L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Liberale und Staatsbeamte(2)

Ich hoffe, unseren Lesern ist es bereits nach dem ersten Teil klargeworden: es geht mir von jeher um vernünftige Systemkritik, nicht darum, einzelne Menschen an den Pranger zu stellen, zumal genug Menschen im öffentlichen Sektor gute Arbeit leisten und dies auch in einem privaten Verhältnis zu tun imstande wären, was ihre privilegierte Stellung heute allerdings trotzdem nicht rechtfertigt. Jedoch sollten gerade wir Liberale niemandem einen Strick daraus drehen, dass er sich für einen sicheren Arbeitsplatz beim Staat entscheidet. Er folgt nunmal ganz einfach der gerade von uns oft beschworenen „Marktlogik“. Wohl aber sollten wir den heutigen, verkrüppelten Rumpf“markt“ mit seinen falschen Anreizen kritisieren.

Ich will mehr Freiheit für jeden Bürger und deshalb wehre ich mich gegen den heutigen Status Quo und kämpfe für eine Entstaatlichung. Nicht weil ich Staatsbeamte und -angestellte persönlich nicht leiden kann. Jedoch würden im Falle einer kompletten Refomierung des öffentlichen Sektors bedeutende Veränderungen auf Letztere zukommen.


Gehälter wie auch Preise würden im Falle von Privatisierungen und Entmonopolisierungen aufgrund der Konkurrenzsituation natürlich sinken. Die Wenigsten würden so viel verdienen wie heute. Doch Wettbewerb ist gut und wichtig für eine effiziente Allokation der ökonomischen Ressourcen, fürs internationale Ranking, für Innovation und Fortschritt. Eine komplette Entfesselung des Luxemburger Marktes könnte vielleicht sogar zur Vollbeschäftigung führen. Viele reine Umverteilungsposten würden ganz wegfallen, diese Menschen wären frei für kreativere und produktivere Tätigkeiten. Sozialhilfe gäbe es zwar auch weiterhin, vor allem für Unmündige, aber viel weniger als früher. Mehr Menschen würden auf ihren eigenen Beinen stehen (können) und für schlimmere Armutsfälle, ob im In- oder Ausland, gäbe es immer noch private Wohfahrtsorganisationen.

Natürlich wird der einzelne Beamte Angst vor diesen Veränderungen haben. Er wird seine Privilegien verlieren. Doch genauso verlieren alle anderen Beamten ihre. Unter dem Strich mag er sogar gewinnen, denn so sehr er auch bisher von den eigenen Privilegien profitiert haben mag, so litt auch er unter denen aller Anderen.

Wollen nicht auch die Staatsdiener selbst mehr Freiheit? Wollen nicht auch sie selber autonom über die Planung ihrer Altersvorsorge bestimmen dürfen? Wollen nicht auch sie ihre eigene Krankenkasse wählen dürfen? Wollen nicht auch sie allein mit ihrem Arzt besprechen dürfen, welche Medikamente sie nehmen sollen? Wollen nicht auch sie selber bestimmen, welche Substanzen sie ihrem eigenen Körper zufügen? Wollen nicht auch sie, dass viele künstlich hoch gehaltenen Preise endlich fallen? Wollen nicht auch sie mehr Bildungsfreiheit für ihre Kinder? Wollen nicht auch sie ihre Gehälter und Urlaubstage selber aushandeln? Ich finde auf jeden Fall, dass auch sie Freiheit verdient haben und dies eine Vision für sie sein sollte und ich versuche oft welche davon zu überzeugen.

Liberale wollen einen Staat, der sich auf seine Kernaufgaben besinnt und kein Big Government, welches unser ganzes Leben durchreguliert und uns bevormundet. Wir wollen keinen Babysitterstaat, keinen Subventions- und Wohlfahrtsstaat, keinen Überwachungsstaat, kein Bürokratiemonster. Wir wollen den starken und schlanken Staat, der unsere Rechte schützt und unsere Freiheit sichert, uns ansonsten aber in Ruhe unser Leben lässt. Der Staat ist nicht der Befehlsgeber, sondern der Diener seiner Bürger.

