L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Was Objektivisten nicht beantworten können, aber jeden Menschen umtreiben könnte…

… jedenfalls wenn er darüber nachdenken und sich diese Fragen stellen würde.

Beim Lesen dieses Textes von Onkar Ghate wird einem mal wieder bewusst, dass es in der Tat so viele Fragen immer noch gibt, die vielleicht nie beantwortet werden können, ja vielleicht gänzlich unbeantwortbar sind:

Woher kommt das Universum? Ist es aus sich selber heraus entstanden, was ein zyklisches Zeitverständnis mit sich bringen könnte, ein regressum ad infinitum, aber solche nicht-lineare Zeitinterpretationen übersteigen das menschliche Bewusstsein (Was ist überhaupt Zeit?), aus einem anderen Universum/einer Parallelwelt(?), dessen Ursprung dann allerdings genauso ein Rätsel sein wird oder eben doch von einer unerfahrbaren, mystischen Kraft („Gott“, „supernatürliche Energie“ odgl.) geschaffen.

Reality—that which exists—can have no cause or explanation: any alleged cause would itself have to exist, i.e., be a part of reality. Likewise, the universe—the totality of all that which exists—can have no cause or explanation: any alleged cause would have to exist apart from the universe, i.e., apart from the totality of what exists.

Korrekt, aber woher will Ghate wissen, dass es keine solche „Parallelwelt“ gibt? Klar, solange sie nicht bewiesen ist, gilt die Nicht-Existenz-Vermutung und wir müssen in dieser Welt hier leben nach ihren Gesetzen, aber das beantwortet doch die Frage nach der Herkunft nicht.

Existence exists.

Wahr, aber warum?

Natürlich muss es sich bei diesem „Warum“ um keinen höheren Plan, kein Schicksal oder einen Gott handeln (eine solche „Erklärung“ fände ich sowieso eher furchtbar.) Es könnte „nur“ einfach ein natürliches, wissenschaftlich erklärbares Phänomen sein, was bisher noch unentdeckt ist, jedoch eines Tages zu finden (insofern real sein, aber eben noch unerkannt.)

Hier gebe ich JayJay recht, dass dieses bisher niemand zu liefern imstande war, auch wenn er „Erklärung“ i.S. „einer höheren“ Erklärung (die ich eigentlich auch ablehne, ziehe hier die „Sinn-losigkeit“ vor, die Raum für die Sinn-setzung des Individuums und seines persönlichen Lebens macht) statt einer simpel-anfassbaren benutzt. Doch allein die naturwissenschaftliche Komponente dieser Frage treibt einen um.

Nehmen wir die Urknall-Theorie. Was hat denn dort geknallt und was hat die Explosion ausgelöst? Woher kamen diese Teilchen wiederum? Wann wurden die erschaffen und was war vorher? (Wieder auch eine Frage des Zeitverständnisses.)

Das Universum „breitet sich aus“ und „schrumpft“ laut Meinung mancher Wissenschaftler. Was heißt das wiederum? (Diesmal eine Frage des Raumverständnisses). Was ist Raum, was ist außerhalb des Raumes? Was ist nichts? (Aus Nichts kann ja eigentlich nichts kommen, da hat Ghate recht, „Le néant n’engendre rien“ hat mal ein berühmter Philosoph gesagt, weiß nicht mehr welcher, vermutlich Descartes). Was ist Unendlichkeit? Auch diese ist für uns schwer greifbar, auch wenn wir sie alle aus der Mathematik kennen. Ist es möglich, dass die Welt einfach sui generis existiert?

But if you understand that the religious approach contradicts the fundamental facts of reality, then faith is worthless. If you want to know the world, you need to use your own mind to grasp it, through careful observation and logical thought. You need reason.

Religion, die sich der Realität und unserer Vernunft entgegenstellt, ist in der Tat wertlos und dererlei Unsinn haben wir- ohne gläubigen Menschen zu nahe treten zu wollen- bereits zu Genüge auf der Welt. Doch dies beantwortet die Fragen nicht. Vermutlich sind sie auch völlig unwichtig für unser hoffentlich erfülltes Leben auf der Erde, aber sie sind dennoch pieksende Stachel in unserem Hirn.

Bei allem Respekt vor dem Objektivismus und seinen drei Axiomen (Existenz, Bewusstsein, Identität), die Stacheln verschwinden durch diese Philosophie genauso wenig wie durch eine Andere, nur der Schmerz wird betäubt oder besser gesagt- ausgeblendet um zu leben.

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Dezember 17, 2009 - Posted by | Philosophie | ,

13 Kommentare »

  1. Ah, lauter interessant Froen! Ob déi et natierlech keng wierklech Äntwerte ginn. Opmanst fir eis.

    Dat mam Big Bang huet mech och ëmmer an deem Sënn gestéiert, dass dat méi Froen schaaft ewéi äntwert. Wat huet en ausgeléist? Wouranner ass en explodéiert, wann et Raum an Zäit nach net gi sinn, etc?

