L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Liberalismus=Sozialdarwinismus?

Ein sehr häufiger Vorwurf, vor allem Linker, an den Liberalismus ist der, dass es sich hierbei um eine sozialdarwinistische Ideologie der Starken, Reichen, Mächtigen und Skrupellosen zur Ausbeutung Armer und Schwacher handeln würde. Ich werde in der Folge versuchen, dieses Missverständnis zu widerlegen.


Zunächst einmal stellt sich die Frage, was überhaupt „Sozialdarwinismus“ sein soll. Ich verstehe den Begriff so, dass er suggeriert, darwinistische Prinzipien auf das Zusammenleben der Menschen und die Gestaltung der Gesellschaft zu übertragen. Doch was sind darwinistische Prinzipien?

Wie jeder wissen sollte, war Charles Darwin der Vater der Evolutionstheorie. Jene beschreibt wie das Leben sich auf der Erde entwickelt hat, wie die verschiedenen Arten von Organismen entstanden und nach welchen Prinzipien in einer sich ständig verändernden natürlichen Umgebung eine natürliche Auslese stattfindet. Variation (die Bildung unterschiedlicher Nachkommen durch Fortpflanzung) und Selektion (durch feindliche Organismen und die Umwelt) sind dabei die Schlüsselwörter. Es gilt das „Survival of the Fittest“, der Stärkste bzw. der seiner natürlichen Umwelt am besten Angepasste überlebt und gibt seine Gene weiter, Andere werden gnadenlos von der Natur aussortiert.

In der Tat kennzeichnet die Marktwirtschaft ein vergleichbarer, evolutionärer Prozess. Unterschiedliche Unternehmen mit unterschiedlichen Produktpaletten (Variation) konkurrieren in einer sich stetig verändernden Welt um Kunden mit unterschiedlichen Präferenzen (dynamisches Umfeld) und nur, wer die Wünsche und Bedürfnisse Letzterer zu Genüge befriedigen kann, bleibt bestehen. Schlecht geführte Unternehmen oder Unternehmen mit nicht (mehr) gewünschten Produkten verschwinden vom Markt (Selektion.) Diverse Arbeitgeber werben ebenso um Arbeitnehmer mit unterschiedlichen Qualifikationen, Arbeitnehmer konkurrieren um Arbeitsplätze. Technologischer Fortschritt und andere Innovationen sorgen zudem für ständige Erneuerungen und Umwälzungen. Diese wiederum haben Einfluss auf die Gesellschaft als Ganzes, welche umgekehrt auch auf die Marktwirtschaft einwirkt. Auch soziale Institutionen, Gesetze, Normen, Traditionen und Werte sind letztendlich in ständiger Veränderung, ergo Evolution.

Der Mechanismus des Marktes entspricht dabei einem adaptiven Findungsprozess. Der Wettbewerb ermöglicht- durch unzählige „trial&error&change&improve“-Prozesse, welche gigantische Informationen unzähliger Marktakteure verarbeiten- das Auffinden möglichst optimaler Lösungen zur Allokation von Ressourcen. Jene könnte eine ignorante Planwirtschaft so niemals bereitstellen. Die ständigen, zunehmend schnelleren Veränderungen mögen manchem Angst machen (zumal dadurch auch immer wieder neue Jobs geschaffen, aber eben auch Alte abgeschafft werden), unter dem Strich jedoch profitieren wir alle meist ungemein von diesem ständigen Aussterben von Veraltetem und dem gleichzeitigen Entstehen von Neuem. Hierbei können auch Neuankömmlinge und sozial Schwache nach oben aufsteigen und Mächtige ihrerseits wieder vom Thron gestoßen werden, Eigentumsverhältnisse verändern sich. Schumpeter sprach in diesem Kontext von „Akten schöpferischer Zerstörung“.

