L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Die spinnen, die Iren! Für das Recht auf Blasphemie!

Seit 1.Januar können in Irland Geldstrafen bis zu 25.000 Euro verhängt werden, wenn jemand blasphemische Inhalte veröffentlicht. Was soll man dazu noch sagen? Dass ein eigentlich respektabler EU-Mitgliedsstaat wie Irland ein solches nahezu mittelalterlich anmutendes Gesetz verabschiedet, ist gegen jeden gesunden Menschenverstand. Die dafür verantwortlichen Parlamentarier und die dieses Gesetz begrüssenden Teile des irischen Volkes sollten sich schämen.

Das Recht auf Meinungsfreiheit ist ein elementares Grundrecht jedes Individuums. Dieses Recht beinhaltet in einem säkularen, liberalen Staat auch die Freiheit Religionen, Glaubensgemeinschaften und kirchliche Institutionen kritisieren zu dürfen. Genauso wie umgekehrt die Gläubigen gerne über den Atheismus herziehen dürfen. Wichtig ist nur, dass jeder die (negativen) Freiheitsrechte des Anderen respektiert.

Wen ich jemanden wirklich so unmoralisch finde, dass ich gar nichts mit ihm zu tun haben möchte, habe ich das Recht mich von demjenigen fern zu halten (ich lasse bspw. keine Neonazis in mein Haus), nicht jedoch Gewalt gegen sie anzuwenden. Ebenso habe ich das Recht, einer solchen Person den Gebrauch meines Eigentums zu verweigern. Kein christliches, jüdisches, muslimisches, buddhistisches, hinduistisches oder sonstwelch religiöses oder spirituelles Blatt muss einem Atheisten Schreibrechte gewähren (oder umgekehrt), jedoch hat ebenfalls kein Gläubiger das Recht einem Atheisten zu verbieten, seine Meinung über seine eigenen Kanäle zu verbreiten (oder eben wieder umgekehrt). Aufgabe des neutralen Rechtsstaates ist es hier allein, Meinungsfreiheit und Eigentum Aller zu schützen. (Einzige Ausnahme wären natürlich Gewaltaufrufe à la „Schlagt die Christen tot“, welche aber mit Meinungsfreiheit ohnehin nichts zu tun hätten. Das wäre Volksverhetzung und dafür braucht es kein neues Gesetz gegen Blasphemie.)

In einem freiheitlichen Staat muss man damit leben, dass die lieben Mitmenschen sich über Dinge mokieren, die einem heilig sind, dass sie Werte ablehnen, die einem wichtig sind, dass sie ihr Leben anders führen als man selbst usw. Eine offene, pluralistische Gesellschaft lebt sogar von dieser Vielfalt.

Auch religiöse Menschen selbst können über dieses Gesetz nicht glücklich sein. Darüber zu jubeln, dass andere Meinungen verboten und bestraft werden, ist stets unsinnig. Selbst wenn es sich um eine Meinung handelt, die einem persönlich noch so verhasst ist. Denn 1. Geht es hier um ein Prinzip, das der Meinungsfreiheit, was einem wichtiger sein sollte als jede persönliche Präferenz und 2. Hat der Staat erstmal die Macht dazu unliebsame Meinungen zu bestrafen, wer garantiert mir, dass morgen nicht meine Meinung ebenfalls dran ist? Leider lässt die irische Verfassung dieses Gesetz zu (was in den USA dank First Amendment undenkbar wäre).

Desweiteren gibt es unter gläubigen Menschen auch genug Kontroversen. Zwischen den verschiedenen Religionen wie auch zwischen verschiedenen Konfessionen. Wer garantiert einem gläubigen Christen, dass er nicht von einem gläubigen Moslem wegen Kritik an Mohammed angeklagt wird (dem Papst hätte dieses ja nach seiner Rede in Regensburg gedroht, hätte es dort bereits ein Gesetz wie das nun in Irland eingeführte und von der katholischen Kirche Begrüsste gegeben!) oder umgekehrt der Moslem wegen einer bösen Jesus-Karikatur?