    Religéis Läit brëngen jo ëmmer hiere Gott mat an d’Spill, mee och dat schaaft méi Froen wéi Äntwerten, wéi zb. wa Gott schon eiweg existéiert huet (wat och ëmmer dat genau heescht), woer dat säin eegenen Choix oder ass him einfach esou ‚passéiert‘? A wann et säin eegenen Choix woer, da misst en dee Choix jo gemaach hunn, éier hien existéiert huet?

    Kommentar von Grommel | Dezember 18, 2009

  2. @Grommel: Mol erem een Thema wou mer eis absolut eenz sinn 😉

    Kommentar von CK | Dezember 18, 2009

  3. Wonnert mech net, well ech sinn weder klassesch lenks nach riets. Sou, dass et sécher Saachen ginn, wou ech mat dir averstanen sinn, a bei aneren awer och guer net 😉

    Kommentar von Grommel | Dezember 18, 2009

  4. Wonnert mech net, well ech sinn weder klassesch lenks nach riets.

    Daat haetten mir jo dann ower sws och nach gemeinsam. 😀

    Kommentar von CK | Dezember 18, 2009

  5. An trotzdem bleiwen eng Rëtsch gravéierend Differenzen 😉

    Kommentar von Grommel | Dezember 18, 2009

  6. Ich glaube wir sollten uns darüber einmal unterhalten. Hier liegen ein paar Missverständnisse vor, nicht zuletzt hinsichtlich des Verständnisses, was „Axiom“ eigentlich heißt, und was das für die von Dir aufgeworfenen Fragen und deren grundsätzliche Sinnhaftigkeit bedeutet.

    Kommentar von S. | Dezember 19, 2009

  7. Wir haben nämlich durchaus Antworten auf diese Fragen, soweit sie philosophische sind. 😉 Sie stehen nur eben nicht unbedingt in kurzen, sehr spezialisierten Artikeln.

    Kommentar von S. | Dezember 19, 2009

  8. Auch interessant: http://justiceharvard.org

    Kommentar von Grommel | Dezember 20, 2009

  9. Merci! Laut dem Episode Guide super interessant.

    Eng Folleg dréint sech esouguer explizit em den Robert Nozick, deen emol Logik- an Philosophieprofessor zu Harvard wuar, deen Mann also deen vill derzou baigedroen huet, mir d´Aen opzemaan.

    Kommentar von CK | Dezember 20, 2009

  10. Lese zur Zeit abends Peikoffs OPAR. Kapitel 1 (Reality) befasst sich u.a. mit den Fragen in diesem Posting. Empfehlenswert!

    Kommentar von CK | Februar 15, 2010

  11. Als ich diesen Artikel damals schrieb, war mir sehr vieles bzgl. objektivistischer Metaphysik noch unklar.

    Antworten von mir selbst darauf gibt es nun hier.

    Weiterdiskutieren dazu aber gerne wieder in diesem Thread.

    Kommentar von CK | August 30, 2010

  12. @CK:

    Ja. Das was wir Zeit nennen, würde es noch geben. Schreibe ich doch selber. Und wenn es gar keine solche Wesen, auch uns nicht, gäbe, gäbe es in der Tat noch diese Relationen, ja, aber sie machen eben nur innerhalb des Universums Sinn. Versuch bitte mal die Links zu verstehen, ist nicht so schwierig.

    Aber die Zeit ist doch nicht nur eine Relation. Sie ist ein chronologischer Vorgang (zb Sonne geht auf, Sonne geht unter), der auch abläuft wenn keiner zuschaut?

    Und da du ja behauptest, dass es nichts ausser dem Universum gibt, welchen Sinn macht es dann zu schreiben, dass diese ‚Relationen‘ nur innerhalb dieses Universums Sinn machen wenn dieses Universum gleichzusetzen mit Existenz ist? Was du, wenn ich mich nicht irre, gemacht hast?

    Für Dich ist „Raum“ sowas wie ein „Gefäss“ anscheinend (eine Entität, keine Relation). Da liegt Dein Denkfehler. Worin läge dieser Raum denn wieder und wo ist das Ende dieses Raumes?

    Das ist ja das Unverständliche und ‚Mysteriöse‘ an der Sache. Der Raum ist doch eine Entität, man kann ihn messen, usw. Und der Raum ist der gleiche ob ihn jetzt jemand beobachtet oder nicht.

