L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Die Erfindung des luxemburgischen Volkes

Menschen, die sich heutzutage als Luxemburger betrachten, perpetuieren einen Betrug oder sind die Opfer eines solchen. Denn die „Luxemburger“ sind gar kein Volk – und die Behauptung, sie hätten während der letzten tausend Jahre das Gebiet des Großherzogtums Luxemburg besiedelt, ist nichts weiter als ein Mythos, den die Ideologen des „luxemburgischen Nationalismus“ im 19. Jahrhundert ersonnen haben.

Die „Luxemburger“ sind vielmehr eine Promenadenmischung von keltischem, fränkischem, limburgischem, französischem Blut, wenn sie nicht gleich von polnischen, holländischen, italienischen oder portugiesischen Einwanderern abstammen. Bis zum preußisch-österreichischen Krieg und dem damit verbundenen Auseinanderfallen des Deutschen Bundes  waren die meisten von ihnen zufrieden mit einer deutschen Identität; manche bevorzugten einen Anschluss an Frankreich oder an Belgien. Die „Luxemburger“ sprachen Deutsch, bzw. den örtlichen Dialekt, der als „Luxemburger Deutsch“ bezeichnet wurde. Noch 1848 tagten Luxemburger Abgeordnete in der Frankfurter Nationalversammlung, öffentliche Gebäude wurden schwarz-rot-gold beflaggt und die Verfassung des Großherzogtums definierte Luxemburg als einen „Bestandtheil des deutschen Bundes“. Die Ansicht, dass die „Luxemburger“ ein besonderes Volk sind, das eine eigene Kultur und eine eigene Identität hat, war im alltäglichen Leben marginal. Doch eine Gruppe von Intellektuellen begann, gewöhnliche Menschen von ihrer randständigen Idee zu überzeugen und konstruierten einen abstrusen Nationalmythos, der aus dem Kauf des Kastells Lucilinburhuc durch den Grafen Siegfried im Jahr 963 einen „Gründungsakt“ „Luxemburgs“ machen will, die in Prag residierenden böhmischen Könige und deutsche Kaiser Johann der Blinde, Karl IV. oder Sigismund rückwirkend zu „Luxemburgern“ machte und die Zeit als das Herzogtum Luxemburg zum Territorium der Burgunder, der spanischen und der österreichischen Habsburger gehörte als „Fremdherrschaft“ dramatisierten – eine Fremdherrschaft, die von den Einwohnern niemals als solche empfunden wurde!

Insbesondere nach dem ersten Weltkrieg und dem Ausscheiden Luxemburgs aus dem Deutschen Zollverein konnten diese geschichtsverfälschenden Rechtfertigungsmythen von Luxemburger Nationalisten und Monarchisten an Boden gewinnen. Den Höhepunkt erreichte der Luxemburger Nationalismus 1939, als das ganze Land in ein einziges Meer von rot-weiß-blauen, „luxemburgischen“ (tatsächlich: niederländischen) Fahnen gehüllt werden sollte und das hundertjährige Jubiläum einer angeblichen „Unabhängigkeit“ des Landes gefeiert wurde – dabei war Luxemburg 1839 lediglich geteilt worden, behielt ansonsten den holländischen König als Staatsoberhaupt bei und war selbstverständlich ein Teil des Deutschen Bundes, was angesichts des stark deutschfeindlichen Charakters dieser Feier – trotz der verfassungsrechtlich festgehaltenen „Neutralität“ des Großherzogtums – von den „luxemburgischen“ Nationalisten und Monarchisten schlicht verschwiegen wurde. Trotz dieses nationalistischen Taumels sahen sich auch nach 1940 nicht wenige „Luxemburger“ als Volksdeutsche, Hunderte meldeten sich freiwillig zur Waffen-SS. Nichtsdestoweniger versuchen die Nationalisten die „Luxemburger“ als einig Volk von Widerständlern und Zwangsrekrutierten darzustellen. Mutige Querdenker wie der Erfinder des Dr. Mabuse, Norbert Jacques, die den luxemburgischen Nationalmythos durchschauten, wurden von den fanatischen Nationalisten denunziert und verfolgt. „Für immer“ aus Luxemburg ausgewiesen, starb der Schriftsteller 1953 im Koblenzer Exil.