Apropos Karikaturen: müssen religiöse Menschen, allen voran manche Moslems, nicht auch mal lernen, dass auch ihre Religion durchaus das Ziel von Satire und Spott sein darf und sie dies gefälligst zu ertragen haben? Das urkatholische Irland wird jetzt vielleicht auch bald ein Paradies für Islamisten. Hier verbietet der Staat gleich eigenhändig blasphemische Karikaturen, da kann kein Westergaard religiöse Gefühle ungestraft verletzen und man spart sich gewalttätige Mordanschläge. Überhaupt habe ich ja den beunruhigenden Verdacht, dass Irland hier des Appeasement-Teufels Anwalt spielt und somit Wasser auf die Mühlen der muslimischen Staaten gießt, die auf UNO-Ebene bekanntlich seit langem bereits von einem Gesetz gegen Blasphemie träumen. Auch enttäuschend, dass neben Fianna Fáil ausgerechnet die Grünen dieses unheilvolle Gesetz entscheidend mitvorantrieben. (Ist es denn nun wenigstens auch gleich Blasphemie, den Eisbären zu kritisieren? 😀 )

Nein, ich habe nichts gegen Religion, solange all diese Gläubigen mich in Ruhe lassen und mich in Frieden mein Leben leben lassen. Manchmal tausche ich mich sogar gerne mit friedlichen Christen, Juden oder Muslimen aus, ich bin eben tolerant. Nicht dulden tue ich jedoch, dass Religion und Staat eine unheilvolle Allianz eingehen. Die Trennung von Kirche und Staat (die m.E. ohnehin bei uns in Luxemburg noch nicht zu Genüge stattgefunden hat) ist aus guten Gründen ein friedensstiftender Eckpfeiler jeder Demokratie. Die Iren geben denselben auf eigene Gefahr auf. Zudem sollte die katholische Kirche in Irland mal lieber (finanzielle) Sühne für ihre vielen Verbrechen an Kindern leisten, aber diese Kosten hat man ja lieber auf die Steuerzahler abgewälzt.

Für das Recht auf Blasphemie!

Mohammed
Flynt
(Cover eines Lieblingsfilms von mir. Pornographie sollte natürlich ebenso von der Meinungsfreiheit geschützt sein wie Blasphemie, auch wenn sie religiöse Symbole beinhaltet.)
Mea Shearim

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Januar 6, 2010 - Posted by | Irland, Offene Gesellschaft, Pluralismus, Toleranz | , , ,

16 Kommentare »

  1. Ah, hier können wir endlich mal der gleichen Meinung sein! 😉

    Kommentar von Grommel | Januar 7, 2010

  2. –. — -.. / -.. .- — — .. – !
    LOL…

    Hasta
    Pancho

    Kommentar von Pancho | Januar 7, 2010

  3. Wo bitteschön ist denn bei dem Mann mit der Bombe im Turban Satire oder Blasphemie versteckt? Nicht sichtbar im Bart?

    Ich sehe jedenfalls keine; es sei denn, die Darstellung von Wirklichkeit wäre bereits Satire oder Blasphemie.

    Uwe Richard

    Kommentar von Uwe Richard | Januar 7, 2010

  4. Go Pat, Go! 😀

    Kommentar von lalibertine | Januar 7, 2010

  5. Daniele Dell’Agli scheint das ähnlich zu sehen wie ich; kann sich aber wesentlich besser ausdrücken.

    http://www.welt.de/die-welt/kultur/article5773466/Sie-ertragen-das-wahre-Gesicht-Mohammeds-nicht.html

    Uwe Richard

    Kommentar von Uwe Richard | Januar 8, 2010

  6. @lalibertine: 😀 Dabei mag ich das „Pisshole in the sand“ aka Jerusalem richtig gerne 😉

    @Uwe Richard: Halte NICHT jeden Moslem für einen Terroristen. Danke dennoch für den Link!

    Kommentar von CK | Januar 8, 2010

  7. @ CK
    > Halte NICHT jeden Moslem für einen Terroristen.

    Tue ich mitnichten. Nur halte ich Bilder von mit Sprengstoff bestückten Muslimen nicht für Satire, sondern für Realität.

    Genauso, wie ich Bilder (Photos) von säurezerfressenen Gesichtern von Frauen, ihnen angetan im Nahmen Allahs des Barmherzigen, nicht für Satire halte.