Dieser Staat sollte so effizient wie möglich arbeiten. Dies erfordert eine komplette Reformierung des Staates. Der interne Kommunismus müsste durch ein meritokratisches System ersetzt werden, statt automatischen Gehältersteigerungen müssten solche an Mehreinnahmen gekoppelt werden, so dass ein Anreiz besteht, die Wirtschaft florieren zu lassen. Manche Tätigkeiten werden an Private geoutsourced werden. Steuern müssten durch zweckgebundene Gebühren weitestgehend ersetzt werden. Der Beamtenstatus gehört komplett abgeschafft und durch normale Arbeitsverträge ersetzt.

Natürlich geht dies alles nicht von heute auf morgen, sondern nur sukzessive in kleinen Schritten. Ein erster Schritt wäre beispielsweise, das ganze „Cumul“-System abzuschaffen. Hierbei handelt es sich um Sondergelder für gewisse Tätigkeiten wie das Aufstellen von staatsinternen Examsprüfungen oder das Geben von Kursen am INAP. Da dererlei Tätigkeiten während der normalen Arbeitszeit stattfinden, sollten sie als normaler Teil des Jobs angesehen werden, für den man bereits ein Gehalt erhält. Dort wären etliche Einsparungen möglich.

Ich weiß sehr gut, dass auch Staatsdiener hier mitlesen und manche äussern sich bereits überraschend positiv über unseren Blog. Darauf sollte aufgebaut werden, da es keine Veränderungen in Luxemburg ohne eine weite Zustimmung auch der Staatsdiener geben kann. Das ist eine Tatsache. Sie stellen eine zu große Gruppe der Wahlberechtigten da um sie links liegen zu lassen und nur im Privatsektor nach Unterstützung zu suchen.

Eine echte liberale Partei, sollte sie sich denn mal formieren, müsste diese Überlegungen meinerseits unbedingt berücksichtigen. Der Wahlkampf dürfte nicht zu einem Kampf zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor ausarten, sondern müsste die Freiheit ALLER Individuen in den Vordergrund stellen.

Um Erfolg zu haben, müsste der Luxemburger Traum eines sicheren Arbeitsplatzes auf Lebenszeit jedoch dem mit allmöglichen Risiken verknüpften amerikanischen Traum auf Selbsteinfaltung weichen. Dafür braucht es eine kulturelle Veränderung. Eine Revolution im Denken. Doch diese ist möglich. Auch bei Vertretern des Staates.

Advertisements

November 28, 2010 - Posted by | Klassischer Liberalismus, Luxemburg, Wirtschaft |

14 Kommentare »

  1. >>Um Erfolg zu haben, müsste der Luxemburger Traum eines sicheren Arbeitsplatzes auf Lebenszeit jedoch dem mit allmöglichen Risiken verknüpften amerikanischen Traum auf Selbsteinfaltung weichen. Dafür braucht es eine kulturelle Veränderung. Eine Revolution im Denken. Doch diese ist möglich. Auch bei Vertretern des Staates.

    Das ist das Kernproblem. Du schreibst zwar schon an anderer Stelle, dass Reformen nur sukzessive durchgeführt werden können, um nicht zu verschrecken. Aber wenn man den „luxemburger Traum“ von Sicherheit dem „american Dream“ von Freiheit gegenüber stellt, dann wird es schwierig zu vermitteln. Gegenwärtig gibt es ein System, in dem Kapitalismus und staatliche Intervention stark miteinander verknüpft sind. Eigentlich in den meisten Staaten, sogar in den USA. Das ist so, weil die Menschen dem Versprechen absoluter Freiheit nicht vertrauen, sondern schon ein gutes Maß an Sicherheit wünschen.