Doch gibt es entscheidende Unterschiede zum Darwinismus in der Tierwelt. Während Tierrudel um naturgegebene Ressourcen erbarmungslos kämpfen, ist der Mensch als das „rationale Tier“ in der Lage, mittels seiner Vernunft neuen Wohlstand zu erzeugen. Der Mensch erobert nicht nur (wenngleich er dies natürlich vor allem in der Vergangenheit oft getan hat), sondern er produziert und kreiert vor allem. Diese Erkenntnis führte zur industriellen Revolution und in der Konsequenz zu dem unglaublichen Wohlstand, den heute selbst breite Massen- vor allem in der westlichen Welt, aber zunehmend auch in Asien, Südamerika und sogar Teilen Afrikas- genießen können. Wohlstand als gemeinsam zu erzeugende, dynamisch wachsende Größe, nicht mehr nur als eine Konstante, um die Kriege geführt werden (müssen). Der vernünftige Mensch, den die Aufklärung hervorbrachte, versteht, dass Wohlstand erzeugt werden muss durch friedliche Kooperation freier Menschen. Der freie Markt basiert nämlich nicht nur auf Konkurrenz zwischen Unternehmen im gleichen Marktsegment um Marktanteile, sondern auch auf die Kooperation der Menschen innerhalb eines Unternehmens sowie zwischen den Unternehmen in der Wertschöpfungskette.

Da Gewalt diesen Prozess der Wohlstandsgenerierung stört und den Mensch nicht als Menschen mit unverhandelbaren Grundrechten in einer zivilisierten Gesellschaft leben lässt, muss Gewalt geächtet und verboten werden. Einzig zum Bestrafen von Kriminellen ist sie zulässig und muss strengstens kontrolliert werden. Während in der Tierwelt Gewalt also ein entscheidender Bestandteil der darwinistischen Auslese darstellt, Rechte nicht gegeben sind und der Stärkere obsiegt, bedeutet Liberalismus Gewaltfreiheit, Frieden, Herrschaft des Rechts und Erfolg des Produktiven. Das Recht des Stärkeren wird durch die Stärke des Rechtes gebrochen. Der Mensch ist nicht mehr des Menschen Wolf oder die eine Gruppe von Menschen der Feind der anderen Gruppe, sondern Menschen begegnen sich als Menschen und arbeiten zusammen. Dies hat mit „Fressen und gefressen werden“ überhaupt nichts mehr zu tun.

Doch weiterhin stellt sich natürlich die Frage was mit den Menschen passieren wird, die auf dem Markt leider nicht gebraucht werden, weil sie keine verlangten Qualifikationen aufzuweisen haben. Und was ist mit Armen, Arbeitslosen, Kranken oder Behinderten? Werden diese als unproduktive Menschen ihrem Schicksal überlassen und müssen elendig verrecken?

Nun, es ist die Aufgabe des freien Marktes Wohlstand zu generieren. Er vermag dabei vieles, aber sicher nicht alles. Um Sozialfälle muss sich eine funktionierende Zivilgesellschaft kümmern: Familie, Freunde, Wohlfahrtsverbände, Spendenorganisationen, Vereine sowie (private) Sozialkassen und -versicherungen. Für Waisen und geistig Behinderte gibt es Sozialheime. Rein körperlich Behinderte können durchaus Arbeitsplätze in der Wirtschaft annehmen, Arbeitslose werden von (privaten) Jobcentern vermittelt oder erhalten Weiterbildungen auf dem Bildungsmarkt. Arbeitnehmerinteressen werden von Betriebsräten und Gewerkschaften vertreten, Arbeitgeber haben ihre eigenen Interessenverbände.

Die meisten Menschen werden solche Institutionen finanziell oder anderweitig unterstützen, schon allein aus Eigeninteresse, aber auch weil Menschen soziale Wesen mit der Fähigkeit zur Empathie- zumindest mit unverschuldet Notleidenden- sind. Allerdings sollte in einem freien Staat immer nur eine absolute Minorität wirklich auf Sozialhilfe angewiesen sein. Die heute vom Sozialstaat abhängige Masse könnte zu einem großen Teil wohl längst auf eigenen Füssen stehen, würde man sie denn lassen.

