L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Rolle rückwärts

Ich werde jetzt nicht in den Kanon der „Roche-will-nur-Aufmerksamkeit“-Rufer einstimmen, auch wenn dieser Verdacht auf der Hand liegt.

Das eigentlich Interessante dabei sind die Klischees, mit denen gespielt wird. Ich bin mir nicht sicher, ob Roche, welche sich in Interviews gerne als Feministin oder zumindest mit feministischer Erziehung als Hintergrund in Szene setzt(e), sich bewusst ist, welchem Diskurs ihre Äußerungen entspringen.

Roche präsentiert sich als Weibchen, indem sie einer regressiven männlichen Phantasie Vorschub leistet: die ständig verfügbare Frau. Auch wenn ihr Angebot jede Ernsthaftigkeit vermissen lässt und Wulff selbstverständlich nicht darauf eingehen kann, so bleibt doch das Spiel mit einer Möglichkeit (die sicherlich auch Herrn Wulff durch den männlichen Schädel ging): Anruf genügt und Hallo. Was vordergründig wirkt wie das selbstbewusste Auftreten einer Frau, die auch über ihre Sexualität offen reden kann, ist unter der trallala-girly-Fassade übelster sexistischer Unsinn aus eigentlich längst vergangen gedachten Tagen.

Atomkraft wäre Roches X-Faktor. Dieser X-Faktor ist das Ding, der das weibliche Geschlecht „rum kriegen“ lässt, der Mann müsse nur die richtigen Knöpfe drücken und die Frau ist willenlos. Natürlich ist die Existenz eines solchen X-Faktors ein ziemlicher Käse (zumal er die Autonomie der Frau als solche in Frage stellt und damit auch ihre Würde), doch spielt z.B. Werbung gerne mit solchen Codes (Deo, unwiderstehlich wie Süßes, „reizt Frauen, nicht die Haut“, Idiot mit Schokoriegel siegt über höfische Etikette, etc.). Wenn also bei der Frau die richtigen Schalter umgelegt werden, lässt sie denjenigen ran. Nun setzt Roche an diese Stelle nicht Geld, Diamanten oder Ansehen des Mannes, sondern das Ziel Atomkraft. Die Differenz zwischen den einzelnen Argumenten ist dabei recht uninteressant, denn dabei bleibt der Beiklang der Käuflichkeit, was wiederum auf die ständige Verfügbarkeit verweist, solange die Knete stimmt.

Gesteigert wird diese Macho-Vision noch durch einen Nebensatz: Klein-Lotte habe das alles mit ihrem Herrn und Meis.. Mann besprochen. Nicht nur, dass Roche männliche Phantasmen bedient, nein, sie tut dies auch noch quasi durch Absolution eines weiteren Mannes. Fünfziger Jahre reloaded unter dem rosabunten Deckmäntelchen einer harmlosen Antiatom-Provokatiönchen.

November 16, 2010 - Posted by | Kurioses | , , ,

16 Kommentare »

  1. Ich bin nicht einverstanden. Gerade wenn sich eine Frau aussuchen kann, was ihr X-Faktor ist, kann sie doch über ihre eigene Sexualität bestimmen. Und was die Absolution eines weiteren Mannes angeht: Die meisten legen nicht in einer offenen Beziehung und dann ist für solche Spielchen eine Rückfrage beim Partner notwendig, um die Beziehung nicht zu gefährden. Das geht Frauen und Männern so und hat mit 50er Jahren nichts zu tun.

    Kommentar von Robert Michel | November 16, 2010

  2. Die Roche macht das doch nur der Publicity wegen. Und weder sie noch ihr Mann haben etwas zu ‚befürchten‘: die Wahrscheinlichkeit, dass Wulff das Angebot annimmt liegt bei 0,0%.

    Kommentar von Grommel | November 16, 2010

  3. „Roche präsentiert sich als Weibchen, indem sie einer regressiven männlichen Phantasie Vorschub leistet: die ständig verfügbare Frau.“

    Merkwürdig: Da bestimmt eine Frau selbst über den Einsatz ihrer Sexualität und das ist dann prompt regressiv und sexistisch. Jetzt fehlt nur noch der Hinweis, dass auch Pornos regressiv seien, weil auch sie mit dem Klischee der ständig verfügbaren Frau spielen.