    Ich denke allerdings auch, dass man bestimmte staatliche Lenkungen und Subventionen abbauen kann, wenn diese eine Mehrheit plausibel gemacht werden können. Eine kulturelle Veränderung wäre dies in gewissem Maße, mehr eine atmosphärische Veränderung allerdings als ein „Revolution im Denken“. Ich habe arge Zweifel, dass die Menschen auf Dauer die vollkommene Freiheit wollen. Das Sicherheitsbedürfnis tritt immer wieder zu Tage. Daher schätze ich, dass es niemals eine vollkommen freie Gesellschaft – sei es Anarchismus oder auch nur Minarchismus – geben wird.

    Als Libertärer kann man aber durchaus darauf hinwirken, dass das größtmögliche Maß an Freiheit realisiert werden kann, das die Menschen sich selbst zuzumuten bereit sind!

    Aber wer weiß, vielleicht ändern sich die Menschen doch noch eines Tages und sind zur liberalen Revolution bereit… Ich glaube allerdings nicht an eine Revolution irgendeiner Art.

    Kommentar von Christian Rode | November 28, 2010

  2. Die meisten Menschen opfern gerne etwas Freiheit für mehr Sicherheit.

    Die meisten Menschen bevorzugen es sich nicht dauernd Gedanken über ihren Arbeitsplatz und das damit verbundene Einkommen (welches sie für sich und ihre Familien brauchen) machen zu müssen. Die wenigsten Menschen empfinden Sorgen oder Risiko als etwas Positives. Das ist nun einmal so.

    Wenn sie also die Möglichkeit haben sich abzusichern so tun sie es. Und wer kann es ihnen verdenken oder zum Vorwurf machen?

    Kommentar von Grommel | November 28, 2010

  3. @CK:

    Da ich vor langer Zeit selbst auch mal Staatsbeamter war (allerdings nach wenigen Jahren schreiend davonrannte und mich selbständig machte!), kann ich die Stoßrichtung Ihres Artikels durchaus verstehen. Ich kenne allerdings die Mentalität meiner Ex-Kollegen: die wollen einfach nicht „mehr Freiheit“! Das ist Illusion — wollten sie die, wären sie nicht Beamte geworden.

    Das sind (bis auf homöopatisch wenige Ausnahmen) Herdenwesen, die am liebsten nach Anleitung durch eine Ministerialverordnung, eine Weisung des Vorgesetzten, oder ein Entscheidungsmuster in ähnlich gelagerten Fällen arbeiten. Das schont das Gehirn (für den Stammtisch oder den abendlichen Kunstgenuß — je nach Niveau) und entlastet die Nerven.

    … manche äussern sich bereits überraschend positiv …

    Da haben Sie offenbar die obzit. „homöopatisch wenigen Ausnahmen“ als Leser Ihres Blogs gewonnen. Gratulation! Nur hoffen Sie besser nicht, daß es noch viel mehr werden …

    Kommentar von LePenseur | November 28, 2010

  4. @Grommel: Wer Freiheit für die Sicherheit opfert, wird am Ende beides verlieren. Aber natürlich muss die Freiheit selbst auch irgendwie gesichert werden, da muss man halt schauen wie man da einen Kompromiss findet. Was die Wirtschaft angeht, bin ich dafür dass dort soviel wie möglich Freiheit gegeben ist. Soziale Absicherung habe ich zwar auch nichts dagegen, nur sollte diese weitestgehend von den Bürgern selbst organisiert werden. Individuell oder auch über Gewerkschaften oder sonstwie. Im übrigen spricht ja nichts dagegen, dass es in einer florierenden Luxemburger Wirtschaft sehr viele sichere Arbeitsplätze gäbe, zumal eine freie Wirtschaft eine äusserst stabile Wirtschaft ist, in der es zwar vorübergehend Arbeitslosigkeit aufgrund von Strukturveränderungen geben kann, aber mehr auch nicht. Es gäbe niemals eine so hohe, problematische Langzeitarbeitslosigkeit wie heute in Deutschland, weil die ist grösstenteils definitiv vom Staat verursacht (die Migrations- und Integrationspolitik zähle ich da dazu). Und dass es nicht darum geht, irgendwem irgendetwas zu verdenken, schrieb ich ja bereits selbst. Nur denke ich eben manchmal, es muss einfach mehr geben in Luxemburg. Mein Bruder verlässt unser Land nun nach Singapur, den kotzt die ganze Beamtenmentalität hier nur noch an.