Ein weiterer, beliebter Kritikpunkt an der Marktwirtschaft ist der, dass dicke Bosse mit viel Marktmacht ihre Arbeitnehmer drangsalieren und ausspionieren oder ihre Kunden mit zu hohen Preisen „ausbeuten“ könnten.

Doch werden die Arbeitnehmer sich wehren und gegebenenfalls eigene Unternehmen aufmachen oder zu Konkurrenz wechseln. Zudem müsste ein funktionierender Rechtsstaat die Individualrechte der Arbeitnehmer vor einem skrupellosen Arbeitgeber schützen ebenso wie umgekehrt. Eine solche Nachtwächterfunktion ist eine durchaus wünschenswerte Staatsfunktion, die den freien (i.S.v. zwang- und gewaltfreien) Markt überhaupt erst ermöglicht. Im Normalfall haben aber beide Seiten eh kein Interesse daran sich gegenseitig zu schaden, da sie aufeinander angewiesen sind.

Wenn die Preise zu hoch sind, können Konkurrenten diese unterbieten. Es sei denn, ein (u.U. gar staatlich geschütztes) Kartell würde dies verhindern. Dies mag auf dem Luxemburger Immobilienmarkt eventuell der Fall sein. Dies wäre jedoch gerade ein liberales Argument für mehr statt weniger Markt und für eine bessere Trennung von Staat und Wirtschaft.

Siehe auch:
The Power of the Poor
Objectivist Answers: What is Social Darwinism?
Alain Cohen-Dumouchel (Gauche libérale) – Le libéralisme c’est le renard libre dans le poulailler libre

P.S. Gauche Libérale bietet überhaupt in französischer Sprache eine sehr gelungene und absolut lesenswerte Auseinandersetzung mit anti-liberalen Mythen an.

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November 8, 2010 - Posted by | Kapitalismus, Klassischer Liberalismus | , , , , , , ,

19 Kommentare »

  1. Die Frage stellt sich allerdings, was man unter Sozialdarwinismus überhaupt versteht. Der Begriff ist seit dem Nazi-Regime ja wohl eher ein polemischer Begriff, keine Selbstbezeichnung irgendeiner politischen Gruppierung. Wenn man also den Liberalismus „Sozialdarwinismus“ vorwirft, wirft man ihm eigentlich eine angebliche Nähe zu den „Rassenkampf“-Theorien Hitlers vor, wobei der genuin „darwinistische“ Gehalt dieser Theorien doch eigentlich nicht sehr groß ist. Hingegen hat Engels bekanntlich anlässlich der Grabrede von Marx gerade diesen als eine Art „Sozialdarwinist“ charakterisiert: „Wie Darwin das Gesetz der Entwicklung der organischen Natur, so entdeckte Marx das Entwicklungsgesetz der menschlichen Geschichte.“ Alan Posener hat daraus Marx als „ersten Sozialdarwinisten“ abgeleitet ( http://www.welt.de/kultur/article1777974/Was_wirklich_von_Karl_Marx_uebrig_bleibt.html ). Meistens wird jedoch der eher libertär eingestellte Soziologe Herbert Spencer als Begründer des Sozialdarwinismus dargestellt, obwohl er, wenn überhaupt, eher einen „Soziallamarckismus“ vertreten hat (ähnlich hat übrigens Vincent Valentin den evolutionären Liberalismus von Hayek als „kulturellen Lamarckismus“ gekennzeichnet) – siehe rezent zu Spencer: http://mises.org/daily/4779 .
    Übrigens war einer der ersten, der den Begriff geprägt hat, ein französischer Anarchist, Emile Gautier der 1880 in der Broschüre „Le darwinisme social“ gleich zwischen zwei Sozialdarwinismen unterscheidet: einer negativen „Macht schafft Recht“/“Fressen oder gefressen werden“-Lesart und einer positiven, libertären Anwendung Darwins auf das gesellschaftliche Zusammenleben, die insbesondere (ähnlich wie später Kropotkin) die freiwillige Kooperation als Mittel zur Selbstbehauptung und Existenzsicherung des Menschen hervorhebt (vergleiche http://www.jstor.org/pss/1878388 ).

