L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Präimplantationsdiagnostik in Deutschland verbieten?

Die Bundeskanzlerin der Union, Angela Merkel, ihres Zeichen Physikerin und somit eigentlich selber Wissenschaftlerin, hat laut den Fernsehnachrichten traurigerweise verkünden lassen, dass sie die Präimplantationsdiagnostik am liebsten in Deutschland komplett verbieten lassen würde.

Auch wenn es dafür nicht nur von der FDP, sondern auch von andersdenkenden CDU-Mitgliedern Widerspruch gibt, ich komme nicht umhin diese Aussage auf unserem Blog harsch zu kritisieren, da sie mich zutiefst schockiert und wütend macht.

Sollen Frauen, die sich künstlich befruchten lassen, nun etwa mit der Gefahr leben, dass sie eventuell behinderte Kinder zur Welt bringen müssen? (Ich weiß, es gibt noch die Möglichkeit der Spätabtreibung nach einer pränatalen Untersuchung, aber auch eine solch schlimme Entscheidung sollte der Frau wennmöglich erspart bleiben, abgesehen davon, dass auch diese Möglichkeit ja verboten werden soll, ginge es all diesen Menschen nach, die sich frecherweise noch „Pro Leben“ (englisch: pro-life) nennen.)

Was ist mit dem Leben der Eltern, die gesunde Kinder haben wollen? Nein, ich habe nichts gegen behinderte Menschen. Eine Tante von mir ist geistig behindert und ich behandle sie entsprechend der ihr zustehenden Menschenwürde, aber wenn es sich vermeiden lassen kann, überhaupt erst behinderte Kinder auf die Welt zu setzen, sollten diese Optionen den werdenden Eltern meines Erachtens nicht verweigert werden. Diese haben nämlich ein Recht auf ihr eigenes Leben. Die ständigen Verweise mancher Konservativer auf die nationalsozialistische Eugenik sind ohnehin nicht gerade hilfreich.

Der Merkelschen Idee liegt eine christlich-altruistische Opferethik zugrunde. Was fällt diesen bösen egoistischen Eltern ein, dass sie sich nicht für behinderte Kinder aufopfern würden und es wirklich in Kauf nehmen, dass eventuell beschädigtes Zellenmaterial zerstört wird?

Nun, Zellhaufen haben keine Rechte, nur menschliche Individuen haben Rechte. Hätten Zellen ein eigenes Lebensrecht, würde jeder Mensch sich beim Schneiden seiner eigenen Fingernägel und Haare zum Mörder machen. Embryos sind potentielle menschliche Lebewesen, aber eben noch keine aktuellen und nur letztere haben Rechte.

Ginge es der römisch-katholischen Kirche nach, gäbe es nicht mal künstliche Befruchtungen. Die Vergabe des Nobelpreises an Robert Edwards erregte erst vor 14 Tagen den Vatikan.

Nachdem Merkel nur wenige Tage nach Wulffs „Der Islam gehört zu Deutschland“ anmerkte, dass „wer das christliche Menschenbild nicht akzeptiere, in Deutschland fehl am Platze sei“, frage ich mich nun ob so langsam nicht einfach alle Vernunftmenschen nicht mehr in dieses zunehmend irrationale, fortschrittsfeindliche und von diversen Religiösen gekaperte Deutschland passen.

Ich für meinen Teil bin einem solchen politischen Christentum gegenüber jedenfalls nicht minder feindlich eingestellt wie dem politischen Islam. Und das ist auch verdammt gut so.

Mehr dazu hier:
The ‚Personhood‘ Movement Is Anti-Life
Neue Sternstunden im Bundestag?
Irene Nickel: Menschenbild und Bioethik

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Oktober 17, 2010 - Posted by | Christentum, Deutschland, Religion | ,

