15 000 Euro sogar immer noch zuviel. Abgesehen von einer kleinen Eintragegebühr sollte die Erteilung einer staatlichen Genehmigung zur Eröffnung eines Betriebes kostenlos sein. Den Betrieben, die ihre Konzession bereits teuer bezahlt haben, sollte man dieselbe rückerstatten, beispielsweise über Steuergutschriften. Und was ist daran problematisch wenn der Horesca-Sektor weiter wächst? Ich kann nicht erkennen, dass er heute schon zu groß ist (andernfalls gäbe es viel mehr Pleiten!) und wenn er wirklich zu groß würde, würde er automatisch wieder schrumpfen, indem die weniger Erfolgreichen wegen zu geringer Einnahmen und Verluste wieder vom Markt verschwinden würden. Niemand, auch nicht Herr Schintgen, sollte sich anmassen zu wissen, wieviele Gastronomiebetriebe das Land braucht oder auch nicht braucht und daraus die Rechtfertigung staatlicher Reglementierungen ableiten.

De Kuch gëtt domat net méi grouss, d’Verdeelung ännert awer komplett, an et géif zu enger massiver Augmentatioun vun de Faillitë kommen.

1. Bankrotterklärungen sind Teil einer Marktwirtschaft. Für die Betroffenen sind sie natürlich äusserst schmerzhaft und unschön (wenngleich aus ihnen auch einiges für die Zukunft gelernt werden kann), aber volkswirtschaftlich betrachtet, sind sie ein „schöpferischer Akt der Zerstörung“ (Schumpeter), da nicht mehr Gebrauchtes, Defizitäres oder Unproduktives verschwindet und Fehler korrigiert werden.

2. Angenommen, der Kuchen wird nicht grösser, aber durch die grössere Konkurrenz (der Kuchen muss durch mehr Marktakteure geteilt werden) findet eine andere Verteilung statt. Betrieb X macht nun also weniger Gewinn, der stattdessen an den neuen Betrieb Y geht, dessen Vertreter vorher nichts hatten. Sozialisten müssten eigentlich begeistert sein ob der grösseren Teilhabemöglichkeiten und „Umverteilung“ (nicht durch staatliche Gewalt, sondern durch freie Marktprozesse.) Schintgen gibt hingegen den Korporatisten, der die Gewinne von X mittels Teilhabeverboten schützen will.

Vill Caféë géife riskéieren aus den Dierfer ze veschwannen, well en Deel vun de Concessioune liberaliséiert solle ginn, déi elo un d’Gemenge gebonne sinn. Als Beispill seet de Jean Schintgen, dass ee Wiert deen lo zu Knapphouschent sëtzt an iwwert seng Concessioun un déi Gemeng gebonne war, mat Sécherheet net do wäert sëtze bleiwen, wann en elo och an der Stad kann e Café opman.

Ja, vielleicht werden verstärkt Wirte von den Dörfern in die Stadt umziehen weil sie meinen dort mehr Gewinn machen zu können. Ihr gutes Recht. Aber wenn es dort durch die Konkurrenzzunahme immer weniger Gewinn zu machen gibt (und im Gegenzug immer mehr auf den Dörfern, weil dort die Konkurrenz abnimmt), werden schnell Andere in die neuen Marktlücken auf den Dörfern reinstossen.

Schintgens Ausführungen offenbaren von vorne bis hinten ein ziemliches Unverständnis, was die Funktionsweise eines freien Marktes angeht und sie zeugen von einer typischen Angst der Bürger vor (ständigen) Veränderungen und dem Wunsch nach Kontrolle. Bezeichnenderweise ist er aber wohl der Erste, der sich darüber beschwert, dass der Staat ein generelles Rauchverbot im Gastronomiesektor ab 2012 durchsetzen möchte. Doch, wenn der Staat darüber bestimmen darf, wer überhaupt einen Betrieb aufmachen darf und welche (Mindest-)Qualifikationen die dort Arbeitenden haben müssen, wieso darf er dann nicht auch darüber bestimmen ob dort geraucht werden darf oder nicht?

Eigentumsrechte sind für mich persönlich ein Absolutum. Ginge es mir nach, würde laisser-faire gerade im Gastronomiesektor (wo es um das menschliche Grundbedürfnis Nummer eins, nämlich Essen und Trinken, geht) angesagt sein. Ich will wählen wo ich essen gehen möchte und wo nicht (und wo es scheusslich schmeckt, gehe ich nie mehr hin), der Besitzer soll seine Köche frei auswählen dürfen und kochen soll jeder dürfen, der meint er könne kochen.

Der Staat sollte sich allein darauf beschränken, neue Betriebe gebührenpflichtig zu registrieren und denjenigen Betrieben die Konzession wegzunehmen, die die Gesundheit ihrer Kunden verletzt haben. Wenn beispielsweise ein Gast eine Salomonellenvergiftung in einem Fischrestaurant erleidet, müsste der Staat in der Tat einschreiten. Ansonsten aber sollte er sich komplett raushalten und die Marktkräfte spielen lassen. Inklusive der Entscheidung der einzelnen Betriebe ob sie Rauchen erlauben oder verbieten.

August 26, 2011 - Posted by | Neues aus Luxemburg, Wirtschaft | , , , ,

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