    „Wenn also bei der Frau die richtigen Schalter umgelegt werden, lässt sie denjenigen ran.“

    Tja, ist bei mir auch so: Wenn jemand meinen richtigen Schalter umlegt, lass ich den auch ran.
    Roche hat von sich aus das Angebot gemacht. Wäre Wulff auf sie zugetreten und hätte gesagt, hey mach’s mir, dann werde ich das und das tun, das wäre schon eher „regressiv“.

    Ich verstehe das ganze Problem nun wirklich nicht.

    Kommentar von Adrian | November 16, 2010

  4. Klaro ist Roches Angebot PR. Daher ist eine ernsthafte Diskussion darüber schon einen ironischen Beigeschmack. Dennoch ist es ja gerade das Spiel mit Klischees, welche die Aussage so interessant (und auf widersprüchliche Weise witzig) machen. Das signifikante an diesem (imaginierten) X-Faktor ist ja gerade, dass man sich nicht aussuchen kann, ob und wann der Schalter umgelegt wird, quasi das reflex- und roboterhafte Schwachwerden (wie in Werbung dargestellt). Dies ist der Unterschied zum von euch genannten „freiwilligen Entscheiden“. Der (phantasierte) Wulff hat den sofortigen Zugang zur (phantasierten) Roche, und sie hätte bei seinem Anruf keinerlei Möglichkeit innerhalb des von ihr geäußerten Rahmens ihre Meinung zu ändern. Und da fängt, nein, nicht das Problem, sondern das Phantasma an, welches außerhalb eines definierten Bezugrahmens, innerhalb dessen diese Codes zum eigentlichen Erleben (wie z.B. in einem klassischen Porno) gehören, nicht mehr dieselbe Gültigkeit besitzt. Doch ein solcher Bezugsrahmen fehlt hier.
    Ja, Pornos vermitteln kein reales Bild, deshalb ist dort das Regressive in der Tat zu vernehmen, doch das gehört aber zum Code, in dessen Grenzen die meisten Pornos funktionieren. Ganz ähnlich den schönen älteren Aktionfilmen: ein Mann, seine Bazooka und der auszulöschende Widerstand. Wunderbar, aber eben nur als Film/Phantasie innerhalb Grenzen, auf die man sich einlassen muss.

    Kommentar von JayJay | November 16, 2010

  5. Sorry, JayJay, aber ich glaube Du phantasierst in der Tat ein wenig zu viel in diese Geschichte hinein.
    Roche hat versucht zu provozieren, indem sie herausgestellt hat, dass Frauen Männern Sex anbieten, um etwas dafür zu bekommen. Ich verstehe allerdings weder das Provokative noch das Regressive daran, denn genau das haben Frauen doch schon immer gemacht – ohne es allerdings auszusprechen.

    Kommentar von Adrian | November 16, 2010

  6. Adrian, ich denke du legst etwas zuviel in meinen Kommentar hinein, ich finde nur diese Deutungsart interessanter als das Alles-nur-PR-Gejammer.
    Es geht weder um Roche oder Wulff (beides Medien-Comic-Figuren), noch um (reale) Frauen oder Männer, sondern einfach nur um die Bilder, welche transportiert werden und notwendigerweise interpretiert werden. Ob nun so wie ich oder anders, ist dabei fast schon nebensächlich, Hauptsache das dummdoofe Hinnehmen von übermittelten Mustern wird gebrochen.

    Kommentar von JayJay | November 16, 2010

  7. Was für Bilder werden denn transportiert? Dass Roche eine PR-geile Flachpfeife ist die ihre Pille nur nimmt, damit sie weiß, welcher Wochentag gerade ist?

    Kommentar von Adrian | November 16, 2010

  8. lol, das auch. „Feuchtgebiete“ war so ein laues Lüftchen, dass meine Meinung von Roger Willemsen schlagartig in den Keller ging, weil er so vehement Roche und das „Buch“ in den Himmel lobte. Von den Interviews des Mädels ganz zu schweigen.

    Kommentar von JayJay | November 16, 2010

  9. Bye the Way und ohne kulturkonservativ zu werden: Es zeugt wirklich von Dekadenz, dass wir uns hier eher für Roche interessieren, als für Aung San Suu Kyi, einer Frau, die wirklich etwas geleistet hat. Und ich nehme mich von dieser Kritik auch gar nicht aus.
    Aber wer kann schon über seinen Schatten springen?

