L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Baaders Traum

Roland Baader, ein Schüler von Hayeks schreibt in seinem Buch „Kreide für den Wolf – Die tödliche Illusion vom besiegten Sozialismus“ einen großen Traum nieder, der sich wohl so leider nie in einem nationalen Parlament ereignen wird. In diesem Traum stellt ein von liberalen Grössen wie Frédéric Bastiat, Richard Cobden oder Eugen Richter beeinflusster Abgeordneter sich hin und erklärt einem vollen Haus wieso Politik „fauler Zauber“ ist und eigentlich abgeschafft gehört, der Staat sich endlich aus der Wirtschaft zurückziehen sollte und seine kranke Bürokratie abgebaut gehört. Eine tolle Rede, die ich so voll und ganz unterschreiben würde, auch wenn ich persönlich als Atheist den christlichen Glauben aus dem Spiel lassen würde.

Ich träume von einem vollbesetzten Bundestag (wohl nur bei Abstimmung über Diäten-Erhöhung möglich). Plötzlich erhebt sich einer der Abgeordneten, allen anderen als aufrechtes Mannsbild bekannt, und tritt ans Mikrofon. Lange schaut er schweigend ins Hohe Haus, bis gespannte Stille eingetreten ist. Dann sagt er:

»Meine Damen und Herren:

Ich bin ein glühender Anhänger des demokratischen Rechtsstaats; ich bekenne mich zur freiheitlichen, individualistischen und christlichen Kultur, Tradition und Zivilisation des Abendlandes und der freien westlichen Welt. Und genau aus diesem ernsten Grund sage ich allen hier versammelten Volksvertretern, allen Parteien, Politikern und Regierungsmitgliedern: Ich brauche Euere Subventionen und Transferzahlungen nicht; ich will nicht Euer Kinder-, Mutterschafts- und Sterbegeld, nicht Eure tausend Almosen und milden Gaben, die Ihr mir vorher aus der Tasche gezogen habt – und mir und meinen Kindern noch in fünfzig Jahren aus der Tasche ziehen werdet. Ich brauche keine subventionierte Butter, kein Quoten-Rindfleisch und keine preisgarantierte Milch, keine EG-genormten Planwirtschafts-Erbsen und keine ministergelisteten Medikamente; ich brauche keinen Schwerbeschädigten-Ausweis für meine Plattfüße und keinen Almosen-Freibetrag für meine pflegebedürftige Großmutter, auch keine Kilometerpauschale und keinen Kantinen-Essensbon über eine Markdreißig. All‘ Euere Wahlfang-Pfennige und -Scheine könnt Ihr Euch an den Hut stecken. Aber: Laßt mich dafür auch in Frieden. Ich bin nicht Euer Buchhalter, Statistiker und Belegsammler, der die Hälfte seiner Lebenszeit damit zubringt, Euere Schnüffel-Bürokratie zu befriedigen, der von einem Paragraphen-Knäuel zum anderen taumelt und sich wie eine gehetzte Ratte durch alle Kanalwindungen Euerer kranken Steuergehirne windet. Schickt Euer Millionenheer von Faulärschen und parasitären Umverteilern nach Hause, Euere Vor- und Nachdenker moderner Wegelagerei und Strauchdiebeskunst, Euere Bataillone von Steuerfilz-Produzenten, Labyrinth-Pfadfindern und Paragraphen-Desperados, Euere Funktionärs-Brigaden von Verordnungs-Guerilleros und Stempelfuchsern, all‘ die nutzlosen Formularzähler und Arbeitsverhinderungs-Fürsten. Laßt mich einen festen, eindeutigen und ein-für-alle-mal fixierten Steuersatz zahlen, und bezahlt damit eine angemessene Verteidigungs-Armee und ein verläßliches Rechtswesen, aber haltet Euch ansonsten heraus aus meinem Leben. Dies ist mein Leben; ich habe nur eines, und dieses eine soll mir gehören. Ich bin niemandes Sklave, niemandes Kriecher und niemandes Liebediener. Ich bin ein freier Mann, der für sein Schicksal selbst und allein verantwortlich ist, der sich in die Gemeinschaft einfügt und die Rechte anderer genauso respektiert wie er seinen eigenen Pflichten nachkommt, der aber keine selbsternannten Ammen und scheinheilige Gute Onkels, keine ausbeuterischen Wohltäter und von mir bezahlte Paradiesverkünder braucht.Was ich brauche, das sind: Freunde, Familie und rechtschaffene Christenmenschen, in guten und in schlechten Zeiten; und ich bin Freund, Familienglied und Christ, auch dann, wenn es anderen schlecht geht; aber dazu brauche ich keine Funktionäre und Schmarotzer, keine bezahlten Schergen und staatsversorgte Wohltäter. Dazu brauch ich nur die mir Nahestehenden und den Herrgott. Hier stehe ich. Gott helfe mir! Ich kann nicht anders!«