    @CR: Vollkommen einverstanden. Ich hoffe auch gar nicht auf eine politische Revolution, weil die gehen immer mit Gewalt und Chaos einher. Ich wünsche mir eine Veränderung im Denken und für den Anfang mal kleine Schritte in die richtige Richtung.

    @LePenseur: Mein alter Freund, wir haben uns ja ewig nicht mehr geschrieben, lassen Sie sich mal wieder blicken. Schön, schon allein aus Erinnerung an die gemeinsamen alten Tage früher bei paxx, als wir unzählige Diskussionen über die Freiheit führten, wobei Sie und ich stets den Realoflügel verkörperten gegenüber den Anarcho-Libertären, Sie freilich noch ein wenig konservativer als ich.

    Dass Sie hier auftauchen, überrascht mich aber ein wenig. Lesen Sie hier schon länger mit oder hat ihnen Manfred ein an Sie gerichtetes Posting weitergeleitet? Ich wollte mich mal wieder bei Ihnen melden, aber ich hab dort keine Schreibrechte und wurde daher blockiert. Danke aber für ihre Überlegungen!

    Schreiend davonlaufen kann man in der Tat leider sehr oft, wenn man mit Bürokraten in Ministerien oder Verwaltungen zu tun hat. Da sprechen Sie mir aus dem tiefsten Herzen.

    Und was die homöopathisch wenigen Ausnahmen angeht, nur ein kleines Beispiel: ein sehr guter Freund von mir, der Grundschullehrer ist, aber den die egalitaristische Politik des Schulministeriums immer mehr ankotzt, will nun sogar Atlas Shrugged lesen und wünscht sich mehr Bildungsfreiheit. Dazu muss man wissen, dass besagte Lehrer sehr viel bei uns verdienen (da ist selbst unser Grommel schnell da um Angriffe auf die Lehrer zu starten.) Diese würden sicher auf einem echten Bildungsmarkt mehrheitlich so einiges weniger verdienen, aber der Freund träumt längst von einer Schule nach eigenen Vorstellungen. Es geht eben nicht nur um Sicherheit oder Geld. Definitiv nicht. Er wurde Lehrer, weil er Kinder bilden will und erschreckt heute über den Wahn der Politiker.

    Kommentar von CK | November 28, 2010

  5. @CK:

    Ich tauche hier eigentlich per Zufall auf, da ich nicht wußte, daß Sie diesen Blog betreiben, und ihn nur auf der Blogroll von antibuerokratieteam.net fand, welches ich nach Monaten (wenn nicht Jahren) wieder mal ansteuerte …

    Sie können bei mir übrigens wieder ohne großartige Probleme posten. Ich hatte die Zugangsberechtigung nur wegen eines Spinners, der meinen Blog mit sedisvakantistischem*) Blödsinn zumüllte, so streng eingestellt. Jetzt ist er wieder ganz normal zugänglich.

    ——

    *) Sie wissen: die Leute, die glauben, daß es seit (meist) Pius XII oder (seltener) Johannes XXIII keinen „richtigen Papast mehr gibt, und daher der Heilige Stuhl vakant ist.

    Kommentar von LePenseur | November 29, 2010

  6. „richtigen Papst“ sollte es in der Fußnote natürlich heißen, sorry …

    Kommentar von LePenseur | November 29, 2010

  7. @LePenseur: Gut zu wissen. Aber ich meinte egtl. dass ich bei Manfred gesperrt bin und Sie dort fragen wollte, ob Sie Utilitarist seien. Ich hielt Sie nämlich bisher für einen (christlichen) Naturrechtler.

