L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Der angepasste Liberalismus

Gerd Habermann, über dessen letztjährigen Vortrag an der Uni Trier zur Finanzkrise wir bereits berichteten, hat die Tage im Handelsbatt einen sehr lesenswerten Artikel zum Thema „Liberalismus in Deutschland“ veröffentlicht. Dabei geht er vor allem auf die vergangenen und heutigen Verirrungen des „Partei-Liberalismus“ der FDP ein.

Der organisierte deutsche Liberalismus hat programmatisch, verglichen mit seinem freiheitlichen Ausgangspunkt und dem Standard der großen Klassiker von John Locke bis Friedrich August von Hayek, weitgehende Zugeständnisse an andere Denkrichtungen, vor allem sozialdemokratische, gemacht. (…)

So hat der Gedanke der individuellen Freiheit von der Antike bis heute überdauert, und es ist ziemlich klar, was immer damit gemeint war: nicht ein Anspruch auf Staatsleistungen („Freiheit von Not“), sondern das Freisein vom Herumkommandiertwerden durch andere Menschen, was ärmliche Lebensverhältnisse nicht ausschließen muss (z.B. der arme Almbauer). Im 18. und 19. Jahrhundert wurde dieser Freiheitsidealismus ökonomisch durch die Lehren von Adam Smith, den Physiokraten und später der österreichischen Schule der Ökonomie untermauert. Hier kann man sich über die Erfolgsregeln des Wirtschaftens unterrichten. Freiheit ist für diesen wirtschaftlichen Erfolg die wichtigste Voraussetzung. Freiheit korreliert mit Wohlstand. (…)

Ein Kernanliegen des Liberalismus war immer die Dezentralisierung der Macht zur Sicherung der individuellen Freiheit. So wenig Staat wie möglich! Ja, die Sicherung individueller Freiheit ist nach liberaler Lehre der eigentliche Staatszweck.(…)

Wer entschieden liberal wählen will, sieht sich darum heute verlegen um. Er scheint heimatlos. Die FDP muss sich entweder von Grund auf im Sinne der klassischen Liberalen von John Locke über Ludwig Bamberger bis Friedrich August von Hayek erneuern, oder sie wird den anderen vier überwiegend kollektivistischen Parteien des Wohlfahrtsstaates weichen. Sonst könnte der Wähler leicht sagen: Wenn schon egalitäre Sozialdemokratie, dann doch lieber gleich das Original! (…) Der Liberalismus ist als Bewegung für den „kleinen Mann“ entstanden. Die Physiokraten – das französische Gegenstück zu Adam Smith – wollten ihn aus Zunft-Monopolen und gutsherrschaftlichen Bindungen befreien und ihm die Möglichkeit geben, von seinen Kräften Gebrauch zu machen und sozial aufzusteigen. Daran könnte eine liberale Grunderneuerung anschließen. Arbeiter waren einmal liberale Wähler!

Mehr hier.

(Via Libertäre Plattform der FDP)

Siehe auch:
Patrick Minar-Freihandel und Moral

August 18, 2010 Posted by | Deutschland, Klassischer Liberalismus, Lesestoff | , | 12 Kommentare