    Ja. Denn sonst müsste dieser Ursprung ausserhalb und vor der Existenz liegen. Was ist Nicht-Existenz/Nichts und wieso soll daraus was entstehen? Und was wäre der Ursprung dieses Ursprungs wiederum? Regressum ad infinitum

    Ok. Aber wieso kann es nicht unendliche Ursprünge geben wenn es doch auch die Unendlichkeit anscheinend gibt?

    Ich kann aber auch mit einer ‚ursprungslosen Existenz‘ leben.

    Trotzdem beantwortet das nicht all die andern Frage:

    – wieso ist überhaupt Existenz und nicht Nicht-Existenz?
    – wie kann etwas ohne Ursprung existieren?
    – warum ist die Existenz in dieser Form und nicht einer anderen?
    – wie haben sich die ‚Spielregeln‘ (oder auch Naturgesetze) gebildet?
    – wie kann man sich Unendlichkeit nun wirklich vorstellen? Weil, das einzige was wir tun können ist und etwas vorstellen und dieses dann noch zu grösser vorzustellen und noch grösser etc … aber sich wirklich etwas unendliches vorzustellen ist meiner Meinung nach weiterhin für endliche Wesen unmöglich. Auch nicht durch eine mathematische Formel oder Aussage, das ist nicht das Gleiche wie sich wirklich, physisch sozusagen, Unendlichkeit vorzustellen

    Aber naja, an sich ja auch egal, da wir hier an einer Grenze kratzen, welche die Menschen wohl nie überschreiten können.

    Prost!

    Kommentar von Grommel | August 30, 2010

  13. Sie ist ein chronologischer Vorgang (zb Sonne geht auf, Sonne geht unter), der auch abläuft wenn keiner zuschaut?

    Ereignis A: Sonne geht auf
    Ereignis B: Sonne geht unter

    Zeit = Relation der Dauer zwischen A und B. Existiert auch, wenn keiner zuschaut, ist aber eine relationale Grösse wie andere Beispiele. Grössen, die der Mensch misst und in (Teil-)Sekunden, Minuten, Stunden, Tage, Monate, Jahre, Jahrzente usw. ausdrückt. Zeit ist aber selber keine anfassbare Entität. Hast Du schonmal Zeit gesehen? Du hast die Uhrwerke der Menschen gesehen, die Messgeräte, nicht Zeit an sich.

    Welchen Sinn macht es dann zu schreiben, dass diese ‘Relationen’ nur innerhalb dieses Universums Sinn machen?

    Wenn das Universum alles ist, ist nichts sonst da zu dem es in Relation stehen könnte. Ergo kein Überkonstrukt, das das Universum enthält und auch keine Entitäten, die „vorher“ da waren. Wenn Du vom Entstehen und Anfang des Universums sprichst, willst Du das Universum mit einem Davor zeitlich vergleichen, ergo in Relation setzen.

    Ich stelle mir hingegen (wie eine Achse in einem mathematischen Modell) die Zeitachse des Universums als in beide Richtungen unendlich vor. Es gibt kein Vor dem Universum und kein Danach.

    Sollte das Universum schrumpfen, so wie es sich mal ausgedehnt hat, kommt es vielleicht gar wieder zurück zum Zustand vorm Urknall und vielleicht knallt es dann wieder und alles beginnt von vorne. Vielleicht gab es vorm Urknall schonmal Menschen. Matrix Reloaded 😉 [Nur so ein verrückter Gedanke.]

    Vielleicht aber eine Antwort auch auf „Aber wieso kann es nicht unendliche Ursprünge geben wenn es doch auch die Unendlichkeit anscheinend gibt?“
    Das n-te Universum als der Ursprung vom n+1-ten Universum. (n=Version Number, nur dass n immer unendlich wäre 😀 Du könntest aber „deine“ Universumsversion dann mit 0 numerieren und in beide Richtungen Dir unendliche Achsen vorstellen, dann haben wir unendliche Versionen, aber jede fein numeriert, man misst eben von einem Bezugspunkt aus.)

    Aber zu keinem Ursprung war nichts, weil aus dem Nichts kommt nichts. Es gibt im Universum zwar wohl leere oder fast-leere Räume, Art Vakuume. Aber glaube kaum, dass es irgendwann nur die gab. Und ich glaube nicht, dass aus einem Vakuum etwas entstehen könnte (ohne Zusammenspiel mit anderen Entitäten).

    Existenz existiert. Ein „Wieso“ gibt es nicht. Ebensowenig ein Davor. Wieso die Welt sich so entwickelt hat wie sie das hat, nach welchen Spielregeln usw. sind naturwissenschaftliche Fragen und vieles ist da sicher noch entdeckbar. Dass wir uns Unendlichkeit nur abstrakt vorstellen können, ist dann m.E. gar kein Problem, weil die Grenzen unserer Vorstellungskraft nicht gegen sie sprechen.

    Prost!

    Prost und Mahlzeit!

    Kommentar von CK | August 30, 2010


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