L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Verschiedenes

Von Königin Fußball, von Vizekönigen und Hofnarren.

Irgendwie scheint die Frauenfußball-WM eher eine Sache der Medien zu sein als der Leute, welche sich nur bedingt dafür zu begeistern scheinen. Ok, als jemand, der mit Sportereignissen nichts anfangen kann (und will), gehe ich dem ganzen Gedöns eh aus dem Weg – jedenfalls so gut es geht. Dennoch bleibt bei einigen der Werbesprüche aus medientheoretischer Hinsicht ein fahler Nachgeschmack: „Nie war Fußball so schön“ oder auch „Der Platz ist unser Laufsteg“ (oder auch die Playboyaktion, das Schminken auf dem Platz in den diversen Spots), zeigen auf was es bei der Vermarktung von Frauenfußball ankommt. Vorschnell könnte man sagen „Sex sells“, doch wäre das vielleicht etwas kurz gegriffen, denn als Erklärungsmuster ist es etwas dürftig und sogar entschuldigend. Im Grunde steht dahinter eine ideologische Auffassung: nur wenn Frau gut aussieht, braucht man sie zu beachten. Sportlerinnen können anscheinend nicht für sich stehen, sondern ihr Frausein nimmt den ersten Platz ein, danach erst kommen die Leistungen, keine Fußballerinnen, sondern Frauen, die sich als Fußballerinnen verkleiden. Diese Unsichtbarkeit der Frauen wird seit Jahrzehnten von Feministinnen bekämpft und kommt nun durch die Hintertürchen unter einem emanzipatorischen Deckmäntelchen (immerhin wird viel mit dem Klischee der Außenseiterinnen und Diskursbrecherinnen gespielt) wieder. Sichtbarkeit nur wegen Schönheit.

5 Jahre sind es nun, dass Gilad Shalit von der Hamas im Gazastreifen (apropos Hamas) festgehalten wird. Die EU hat zwar pflichtgemäß wieder mal blabla, aber irgendwie fehlen mir starke Worte des luxemburgischen Außenministers, genau solche, die er medienwirksam an andere richtet. (Auch interessant: The Knesset-Spreech that people like to forget, h/t.) Wobei er sich letztens in der Druckversion der parteinahen Tageszeitung sehr herumduckste (oder eben auch gerade nicht) bei der Frage, ob die EU denn nun im Herbst einen Palästinenserstaat anerkennen, u.s.w. …
Apropos Asselborn: er war bei Illner und, bei allem blabla und langweiligem Durcheinandergepolter (nein, Inhalte kamen fast nicht vor), die Runde forderte eine „unabhängige Rating-Agentur“. Wunderbar, diese unabhängige Rating-Agentur hätte bestimmt Griechenland immer mit AAA bewertet.

Anderes Thema, gleiche Baustelle: Noam Chomsky, respektierter Linguist, aber politischer Schmarrnproduzierer hat eine schöne Definition von Anarchismus geliefert:

Anarchisten versuchen, Machtstrukturen zu erkennen. Sie verlangen, dass sich diejenigen, die Macht ausüben, rechtfertigen. Meistens gelingt diese Rechtfertigung nicht. Dann arbeiten Anarchisten daran, die Strukturen zu enttarnen und sie zu überwinden – ganz egal, ob es sich um patriarchalische Familien, um ein mafiöses internationales System oder um die privaten Tyranneien der Wirtschaft, also die der Unternehmen, handelt.

Oder, Herr Chomsky, wenn es sich um Verschwörungstheorien oder platten Israelhass handelt. Oder noch besser, die herrschende Struktur innerhalb Ihrer Definition von Anarchismus?

