L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Unser Geldsystem (2)

Nachdem wir im ersten Teil uns damit beschäftigt haben, was (ZB-)Gelddokumente (Münzen, Geldscheine, verbriefte ZB-Einlagen) und was ZB-Geld (eine spezielle Kreditbeziehung zwischen Zentralbankgeldhalter und Zentralbank bzw. Geldhalter (Bargeldhalter oder Halter von jederzeit beim Geldemittent monetisierbaren Geldeinlagen) und Geldemittent in einem Geldwettbewerbssystem) sind, will ich heute mal erklären was es für verschiedenen „Geldmengen“ gibt und im speziellen ausformulieren was eigentlich Giralgeld oder Buchgeld auf Sichtguthabenkonten ist.

Was ist Giralgeld? Meine Antwort: ebenfalls Kredit(wie in Teil eins bereits erklärt), aber eben kein (ZB-)Geld (welches eine spezielle Kreditform darstellt, daher Kreditgeld). Wenn ich 10 Euro Sichtguthaben mein eigen nenne, habe ich im Grunde kein Geld, sondern eine Forderung auf (ZB-)Geld gegenüber der Bank, die mir das Sichtguthaben als Dienstleistung zur Verfügung stellt. Nur Bares ist Wahres bzw. nur Zentralbankgeld (die sogenannte Geldmenge M0, die Geldbasis) ist echtes Geld!

Giralgeld ist nur eine Forderung auf Geld. Eine sehr kurzfristige, die ich jederzeit an einem Geldautomaten der jeweiligen Bank (oder auch einer anderen Bank, die mit meiner interagiert) einlösen kann. Genauer gesagt handelt es sich um ein Forderung/Verbindlichkeiten-Paar (da ist sie wieder, die KREDITSCHNUR!), denn meiner Forderung gegenüber der Geschäftsbank steht eine exakt gleichgroße Verbindlichkeit der Geschäftsbank mir gegenüber entgegen.

Girokonten stellen als Produktfeature die Möglichkeit bereit, mit seinem Guthaben Zahlungen leisten zu können (im Gegensatz zu Sparkonten, die nur eine bankinterne Umlage auf ein Girokonto erlauben). Daher denken viele Leute wohl, Giralgeld sei Geld, da man diese Forderungen ja eintauschen oder sammeln/sparen kann. Dabei überlegen sie aber nicht, wie die Innereien des Bankensystems funktionieren.

Wenn ich als Inhaber eines Girokontos der Bank A Herrn Müller bei der Bank B für eine erbrachte Leistung „Geld überweise“ trete ich meine Geldforderung an Bank A an Herrn Müller ab, der nun aber eine Geldforderung an Bank B hat (womit B eine Forderung an A hat und A eine Verbindlichkeit gegenüber B). Und wie klären A und B dies nun unter sich? Ganz einfach: A hat ZB-Geld an B zu transferieren. Natürlich passiert dergleichen in der Praxis nicht bei jeder einzelnen Überweisung, sondern am Ende des Tages werden alle Zahlungsströme zwischen den einzelnen Banken saldiert und die betreffenden Differenzen werden mit Zentralbankgeld ausgeglichen (Cash-Clearingverfahren).

Der ganze Zahlungsverkehr zwischen Geschäftsbanken (inklusive dem Verleihen von Geld untereinander) findet in ZB-Geld statt! Die Banken brauchen also solches um ihre Geschäfte tätigen zu können. Dieses kann aber nur die Zentralbank schöpfen, keine Geschäftsbank! Die Geschäftsbanken kriegen ZB-Geld von der Zentralbank für hinterlegte Sicherheiten (bspw. Wertpapiere, Pfand) geliehen oder sie erhalten es von Kunden, die Bargeld einzahlen. Somit ist auch ein unter monetären Cranks durchaus anzufindender Irrglauben widerlegt, die Geschäftsbanken könnten Geld aus dem Nichts schöpfen und gar noch damit bezahlen. Können sie eben nicht. Sie können zwar Buchgeld schöpfen, aber eben kein ZB-Geld für den internen Bankenverkehr oder Barabhebungen von Kunden. Näheres zur Geldschöpfung in Teil drei.

Zentralbanken unterscheiden grob zwischen folgenden Geldmengen:
M0: Geldbasis
M1: M0 plus Sichteinlagen der Nichtbanken (=Giralgeld/Buchgeld)
M2: M1 plus (längere) Einlagen mit vereinbarter Laufzeit bis zu zwei Jahren und Einlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist bis zu drei Monaten
M3: M2 plus Anteile an Geldmarktfonds, Repoverbindlichkeiten, Geldmarktpapiere und Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit bis zu zwei Jahren

Die nur zu M2 und/oder M3 gehörende Bestände sind also langfristige und nicht sofort einlösbare Forderungen auf (ZB-)Geld. Wir haben also verschiedenfristige Forderungen auf Geld und das ZB-Geld selbst(M0), welches wiederum einen Anspruch auf ein Realgut als Gegenleistung darstellt. Also Forderungen auf Geld/Realgüteransprüche (denen entsprechende Verbindlichkeiten an Geld/Realgüteransprüche entgegenstehen) und das Geld/Realgüteranspruch selbst. Verschiedenfristige Kreditformen also.

August 22, 2011 - Posted by | Allgemeines, Wirtschaft | , ,

1 Kommentar »

  1. „Somit ist auch ein unter monetären Cranks durchaus anzufindender Irrglauben widerlegt, die Geschäftsbanken könnten Geld aus dem Nichts schöpfen und gar noch damit bezahlen. Können sie eben nicht. Sie können zwar Buchgeld schöpfen, aber eben kein ZB-Geld für den internen Bankenverkehr oder Barabhebungen von Kunden. Näheres zur Geldschöpfung in Teil drei.“

    Das ist zwar in der Theorie richtig, in der Praxis sieht es jedoch so aus, dass die Zentralbanken ihre Geldschöpfung an die Kreditvergabe der Geschäftsbanken ausrichten. So geht einem Anstieg von M0 ein Anstieg von M1 voraus und nicht umgekehrt wie es z.B. der Keynesianismus fälschlicherweise annimmt.

    Kommentar von Robert Michel | August 23, 2011


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