Es wird Zeit, dass dieser Traum Baaders wahr wird 😉

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März 17, 2010 - Posted by | Klassischer Liberalismus | ,

9 Kommentare »

  1. Ja! Nur noch die Rüstungsindustrie sollte staatlich unterstützt werden! Auf zum real existierenden Liberalismus! Eine Wunderwelt für alle, in der Milch und Honig fließen (nach Münzeinwurf, versteht sich!)

    Kommentar von Joël | März 17, 2010

  2. Träume sind Schäume.

    An ech ginn dem Joël Recht.

    Kommentar von Grommel | März 17, 2010

  3. @Joël: D’Arméi sollt laut klassesch Liberaler an Staatshand an -kontroll bleiwen, well sie d’Uwendung vun Gewalt enner objektiv Gesetzer stellen wellen. Net well si irgendwelch Rüstungskonzerner wellen ennerstetzen.

    Rüstungskonzerner schaffen keen Wuelstand am Géigensatz zu Produzenten. Si kennen secherlech Wuelstand, besser gesoot Liewen, Fraiheet an Eegentum virun kriminellen Zougreff schützen a secheren an dermatter och noutwendeg Bedingungen fir Investitiounen schaffen, daat ass jo u sech hir legitim Aufgab, mee selwer produzéieren se naischt (am Senn vun Wertschöpfung/-kreation.) Et ass een noutwendeg Iwwel.

    Ech ginn nach méi wait esouguer: an enger Welt vun (zumindest einegermossen) liberalen Staaten giew et guer keen Kriich méi gin. Haut huet Daitschland jo och keen Grond an Frankraich anzefaalen. An enger Welt ouni Diktaturen wir esouguer eng komplett Ofrüstung wuel méiglech. Ech sinn an daer heiteger Welt mat Konsorten wéi Iran allerdéngs dergéint eis schutzlos auszeliwweren. Mee dat leit un engem horrenden Mangel un Liberalismus (vun munchen Staaten), net un zevill Liberalismus.

    An datt een fir Géigenleeschtungen wéi Mellech an Hunneg bezillt, ass jo wuel selbstverständlech. (Vun Charity adgl. natirlech mol ofgesin.)

    Kommentar von CK | März 17, 2010

  4. Baader war mein persönlicher Einstieg in den Liberalismus. Überhaupt war es mein erstes „politisches“ Buch. Ich war in einigen Foren unterwegs (Blogs noch nicht) und da gab es Diskussionen über den Libertarismus und Baader wurde empfohlen.
    Ich habe gleich aus Neugierde „Totgedacht: Warum Intellektuelle unsere Welt zerstören“ und „Geld, Gold und Gottspieler“ gelesen.
    Großartige Bücher und kann ich auch empfehlen. Ich mag auch sein Schreibstil. Könnte aus Anfang des vorigen Jahrhunderts stammen, wo man sich um Korrektheit überhaupt kein Kopf machte. Genauso wie Mises : Bürokraten sind Speichellecker … sowas liebe ich 😀

    Kahn hat es auch gelesen ^^ http://www.youtube.com/watch?v=AZvNp_Fx6CM

    Kommentar von Neocool | März 18, 2010

  5. @Neocool: Habe selber von Baader noch kein ganzes Buch gelesen, aber hab mal vor längerer Zeit den Audio-Mitschnitt einer Radiosendung mit ihm auf dem Laptop gehabt(insges. ca. 4 Stunden Diskussion über so ziemlich alle bedeutenden pol. Themen.) Nach einem Festplattencrash ging dieser jedoch leider verloren. Damals fing ich an mich für radikalliberale Ideen zu begeistern.

