L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Unser Geldsystem (4)

Heute kommen wir zum Mythos „Goldstandard“- also der Idee, dass das ZB-Geld vollständig goldgedeckt sein sollte und unter Umständen sogar das Teilreservesystem der GBen verboten werden soll- und wieso ich denselben persönlich eher ablehne.

Goldbarren

Zu Beginn komme ich auf meinen bereits in Teil eins geäusserten Vorwurf gegen die Goldbugs zurück: sie verwechseln Gelddokumente (die aus Papier, Gold oder sonst irgendeinem Stoff sein können) mit dem Geld (=Recht auf eine Gegenleistung) selbst. Wer diese Unterscheidung hingegen begreift, dem wird schlagartig klar, dass es eine nahezu absurde Idee ist, das Funktionieren einer hochmodernen, arbeitsteiligen Volkswirtschaft vom Vorhanden- oder Nichtvorhandensein eines Edelmetalles abhängig zu machen, welches nur sehr begrenzt- vor allem natürlich zur Herstellung von Schmuck- nutzbar ist.

Wenn ich das notwendige Sach- und Humankapital habe um eine Leistung erbringen zu können und jemand anders das nötige Kapital um eine Gegenleistung zu erbringen oder gar bereits erbracht hat, sollen wir auch Handel miteinander treiben können. Es wäre doch sehr hinrissig, wenn jetzt kein Gold (als Dokumentationsmittel und somit Verbriefung des Handels) da wäre um uns miteinander zu vermitteln.

Man stelle sich mal als Gedankenexperiment vor, in einem entwickelten Land mit dem Goldstandard- nennen wir es Goldland- würde plötzlich alles Gold verschwinden. Wäre durch diesen Verlust die Leistungsfähigkeit der ganzen Volkswirtschaft nun plötzlich null? Könnten Menschen und Maschinen nicht mehr arbeiten, wäre Handel unmöglich geworden? Nein. Im Gegensatz zu Öl, welches wirklich in zig Produktionsprozessen gebraucht wird und Ölmangel daher ganze Industrien lahmlegen könnte, wird Gold selten wegen seiner stofflichen Natur gebraucht. Es sieht im Goldland jetzt nur zappenduster aus, weil nun wegen dem Goldstandard dummerweise kein Dokumentationsmittel mehr da ist(Buchgeldschöpfung ist nun gar verboten) und ohne funktionierendes Dokumentationssystem ist eine moderne Volkswirtschaft in der Tat nicht denkbar. Das Vernünfigste was Goldland also nun tun sollte, wäre Gold ganz einfach durch ein anderes, neues Dokumentationsmittel zu ersetzen. Und schon kann sich die Erde normal weiterdrehen.

Und umgekehrt, falls in Goldland plötzlich eine neue Goldader entdeckt werden würde und ein Haufen Gold plötzlich vorrätig wäre, wäre dann die Volkswirtschaft von einem Moment auf den Anderen viel leistungsfähiger und produktiver geworden und es daher berechtigt, wenn Goldmünzen die Märkte überschwemmen und Preise hochtreiben?

Es sollte Anhänger der subjektiven Wertlehre nicht überraschen, dass eben nichts einen inhärenten/intrinsischen Wert hat, sondern alles den Wert hat, den man ihm selber nach eigenem Erliegen beimisst. Und je nach Wertbeimessung ist man bereit mehr oder weniger als Gegenleistung dafür zu geben und so entstehen Preise. Auch Gold hat wie jedes andere Gut oder Produkt einen Preis und soll natürlich frei auf Märkten gehandelt werden dürfen. Aber wieso nur Gold Geld darstellen darf, erschliesst sich mir nicht. Je nachdem wieviel Wert dem Gold beigemessen wird, mag es als Pfand durchaus Geldschöpfung ermöglichen (genauso wie umgekehrt Goldverlust auch Kapital vernichtet), aber wieso soll das Gold allein diese Fähigkeit haben? Wieso soll die optimale Geldmenge gleich der Goldmenge entsprechen?

Nach einer etwaigen zusätzlichen Abschaffung des Teilreservesystems müsste zudem recht viel Gold unter den Banken transportiert werden. Das erscheint mir auch eher aufwendig.

Und was ist mit dem Hortungsproblem und dem Goldabfluss ins Ausland? Wenn zuviel Gold dem Wirtschaftskreislauf entzogen wird, könnte dies unnötigerweise durchaus machbare Projekte verhindern. Zinsen könnten künstlich zu hoch gehalten werden und noch sinnvolle Investitionen fälschlicherweise verunmöglicht werden.

Natürlich ist es nicht so, dass ich die Goldbugs gar nicht verstehen kann. Im Gegenteil. Ihr Wunsch, die Geldmenge an Goldvorräte zu knüpfen, rührt von der verständlichen Enttäuschung über das Verhalten der längst nicht mehr unabhängigen und Inflation verursachenden ZBen her. Stichworte: Finanzkrise und Schuldenkrise der PIGS-Staaten. Man will dem einen Riegel vorschieben mithilfe des Goldes. Doch geht das nicht vielleicht auch anders?

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August 24, 2011 - Posted by | Allgemeines, Wirtschaft | ,

1 Kommentar »

  1. Jetzt bin ich endlich mal dazu gekommen alle 4 Teile zu lesen. Wirklich hervorragend geschrieben und erklärt. Solche Texte sollten in die Schulbücher, dann hätten die Menschen das nötige Grundlagenwissen um volkswirtschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und die rot-grün-schwarz-gelb-braunen Etatisten könnten die Wähler nicht mehr so einfach für dumm verkaufen.

    Kommentar von lalibertine | Oktober 5, 2011


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