9 Kommentare »

  1. Hier ein Ausschnitt aus dem Artikel Präimplantationsdiagnostik aus Wikipedia: „Üblicherweise wird am dritten Tag nach der Befruchtung eine Zelle des Embryos entnommen (Blastomerbiopsie). Der Embryo befindet sich zu diesem Zeitpunkt im 4- bis 8-Zell-Stadium. Eine Entnahme nach fünf bis sechs Tagen wird als Blastozystenbiopsie bezeichnet. Nach der Entnahme der Zelle wird das Genom extrahiert und auf das Vorhandensein genetischer Besonderheiten mittels FisH-Test oder anderer molekulargenetischer Methoden untersucht.“ —> also, come on 4-8 Zell Stadium? Nach fünf bs sechs Tagen? Da kann ja echt keiner von ‚Mensch‘ sprechen. Wann fängt der Mensch an, Mensch zu sein? Ja, das ist eine schwierige Frage. Aber sicherlich nicht dann, wenn diese Diagnostik durchgeführt wird. Dann kann man auch einen Fingernagel Mensch nennen. (sehr witzig übrigends, der Vergleich)
    Ausserdem ist es ja ne recht intensive Einschränkung der Freiheit der (potentiellen) Mutter. SIE soll entscheiden dürfen WAS in sie eingepflanzt wird. Nimm mal an, es würde sich herausstellen, diese Zellen, die sie eingepfanzt bekommen würde, seien Alien-Zellen (jaja, das ist jetzt sehr Science Fiction-artig, aber you know what I mean). Da wird doch wohl keiner sagen: Ach egal, was rein muss, muss rein. Ich bin ganz bestimmt nicht dafür, dass man Zellen manipulieren soll, um danach ein Fashion-Baby zu erschaffen. Ja, DA wäre ein Bezug auf nationalsozialistische Praktiken wohl angebracht, aber HIER…Nee, das tut hier doch nichts zur Sache. Es geht um Prävention! Es geht auch nicht darum, irgend ein 8 monate-altes Embryo umzubringen. Nein, es geht um Zellen!!
    Jaja, christliche altruistische Ethik hin oder her — Was ist denn mit dem Altruismus ggü der Mutter? Hat die denn nichts dazu zu sagen? Es ist eine Unverschämtheit. Und überhaupt, wäre die Welt denn nicht besser, wenn es mehr gesunde und weniger kranke oder behinderte Menschen auf die Welt kämen? Ich habe auch sicherlich nichts gegen Behinderte. Doch auch die wünschen sich (wenn dazu fähig) doch sicherlich ein gesundes Leben. Es geht ja nicht darum, irgendeine Person zu diskriminieren, und es geht auch nicht um Favoritismus. Schlussendlich können die Eltern ja nach der Präimplantationsdiagnostik SELBST entscheiden, ob sie ein behindertes Kind wollen oder nicht. Das SOLLTE auch ganz allein deren Entscheidung sein. ICH entscheide, ob ich moralisch bin oder nicht. Mir sollte die Möglichkeit dazu gegeben werden, moralisch zu handeln, mir sollte aber auch die Freiheit gegeben sein, einer Moral zu ‚glauben‘, die nicht christlich ist (wie z.b. eine egoistische Ethik…solange ich damit die Freiheit anderer nicht fundamental damit einschränke e.t.c.)

    Ich würde zwar nicht soweit gehen, und die Entscheidung von Merkel irrational zu nennen. Dennoch finde ich sie verwerflich. Sie folgt, wie du selbst sagt, einer bestimmten Ethik, ergo, eines bestimmten Argumentationsschema. Nun gut, dass dies deiner Meinung nach nicht schlüssig ist, das kann ich verstehen. Und dass es bessere Ethiken gibt, die viel besser mit den Menschenrechten vereinbar sind, da stimm ich auch zu.

    Kommentar von isabelle | Oktober 18, 2010

  2. @Isabelle: Danke für die Zustimmung! Ich glaube ohnehin nicht, dass irgendwelche Eltern großen Wert drauf legen, ob ihre Kinder blaue oder braune Augen haben. Insofern ist das Fashion-Baby aus der Retorte ohnehin mehr Sci-Fi als sonst ewas. Aber jede Mutter, jeder Vater legt natürlich Wert drauf, dass seine Kinder gesund sein mögen.

    „Ich würde zwar nicht soweit gehen, und die Entscheidung von Merkel irrational zu nennen.“

    Wieso nicht? Einen Zellhaufen als Mensch anzusehen, findest Du doch genauso lächerlich wie ich.

    Kommentar von CK | Oktober 18, 2010

  3. Dass Frau Merkel Physikerin ist, spielt natürlich keine Rolle, wenn die „christlich-altruistische“ Opferethik ins Spiel kommt. Ist dies auch ein Versuch, dass „konservative Profil“ ihrer Partei zu schärfen? Vielleicht. Und es sollte uns daran erinnern, wenn wenig sich doch diese angebliche Alternative vom linksliberalen Mainstream unterscheidet.

    Kommentar von Wolfgang Scheide | Oktober 19, 2010

  4. Linksliberal? Meines Erachtens ist der Mainstream eher etatistisch-illiberal…

    Kommentar von nestor | Oktober 19, 2010

  5. Eins vorweg: ich finde, die Täter gehören streng bestraft, da sie die Rechte der Mutter, darunter auch das auf ihr Kind, schwerwiegend verletzt haben.

    Aber dass ein Fötus (noch) keine eigene Person ist, war eine für Luxemburg wichtige Feststellung:
    http://news.rtl.lu/news/national/83315.html

    Und jetzt bitte sofort Abtreibung, Stammzellenforschung und PID legalisieren!

    Kommentar von CK | Oktober 27, 2010

  6. > Aber dass ein Fötus (noch) keine eigene Person ist, war eine für Luxemburg wichtige Feststellung:

    Hoffentlich bleibt das auch so!!

    Kommentar von Grommel | Oktober 27, 2010

  7. @Grommel: Ich sehe, bei obigem Thema sind wir uns anscheinend wohl einig und beide für mehr Forschungsfreiheit wie auch Entscheidungsfreiheit für die Mutter.

    Kommentar von CK | Oktober 27, 2010

  8. @CK:

    Absolut!

    Kommentar von Grommel | Oktober 27, 2010

  9. Namensvetter Christian aus Hannover zur heutigen PID-Debatte im Bundestag:
    http://fdogblog.wordpress.com/2011/07/07/kinderwunsch-in-dubio-pro-libertate

    🙂

    Kommentar von CK | Juli 7, 2011


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