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„Transformers“ als Post-9/11-Kommentar

Im Gegensatz zum ähnlich simplen Cloverfield, hat Transformers nicht den Anspruch Zeitgeschehen zu kommentieren. Und dennoch.

Die Schlussschlacht findet inmitten einer Großstadt statt. Dieser Umstand spielt offensichtlich mit der 9/11-Erzählung. Selten wurde ein Zerlegen von Gebäuden derartig zelebriert. Auffallend ist dabei, dass die Decepticons, im Gegensatz zu den Autobots, als fliegende Maschinen (Hubschrauber und Flugzeuge) oder zumindest als schweres Kriegsgerät durch die Skyline brettern.

Ebenfalls referenziell ist das erste Auftauchen eines Decepticons. Als mechanischer Skorpion überfällt er einen Außenposten der US-Army. Dass die Szene in Katar spielt, ist dabei nebensächlich, die Assoziation mit dem Irak ist offensichtlich und gewollt. Innerhalb der Chronologie des Filmes wird damit klar gemacht, dass der Feind „aus der Wüste“ kommt und dort seinen ersten Auftritt hat, indem er sich, quasi selbstmörderisch, auf die US-Basis wirft und trotz massiven Gegentreffern nicht flüchtet, sondern seine Mission bis zum eigenen Ende weiter verfolgt.

Wenn wir uns beispielsweise Armageddon, einen weiteren Blockbuster von Michael Bay, anschauen, so kommt dort die Bedrohung in Form eines Meteorits. Der Film ist von 1998, er fällt inmitten der goldenen Neunziger, wo Amerikas größtes Problem Clintons Affären waren und Fukuyama das Ende der Geschichte ausrief. In „Armageddon“ ist die Bedrohung Intelligenzlos und ihr Ursprung reicht weit zurück. Es ist ein simpler Stein, der zufällig den Weg der Erde kreuzt. Kaum verschleiert wird die Welt als Nullpunkt gesetzt, welche frei von größeren Konflikten ist. Alles was ihr schaden kann, muss von Außen kommen.

In „Transformers“ haben wir ein völlig anderes Bild. Die Decepticons sind „unter uns“. Sie stehen in Museen als ausrangierte Maschinen, welche plötzlich zum Leben er-wachen. Sie fungieren gewissermaßen als Schläfer, welche zum geeigneten Zeitpunkt aktiviert werden. Dazu passt auch der eingefrorene Megatron, der als quasi-mystische Figur (Dante Alighieri lässt grüßen) in einer Höhle gefunden wurde und seitdem im eisigen Schlummerzustand gehalten wird. Man braucht nur die Eiswüste durch eine Steinwüste zu ersetzen und man hat die Assoziation mit einem Phantom, das ebenfalls niemand gesehen haben will.

Mehr noch: Diese Sleeper sind überall. Mit Hilfe eines außerirdischen Kubus (des im Film nicht näher erklärten All Sparks) können technische Objekte in feindliche Miniroboter verwandelt werden. Das uns Vertraute wird also durch Manipulation zum Feind. Auch hier spielt eine gewisse Post-9/11-Haltung mit hinein, wo man den eigenen Nachbarn nicht frei von feindlicher Ideologie hält, weshalb so etwas wie der Patriot-Act urplötzlich eine paranoide Daseinsberechtigung erhält. Der Kubus ist die Matrix, welche vertraute Dinge zu feindlichen Waffen werden lässt. Es ist die feindliche Ideologie und Propaganda, welche im Nachbarn den plötzlichen und irrationalen Hass auf alles und jeden entstehen lassen könnte.

„Transformers“ ist vielleicht kein großes Kino. Aber er ist ein Kind seiner Zeit. Weit davon entfernt tatsächlich ein Statement abzugeben, ist „Transformers“ einer jener Filme, welche, vielleicht ungewollt, eine Momentaufnahme der frühen Bush-Jahre festhalten.

August 29, 2010 - Posted by | Popkultur und Freiheit, USA | , , ,

1 Kommentar »

  1. Interessante Gedankenspiele!

    Kommentar von allat | August 29, 2010


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