L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Poltern für Anfänger

Es wäre besser Napoleon III und Bismarck hätten Luxemburg aufgelöst, meint Philippe Marini, Budgetberichterstatter im frz. Senat. Über Sinn und Unsinn von nationalen Streitereien kann man diskutieren, und Luxemburg hat nicht gerade viel, weswegen es mit geschwellter Brust auf andere Länder und Leute schauen sollte.

Leider ist Marinis Aussage nicht der Kenntnis der luxemburger Realität verschuldet, sondern ihrerseits ein Kommentar zu einem überzogenen Kommentar zu einer überzogenen französischen Aktion. Die kritikwürdigen Aktionen Sarkozys gegen die Roma veranlassten EU-Kommissarin Viviane Reding (die unsinnige Dinge wie Quotenreglungen fordert und einmal auf die Frage, was denn Europa so wichtig macht, geantwortet hatte, dass die Roaming-Gebüren dank ihr nun niedriger seien – sehr überzeugend für das Projekt „Europa“) zu einem übertriebenen Nazi-Vergleich, wogegen der Franzose zurück polterte, dass ein „großes Land“ wie La Grande Nation sich das nicht sagen lassen müsse. Und man liest zwischen den Zeilen: vor allem nicht von einem Zwergenland wie Luxemburg. Zwergenmentalität scheint nun aber bei Monsieur Marini ausgebrochen zu sein, denn anstatt auf die fragwürdigen Aktionen seines Präsidenten einzugehen, stellt er kurzerhand Luxemburg in Frage.

Aber wir wollen mal nicht nachtragend sein, die First Lady ist eher im Gossip zuhause, der Präsident verteidigt Sippenhaft gegen andere EU-Bürger, mit dem neu eingeführten Burka-Verbot lässt er sich zu Symbolpolitik hinreißen und über Fußball wollen wir erst besser gar nicht anfangen zu sprechen. Wie herrlich befreiend muss es dann sein, über einen Zwergstaat loszupoltern. Natürlich darf bei Marini der Verweis auf Steuerhinterziehung nicht fehlen, denn jeder weiß, dass in Luxemburg alle Steuerhinterzieher Zuflucht finden.

Immerhin, auch wer sich aufbläst wirkt größer.

September 19, 2010 - Posted by | Aussenpolitik, Frankreich, Kurioses, Neues aus Luxemburg | , ,

5 Kommentare »

  1. „und Luxemburg hat nicht gerade viel, weswegen es mit geschwellter Brust auf andere Länder und Leute schauen sollte. “

    Warst du schonmal in Luxemburg?

    Kommentar von Andreas | September 19, 2010

  2. Marinis Statement ist aus dem Blickpunkt des Historikers (wie mittlerweile fast Standard bei Politikeraussagen über Historisches) natürlich recht unsinnig – der Tatbestand lag vielmehr so gelagert, dass Bonaparte dem holländischen König Luxemburg wie ein Grundstück abkaufen wollte (man beachte dass das Grossherzogtum damals durchaus eigene Institutionen, ein eigenes Parlament und eine eigene Regierung hatte, bis auf die Personalunion mit den Niederlanden eigentlich de facto ein souveräner Staat war), was von Preussen, das damals eine Garnison in der befestigten Stadt Luxemburg unterhielt, als feindlicher Akt gedeutet wurde – die Differenzen wurden nicht in einem „Gespräch“ zwischen Napoleon III. und Bismarck geklärt, sondern durch eine internationale Konferenz in London, die insofern ein Teilerfolg für die Franzosen war als dass die preussische Militärpräsenz in Luxemburg beseitigt wurde und Luxemburg zum neutralen Territorium erklärt wurde. Hätte Bonaparte jedoch 1867 auf einer Annexion Luxemburgs bestanden, hätte dies wohl zur Folge gehabt, dass der deutsch-französische Krieg drei Jahre früher ausgebrochen wäre, was in der Folge vermutlich bedeutet hätte, dass Luxemburg ein Teil des Deutschen Reiches, und nicht Frankreichs, geworden wäre – was es 1871 eben aufgrund seines Neutralitätsstatus nicht werden konnte (mal abgesehen, dass auch die Bevölkerungsmehrheit gegen eine Eingliederung gegen ein als Grosspreussen empfundenes Reich war). Auf der anderen Seite ist es auch lustig, dass wort.lu schreibt, es handele sich dabei um „rassistische Aussagen“…
    Aber die französischen Klischees zu Luxemburg bestehen halt darin, dass das Land ausschließlich aus Banken besteht und angeblich niemand Steuern zu bezahlen hat (schön wär’s!).

    Kommentar von nestor | September 19, 2010

  3. Den Quasselborn huet laut dem Radio jo direkt reagéiert andeem en och direkt erem Godwin´s Law erfellt huet. Mannomann, Idioten iwwerall…😦

    Kommentar von CK | September 20, 2010

  4. Ich kann dem 2. Kommentar von „nestor“ nur beipflichten. Welch Armutszeugnis an Wissen über geschichtliche Ereignisse bei den „Politikern“. Ich erinnere mich noch an eine ähnlich falsche Aussage Anfang des Jahres über Napoleon III. in Bezug auf das Erdbeben in Haiti seitens eines „Predigers“ in den USA. Einfach beschämend…aber das einfache Volk glaubt das dann auch.

    Kommentar von Wolfgang Stössel | September 20, 2010

  5. Holà

    Dem Marini (kléng jo archi-typesch konservatiiv Franséisch…gell…) wor am „Spilli-Spilli“ de „Bauer“ (gëtt awer vun der „Kinnigin“ a.k.a. „d-UMP“ geschützt…)
    Hien huet missen bei enger vun „Vati-kann“ gesponserter „Streithähnen-Affair“ (Muppet-Show) als Konsequenz de Kapp duerhaalen fir d’Fa(r)ce net ze verléieren…

    Hasta
    Pancho

    P.S.: En me référant sur le (très) peu que j’ai bien pu et su suivre…

    Kommentar von Pancho | September 23, 2010


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