Auch schön dieses laaange Gespräch voller Plattitüden und Allgemeinplätzen. Precht und Hessel werden im Eingangstext allen Ernstes als „zwei Rebellen“ vorgestellt. Interessant. Ok, Precht bringt sowas wie ein bisschen Philosophie ins Bücherregal gelangweilter Spiegelbestsellerlistennachkäufer, auch wenn sein Interviewgerede manchmal haarscharf an dem Ruf nach einer starrrken Führungspersönlichkeit vorbeischrammt. Hessel hingegen bleibt mir ein Rätsel. Ich habe sein „Indignez vous!“ gelesen und da ist nichts drin, was mich ansprach, ein Klischee reiht sich ans nächste, ja, empörend, dass die Leute das gut finden. Aber es ist wohl auch da wie so oft, man findet die am besten, die dem eigenen Sesselchen am nächsten stehen und deren Fürze wie die eigenen duften. Aber schön, dass dieses 08/15-Geschwätz als rebellisch gilt. Wobei man wieder bei der Beobachtung ist, dass man sich selbst immer in die Rolle des Davids setzt um dem übermächtigen Goliath (so imaginär der auch sein mag) ans Bein zu pinkeln. Und wem dieser Vergleich zu israelisch klingt, kann sich „empören“ und sich meinetwegen in der Rolle Luke Skywalkers gegen das dunkle Imperium wähnen. May the force… ach, vergesst es!

MUSIK!!

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Juni 26, 2011 - Posted by | Allgemeines, Kurioses, Lesestoff | , ,

5 Kommentare »

  1. Hier die Position der EMMA dazu:
    http://www.emma.de/ressorts/artikel/sport/hoch-hinaus/

    Und hier ein Artikel der Exiliranerin Saba Farzan (FDP):
    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article13449885/Die-Frauen-WM-ein-Steilpass-fuer-die-Integration.html

    Hier ein heftig frauenfeindlicher Beitrag des ASS zum Frauenfussball in den 70ern:

    Kommentar von CK | Juni 26, 2011

  2. @CK:

    Köstliches Video! Heute wäre der Moderator wohl seinen Job los, denn die leise Lächerlichkeit des Frauenfußballs offenzulegen ist circa so wie „Autobahn“. Geht gar nicht …

    „Der Comment darf nicht verulkt werden“.

    Emma-Artikel, Tagungen des Allunionssowjets oder Ermittlungen des Inquisitionstribunals — just name it — mußten und müssen sich mit totaler — nein: totalitärer ! — Ernsthaftigkeit wappnen, damit niemand merkt, daß die KaiserInnen keine Kleider anhaben. Aber irgendwann sieht ja jedes Kind, daß sie nackt sind … und irgendwann spricht dies auch eines aus. Warum nicht JETZT ?

    Kommentar von LePenseur | Juni 28, 2011

  3. @LePenseur: Naja lächerlich würde ich den heutigen Frauenfussball (jedenfalls den, den die Topteams wie eben Deutschland bieten) nicht unbedingt nennen, technisch und taktisch sind die gar nicht mal so schlecht, es mangelt halt an athletischer Spritzigkeit und Kampfgeist. Mir fehlen als langjährigem Fussballfan einfach echte Zweikämpfe, eben der gesunde Schuß (männlicher) Agressivität.

    Von mir aus dürfen Frauen aber durchaus Fussball spielen (ich zappe selbst gerne mal rein, jedenfalls jetzt in der sonst fussball-losen Zeit), aber vom weiblichen Körperbau her sind wohl in der Tat andere Sportarten geeigneter. Vor allem Eiskunstlauf, Tanzen, Schwimmen, Leichtathletik und Turnen.

    Kommentar von CK | Juni 29, 2011

  4. Von einem männlichen Bekannten als Antwort bekommen: „warum frauen den besseren fussball spielen: das teamspiel. männer spielen nicht ab sondern wollen nur alleine das tor schießen (quasi beweisen, dass sie den größten haben). das führt dazu dass sie ziemlich schnell den ball abgenommen bekommen und dann geht das spiel von der anderen seite los – also zumeist eher ein langweiliges herumgebolze. beim frauenfussball habe ich zum erstenmal das gefühl: ich beobachte ein spiel und nicht männer beim schwanzvergleich“

    😀 😀 😀

    Dafür hat eine weibliche Bekannte mir aber geschrieben, Frauenfussball sei langweilig und sehe aus wie Nordic Walking, nur ohne Gehstock 😉

    Kommentar von CK | Juli 1, 2011


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