In Luxemburg geboren zu sein, macht einen nicht automatisch zum Luxemburger. Wer allerdings von luxemburgischen Staatsbürgern abstammt, kann die Staatsbürgerschaft leichter bekommen, auch wenn er oder sie nie in Luxemburg war und nicht „Luxemburgisch“ sprechen kann. Hingegen sind 40% der Bevölkerung und sogar eine absolute Mehrheit der in Luxemburg arbeitenden Bevölkerung aus dem öffentlichen Leben ausgeschlossen, haben kein Wahlrecht bei nationalen Parlamentswahlen und können auch selbst nicht Abgeordnete oder Minister werden. Erst kürzlich hat die Regierung ein Gesetz durchgepeitscht, das die Einheimischen gegenüber den in Luxemburg arbeitenden Grenzgängern bevorzugt und Sparmaßnahmen auf deren Kosten durchsetzen will, was von einem führenden Gewerkschaftsvertreter als „soziale Apartheid“ bezeichnet wurde. Angesichts dieser Tatsachen sollte erwogen werden, aus dem Apartheidstaat Luxemburg einen Staat aller seiner Einwohner und aller hier arbeitenden Menschen zu machen – und die Rechte nicht nur denjenigen zu gewähren, die sich zum luxemburgischen Nationalismus bekennen oder die erfundene Geschichte glauben, sie wären „Luxemburger“. Um dies zu verwirklichen sollte Luxemburg zeitweise unter UN-Verwaltung gestellt werden. Zunächst

  • sollte jeglicher Unterricht der moselfränkischen Mundart, die fälschlicherweise als „Luxemburgisch“ bezeichnet wird, unterbunden werden;
  • sollte man die Diskriminierung aller in Luxemburg lebenden oder arbeitenden Menschen aufheben und Menschen luxemburgischer Abstammung nicht mehr begünstigen;
  • sollte man das „luxemburgische Volk“ erziehen, damit es nicht mehr an die Lüge glaubt, ein Volk mit dem Recht auf Selbstbestimmung zu sein;
  • sollte man dem „luxemburgischen Volk“ helfen, seine wirkliche Identität zu finden, die durch den luxemburgischen Nationalismus zum Schweigen gebracht wurde;
  • sollten nach Ende des UN-Mandats eine Regierungsform und eine eigene Identität gefunden werden, wobei die Ideologie des luxemburgischen Nationalismus und die nationale Identität als „Luxemburger“ selbstverständlich ausgeschlossen werden.

Mit Gruß und Dank für Inspiration an Z Word und Lizas Welt. Hintergrund ist natürlich Shlomo Sands Buch über die „Erfindung des jüdischen Volkes“ oder wohl eher die antizionistisch gepolte Rezeption des Buches, die einen „jüdischen“ Sonderfall konstruierten möchte – als ob nicht jede Nation mehr oder weniger „erfunden“ ist, sich im Laufe der Zeit so ergeben hat, eigene Mythen und Identität herausgebildet hat.

P.S. Die wahren Ziele des luxemburgischen Nationalismus schonungslos enthüllt:

(crosspost)

Oktober 3, 2010 - Posted by | Satire | , ,

9 Kommentare »

  1. Sehr interessanter Artikel den Du geschrieben hast aber leider nicht komplett. Du hast vergessen, dass die Luxemburger eigentlich die Nachfolgern einer der 10 verlorenen Stämme sind. Wir wissen z.b. dass der Stamm Gad einen speziellen Käse kochten, der so bekannt wurde, dass er „Gadkées“ genannt wurde. Wie Du es auch weißt diese zehn Stämmen kämpften nach dem Tod Salomons, den Stamm Benjamin u. Juda, wobei sie einige Gefangene aus dem Stamm Juda fassten und sie einfach fraßen…
    Bis heute kann man die bekannte luxemburgische Speise noch immer essen. „Judd mat Gardebo’nen“ ist die symbolische Speise der Luxemburgern die tief im Besinnen noch ihren heldischen Kampf gegen Juda feiern. Bis heute kämpfen die Luxemburger ihren verhassten Stamm Juda wie gut sie auch nur können…
    Dabei sage ich immer „Ihr solltet zurück zu euren Wurzeln kommen wir lieben euch, wir lieben den Gadkées…“!!