    Kommentar von CK | November 29, 2010

  8. @CK:

    Nun, off topic — aber es ist ja Ihre Blog, also dürfen Sie sich nicht beschweren 😉 — gesagt: letztlich bin ich sicher immer noch Naturrechtler, da mich auch noch so nachdrückliche Aufforderunge von Atheistenseite, doch endlich einzugestehen, daß auch eine völlig diesseitige Ethik möglich sei, nicht über die Schwierigkeit hinwegbrachten, daß eine solche zwar möglich sein mag — aber halt nicht verbindlich. Und eine unverbindliche Ethik ist halt circa so nützlich wie eine unverbindliche Straßenverkehrsordnung. In meinen Augen nämlich: überhaupt nicht.

    Ich weiß, daß jetzt alle Argumente, die ich schon kenne, wieder hochgekocht werden. Dennoch: ohne wirksame (!) Sanktionsmöglichkeit spätestens im Todeszeitpunkt, ist jedes ethische Gebäude letztlich vom Einsturz bedroht.

    Alle Ethik gibt uns auf die Fragen warum wir dies tun und jenes lassen sollen, letztlich nur eine Antwort: weil es eben gut ist, so zu handeln. Nur eine Frage beantwortet sie uns nicht: warum wir gut sein sollen (wiewohl dies doch nachweislich mit erheblichen Problemen verbunden sein kann, die man vermeidet, indem man weniger gut handelt). Die Antwort darauf kann nur jenseits unseres Horizonts liegen. Ob man dieses „jenseits“ nun „Gott“ nennt (was ich bevorzuge), oder „Karma“, oder wie auch immer — eines ist klar: es ist ein „jenseits“ unseres Seins, und damit auch ein „jenseits“ bloßer Utilitarität.

    Kommentar von LePenseur | November 29, 2010

  9. das führt „etwas“ vom Thema ab…

    >>eine unverbindliche Ethik ist halt circa so nützlich wie eine unverbindliche Straßenverkehrsordnung

    Wie aber soll irgendeine Ethik so verbindlich sein wie eine Straßenverkehrsordnung? Dies geht ja nur, wenn man Verstöße gegen sie, wie es bei der Straßenverkehrsordnung der Fall ist, bestrafen kann. Die andere Variante wäre, wenn alle (!) Menschen von innen heraus Anhänger einer Ethik wären. Dann wäre diese auch für alle verbindlich. Beide Möglichkeiten haben einen Haken: so funktioniert Ethik nicht.

    >>Nur eine Frage beantwortet sie uns nicht: warum wir gut sein sollen

    Jede Ethik hat die Aufgabe, das Zusammenleben der Menschen von innen her zu regeln. Daher sollte die Antwort stets sein: wir sollen gut zueinander sein, weil wir dann besser miteinander auskommen und in Frieden leben können. Schön wäre eine Welt, die allein auf einer gemeinsamen Ethik funktionieren würde. Obwohl… wäre sie wirklich schön?

    Es sollte einfach gewisse Grundprinzipien geben, die jeder Mensch und jeder Staat freiwillig achten sollte, nämlich die Menschenrechte. Wenn dies nicht klappt, muss natürlich das Gesetz her. Aber irgendwelche positiven ethischen Bestimmungen, was ein Mensch unbedingt tun sollte, halte ich für sehr beliebig und im Sinne einer allgemeinen Ethik nicht umsetzbar.

    Über Antworten die „jenseits unseres Horizontes“ liegen, kann ich spekulieren, aber darüber nichts aussagen. Wenn ich es doch tue, wüsste ich nicht, wie ich diese Spekulationen rechtfertigen sollte. Daraus entsteht keine allgemeine Ethik, sondern leider nur ein dogmatisches Glaubenssystem, in Konkurrenz zu anderen dogmatischen Glaubenssystemen.

    Zum Thema Utilarität weiß ich leider nichts beizutragen.