    Gerne sende ich Ihnen auf eigene Gefahr ein Dutzend dieser Satire-Bilder. Wenn Sie keinen guten Magen haben, sollten Sie allerdings unmittelbar vor dem visuellen Konsum derselben auf die Aufnahme von Nahrungsmitteln verzichten.

    Uwe Richard

    Kommentar von Uwe Richard | Januar 8, 2010

  8. @Uwe Richard: Ich verstehe ihren Ärger und teile ihn. (Nur am Rande: das mit der Säure wird auch Männern angetan. In der Aufregung über die Rechtsverletzungen Frauen betreffend, vergisst man oft die Männer 😉 )

    Ich wollte mit der Karikatur auch mehr darauf hinaus, dass- ob Satire oder bittere Realität- genau solche Statements in Zukunft wohl Geldstrafen in Irland mit sich bringen und das verhindert in der Tat die sicher auch dort notwendige Islam-Debatte.

    Kommentar von CK | Januar 8, 2010

  9. @CK
    > genau solche Statements in Zukunft wohl
    > Geldstrafen in Irland mit sich bringen

    Was die Herren Condell und Dawkins betrifft, gebe ich Ihnen recht. Natürlich habe ich sowohl Ihren Artikel, als auch den verlinkten Heiseartikel etc. gelesen und ich glaube auch alles richtig verstanden zu haben.

    > und das verhindert in der Tat die sicher
    > auch dort notwendige Islam-Debatte.

    Eine „notwendige Islam-Debatte“ sehe ich aber nicht behindert. Im Gegenteil. Wer *lediglich* herablassend über religiöse Gefühle anderer herzieht, ich halte übrigens „religiöse Gefühle“ nicht unbedingt für eine Geisteskrankheit, obwohl Religion im Extremfall sicherlich krank machend sein kann , trägt wenig zu einer notwendigen Islam-Debatte bei. Er behindert sie sogar, indem er das Thema auf eine Ebene zieht, die dem Ernst der Situation in keiner Weise angemessen ist.

    Dass ich das Blasphemie-Gesetz für lächerlich und schädlich halte und dass mit allen legalen Mitteln (das bezieht Satire mit ein) der Versuch unternommen werden muss, dieses Gesetz zu kippen, möchte ich, um meine Position deutlich zu machen, noch anmerken.

    Uwe Richard

    Kommentar von Uwe Richard | Januar 8, 2010

  10. Hier der rausgefilterte Link:
    http://karleduardskanal.wordpress.com/2010/01/05/richtermund-tut-wahrheit-kund/

    Kommentar von Uwe Richard | Januar 8, 2010

  11. Holà,

    méngen een „Blasphemiegesetz“ geet mëttlerweil nët méi duer…nächst Gesetz: „Anti-Verführung-junger-Männer-durch-„betagtere“-und-hochgeachtete-Damen“-Gesetz…LOL…

    Hasta
    Pancho

    Kommentar von Pancho | Januar 12, 2010

  12. @Pancho:

    Coo, coo, ca-choo, Mrs Robinson
    Jesus loves you more than you will know (Wo, wo, wo)
    God bless you please, Mrs. Robinson
    Heaven holds a place for those who pray
    (Hey, hey, hey…hey, hey, hey)

    😀 😀 😀

    Kommentar von CK | Januar 12, 2010

  13. Holà CK,

    „All the world’s a stage,
    And all the men and women merely players,
    …bla, bla, bla…“ 😉

    Mr. McGuire: I want to say one word to you. Just one word.
    Benjamin: Yes, sir.
    Mr. McGuire: Are you listening?
    Benjamin: Yes, I am.
    Mr. McGuire: Plastics.
    Benjamin: Just how do you mean that, sir?

    …LOL…

    Hasta
    Pancho

    Kommentar von Pancho | Januar 12, 2010

  14. @Pancho:

    😀 😀 😀

    Kommentar von CK | Januar 22, 2010

  15. Holà,

    …LOL…

    Hasta

    Kommentar von Pancho | Januar 23, 2010

  16. Lieber Uwe Richard, magst du mir deine mail-Adresse geben, falls du der bist, der früher in Mainz studiert hat, dann kann ich dir einen Gruß schicken, beim Googeln bin ich auf dieser Seite gelandet. Gruß,
    brigitte.fehling@gmx.de

    Kommentar von Brigitte Fehling | Dezember 14, 2012


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