L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Abortion is Pro-Life

Unter dem obigen Titel ist folgende Homepage zu ergoogeln. Dabei wird sich aus objektivistischer Sicht mit dem Thema Abtreibung auseinandergesetzt. Die Argumente Peikoffs kann ich mehr oder weniger voll unterschreiben. Zwar hat ein Embryo eine eigene DNA, aber er ist nichtsdestotrotz bis zur Geburt Teil des Körpers der Frau und somit kein eigenständiges, menschliches Wesen, sondern ein in Symbiose mit der Mutter lebender, heranwachsender neuer Organismus, der zum vollständigen, menschlichen Lebewesen erst noch werden wird, dies aber auch nur mit der Erlaubnis der Mutter zu tun vermag.

„Mein Bauch gehört mir“ meinte die Frauenbewegung in den 70ern und sie hatte recht. Wer Abtreibung verbieten möchte, stellt ein imaginiertes Recht des Embryos auf Leben über das Selbstbestimmungsrecht der Frau. Jede Frau hat- wie auch jeder Mann- das Recht auf ihr eigenes Leben, auf ihre eigenen, freien Entscheidungen, auf Geburtenkontrolle und Verhütung und eben auch auf das Eigentum an ihrem eigenen Körper. Jeder Mensch gehört sich selbst, nicht seinen Mitmenschen oder dem Staat. Andernfalls ist er ein Sklave.

Wichtig ist mir jedoch klarzustellen, dass es sich bei einer Entscheidung pro/contra Schwangerschaftsabbruch, welche eben persönliche Angelegenheit der Frau sein sollte (die vermutlich ihre Entscheidung auch nicht treffen wird ohne vorher den Vater und etwaige andere Vertrauenspersonen zu konsultieren), keineswegs um eine Entscheidung handelt, die auf die leichte Schulter genommen werden kann. Es ist eine extrem schwierige Entscheidung, mit der frau später den Rest ihres Lebens leben muss. Sie sollte also wohlüberlegt und unter Abwägung aller Argumente dafür und dagegen getroffen werden. Eine Banalisierung wäre hier absolut fehl am Platz.

Es mag tatsächlich Frauen geben, die aus kompletter Unachtsamkeit, Dummheit und/oder Verantwortungslosigkeit ungewollt schwanger werden und die Abtreibung nun für eine simple Lösung halten.
Sie haben durchaus moralische Verurteilung verdient, wohl aber rechtfertigt ihre Unmoral keine Verletzung ihrer Grundrechte. Eine Abtreibung ist nunmal nichts, worauf die Erzeuger des Embryos stolz sein können. Dererlei Situationen sollten vermieden werden. Von Frauen wie auch Männern. Ich für meinen Teil schlafe mit keiner Frau ohne Kondom, Pille hin oder her. Desweiteren sollte die Adoptionsfreigabe erleichtert werden.

Die Gründe für eine Abtreibung dürfen niemals und unter keinen Umständen der Grund für ein Verbot sein, wohl aber gibt es Gründe, die nur noch als monströs zu bezeichnen sind. Wer einen Abbruch vornehmen lässt, bloß weil der Embryo das „falsche“ Geschlecht hat, ist ein widerlicher Sexist und mit einem solchen, verdorbenen Unmensch sollte kein Mensch sich mehr abgeben.

Abtreibungen (schwer) behinderter Kinder kann ich jedoch verstehen. Man kann von Eltern nicht verlangen, dass sie sich sowas antun, wenngleich ich tiefsten Respekt vor denen habe, die es dennoch tun. Hier sollte man mit moralischen Urteilen vorsichtig sein oder als Aussenstehender am besten erst gar keins fällen.

Die Kollegen von sokrates.lu haben eine Petition zur Liberalisierung des Luxemburger Abtreibungsgesetzes ins Leben gerufen. Den darin beinhaltenden Punkten stimme ich bis auf den letzten Punkt (Kostenrückerstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung) vollkommen zu. Solange keine medizinische Indikation vorliegt, sollte die betreffende Person für ihre unverantwortliche Haltung gefälligst selber die Verantwortung übernehmen. Private Krankenkassen können von mir aus jedoch gerne diesen Service auch noch anbieten. In den seltenen Fällen, wo eine Vergewaltigung vorliegt, ist- falls möglich bzw. wenn bekannt- zudem der Vergewaltiger zur Kasse zu beten. Trotz meiner Ablehnung dieses letzten Punktes habe ich die betreffende Petition jedoch bereits signiert.

Die Frage nach der Finanzierung von Abtreibungen beschäftigte auch die USA anlässlich der Gesundheitsreform Obamas. In der Tat ist es ungerecht, Abtreibungsgegner für Abtreibungen mitbezahlen zu lassen und dies sollte keinesfalls Praxis werden. Aber ObamaCare ist ohnehin ein ganz eigenes Thema und meiner Meinung nach hat der Staat im Gesundheitssystem eigentlich sowieso überhaupt nichts verloren, da dererlei Ungerechtigkeiten zwangsläufig die Folge seiner Einmischungen sein müssen.

Desweiteren bin ich dagegen, Krankenhäuser und Ärzte zu zwingen Schwangerschaftsabbrüche anzubieten. Jeder Arzt muss selber entscheiden ob er einen solchen Abbruch vornehmen möchte oder nicht und jedes Krankenhaus sollte seine eigenen Regeln aufstellen dürfen. Auf einem freien Markt gäbe es also Krankenhäuser, die solche Abbrüche erlauben und welche, die diesen Service nicht anbieten. Es gibt ein (negatives) Recht auf Schwangerschaftsabruch insofern als dass der Staat einen solchen Abbruch nicht verbieten darf und niemand eine Frau zum Austragen eines Kindes zwingen sollte. Wohl aber gibt es kein (positives) Recht darauf eine Abtreibung auch zu erhalten. (In staatlichen oder öffentlichen Krankenhäusern sollte die Entscheidung allein den Ärzten überlassen werden, weil im Gegensatz zu einem rein privaten Krankenhaus hier kein „echtes“ Eigentumsverhältnis vorliegt.)

Punkto Abtreibungsfrist: im Grunde hat der Embryo oder später Fötus bis zur Geburt kein Recht auf Leben. Eine Frist von drei oder vier Monaten ist jedoch wohl ein guter Kompromiss. Ich erkenne nämlich an, dass es heute möglich ist, Frühchen ausserhalb des Mutterleibes immer erfolgreicher am Leben zu halten und die Abtreibung ab dem fünften Monat schon moralisch irgendwie fraglich wäre. So lange würde aber keine Frau wohl warten. Denkbar wäre zudem auch, dass bei solchen (extremen) Spätabbrüchen das Kind gerettet werden müsste. So genau habe ich mir darüber aber noch keine Gedanken gemacht, da solche Fälle wohl mehr verrückte Gedankenkonstrukte sind als wirklich mögliche Realität. Auch Ayn Rand schwieg wohl zum Thema Spätabtreibungen. In den ersten drei Monaten einer Schwangerschaft ist der Embryo jedoch noch recht primitiv, vergleichbar vielleicht mit einem Frosch oder so. Dieser Zellklumpen kann niemals die gleichen Rechte haben wie ein echter Mensch.

Die bei Abtreibungen gewonnenen Stammzellen sollten zudem explizit zur Erforschung derselben verwendet dürfen, medizinischer Fortschritt, der später Menschenleben retten könnte, darf hier nicht aus religiösen oder anderweitig falschen moralischen Gründen blockiert werden.

Zum Abschluß sei der Vollständigkeit halber auch nochmal präzisiert, dass es hier nur um freiwillige (von Frauen also eindeutig gewollte) Abbrüche geht. Zwangsabtreibungen (wie es sie u.a. in China und Tibet gibt) sind allerschlimmste Verbrechen, denen Einhalt geboten werden muss. Der Staat hat so wenig das Recht, einer Frau eine Mutterschaft zu verbieten wie ihr eine aufzuzwingen. Genausowenig hat er das Recht für Kinder horrende Strafzahlungen zu verlangen.

Desweiteren bin ich der Meinung, dass es einen Paragraphen im Strafgesetzbuch geben sollte, der „(fahrlässige) Zerstörung eines Kinderwunsches“ unter Strafe stellt. Ich denke da an den Fall der Schwangeren, die vor einigen Monaten ihr Kind als Folge eines Autounfalls verlor (einen Fall wo ich mich ja immer noch wundere, dass die Kirche dazu schwieg) oder an ärztliche Kunstfehler. Dies sollte jedoch nicht von einem imaginierten Recht auf Leben des Embryos abgeleitet werden, sondern aus dem Recht des Lebens der Mutter, deren Entscheidung für ein Kind in ihrem Leben und die damit verbundene Freude auf grausame Weise vernichtet wurden.

Ich bin also ein radikaler Verfechter des Rechtes auf Abtreibung und lege mich deswegen oft gerne mit der religiösen Rechten (und sogar manchen Libertären!) an, die ihre Einstellung auch noch für besonders lebensfreundlich halten. Ich hoffe, mit diesem sicherlich umstrittenen Beitrag interessante Antworten zu moralisch schwierigen Fragen gegeben zu haben und hoffe auf nicht minder interessante Kommentare unserer treuen Leser dazu.

Siehe auch:
JayJay: ProChoice, ProLife und der Staat
Alex Epstein: The Religious Right’s Culture of Living Death

März 27, 2010 - Posted by | Neues aus Luxemburg, Objektivismus | , ,

9 Kommentare »

  1. Das Alte Testament behandelt die Problematik des Schwangerschaftsabbruchs nur am Rande, und im Judentum gibt es keine einheitliche Auffassung dazu. Das antike Judentum trat gegen die Kindstötung auf, wie sie zum Beispiel im Kult des Moloch praktiziert wurde, und lehnte auch Abbrüche ab, es sei denn, das Leben der Mutter war durch die Schwangerschaft gefährdet. Beispielsweise verurteilte Philo von Alexandria (1. Jahrhundert) die Nichtjuden wegen der weit verbreiteten Praktiken von Abbrüchen und Kindstötung. Jenseits des allgemeinen Konsenses, dass der Schwangerschaftsabbruch grundsätzlich verboten ist, wenn das Leben der Mutter nicht in Gefahr ist, gibt es kontroverse Diskussionen.

    Ein Ausgangspunkt ist, dass die Frage, ob es sich beim ungeborenen Kind schon um einen Menschen handelt, nicht nach naturwissenschaftlichen, sondern nach innerreligiösen Maßstäben beantwortet wird. So wird das Leben in der Bibel oft mit dem Atmen gleichgesetzt; siehe Odem, Ruach (Lebenshauch) und Atemseele. Der Talmud sagt, dass die befruchtete Eizelle bis zum 40. Tag „bloß Wasser“ ist, „mayim b‘alma“. Dass der Schwangerschaftsabbruch trotzdem nicht beliebig freigegeben wird, ist unter anderem auf das biblische Fortpflanzungsgebot zurückzuführen. Ein weiterer Ausgangspunkt ist Exodus 21,22: „Und wenn Männer mit einander zanken und stoßen eine schwangere Frau, dass ihr die Kinder abgehen, aber es ist keine Lebensgefahr: so werde er am Gelde gebüßt, so viel ihm der Gatte der Frau auferlegt und er zahle durch die Richter.“ Aus der Geldbuße im Gegensatz zur Forderung „Leben für Leben“ (Jus talionis) wird ein minderer Rechtsstatus des Ungeborenen hergeleitet. Nach talmudischem Recht gilt der Fötus nicht als eigenständiges Leben, sondern als Teil der Mutter („Der Fötus ist die Lende der Mutter“) und Eigentum des Ehemanns.

    Bis zum Zeitpunkt der Geburt darf der Fötus abgetötet werden, um das Leben der Mutter zu retten: „Wenn die Frau Schwierigkeiten bei der Niederkunft hat, zerschneide man den Fötus in ihrem Inneren und ziehe ihn Teil für Teil heraus, denn ihr Leben gilt mehr als seines. Wenn der größere Teil [andere übersetzen: der Kopf] geboren ist, berühre man ihn nicht, denn ein Leben darf nicht für ein anderes Leben beseitigt werden.“ Also ist die Tötung ab diesem Zeitpunkt in jedem Fall verboten. Moses Maimonides ist der Meinung, dass der Fötus unter Umständen wie ein „Verfolger“ betrachtet werden muss, als jemand, der versucht, die Frau, die Probleme bei Schwangerschaft und Geburt hat, umzubringen. Nach dem Gesetz darf aber jeder, der eine andere Person in Tötungsabsicht verfolgt, selbst getötet werden. Damit rechtfertigte er den Schwangerschaftsabbruch nur bei der Lebensgefahr für die Mutter. Der aschkenasische Oberrabiner von Israel Isser Jehuda Unterman (1886–1976) verglich die Abtreibung mit Mord, wenn keine Gefährdung der Mutter vorliegt. Zu einer solchen Gefährdung zählte er auch den seelischen Druck, der die Mutter in den Suizid treiben könnte. Der ehemalige sephardische Oberrabbiner Ben Zion Chai Usiel (1880–1953) billigte den Schwangerschaftsabbruch auch bei geringeren Unbilden für die Frau. Dabei stützte er sich auf die Talmudstelle, an der von Entwürdigung die Rede ist: „Auf jeden Fall ist es ganz eindeutig, dass sie das Abtöten des Fötus ausschließlich in einer Notlage zuließen, doch auch dann, wenn die Notlage nicht schwerwiegend ist, wie zum Beispiel eine mögliche Entwürdigung der Mutter. Doch ohne Notlage ist es sicher verboten, denn es handelt sich hier um Vernichtung und die Verhinderung einer Lebenschance für eine nefesch in Israel.“ Usiel ließ also die Abtreibung selbst aus weniger schwerwiegenden Gründen zu, untersagte sie jedoch, wenn keine rechtfertigenden Gründe vorliegen.

    Fuer diehenigen die franzoesisch verstehen, wuerde ich Ihnen raten diesen Artikel in „Wikipedia“ zu lesen:

    http://fr.wikipedia.org/wiki/Positions_du_juda%C3%AFsme_%C3%A0_l%27%C3%A9gard_de_l%27avortement

    Kommentar von Claude Sternberg | März 27, 2010

  2. @CS: Die Frage bei nicht medizinisch indizierten Abbrüchen ist in der Tat ab wann aus einem Zellenklumpen ein Mensch wird. Erst zur Geburt ist wohl falsch, wie die medizinischen Erfolge bei Frühchen zeigen. Aber wo genau setzt man die Grenze? Nichtsdestotrotz ist das ungeborene Leben aber auf jeden Fall bis zur Geburt nur erlaubter Insasse im Körpers der Frau.

    Das Fortpflanzungsgebot ist natürlich heute Unsinn, Kinder sollten freiwillige Entscheidung sein. Exodus 21, 22 klingt hingegen durchaus sinnvoll, entspricht wohl dem was ich „Zerstörung eines Kinderwunsches“ nannte.

    „Nach talmudischem Recht gilt der Fötus nicht als eigenständiges Leben, sondern als Teil der Mutter („Der Fötus ist die Lende der Mutter“) und Eigentum des Ehemanns.“

    Das ist natürlich haarsträubend. Wenn der Fötus Teil der Mutter ist, ist er auch Eigentum der Mutter, ansonsten wäre die Frau eine Sklavin ihres Mannes.

    Die Überlegungen der Rabbiner sind ansonsten aber durchaus interessant. Danke!

    Laut Wikipedia entspricht meine eigene, persönliche, moralische Position wohl der des Reformjudentums, auch wenn ich den Abbruch dennoch komplett legalisieren möchte.

    Kommentar von CK | März 27, 2010

  3. „Das ist natürlich haarsträubend. Wenn der Fötus Teil der Mutter ist, ist er auch Eigentum der Mutter, ansonsten wäre die Frau eine Sklavin ihres Mannes.“

    Ich bin nicht Deiner Meinung, besonders wenn Du den ganzen Satz liest:
    Nach talmudischem Recht gilt der Fötus nicht als eigenständiges Leben, sondern als Teil der Muttter und Eigentum des Ehemanns.”
    Teil der Mutter verstehe ich als ein Organ, dass mit der Geburt jedes Maedchen vorhanden waere, was hier nicht der Fall ist…

    Kommentar von Claude Sternberg | März 27, 2010

  4. Sorry, ich habe mich geirrt..
    Was ich sagen wollte ist:
    Eigentum der Mutter verstehe ich als ein Organ, dass mit der Geburt jedes Maedchen vorhanden waere, was hier nicht der Fall ist…

    Kommentar von Claude Sternberg | März 27, 2010

  5. @CS: Okay, aber wieso Eigentum des Mannes??? Weil Sperma mehr Wert ist als ne Eizelle?😉

    Selbsteigentum wie manche Libertäre es nennen (der Embryo gehört ihnen zufolge sich selbst), wäre da noch verständlicher.

    Kommentar von CK | März 27, 2010

  6. Ok, um richtig zu handeln müsste man den originellen Text im Talmud lesen, der auf hebräisch/aramäisch geschrieben ist.. Vieleicht haetten wir dann keinen Problem mehr..

    Kommentar von Claude Sternberg | März 27, 2010

  7. Am besten nehmen wir Kondome und zeugen nur Kinder, wenn wir wirklich welche wollen, dann gibt es ohnehin keine Probleme😉

    Das ist die vernünftige/rationale Entscheidung. (Rational ist mein Lieblingswort in letzter Zeit, damit ärgere ich JayJay und Nestor immer. :D)

    Kommentar von CK | März 27, 2010

  8. Ayn Rand vs. Ronald Reagan:
    http://www.aynrand.org/site/PageServer?pagename=reg_ar_mediocrity

    Am Anfang geht es um Abtreibung. Wie immer brilliant😉

    Kommentar von CK | März 27, 2010


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