    Kommentar von Claude Sternberg | Oktober 3, 2010

  2. Dass die Luxemburger Gaditen sein sollen ist mir in der Tat neu, danke dafür😉. Auch der etymologische Ursprung des Judd mat Gardebo’nen war mir bisher verborgen geblieben. Aber es hätte ja schlechter fallen können als auf den 7. Sohn Jakobs, dessen Name „Glück“ war. Und wer würde nicht an die Luxemburger denken, wenn er folgende Charakterisierung der Gaditen im 1. Buch der Chronik (12, 9) liest: „Sie waren tapfere Helden, kampfgeübte Krieger mit Schild und Lanze, waren wie Löwen anzusehen [daher der Rote Löwe als Wappentier?] und flink wie Gazellen auf den Bergen [die Gebrüder Schleck??]“.

    Kommentar von nestor | Oktober 3, 2010

  3. Der Mythos des deutschen Volkes

    Menschen, die sich heutzutage als Deutsche betrachten, perpetuieren einen Betrug oder sind die Opfer eines solchen. Denn die „Deutschen“ sind gar kein Volk – und die Behauptung, sie hätten während der letzten zweitausend Jahre das Gebiet des Staates Deutschland besiedelt, ist nichts weiter als ein Mythos, den die Ideologen des „deutschen Nationalismus“ während der Befreiungskriege um 1813 gegen Frankreich und Napoleon ersonnen haben.
    Die „Deutschen“ sind vielmehr eine Promenadenmischung von keltischem, provinzialrömischen, slawischem, jüdischen und germanischem Blut. Bis 1813 waren die meisten von ihnen zufrieden mit einer allgemeinen römischen Reichsidentität; sie sprachen – wenn auch nicht alle korrekt – Deutsch. Es war aber unproblematisch, dass sich im 16./17. Jahrhundert Teile der Niederfranken und einige Niedersachsen um Groningen sich poltitisch und kulturell vom Reich trennten und den Dialekt von Amsterdam zur Hochsprache Niederländisch aufwerteten. Die alemannischen Bewohner der Schweiz trennten sich auch 1648 vom Reich, blieben aber der detuschen Literatur und Schriftsprache bis heute verhaftet.Die Ansicht, dass die „Deutschen“ ein besonderes Volk sind, das eine eigene Kultur und eine eigene Identität hat und somit einen eigenen Staat verdient, war im alltäglichen Leben bia 1813/15 marginal. Doch eine Gruppe von Intellektuellen begann, gewöhnliche Menschen von ihrer randständigen Idee zu überzeugen.

    Gehen wir zurück in die Antike: Bis zum Rhein und zur Donau beherrschen die Römer das Land, stationieren ihre Truppen, die aus der Gesamtbevölkerung des Mittelmeeraumes stammen. Als Veteranen erhalten die Soldaten nach 20 Dienstjahren Land, heiraten einheimische Frauen und begründen lange „germanische“ Familientraditionen.

    In der Völkerwanderungszeit eroberten und besiedelten west- und ostgermanische Stämme das Land, welches heute Deutschland heißt. Am erfolgreichsten waren die Franken, die seit 800 die römische Kaiserkrone für ihren König beanspruchten. Kaiser Karl mit Sitz in Aachen. Das Frankenreich wurde unter Karls Enkel in drei Teilreiche zerteilt. Die Westfranken als schmale analphabetische Erobererschicht wurden von provinzialrömischen Priestern und romanisierten Galliern zu Franzosen gemacht.

    Im Ostreich bildeten die vier germanischen Völker der Franken, Sachsen, Alemannen-Schwaben und Baiern Herzogtümer, die sich aber zu einem „Deutschen Königreich“ zusammenschlossen. Dazu kam später als fünftes Herzogtum das Land der Nieder- und Mittelfranken, Lothringen. Im Mittelalter eroberten die „Deutschen“ Burgund und Italien und das halbarabische Sizilien und fügten alles zum REICH zusammen. Im Hochmittelalter expandierten die Entitäten Richtung Osten. Mittelalterliche Ostsiedlung. Tausende von Bauern, Handwerker und Ritter zogen gen Osten und vermischten sich mit den einheimischen Slawenvölkern.
    Aus Luxemburg zogen auch Juden nach Polen und nannten später ihre Tochter ROSA. 1919 wurde sie dann ermordet.

