L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Gebt das Hanf frei! Gebt medizinisches Marihuana frei!

Jean Colombera, seines Zeichen Arzt und Abgeordneter für die (rechtskonservative) ADR, soll acht seiner Patienten Medikamente, in denen Cannabis enthalten ist, verschrieben haben. Dies ist in Luxemburg zur Zeit wohl noch nicht erlaubt und dem Politiker droht ein Gerichtsprozeß.

Die Drogenprohibition hat längst absurde Züge angenommen. Nun werden also schon Ärzte kriminalisiert, die ihren (schwer) kranken Patienten schmerzlindernde Medikamente verschreiben und bald wohl auch noch die Patienten selbst, die sich Cannabis in der Folge auf dem illegalen Schwarzmarkt besorgen müssen, falls Colombera verboten wird, medizinisches Marihuana zu verschreiben. Unfassbar!

Die ADR hat sich löblicherweise geschlossen hinter Colombera gestellt, der gestern bereits zusammen mit unmittelbar betroffenen Patienten vorm Gesundheitsministerium demonstrierte.

Natürlich sollte Cannabis sogar komplett legalisiert werden, aber falls dies leider nicht möglich sein sollte, dann doch bitte zumindest medizinisches Marihuana. Die reine Menschlichkeit gebietet es. Aber vermutlich weiß Gesundheitsminister Mars di Bartolomeo (LSAP) leider wieder einmal besser, was Ärzte ihren Patienten verschreiben sollen und was nicht. Am liebsten würde jener bekanntlich sowieso das eh schon ziemlich sozialistische Gesundheitssystem komplett verstaatlichen, woraufhin jetzt die AMMD sogar mit Streiks droht (aber das ist jetzt ein ganz anderes Thema, dazu vielleicht die Tage mehr).

Zu meiner freudigen Überraschung äusserte sich gestern Viviane Loschetter von den Grünen zur repressiven Drogenpolitik Luxemburgs und sprach sich dabei nicht nur für die Freigabe medizinischer Cannabisprodukte, sondern für die Legalisierung aller(!) Drogen innerhalb eines (vor allem mit Altersbeschränkungen ausgestatteten) vernünftigen Rechtsrahmens aus.

Mexikos Ex-Präsident Vicente Fox schlug unlängst in die gleiche Kerbe.

Radikale Verbote haben noch nie funktioniert. Egal, ob es um Abtreibung, Ehe, Familie, Alkohol oder Tabak geht: Der Weg zu Demokratie und Freiheit bedarf einer Gesellschaft, die Verantwortung übernimmt, und einer Regierung, die sich der Verfassung verpflichtet. Aufgrund meiner Erfahrung und mit Kenntnis um die Entwicklungen in anderen Ländern sage ich, wir müssen das Arrangement zwischen Kriminellen, ihren Märkten und Handelswegen und korrupten Behörden zerstören. Wir werden so mit weniger Gewalt ans Ziel kommen.

Den Argumenten der beiden kann ich mich nur anschliessen. Vor allem aber: mit welchem Recht schreibt der Staat mir vor, welche Substanzen ich meinem eigenen Körper zufügen darf und welche nicht?

Hanf ist überdies wohl eine recht sinnvolle Nutzpflanze bzw. könnte es sein, wenn der Staat nichts dagegen hätte.

Eine Rede des linken Ströbeles (MdB,Grüne) am letztjährigen Hanftag in Berlin:

Siehe auch:
End the War on Drugs!
Thinking the unthinkable

P.S. Diesen Artikel will ich jetzt aber nicht als Aufforderung zum Drogenkonsum missverstanden sehen. Zwar trinke ich auch ab und gerne mal ein Gläschen Wein oder ein paar Bier (ja, Alkohol ist auch eine Droge und ein gefährliches Nervengift!) und habe auch schon mal einen Joint bei den holländischen Nachbarn im Coffeeshop in Amsterdam geraucht, aber unterm Strich sind Drogen- wenngleich als gelegentliche Genußmittel tolerierbar – so doch schädliche Zerstörer des menschlichen Geistes und seiner Willensfreiheit.

Oktober 15, 2010 - Posted by | Innenpolitik, Neues aus Luxemburg, Video | , , , , , , ,

8 Kommentare »

  1. Es gibt sie also doch, die Themen, bei denen wir übereinstimmen😀 Eine „liberale“ Drogenpolitik muss aber meines Erachtens nur mit einer ehrlichen und transparenten Aufklärungspolitik Hand in Hand gehen.
    Bei allen Drogen/Genußmitteln gilt: Mit Vorsicht zu genießen!

    Und zum menschlichen Geist möchte ich doch anmerken, dass die Entdeckung der DNA-Doppelhelix nur durch LSD (so früh?) möglich war. Vielleicht sollten wir uns Gedanken machen, ob es nicht schädlich für die Gesellschaft ist, Drogen zu verbieten?😉

    Kommentar von Joël | Oktober 16, 2010

  2. @JayJay: super Folge, danke!😉

    @Joël :😉

    Kommentar von CK | Oktober 16, 2010

  3. LSAP-Mars: Cannabis ass keng Kamell a keng Aspro mä eng Drogue.

    Genausou wéi Alkohol. Mee fir ze saufen brauch ech gottseidank net dem Mars séng Erlaabnis.

    Wat een Dokter sengem Patient verschreiwt, sollt ower souwieso de Staat glatt a guer naischt ugoen.

    Den Etatismus hei am Land ass einfach net méi ze erdroen.

    Kommentar von CK | Oktober 20, 2010

  4. Hei am O-Ton:

    http://bonjour.news352.lu/index.php?p=edito&id=50408

    Kommentar von cb04 | Oktober 20, 2010

  5. Kommentar von CK | November 2, 2010

  6. Jeder Arzt sagt, dass Cannabis weniger schädlich als Tee oder Kaffee ist. Und hier noch etwas – damaliger NY Polizist, Jack Cole, über Drogenlegalisierung. Leider auf Englisch.

    Kommentar von Anke | November 2, 2010

  7. Ein erster, kleiner Schritt in die richtige Richtung:
    http://bonjour.news352.lu/edito-53872-luxembourg-les-medicaments-a-base-de-cannabis-autorises.html

    Kommentar von CK | November 13, 2010


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