L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Unser Geldsystem (3)

Nachdem wir nun wissen was Geld ist und die verschiedenen Geldmengen kennengelernt haben, will ich mich heute mit der Geldschöpfung näher auseinandersetzen.


Stellen wir uns zur Veranschaulichung einfach mal vor, es gäbe in einem kleinen Dorf einen Geldemittenten(ZB), einen Schlachter namens Alex, den Viehbesitzer Pancho und den Wurstverkäufer Fred. [Zwar ist unser Bankensystem zweistufig (kein Haushalt, Unternehmen und auch kein europäischer Staat kriegen direkt ihr Geld von der ZB, sondern die GBen bekommen dieses von der ZB und bringen es in den volkswirtschaftlichen Umlauf), aber zur Illustration der Geldschöpfung- um die es hier ja geht- ist dies vollkommen irrelevant und so vereinfache ich das mal ein wenig.]

Alex will nun Pancho drei Rinder abkaufen. Dafür braucht er gesetzliches Zahlungsmittel. Er geht zur Zentralbank. Die Zentralbank druckt Gelddokumente. Diese sind jedoch nur wertloses Papier, solange sie nicht durch gesetzesgerechte Geldschöpfung in Umlauf kommen (es wird auch streng per Videoüberwachung kontrolliert, dass die dort arbeitenden Menschen keine Banknoten einfach einstecken und mit nach Hause nehmen).

Die Zentralbank soll darauf achten, dass die Geldmenge ungefähr gleich stark wie die Wirtschaftleistung wächst, also dem Geld reale Werte entgegenstehen. Alex erhält 2400 Euro (in bar oder als Einlage bei der ZB) und verpfändet dafür seinen alten Opel Corsa. Wenn er die geliehene Summe nicht zurückzahlt, gehört sein Wagen der Zentralbank.

Hier widerspreche ich erneut denjenigen, die behaupten, Fiat Money entstünde „aus dem Nichts“ wie durch Geisterhand. Die Zentralbank gibt kein ZB-Geld heraus was nicht mit Sicherheiten (zumeist Wertpapieren) gedeckt ist. Auch wenn es sich dabei in der Praxis leider um Schrottpapiere handeln kann (was ich dann nicht minder kritisiere wie jeder andere Liberale), es ist der ZB eben rechtlich nicht erlaubt, einfach mal so Gelddokumente zu drucken und fröhlich die Wirtschaft damit zu überfluten (das widerspräche ihrem Auftrag der Geldwertstabilität und wäre Betrug).

Jedes erhaltene ZB-Geld ist zu bestimmten Terminen zurückzuzahlen, bei Nichteinhaltung wird das Pfand (welches natürlich auch Edelmetall sein kann) einbehalten. Das ZB-Geld entsteht also aus dem Wert des Pfandes und nicht aus dem Nichts. Zudem sind noch Zinsen für das ZB-Geld zu zahlen (der sogenannte Notenbankzinssatz oder Leitzins), wobei wir der reinen Einfachheit des Beispiels halber mal hier annehmen, der sei null.

In dem Moment (und erst dann) wo Alex das ZB-Geld erhält, passiert die Geldschöpfung, die buchhaltungstechnisch nur eine Bilanzverlängerung bei Alex wie der Zentralbank darstellt.

Alex:
Aktiva 2400 Euro ZB-Geld / Passiva 2400 Euro Geldverbindlichkeiten an die ZB

ZB: Aktiva 2400 Euro Geldforderungen an Alex, y Euro Geldforderungen an Andere / Passiva 2400+y Euro ZB-Geldmenge im Umlauf
[Die umlaufende Zentralbankgeldmenge ist immer auf der Passivseite der Notenbankbilanz zu finden, sie stellt eine spezielle Verbindlichkeit der ZB den Geldhaltern gegenüber da. Früher konnte der Geldhalter mit seinem Geld Gold bei der Zentralbank abholen, heute das abgegebene Pfand oder man kauft Wertpapiere zurück. Wobei das natürlich in der Realität keine Privatperson tut, sondern Aufgabe der GBen ist. Und genauso wenig wie irgendjemand sonst mit seinen Verbindlichkeiten zahlen kann, kann das die ZB tun. Zahlen kann nur Alex, der Geldhalter.]

Alex sucht nun Pancho auf und kauft drei Rinder à je 800 Euro ab.