    Kommentar von Adrian | November 16, 2010

  10. ‚Feuchtgebiete‘ war einfach nur peinlich und dämlich.

    Kommentar von Grommel | November 16, 2010

  11. Ich finde das deine Interpretation nicht aufgeht, denn Käuflichkeit impliziert ja gerade nicht Willenlosigkeit, sondern im Gegenteil die Fähigkeit auszuwählen und sich wenn das Angebot nicht passt sich verweigern zu können.

    Was mich etwas verwirrt ist, dass die Punkte die du kritisierst genauso von einem 50er-Jahre-Matcho kommen könnten. Auch hier war die Frau die von sich selbst aus Sex anbietet ein Feindbild.

    Kommentar von Robert Michel | November 16, 2010

  12. @Michel: Ich finde es gut, wenn Frauen von sich aus Sex anbieten (und JayJay sicher auch). (Und dass das dies ihr gutes Recht ist- und sei es für Geld-, eh klar.) Nur bitte nicht so platt.

    Man sollte als Frau (und auch als Mann natürlich) doch mehr anzubieten haben als nur seinen Körper und seine Sexualität, vor allem als Person des öffentlichen Lebens.

    Der Roche fehlt es einfach an Hirn. Früher fand ich die ja mal ganz süss und lustig (und habe mich tierisch bei ihren Interviews amüsiert), aber mittlerweile ist die Frau komplett durchgeknallt und nur noch peinlich(inklusive Aufrufen zur kriminellen Straftat des Schotterns.)

    [Ich für meinen Teil hatte gestern allerdings auch so meine schmutzigen Phantasien, ich hätte Charlotte am liebsten übers Knie gelegt und zwar im wahrsten Sinne des Wortes, aber das ist ein anderes Thema ;-)]

    Sagen wir es mal so: das Verwerfliche ist doch, dass Roche ein primitives Frauenbild transportiert. Nämlich: „Ich bin strunzdumm, ich weiß eigentlich rein gar nichts über Kernkraft, ich demonstriere aber einfach mal aus Spass dagegen mit und überhaupt, ich sehe immerhin gut dabei aus, ich kann ficken, das reicht doch vollkommen aus. Damit kriege ich was ich will.“ Roches einziges „Argument“ gegen Kernkraft ist also ihr Körper (bzw. Prostitution, Korruption). Als gäbe es keine guten echten Argumente gegen Kernkraft (wie natürlich umgekehrt auch dafür), die auch eine zumindest ein wenig in diesem Thema belesene Frau in die Debatte einbringen könnte. Haben Frauen nicht auch ein Hirn?

    @Adrian: Es zeugt wirklich von Dekadenz, dass wir uns hier eher für Roche interessieren, als für Aung San Suu Kyi.

    Stimmt. Nach Kommentaren 12:0 für Roche, unglaublich 😦

    Kommentar von CK | November 16, 2010

  13. Hi CK,
    bist du irgendwie im „Sex Business“ tätig? 😀
    ich hab jetzt schon oft genug Anspielungen lesen können, die mich sowas vermuten lassen. Mir ist das schnuppe, aber ich finde das gerade äußerst interessant. Du hattest ja auch damals einen sehr ausführlichen Artikel über Prostitution geschrieben.

    Sex Business ist vllt. übertrieben, aber aufgeschlossen scheinst zu sein

    Kommentar von Neocool | November 16, 2010

  14. @Neocool: Ich bin selber nicht im Sexbiz tätig, aber ich kenne mich mit der Thematik durchaus gut aus und bin aufgeschlossen auch diesen Menschen gegenüber. Ich durfte in meinem Leben schon PornodarstellerInnen, Dominas, Sklaven und auch SexarbeiterInnen kennenlernen. Fand das immer ganz interessant mich mit diesen Menschen auszutauschen.

    Manche Phantasien von mir (Spanking eben bspw.) sind auch durchaus echt. Aber ich bin eigentlich auf der Suche nach echter (romantischer) Liebe wie alle Sympathisanten des Objektivismus. Du sicher auch, oder? 😉

    Kommentar von CK | November 16, 2010

  15. Holà,

    …mit…oder ohne Tattoo?

    Hasta
    Pancho

    Kommentar von Pancho | November 16, 2010

  16. @Pancho: Ist mir egal. Liebe mache ich nicht an Tattoos fest. 😉

    Kommentar von CK | November 17, 2010


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