    Endgültig überzeugt hat mich dann jedoch vor zwei Jahren Robert Nozicks „Anarchie, Staat, Utopia“, was vor allem für Linke (bzw. Leute die- wie ich selber- ursprünglich von links herkommen) verdammt lesenswert ist. Ab da gab es kein Zurück mehr für mich. 🙂

    Ein weiterer großer Durchbruch waren zudem Leonard Peikoffs Bücher „Ominous Parallels“ und „Objectivism: The Philosophy of Ayn Rand“, was ich letztes Wochenende endlich zu Ende gelesen habe. Viele Libertäre postulieren ja das Nichtagressionsprinzip als Axiom ohne tiefgründig zu erklären wieso Freiheit gut sein soll oder sie argumentieren- wie ich vor nicht allzulanger Zeit auch- grösstenteils utilitaristisch (wie die meisten Ökonomen, siehe Friedman-Familie). Die Objektivisten liefern jedoch eine ethisch-moralische Verteidigung freier Märkte und stützen sich dabei auf die Natur des Menschen. Ersteres tun zwar auch die sog. Naturrechtler, aber die bringen unglücklicherweise meist Gott noch mit ins Spiel, da die meisten von ihnen gläubig sind.

    Kommentar von CK | März 18, 2010

  6. Ja Baader bringt oft Gott in’s Spiel. Hat mich damals noch nicht gestört.

    Von Peikoff habe ich noch keine Bücher gelesen, außer ein paar Texte. Objektivismus ist schwerer Stoff und man sollte versuchen ihn wirklich zu verstehen. Jedes noch so kleine Verständnis war für mich ein großer Gewinn. Viele Texte von Peikoff oder sein Podcast kann man auch erst begreifen, wenn man Objektivismus einigermaßen verstanden hat, vor allem die verwendeten Begriffe, denn ohne gemeinsame Basis von Definitionen sind Diskussionen sinnlos. Für mich ist er noch zu unverständlich. Ausschnitte aus der DIM Hypothese beweisen das nur zu gut

    Anfangs kamen mir objektivistische Texte im Internet total platt vor (wenn ich sowas im Deutsch Aufsatz abgegeben hätte, dann bekäme ich vom Inhalt wohl ne 5) und ich hab mich ständig irritiert gefühlt: Wie, rational? Darunter versteht doch jeder was anderes, was wollen die? Das Streben nach Glück? Was wollen die mir damit sagen? Jeden gefällt doch was anderes gut! Und was ich überhaupt gut? Ist doch voll relativ!

    Aber nicht irritiert in dem Sinne, wie wenn ich ein Buch von anderen Intellektuellen oder so lese. Ich habe erkannt, dass ein System dahinter steckt und es keine willkürlichen Äußerungen einzelner Intellektueller waren. Insofern wurde ich neugierig, was man bei allen anderen Texten, die ich so gelesen habe, nie behaupten kann.

    Das waren meine Reaktionen und nach dem ersten Lesen von „Wer ist John Galt“ wusste ich, was für ein elender moocher ich doch bin (und dabei war ich doch schon liberal gesinnt!!) und Subjektivist/ Relativist.

    Am besten man liest wohl John Galts Rede mehrmals und macht sich über längere Zeit darüber Gedanken und lässt andere Bücher links liegen. Die verwirren doch nur und ich habe das Gefühl, dass das einzige Ziel vieler Intellektueller heutzutage ist.

    Jedenfalls habe ich festgestellt, dass mich liberale Texte/ ökonomische Texte immer mehr langweilen. Ich tendiere eher zum Objektivismus, aber ich habe wegen Arbeit und Studium gerade wenig Zeit.

    Vermutlich ist auch mein Kommentar hier Geschwafel, aber was solls

    Kommentar von Neocool | März 18, 2010

  7. @Neocool: Ich habe mir jetzt Atlas Shrugged endlich mal bestellt und werde es demnächst lesen 😉

    Was studierst Du denn, wenn man fragen darf?

    Kommentar von CK | März 18, 2010

  8. @ CK
    viel Spaß bei der Lektüre. Ich beneide dich. Du hast ein schönes Lesevergnügen vor dir. Ich fand es schade, als es zu Ende war. Ich habe die deutsche Version gelesen, aber das EN wird nicht so schwer sein, wie ich es in Auszügen erfahren habe.

    Maschinenbau

    war aber nie ein Matheass.
    Ich wollte erst „was mit Wirtschaft“, aber der Gedanke hat mich kurz vorm Bewerben immer mehr erschreckt.
    Informatik wollt ich auch erst. Bin aber froh, dies nicht getan zu haben, da mir das Programmieren im Maschinenbau schon lästig ist.
    Dies ist etwas, was ich allerdings hobbymäßig betreibe. Studierst du das nicht?

    Kommentar von Neocool | März 18, 2010

  9. @neocool: Danke! Mir wurde gesagt, die deutsche Übersetzung sei recht schlecht, daher lese ich lieber das Original. Zugleich verbessere ich mein Englisch.

    Studiert habe ich mal Wirtschaftsinformatik. Woher wusstest Du das? 😉

    Kommentar von CK | März 18, 2010


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