    Kommentar von nestor | November 8, 2010

  2. @nestor: Nein, man wirft dem Liberalismus damit normalerweise „nur“ vor, dass die Starken und Produktiven überleben und die Schwachen, Kranken und Behinderten verhungern und sterben. Darin liegt noch kein Vorwurf des Rassismus. Dieser folgt erst wenn man Stärke an Rassenzugehörigkeit festmacht.

    Und selbstverständlich war Hitler- ganz abgesehen von seinem fanatischen Rassenwahn und Antisemitismus- auch ein Sozialdarwinist in diesem Sinne. Das starke Volk des gesunden, harten Ariers sollte die anderen Völker ausrotten oder versklaven, die Geschichte war für Hitler ein einziger, ewiger Kampf zwischen Gruppen/Rassen/Völker um Macht, Ressourcen und die Weitergabe ihrer Gene. Er sprach doch auch explizit von „natürlicher Auslese“. Das Euthanasieprogramm sollte unproduktives, unwertes, schwaches Leben entfernen. Kranke waren auszumerzen als Bedrohung für den Volkskörper.

    Natürlich handelt es sich hierbei um einen politischen Missbrauch und eine Verballhornung der Theorien Darwins (den bspw. Kreationisten heute noch in den USA für ihre Zwecke ausschlachten), aber diese darwinistische Komponente bei den Nazis ist doch nicht zu verleugnen(?).

    Engels Satz hingegen kann man auch nur als Analogie verstehen, dass beide Grosses (und nicht unbedingt Gleiches) entdeckt haben. Oder nicht?

    Danke für die Links, sehe ich mir gleich mal an.

    Herbert Spencer wird von Leonard Peikoff in OPAR übrigens sehr harsch als einen der schlimmsten falschen Verteidiger des Kapitalismus betrachtet, weil er ihm unendlich viel Schaden mit seiner sozialdarwinistischen Begründung zufüge.

    Kommentar von CK | November 8, 2010

  3. Als alter (junger) Evolutionsbiologe drei Anmerkungen:

    „Variation (die Bildung unterschiedlicher Nachkommen durch Fortpflanzung) und Selektion (durch feindliche Organismen und die Umwelt) sind dabei die Schlüsselwörter.“

    Selektion nicht nur durch Umwelt und „feindliche“ Organismen, sondern durch Organismen überhaupt.

    „Es gilt das “Survival of the Fittest”, der Stärkste bzw. der seiner natürlichen Umwelt am besten Angepasste überlebt und gibt seine Gene weiter.“

    Bitte nicht „der Stärkste“. Diese unselige deutsche Übersetzung hat den Sozialdarwinismus hierzulande erst groß gemacht. Der am Besten angepasste, das ist richtig.

    „Andere werden gnadenlos von der Natur aussortiert.“

    Au contraire. Entscheidend ist nicht so sehr die Weitergabe der eigenen Gene, sondern die Aufrechterhaltung eines gesunden Genpools. Die Selektion greift natürlich bei Individuen ein, doch Fortpflanzung ist nicht Pflicht eines jeden Lebenwesens. Es gibt unzählige sozial lebende Arten, bei denen sich Individuen niemals fortpflanzen, die aber dennoch entscheidende Funktionen in einer Gruppe erfüllen.

    Kommentar von Adrian | November 9, 2010

  4. @Adrian: Selektion nicht nur durch Umwelt und “feindliche” Organismen, sondern durch Organismen überhaupt.

    Stimmt natürlich, vor allem auf dem „Partnermarkt“ herrscht bekanntlich brutale Selektion. 😀

    Fortpflanzung ist nicht Pflicht eines jeden Lebenwesens.

    Natürlich nicht. Gerade wir Menschen haben ja die Wahl.

    Bei uns gibt es ja zudem nicht nur darwinistische genetische Selektion, sondern auch lamarckianische memetische. (Nestor hat auch recht, dass die Marktwirtschaft egtl. lamarckianisch ist.)

    Aber sonst stimmst Du dem Artikel schon zu?

    Kommentar von CK | November 9, 2010

  5. Ja, natürlich, sorry, habe die Angewohnheit immer erst zu mosern und das Lob zu vergessen 🙂

    Kommentar von Adrian | November 9, 2010

  6. Ach, eins habe ich ganz vergessen zu fragen: wenn Du Biologe bist, in welchem Bereich arbeitest Du dann? In der Forschung? (Das würde Deine Abneigung gegen zuviel Staatseinmischung erst recht gut erklären, find ich.)

    Kommentar von CK | November 9, 2010

  7. Dem Einwand Adrians zur „Fortpflanzungspflicht“ ist in einer arbeitsteiligen Gesellschaft unbedingt zuzustimmen!

    Der Kapitalismus sollte schon in seiner Gesamtheit gesehen werden. Natürlich ist es richtig, dass der Marktmechanismus dafür sorgt, dass eine Wirtschaft bestmöglichst funktioniert. Aber dies geschieht – notwendigerweise – auf dem Rücken der Verlierer auf dem Markt, seien es Unternehmen oder Arbeitnehmer, deren Waren bzw. Qualifikationen nicht nachgefragt werden. Da kann es dann schon ganz schön herzlos klingen, wenn man sagt, dass das ja doch zum besten aller ist und dass jeder, der sich bemüht, auch eine Arbeit finden wird und was der Allgemeinplätze noch sind. Gleiches gilt für die Bemerkung, dass sich die Leute doch einfach einen anderen Arbeitsplatz suchen sollen, wenn sie Probleme mit ihrem Chef haben. Wenn Arbeitskräfte gesucht werden, ist das kein Problem, aber in Zeiten, in denen jeder froh ist, wenn er eine Arbeit hat, ist das ein zynischer Rat.

    Man muss sich den Kapitalismus nicht schönreden. Er hat auch seine Schattenseiten. Deshalb sind gesellschaftliche Organisationsformen jenseits des Marktes so notwendig, sei es die Familie, sei es der Verein, sei es der in Verruf geratene Staat. Die Behauptung, dass der Staat erst die Arbeitslosigkeit schafft, halte ich für überzogen. Nach der Theorie der diesjährigen Wirtschaftsnobelpreisträger trifft dies allerdings dort zu, wo staatliche Hilfen oder auch Subventionen zu üppig bemessen sind.

    Kommentar von Christian Rode | November 9, 2010

  8. @CR: Auch wenn es für den Pferdekutscher sicher herzlos klang, dass er dank des Automobils nicht mehr gebraucht würde, es war nunmal für uns alle das Beste.

    Die Behauptung, dass der Staat erst die Arbeitslosigkeit schafft, halte ich für überzogen.

    Das will ich natürlich auch so billig nicht behaupten. Aber an der gigantischen, strukturellen Arbeitslosigkeit Europas ist hauptsächlich die Politik schuld.

    Das bedeutet nicht, dass es auf einem freieren Markt nicht auch mal Arbeitslosigkeit gäbe, konjunkturelle (meist zeitlich begrenzt) wie auch strukturelle-die bei so einigen Arbeitslosen erstmal eine gewisse Umschulungsphase erfördern würde- aber m.E. nicht in dem Ausmass wie heute, wo vor allem der Staat Strukturveränderungen behindert und hinausschiebt. Nicht zu vergessen, dass die falsche Migrationspolitik Deutschlands (die nunmal nicht von der ganzen Sozialstaatsdebatte zu trennen ist) staatsverschuldet ist.

    Dass es auch massiv anders geht dank liberalen Reformen, beweisen bspw. Australien und Neuseeland. Arbeitslosigkeit ist da fast inexistent.

    Wenn Arbeitskräfte gesucht werden, ist das kein Problem, aber in Zeiten, in denen jeder froh ist, wenn er eine Arbeit hat, ist das ein zynischer Rat.

    Ein Grund mehr die Arbeitslosigkeit gering zu halten, weil diese in der Tat von Arbeitgebern als Druckmittel missbraucht werden kann.

    Kommentar von CK | November 9, 2010

  9. „wenn Du Biologe bist“

    Ohje, nicht beruflich. Ich hab’s ne zeitlang studiert und es ist eine Art Hobby. Mehr (leider) nicht.

    Kommentar von Adrian | November 9, 2010

  10. Man muss sich den Kapitalismus nicht schönreden. Er hat auch seine Schattenseiten.

    Natürlich. So wie das Leben an sich. Eine Organisationsform, die sich im wesentlichen spoantan durch die Individualität von mesnehn auszeichnet, muss auch Schattenseiten haben. Das Paradies in dem jeder zu jeder Zeit glüpcklich ist, ist eine totalitäre Utopie.

    Die Behauptung, dass der Staat erst die Arbeitslosigkeit schafft, halte ich für überzogen.

    Nun ja, in der DDR gab es keine Arbeitslosigkeit. Insofern kann der Staat schon Arbeislosigkeit verhindern. Der Staat kann bestimmen, dass Maschinen abgeschafft werden und wir alle Straßen bauen, nur mit Teelöffeln als Werkzeug. Der Staat kann Behörden schaffen um irgendwelchen Unsinn zu verwalten und damit Tausende beschäftigen. Aber um welchen Preis?

    Kommentar von Adrian | November 9, 2010

  11. Man, ich kann nicht mal vernünftig schreiben… Andererseits ist Rechtschreibung ja auch bloß eine Repressionsform irgendeiner Bürokratie.

    Kommentar von Adrian | November 9, 2010

  12. „@CR: Auch wenn es für den Pferdekutscher sicher herzlos klang, dass er dank des Automobils nicht mehr gebraucht würde, es war nunmal für uns alle das Beste.“

    natürlich. Ich sehe zum Kapitalismus auch keine Alternative! Aber es reicht eben nicht, wie einige Marktradikale meinen, darauf zu verweisen, dass es am Ende, nach etlichen Umbrüchen, schon gut sein wird. Daran haben die Opfer der gesellschaftlichen Umbrüche wenig Trost. Das meinte ich im weiteren mit der Bedeutung gesellschaftlicher Organisationsformen wie Familie etc.

    „in der DDR gab es keine Arbeitslosigkeit. Insofern kann der Staat schon Arbeislosigkeit verhindern“

    Arbeitslosigkeit kann der Staat zum Preis ökonomischer Ineffizienz schon abschaffen und er kann durch großzügiges Arbeitslosen- oder gar Bürgergeld z.B. sicher auch zur Steigerung von Arbeitslosigkeit beitragen. Mir liegen aber keine Informationen vor, dass es gegenwärtig so wäre, dass der bestehende Sozialstaat in besonderem Maße zur Schaffung von Arbeitslosigkeit beiträgt. Man kann das – wie so vieles – natürlich mutmaßen, aber das reicht mir nicht.

    „Man, ich kann nicht mal vernünftig schreiben… Andererseits ist Rechtschreibung ja auch bloß eine Repressionsform irgendeiner Bürokratie.“

    hehe, du kannst im privaten Verkehr so schreiben wie du willst. Nur als Lehrer in der Schule (und damit auch zwangsläufig als Schüler) und als Diener des Staates musst du dich an die Rechtschreibung halten. Eine Rechtschreibung, an die sich alle halten, hat aber schon gewisse Vorzüge in puncto leichter gegenseitiger Verständlichkeit. Schon mal das Buch „Fom Winde ferfeelt“ von Ze do Rock gelesen? :-))

    Kommentar von Christian Rode | November 9, 2010

  13. @CR: Lass uns halt einfach mal sehen was mit der Arbeitslosigkeit passiert, wenn echte liberale Reformen gebracht werden. Ansonsten sind wir uns aber durchaus einig.

    Kommentar von CK | November 10, 2010

  14. wollte die FDP nicht mal das Arbeitsamt auflösen? Aber man sieht ja, wie das läuft, wenn die dann schließlich wieder an der Macht sind…

    Kommentar von Christian Rode | November 10, 2010

  15. @CR: Über das Versagen der FDP könnte man sowieso ganze Bände schreiben. 😦 [Man muss schon sehr optimistisch sein, um da noch Mitglied zu sein.]

    Kommentar von CK | November 10, 2010

  16. fairerweise muss man aber sagen, dass das bei allen Parteien (zumindest in Deutschland) so ist: ein Grund, der immer wieder zur Enttäuschung der eigenen Anhängerschaft führt, egal wo man hinschaut. Andererseits kann man wohl häufig ganz froh sein, wenn eine Partei ihre Regulierungsvorstellungen nicht so umsetzt, wie es im jeweiligen Programm steht…

    Kommentar von Christian Rode | November 10, 2010

  17. Schöner und sehr analytischer Beitrag. Linkspam ist zwar sonst nicht meine Sache, aber da ich mir dazu auch schon mal Gedanken gemacht habe, möchte ich mal vorsichtig auf

    http://www.bissige-liberale.net/2007/02/26/sozialdarwinisten-und-sozialkreationisten/

    hinweisen. Ist ein paar Jahre her, aber meine ältesten Beiträge sind eh immer die besten 😉

    Kommentar von Rayson | November 11, 2010

  18. Meiner Meinung nach ist der derzeit praktizierte „Liberalismus“, welcher seine Freiheit nach eigenem Selbstverständnis darin konstituiert sieht, dass ein abstrakter Markt ‚erlaubt‘ oder wohl eher diktiert, dass Menschen sich als Ware Arbeitskraft verkaufen müssen um zu überleben, eine Spielart des Sozialdarwinismus. Menschen konkurrieren wie Waren nach Angebot, Preis und Nachfrage um einander und das teilweise ums Überleben. Im Sozialdarwinismus des Liberalismus misst sich die Stärke daran wie fähig mensch ist Kapital zu akkumulieren bzw. als Ware Arbeitskraft zu konkurrieren. Ist mensch nach liberalistischer Definition nicht stark, also nicht in der Lage genug Kapital zu akkumulieren oder konkurrenzfähig zu bleiben, so verhungert Mensch und stirb unbeachtet wie dies alle 10 Sekunden als Kind in Afrika der Fall ist. Bevor jetzt wieder chauvinistische Schweinereien kommen, auch Afrikaner sind Menschen und auch sie wollen leben, auch wenn ihr sie nicht beachtet! JEDES Leben ist gleichsam wertvoll und lebenswert! Aber vielleicht ist Sterben ja auch eine Freiheit.

    Kommentar von Luis Saleh | Juli 14, 2014

  19. Afrika als Musterbeispiel für Liberalismus/Kapitalismus nennen, ist schon ziemlich hanebüchen. Menschen in Not zu helfen ist zudem selbstverständlich völlig kompatibel zu einer Marktwirtschaft. Das Eine schliesst das Andere nicht aus.

    Kommentar von CK | Juli 21, 2014


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