    Kommentar von Christian Rode | November 29, 2010

  10. @LePenseur:

    Die Menschen sollen gut sein weil es a. sich gut anfühlt und b. es ihre Überlebenschancen erhört (ich helfe dir, dann hilfst du mir; ich betrüg dich nicht, dann betrügst du mich nicht).

    Ein Gott ist nicht nötig.

    Und wer nur gut ist weil er die Strafe seines Gottes fürchtet, wenn er es nicht ist, tut mir leid und muss eine schwache, frustrierte, gekränkte, verletzte Person sein …

    Kommentar von Grommel | November 29, 2010

  11. @LePenseur: Danke für Ihre Antwort. Ich hatte mich halt nur gewundert, weil ich dachte sie wollten den Utilitarismus bei Manfred verteidigen. Wobei es ja durchaus sehr sympathische Utilitarier gab. Auch Ludwig von Mises war letzendlich einer. Ich selber bin auch Naturrechtler insofern als dass der Mensch als Mensch leben sollte, also seiner Natur entsprechend.

    Ansonsten gebe ich Ihnen recht, dass die Angst vor dem jüngsten Gericht Böses in Zaum halten kann wie allerdings auch fördern, je nachdem was der Alte verlangt. 😉

    Es steht mir fern, Sie überzeugen zu wollen, aber mein Kompass als Sympathisant des Objektivismus ist das eigene Leben. 🙂
    Aber jedem das Seine.

    Kommentar von CK | November 29, 2010

  12. @Grommel:
    In Ihre Antwort schmuggeln Sie (vermutlich unbewußt) ein „nur“ hinein, das bei mir nicht steht.

    Und wer nur gut ist weil er die Strafe seines Gottes fürchtet, wenn er es nicht ist …

    Wer nur deshalb das Gute tut, ist sicher ein armes Würschtel, ganz richtig! Aber ich rede schließlich nicht von so edlen Menschen wie z.B. Sie, die das Gute tun, weil es sich einfach gut anfühlt, gut zu sein, sondern von einer letzten Argumentationslinie, mit der ich einen nicht ganz so edlen Menschen (z.B. mich) davon abhalte, auf Ihr gutes-Anfühl-Gefühl mit einem schnöden „Darauf lasse ich aber einen. Ich mache lieber was mir gefällt!“ zu antworten.

    Das mit dem Erhöhen der Überlebenschance stimmt auch nicht, denn ich erhöhe die ja auch dadurch, daß ich den anderen Menschen gegenüber möglichst glaubwürdig so tue, als ob ich moralisch handle. Am besten fährt nämlich — das beweist jede Lebenserfahrung — der perfekte Heuchler, der immer dann, wenn ihm mit denkmöglich hoher Wahrscheinlichkeit niemand auf die Schliche kommt, nur mit Rücksicht auf sein Eigeninteresse handelt, immer dann, wenn er Zeugen hat (bzw. befürchten muß) den Moralisten raushängen läßt, und auf jeden Fall alle anderen mit großer Beredsamkeit davon zu überzeugen versteht, wie gut es sich doch anfühlt, gut zu handeln.

    Genau genommen ist letzterer, mit Verlaub, das ungleich größere und gefährlichere Arschloch, als es je eine „schwache, frustrierte, gekränkte, verletzte Person“ sein könnte, die das Böse bloß deshalb nicht tut, weil sie die Strafe Gottes fürchtet.

    Damit das jetzt nicht als unfreundliche Breitseite rüberkommt: ich sage ausdrücklich nicht, daß ich Sie für so ein Arschloch halte. Absit longe! Ich sage nur, was meiner Meinung nach das Ergebnis ist, wenn man Ihre Theorie folgerichtig zu Ende denkt.

    Doch Gott sein Dank — ebenso, wie die meiten Gläubigen wenig bis keine Ahnung haben, was und warum sie glauben (und das ist oft auch besser so!), so denken auch die Atheisten in aller Regel nicht konsequent weiter, sondern begnügen sich zumeist mit einem aufklärerisch-antiklerikalen (Res-)Sentiment, das sie sicherheitshalber nicht hinterfragen.