Pancho: Aktiva 2400 Euro ZB-Geld (nach Aktivtausch Rinder gegen Geld) / Passiva: x Euro Kapital verschiedener Herkunft
Alex: Aktiva Rinder im Wert von 2400 Euro / Passiva 2400 Euro Geldverbindlichkeiten an die ZB

Alex schlachtet nun die Rinder und verkauft das Fleisch für 3000 Euro an den Wurstverkäufer Fred.

Alex: Aktiva 3000 Euro ZB-Geld (nach Tausch Rind gegen Geld) / Passiva: 2400 Euro Geldverbindlichkeiten an die ZB, 600 Euro Gewinn
Fred: Aktiva x Euro Kasse (um 3000 Euro leichter als vorher), Fleisch im Wert von 3000 Euro / Passiva: z Euro Kapital verschiedener Herkunft

Alex zahlt nun der ZB das Geld zurück.

Alex: Aktiva: 600 Euro ZB-Geld (nach Tilgung der Schuld) / Passiva: 600 Euro Gewinn (durch unternehmerische Leistung, Wertschöpfung.)
Zentralbank: Aktiva y Euro Geldforderungen / Passiva y Euro Geldmenge im Umlauf

Und schwupps, sind die ursprünglich geschöpften 2400 Euro wieder vernichtet (jeweils Bilanzverkürzung). Die Gelddokumente sind in den Räumlichkeiten der ZB wieder nur Papier. Das Geld selber (Nominalgut) ist nicht mehr, die Kreditbeziehung Alex-ZB wurde geschlossen.

Auf der Realgüterebene betrachtet hat Alex eine Vorleistung von 3 Rindern bekommen, die er schlachtete und zu Fleisch verarbeitete, welches er dem Wurstverkäufer lieferte und somit eine spätere Gegenleistung erbrachte. Er hat intertemporal drei Rinder(inklusive darin verwertete menschliche Leistung) gegen Fleisch(inklusive darin verwertete menschliche Leistung) getauscht. Die Informationen über den getätigten Handel befindet sich noch in den Büchern der betroffenen Akteure, aber das Geld ist weg. So komisch das für manchen Leser klingen mag, weil er vorher nie drüber nachgedacht hat, das alles ist nur logisch.

Buchgeldschöpfung funktioniert genauso. Man ersetze nur oben ZB durch GB sowie ZB-Geld durch Forderungen auf ZB-Geld. Buchgeldschöpfung ist demzufolge eine Bilanzverlängerung bei der Geschäftsbank (Kreditaufnahme), Buchgeldvernichtung eine Bilanzverkürzung(Kreditschliessung).

Und wie die Zentralbank kann auch die Geschäftsbank (und überhaupt kein Akteur) mit eigenen Verbindlichkeiten zahlen! Zwar entstand gleichzeitig eine Forderung an den Kreditnehmer, die die GB an andere Marktakteure in der Tat abtreten könnte, aber deswegen hat die GB nicht plötzlich zusätzliches Geld zur Verfügung. Wäre ja auch zu schön, wenn man selber sich Ansprüche auf Leistungen Anderer einfach herbeizaubern könnte… Und wenn Alex zur GB gehen würde und ZB-Geld verlangen würde (oder eine Überweisung zu einer anderen Bank machen würde), müsste die GB mit ZB-Geld dafür geradestehen.

Nun ist es aber in der Tat so, dass die GBen mehr Buchgeld schöpfen können als sie an ZB-Geld insgesamt (Barreserven plus gesetzlich vorgeschriebene Mindesteinlage und eventuell Überschußreserven bei der ZB) vorrätig haben. Jedoch ist auch dies nicht ungewöhnlich. Schliesslich haben die Menschen gute Gründe nicht Unmengen an Buchgeld(Forderungen auf ZB-Geld) in Bargeld umwandeln zu wollen und solange die Banken dazu imstande sind, die Wünsche ihrer Kunden diesbezüglich zu erfüllen (und das tun sie im Normalfall, jeder kann sich davon alltäglich am Geldautomaten überzeugen), ist doch alles bestens.

Zwar mag es gute Gründe geben den heutigen Mindestreservesatz von 2-3% aus Gründen der Geldmengensteuerung zu erhöhen (Michel erwähnte bereits die durch die Erweiterung von M1 induzierte Erweiterung von M0), 100% (=Abschaffung des Teilreservesystems) wäre jedoch m.E. eine komplette Unsinnsforderung, die nur unnötigen logistischen Aufwand, Papierverbrauch und teure Geldtransporte (bzw. im Fall einer Goldwährung sogar Goldtransporte) mit sich bringen würde.

Mehr zum Thema Goldwährung zudem in Teil vier.

August 23, 2011 - Posted by | Allgemeines, Wirtschaft | , ,

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