L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Sie säen Inflation, wir ernten Teuerung

Recht hat er schon, wenn der Zentralbankchef vor der Inflation warnt. Die Folgen von Inflation sind verheerend. Diese Folgen werden noch zusätzlich verstärkt, wenn eine Volkswirtschaft, wie in unserem Falle, eine automatische Anpassung von Löhnen und Gehältern an die Preisentwicklung als „soziale Errungenschaft“ feiert und sein Eigen nennt.


Das leidige Tabuthema Indexanpassung soll diesmal hier nicht behandelt werden, ich möchte mich derzeit eigentlich mit den Vorstufen beschäftigen.

Das Erstaunlichste bei den Aussagen des Zentralbankchefs ist, dass sie von ihm kommen, der Brandstifter warnt vor den Folgen des Feuers während er mit seinen Helfershelfern aus Politik und Bankwesen munter weitere Brandverstärker platziert. Die Meinungsmacher, unterstützt von Mainstream-Ökonomen lassen den braven Bürger glauben, Inflation sei ein von externen Einflüssen ausgelöstes Phänomen, ähnlich einer Naturkatastrophe, die von niemandem gemacht oder gewollt ist, während Politik und Zentralbank ihr Bestes geben würden um dagegen anzukämpfen.

Die Lage lässt mich an die Einwohner von Esch-Sauer denken. Die Staumauer ist gebrochen, sie starren gebannt in Richtung Staumauer und fragen sich verängstigt, ob da wirklich Wasser kommen wird.

Konkret: Die Inflation ist da, sie wird durch vermeintliche Rettungsaktionen verstärkt und die Folgen sind unabwendbar. Wieso?

Aus ökonomischer Sicht ist Inflation das Ansteigen der Geldmenge in der Volkswirtschaft. Das Ansteigen der Preise auf breiter Front ist hingegen nur ein mögliches Symptom der Geldmengenausweitung. Dass man heute steigende Preise Inflation nennt, ist eine sprachliche Verluderung, die von der Ursache der Preisinflation ablenkt und wohl auch ablenken soll. Frühere Ökonomen nannten steigende Güterpreise Teuerung oder Preisinflation, sie unterschieden zwischen Ursache, die Aufblähung (latein: inflatio) der Geldmenge und den Folgen, Teuerung oder Preisinflation. Die Ursache der Preisinflation ist die Geldmengenvermehrung durch die Notenbanken und die kreditgebenden Geschäftsbanken, sie ist politisch initiiert und motiviert.

In seinem Buch „Geldsozialismus“ beschreibt Roland Baader den empirischen Zusammenhang. Die Preisinflation folgt der Inflation erfahrungsgemäß und in „normalen“ Zeiten mit einer Verzögerung von rund einem Jahr. Obwohl viele Ökonomen, darunter auch ein Studienkollege und heutiger Zentralbankdirektor unbegreiflicherweise behaupten, es bestehe zwischen Geldmengenzuwachs und Teuerung seit einigen Jahren kaum noch eine Verbindung, beträgt die Korrelation zwischen beiden Größen, gemäß Studie des Instituts für Wirtschaft in Deutschland, fast exakt eins zu eins. Das heißt, einer Geldmengenvermehrung von bspw. zehn Prozent folgt im Abstand von rund einem Jahr eine Erhöhung des durchschnittlichen Preisniveaus von zehn Prozent. Dabei erhöhen sich natürlich nicht alle Preise gleichmäßig . Einige Güter- oder Dienstleistungspreise können sogar sinken oder aber um ein Vielfaches des Durchschnitts steigen. Im statistischen Durchschnitt ergibt sich jedoch in der beobachteten Realität ein annähernder Gleichschritt.

Ein Grund, weshalb viele Ökonomen auf die Idee kommen, es gäbe keinen Zusammenhang mehr zwischen Geldmengenaufblähung und Teuerung, ist wohl bei dem Phänomen zu suchen, dass die Exporte der aufstrebenden Volkswirtschaften und ganz generell die Globalisierung in den letzten 15- 20 Jahren für starken Preisdruck (Verbilligung vieler Güterpreise) gesorgt haben. Die Geldfluten ergossen sich statt in die Gütermärkte in die Märkte für Vermögensgüter (asset inflation). Beides, die verstärkte Preisinflation auf der Güterseite (die Preise sind mäßig gestiegen obschon sie hätten drastisch fallen müssen) und die offene Preisinflation bei den Vermögenswerten (die sogenannten Blasen, wie z.B. bei den Immobilien) ist diesen Ökonomen wohl nicht aufgefallen.

In Hyperinflationszeiten verändert sich die Korrelation zwischen Geldmenge und Preisniveau dramatisch. Betrachten wir die deutsche Hyperinflation der 20er Jahre: Von 1914 bis 1918 war die Geldmenge im Deutschen Reich um 340% gestiegen, während die Preise „nur“ um 139% zulegten. Auch von November 1918 bis Juli 1919 hinkten die Preise den Geldmengen hinterher. Von August 1919 bis Februar 1920 holten die Preise dann auf und kletterten um 185%, die Geldmenge nur um 33%. Von August 1921 bis Juli 1922 explodierten die Preise um 635% während die Geldmenge um 149% stieg.

Schon Henry Hazlitt hatte mit Blick auf die Grosse Depression der 30er Jahre festgestellt, dass die Preise in den frühen Phasen der Inflation weniger stark als die Geldmengen steigen, weil die Leute noch an stabile Kaufkraft glauben. Diese Erwartungen ändern sich jedoch, sobald die Preisinflation über einen bestimmten Punkt hinausgeht. Sollte man aus den aktuellen Eckdaten der währungspolitischen Entwicklung herauslesen müssen, dass wir auf dem Weg in eine Hyperinflation sind ?

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April 2, 2011 - Posted by | Klassischer Liberalismus, Kolumne im Journal, Wirtschaft | ,

2 Kommentare »

  1. […] L for Liberty: Sie säen Inflation, wir ernten Teuerung […]

    Pingback von Kleine Presseschau vom 4. April 2011 | Die Börsenblogger | April 4, 2011

  2. Holà,

    …wäert nach eng Kéier (e bëssi méi détailléiert op de Sujeet „Sie s(p)ä(h)en Infla…“ zréckkommen)… entre-temps…als Appetizer, hei ee Vid vun énger Bekanntschaft (an ee graad esou groussen Montaigne-Fan ewéi de „Pancho“)…

    Hasta
    Pancho

    P.S.: Kerry-Ketchup oder Sebes-Waasser?… à vous le choix…

    Kommentar von Pancho | April 13, 2011


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