    Fast alle Kriege der frühen Neuzeit fanden auf deutschen Boden statt. Millionen Menschen starben im Dreißigjährigen Krieg. Zehntausende Söldner aus allen Gebieten Europas ließen sich bei den Witwen und Waisen nieder. Frankreich vertrieb seine Protestanten, die als Hugenotten zu Zehntausenden in deutschen Fürstentümern aufgenommen wurden. Slawen im Osten wurden germanisiert. Das Rätoromanische verstummte im Alpenraum zugunsten der bairischen Dialekte. Die Industrialisierung führte zu einer massiven Zuwanderung von Niederländern, Polen, Tschechen und Italienern ins Ruhrgebiet. Im 18./19. Jahrhundert kehrten Hunderttausende von „Jiddisch“(Moselfränkisch-)Sprechenden aus Osteuropa, in das ihre Vorfahren aus dem Rheinland der Kreuzzugszeit geflohen waren, nach Berlin und Wien zurück.

    Nach der Französischen Revolution definierten sich andererseits die Elsässer und Lothringer als Franzosen.
    Der elsässische General Franz-Josef Westermann massakriert die Bauern der Vendee. Niederfränkische Flamen wurden in Belgien zu Schtis romanisiert.
    Nach 1945 wollten Luxemburger und Österreicher keine „Deutschen“ mehr sein. Die DDR sang ab 1968 ihre Hymne nicht mehr, da dort „Deutschland einig Vaterland“ gefordert wurde.

    In Deutschland geboren zu sein, macht einen nicht automatisch zum Deutschen. Wer allerdings von „Volksdeutschen“ in Russland, Kasachstan, Rumänien oder Ungarn abstammt, bekommt die Staatsbürgerschaft sofort, auch wenn er oder sie nie in Deutschland war und nicht Deutsch sprechen kann. Angesichts dieser Tatsachen sollte erwogen werden, aus Deutschland einen Staat aller seiner Einwohner zu machen – zum Beispiel auch der Sorben, Friesen und Dänen in Südschleswig, die eingeschränkte Minderheitsrechte schon besitzen, sondern auch der Roma und Sinti und der Zuwanderer, die sich zum Grundgesetz und zum Staat bekennen. Um dies zu verwirklichen, sollte man die Diskriminierung aller Menschen, die in Deutschland geboren sind, aufheben und Menschen deutscher Abstammung nicht mehr begünstigen;
    sollte man das „Deutsch“ als Bekenntnisnation definieren.
    P.S.: Interessanterweise wollten slawische Masuren, Kaschuben und Sorben immer Deutsche sein- wie auch die Rätoromanen in Italien. Und in Berlin bei der WM haben Libanesen riesengroße Deutschlandfahnen präsentiert, die dann Linke heruntergerissen haben. Die wollten, dass ihre Lieblingsnation Nordkorea die WM gewinnt!

    Kommentar von Johannes Molitor | Oktober 4, 2010

  4. Danke dafür. Jetzt müsste sich noch jemand die „Erfindung der französischen Nation vornehmen😉

    Kommentar von nestor | Oktober 5, 2010

  5. A propos Deutschland, was haltet ihr von diesem Video: http://www.youtube.com/watch?v=5t71H4FE0eM

    Bitte mindestens eine Minute anhören.

    Kommentar von Grommel | Oktober 5, 2010

  6. Mal abgesehen von der 08/15-HipHop-Instrumentierung finde ich den Song OK, kann die Motivation dazu zumindest nachvollziehen. Nervig und albern finde ich allerdings die Kommentare dazu, à la „Wenn das ein Deutscher sagen würde, würde er gleich als Nazi beschimpft“… was bitte schön ist an dem Song nationalsozialistisch? Das läuft doch nur darauf hinaus, dass man eigentlich „Ausländer raus!“ schreien will, sich gleichzeitig aber dagegen verwahren möchte, als fremdenfeindlich oder rassistisch bezeichnet zu werden.

    Kommentar von nestor | Oktober 5, 2010

  7. @Grommel: Höre eigentlich kein Hiphop, aber der Song ist vom Text her nicht übel.🙂

    Kommentar von CK | Oktober 5, 2010

  8. @Grommel: Guter Inhalt, Musik…naja!😉

    Kommentar von allat | Oktober 5, 2010


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