    Sonst müßten Sie sich entweder eingestehen, daß sie Arschlöcher sind (weil sie sich vorstehend ausgeführt verhalten), oder Idioten (weil sie einfach zu anständig dafür sind). Und das sich eingestehen zu müssen ist wiederum etwas, was sich nur selten „gut anfühlt“, glauben Sie mir …

    Kommentar von LePenseur | November 29, 2010

  13. Passend zu diesem Offtopicthema:
    https://lforliberty.wordpress.com/2009/12/28/dennis-prager/

    Kommentar von CK | November 29, 2010

  14. @LePenseur:

    sondern von einer letzten Argumentationslinie, mit der ich einen nicht ganz so edlen Menschen (z.B. mich) davon abhalte, auf Ihr gutes-Anfühl-Gefühl mit einem schnöden „Darauf lasse ich aber einen. Ich mache lieber was mir gefällt!“ zu antworten.

    Sie haben sich zurückgehalten weil es Ihnen wichtig war als gebildet und vornehm rüber zu kommen. Diese Option hat Sie sich besser fühlen lassen, deshalb haben Sie sie gewählt.

    Das mit dem Erhöhen der Überlebenschance stimmt auch nicht, denn ich erhöhe die ja auch dadurch, daß ich den anderen Menschen gegenüber möglichst glaubwürdig so tue, als ob ich moralisch handle. Am besten fährt nämlich — das beweist jede Lebenserfahrung — der perfekte Heuchler, der immer dann, wenn ihm mit denkmöglich hoher Wahrscheinlichkeit niemand auf die Schliche kommt, nur mit Rücksicht auf sein Eigeninteresse handelt, immer dann, wenn er Zeugen hat (bzw. befürchten muß) den Moralisten raushängen läßt, und auf jeden Fall alle anderen mit großer Beredsamkeit davon zu überzeugen versteht, wie gut es sich doch anfühlt, gut zu handeln.

    Das beweist jede Lebenserfahrung? Das bezweifle ich. Genau wie ich bezweifle, dass Heuchler selbst zufriedene und frohe Menschen sind. Ausserdem fliegen die meisten Heuchler über kurz oder lang auf und müssen dann mit den Konsequenzen leben. Haben Sie also Beweise dafür, dass Heuchler die grössten Überlebenschancen haben oder definieren Sie einfach Ihre eigene Meinung als Die Wahrheit?

    Genau genommen ist letzterer, mit Verlaub, das ungleich größere und gefährlichere Arschloch, als es je eine „schwache, frustrierte, gekränkte, verletzte Person“ sein könnte, die das Böse bloß deshalb nicht tut, weil sie die Strafe Gottes fürchtet.

    Natürlich ist ein Heuchler das grössere Arschloch. Aber wie wir wissen sind gerade unter den religiösen Leuten die Heuchler sehr verbreitet.

    Doch Gott sein Dank — ebenso, wie die meiten Gläubigen wenig bis keine Ahnung haben, was und warum sie glauben (und das ist oft auch besser so!), so denken auch die Atheisten in aller Regel nicht konsequent weiter, sondern begnügen sich zumeist mit einem aufklärerisch-antiklerikalen (Res-)Sentiment, das sie sicherheitshalber nicht hinterfragen.

    Wieso ist das besser so? Weil Ihr Gott die Dummen rettet und jene, die sich kritisch mit der Religion auseinander setzen und diese wegen ihrer fehlerhaften Logik und innerer Inkohärenz nicht als wahr betrachten können in die Hölle schickt?

    Generell ist die atheistische (oder agnostische) Denkweise der religiösen bei weitem vorzuziehen da sie die ehrlichere der beiden ist und viel weniger absurde Theorien krampfhaft aufrecht erhalten muss.

    Kommentar von Grommel | November 29, 2010


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: