L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Flashmob statt Earth Hour

Letzten Samstag fand in tausend Städten weltweit die sogenannte Earth Hour statt. Hierbei wurde gegen den Klimawandel und für eine (angeblich) umweltfreundlichere Klimapolitik demonstriert. Für eine Stunde wurde auf Vorschlag der WWF die Beleuchtung bekannter Gebäude und Sehenswürdigkeiten ausgeschaltet. So auch die Beleuchtung am Münchner Marienplatz.

Mir geht es nun nicht darum hier erneut eine Diskussion über Klimawandel, IPCC, CO2, grüne Demonstranten, emotionalistische Werbespots und ökologistische Weltuntergangsszenarien anzufangen. Darüber haben wir schon oft genug gebloggt. Wer sich dafür interessiert, sei auf folgende Artikel verwiesen und möge ggf. auch dort Kommentare abgehen, nicht in diesem Posting hier:

CK: C02 schuld am Klimawandel?
nestor76: Meine Antwort auf die Frage “CO2 schuld am Klimawandel?”
cah51: Kopenhagen: Hoffen auf ein Scheitern
JayJay: Werbung für das Klima

Nein, mir geht es diesmal nicht um Klimawandel und grüne Politik. Sondern um Fussballfans. Besagte Earth Hour wurde in München nämlich von Fussballfans zweckentfremdet. Genauer gesagt von Anhängern des TSV 1860 München. Jene wehren sich nämlich schon lange gegen die Untermieterschaft ihres Vereins in der AllianzArena, dem Stadion des roten Erzrivalen, des FC Bayern. Sie verlangen die Rückkehr ihres Lieblingsvereins in seine alte Heimat, in das altehrwürdige Grünwalder Stadion (auch Sechzger Stadion genannt), dessen Ausbau OB Ude (SPD) bereits 1994 bei der damaligen Aufstiegsfeier am Marienplatz versprochen hatte. Letzte Woche wurden der Stadt nun erneut Umbaupläne vorgestellt, doch nach nur zwei Stunden wurde vom Stadtrat entschieden, den Traum der Rückkehr endgültig platzen zu lassen. Das wollen sich die treuen, blauen Fans nicht bieten lassen. Sie wollen kämpfen bis dass ihr Traum endlich doch wahr werden wird.

Über Internet wurde spontan zu einer Flashmob-Aktion während der besagten Earth Hour aufgerufen. Als das Licht am Marienplatz ausging, wurde ein Transparent mit folgender Aufschritt entrollt: „Bevor auch das letzte Licht ausgeht – Sechzig muss heim nach Giesing“ und hunderte Wunderkerzen wurden angezündet. Ca. 250 Löwenfans stimmten zudem lautstark Gesänge wie „Grünwalder Stadion“ oder „Raus aus der Arena!“ an.
Da das neue Stadion wohl auch sehr CO2-ausstoßfreundlich gestaltet werden würde, war auf einem anderen Transparent „Klimaneutrales Stadion-Jetzt!“ zu lesen. Man wolle so auch die Grünen fürs neue Stadion begeistern 😀

Die SZ zu dem ganzen Spektakel:
Demo-Piraten

Diese Aktion nötigt mir durchaus Respekt ab. Als Liberaler bin ich natürlich ohnehin dafür, dass das Stadion endlich privatisiert wird und an den „moralisch einzig legitimen“ Eigentümer, den TSV 1860, zurückfällt (denkbar wäre hierbei ein Erbpachtverfahren.) Desweiteren gehört das Baurecht schon lange vereinfacht und dem Verein die Genehmigung erteilt, ein rein privat mittels Investoren finanziertes Stadion zu erbauen. Der einheimischen Gastronomie-Wirtschaft täte dies auch gut (viele Kneipen mussten 1995 nach dem Löwenumzug ins Olympiastadion zumachen.)

Doch nicht nur als Liberaler, sondern auch als persönlich Betroffener bin ich absolut auf der Seite der 1860fans. Denn- hiermit oute ich mich- ich selber bin seit Jahren Löwenfan und bereits oft im Grünwalder Stadion gewesen. Mein Herz schlägt somit ebenfalls für Giesing. Womit ich also zugleich zugeben muss, dass auch ein Atheist wie ich halt doch seine ganz eigene Religion hat, *G*. (Denn 1860 ist eine Religion, ein Mythos und nicht nur ein Fussballverein! Meine Stimme ist nicht umsonst heute noch heiser von den Gesängen am Montag abend im Auswärtsblock am Betzenberg in Kaiserslautern.)

Vielleicht ein Schock für manche unserer Leser, aber so ist es nunmal und nun ist es eben heraus. Ich bitte aber etwaige Bayernfans unter unseren Lesern davon abzusehen hier nun Unfug zu posten. Dass der sympathische „Chaosverein“ 1860 wirtschaftlich von eurem Verein noch viel lernen könnte, weiß ich nur zu gut selbst. Solidaritätsbekundungen, egal von wem, sind jedoch jederzeit willkommen.

Die Verantwortlichen des TSV 1860 Flashmob haben ihrerseits bereits angekündigt, dass dies wohl erst der Anfang war. Für die Zukunft sind wohl noch weitere (natürlich friedliche) Guerillaaktionen geplant. „Bildet Banden, bildet Netzwerke! Jeder, der Lust hat und etwas zur Stadiondiskussion beitragen kann, muss binnen Stundenfrist erreichbar sein. Das heute war das Pilotprojekt – wir starten jetzt richtig durch!“, so ein Fan mit dem Nickname Kraiburger im Internet. Bambule! 😉

Hier die Videos zur Aktion:

BAUT DAS SECHZGER AUS!

Und hier noch ein wenig Musik von der Punkband Lustfinger:

Weiterführende Links zur Thematik:
Freunde des Sechzger Stadions
Umbaupläne des TSV 1860
Stefan Markt: Brief an Ude

Sechzger

Advertisements

April 3, 2010 - Posted by | Ökologismus, Sport, Video | , , ,

3 Kommentare »

  1. Schön!

    Kommentar von lalibertine | April 6, 2010

  2. Sehr interessantes und lesenswertes Interview mit pro1860, wo glory60 und ich beide Mitglied sind:
    http://www.sportswire.de/und-nun-interview-mit-pro1860/

    Kommentar von CK | April 23, 2010

  3. 24.04.2010 – Löwenfans kapern die Radlnacht

    Zum Sechzger kommt man auch mit dem Rad – Wir fahren schonmal vor –

    Wieder einmal wussten Löwenfans eine öffentliche Veranstaltung zu nutzen um Werbung in eigener Sache zu betreiben. 120 Fans schwangen sich auf ihre Drahtesel und begleiteten lautstark den Zug um den Altstadtring um
    für den Umbau des Grünwalder Stadions zu demonstrieren.

    Für den Start einer neuen Fahrrad-Kampagne sperrte die Stadt München am Abend des 24. April 2010 den Altstadtring für Autos. Den Fahrradfahrern, die sich auf die Tour auf dem Ring begaben schloss sich jedoch auch ein
    Pulk an Löwenfans an. Von Beginn an wusste dieser die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Lautstark wurde nochmals in Erinnerung gerufen das der gemeine Löwenfan weiterhin hinter den Umbauplänen für das Grünwalder Stadion steht und sich auch von der noch ablehnenden Haltung der
    Stadtspitze zu diesem Thema nicht unterkriegen lässt.

    Seinen Höhepunkt fand der ebenso friedliche wie laute Protest in einem kurzen Stopp am Isartor. Dort schlossen sich den 120 Fahrradfahrern noch 80 Löwenfans ohne Veloziped an.Mit Spruchbändern, hochgehaltenen
    Fahrrädern und Gesängen wurde die Aufmerksamkeit nochmals auf sich gezogen. Im Anschluss ging es im Konvoi dann, getreu dem Motto, den Giesinger Berg hinauf gen Heimat.

    Erneut zeigte sich das der Kampf für die endgültige Rückkehr in die Heimat noch längst nicht vorbei ist. Die Stadionkommission, welche in beeindruckender Weise gezeigt hat das ein Umbau machbar ist, genießt
    weiterhin mit Ihren Plänen unsere vollste Unterstützung. Weitere öffentlichkeitswirksame Aktionen werden mit Sicherheit folgen.


    GEIL!

    Kommentar von CK | April 26, 2010


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: