L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Bush ein Wirtschaftsliberaler?

Viele Amerikaner wählten Bush wegen seiner „free market“-Rhetorik. Man sah ihn als Marktbefürworter, als Wirtschaftsliberalen an (wie es ohne Zweifel früher in der „Old Right“ im 19ten Jahrhundert etliche gab, aber bei den Republikanern, von wenigen bedeutungslosen Ausnahmen mal abgesehen, schon ewig nicht mehr, selbst Reagan war trotz seiner zweifellos herrlichen Rhetorik ein sehr ambivalenter Präsident diesbezüglich). Vor einigen Jahren unterhielt ich mich noch mit einem GI in Kaiserslautern über das anstehende Wahlduell Bush-Kerry (Ich befürwortete damals übrigens den Demokraten! Dies aber nur am Rande.) Dieser meinte, er würde Bush wählen, da Kerry ihm zu „sozialdemokratisch/sozialliberal“ (amerikanisch: „liberal“, „progressive“) sei und er befürchtete, dieser würde die Steuern unnötig erhöhen im Gegensatz zu Bush. Eine typische Antwort, die jedoch erklärt, wieso viele Wähler- zumal wenn sie sich nur auf die aktuellen Steuern beschränkten, nicht aber auf die Schuldenaufnahme- Bush (unter dem, im Gegensatz zur Clinton-Zeit, in der noch ein leichtes Plus im Budget ermöglicht wurde, Defizite eingefahren wurden) fälschlicherweise für einen Wirtschaftsliberalen hielten. Bush war eher ein „Staatssozialist“ bzw. ein Fervent des „Sozialismus für Reiche“ alias Staatskorporatismus, einer Wirtschaftsform, die in ihrer extremsten Ausprägung einem faschistischen Staat zu Ehren gereichen würde, nicht jedoch einem liberalen Minimalstaat, wie ihn die RP- nicht zu Unrecht von Kevin Carson als „The Fake Party of Small Government“ betitelt– offiziell immer wieder verlangt.

Der ungläubige Leser lese selbst:

„The administration of George W. Bush, for instance, greatly expanded government power. President Bush doubled the national budget, doubled the deficit, added a digit to the national debt, signed the largest entitlement bill since the 1960s, ordered his cabinet to cooperate in regulating carbon dioxide as a “pollutant,” signed Sarbanes-Oxley, distributed economic “stimulus” checks, asked for $700 billion as business handouts, and never vetoed a spending bill. Where were the protesters then? If Americans were agitated primarily by the trend toward statism, what stopped thousands of them from rising up and venting their anger at these actions? The truck toward statism is only part of the reason for the reaction against Obama. What is the rest of the explanation?

The answer begins with Bush’s party affiliation: He is a Republican. This title carries the appearance of long-standing, fundamental support for the free market and for capitalism. Although no Republican in three generations has defended capitalism in a principled way, Republican rhetoric continues to use pro-capitalist language, mainly to oppose Democrats. Ronald Reagan’s assertion that “government is the problem” continues to resonate among supporters of the free market. However, few Republicans have been willing to face the inescapable fact that the federal budget and debt grew exponentially under both Reagan and his Republican successor, George H.W. Bush. Republican lip service to the free market has muddied the waters and continues to make it difficult for people to see that Republicans were, in fact, throttling freedom under a maze of growing federal controls. Hence there was no uprising against Republicans or their policies.

Following eight years of Bill Clinton, George W. Bush appeared to offer the best hope to regain that alleged free-market, low-tax legacy. Once again, most people did not see that the free-market image of this Republican was a mirage that bore no relation to his actions. This image gained power when Bush was touted as an alternative to his leftist Democratic challengers. This contrast of images obscured the fundamental differences between Bush’s policies and a truly pro-capitalist position. This obfuscation—instigated by the Republicans—deeply confused many honest Americans about the nature of his policies, and caused enormous harm to their understanding of both capitalism and conservatism. This split between appearance and reality—between the image of a pro-freedom Republican and the reality of a welfare-state Republican—made it difficult for people to recognize that no candidate in either party was willing to defend capitalism. As a result, any real discussion of capitalism—properly understood as a truly free market, in which individual rights are protected by the government—was obliterated from public discourse.

Bush fostered his undeserved free-market image with tax cuts that accompanied huge increases in spending and led to enormous deficits. He also appeared to oppose business regulations, even as he approved thousands of pages of new controls (e.g., Sarbanes-Oxley and the steel tariffs). His selective repeal of some rules (such as parts of the Glass-Steagall Act) contributed to the image of a free-market administration that had “deregulated” the economy. He promoted the expansion of huge federally-sponsored entities such as the Federal National Mortgage Association (Fannie Mae), the Government National Mortgage Association (Ginny Mae), and the Federal Home Loan Mortgage Corporation (Freddie Mac) because he wanted to appear compassionate to people who “needed” loans. When the market imploded, Bush proposed hundreds of billions in federal aid, saying “I’ve abandoned free-market principles to save the free market system.”

The visible result was an exploding welfare state in which capitalism was blamed for massive deficits, for rising health-care prices, for the collapse of Wall Street, for the cost of the Iraq war, and for every other bad consequence of Bush’s policies. The more fundamental, unseen result was a confused American public—a public confused about the very meaning of the free market, liberty, and individual rights, and about what a proper defense of those values would mean. “Capitalism has failed” became the mantra of the left: “We tried it under Bush, and look what happened.”

In his systematic treatment of the philosophy of Objectivism, Leonard Peikoff wrote that “[p]recisely because of their pretense,” conservatives “are the main source of political confusion in the public mind; they give people the illusion of an electoral alternative without the fact. Thus the statist drift proceeds unchecked and unchallenged.” George W. Bush is the quintessential example of this point.“

Dies ist ein Ausschnitt aus einem Artikel von John David Lewis im TOS. (gefunden via CapMag.)

Inwiefern der amerikanische Staat die Immobilienblase und die daran anschliessende Finanzkrise entscheidend mitverursacht hat, haben wir auf diesem Blog ja bereits hier und hier näher erläutert. Auch die daran anschliessenden Konjunktur- und Rettungsprogramme wie Verstaatlichungen von Banken und anderen Konzernen(aus General Motors wurde ja unlängst Government Motors, welche wiederum Opel nun nicht mehr hergeben wollen) bekamen ihr Fett ab. Bush und Obama schenken sich hier beide nichts (und ein McCain hätte wohl auch nicht anders gehandelt.)

In die gleiche Kerbe wie Lewis hauen auch Andrew Sullivan, Lew Rockwell, Mike Lillis und Cenk Uygur. Und selbst Obama warf im Glashaus mit Steinen. (Wobei Bush allerdings seinem Nachfolger in bezug auf dessen Pläne für das Gesundheitssystem, ebenfalls vorwarf, ein Sozialist zu sein.)

Es hat in der Tat mehr als einen üblen Nachgeschmack, wenn gerade die Leute, die sonst am lautesten nach dem „freien Markt“ und einer Zurückdrängung des Staates schreien (jedenfalls wenn es um „Arbeitnehmerrechte“ und Gewerkschaften geht), plötzlich von Eigenverantwortung nichts mehr wissen wollen. Dieser widerliche „Vulgär-Liberalismus“ ist für mich schlichtweg unerträglich.

Unter Bush wurde das „Department of Homeland Security“ gegründet, der Patriot Act wurde eingeführt und das Bankgeheimnis beschnitten (beides mit der Begründung der Terrorgefahr), der Militärhaushalt explodierte, u.a. wegen den teuren Kriegen in Afghanistan und im Irak, aufbauend auf der neokonservativen Doktrin, man müsse die Demokratie exportieren statt einfach die feindliche Bedrohung zu vernichten (nicht dass es nicht wünschenswert wäre, wenn die Demokratie sich weiter ausbreiten würde, aber wieso dies die „altruistische Pflicht“ des Westens sein sollte, weiss ich nicht).

Gesellschaftspolitisch war Bush ohnehin ein gewöhnlicher Republikaner, zumal er auf Stimmen der „Religious Right“ angewiesen war. Gegen Abtreibung, gegen Drogen, gegen Prostitution, gegen Zuwanderung aus Mexiko und gegen embryonale Stammzellenforschung (erst Obama lockerte hier löblicherweise die Beschränkungen!) Letzteres übrigens aus religiösen Gründen, was nicht gerade dem Prinzip der Trennung von Kirche und Staat entspricht. Aber damit hielt Bush es eh nicht so genau, da er auch schonmal religiöse Programme wie das Anti-HIV-Schulprogramm zur Enthaltsamkeit und Keuschheit oder Wohlfahrtsorganisationen kirchlicher Verbände mit Geldern zuschüttete.

Es ist gut, dass Bush weg ist. Daran gibt es keinen Zweifel aus meiner Sicht. Leider müssen wir jetzt den „Appeaser“ Obama aushalten. (Es lohnt sich übrigens den ganzen Artikel von Lewis zu lesen, da er dort auch gut erklärt wieso Obama, der im Gegensatz zu Bush wenigstens keine Mogelpackung darstellt, eine Gefahr für die USA darstellt und die Tea Parties erst möglich machte.)

Nein, wir von LfL sind definitiv keine (Neo-)Konservativen, auch wenn einige uns das vorwerfen mögen und wir vielleicht vereinzelt auf Beiträge aus diesem politischen Milieu (wie allerdings auch aus anderen Milieus) verlinken. Wir sind einfach gegen billigen Antiamerikanismus, für transatlantische Kooperation mit den USA trotz möglicher Differenzen und stehen zum Existenz- und Selbstverteidigungsrecht Israels, der einzigen Demokratie im Nahen Osten. Dies macht uns aber nicht zu Neocons. Genauso wenig wie Bush jemals ein Wirtschaftsliberaler war.

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November 7, 2009 - Posted by | Klassischer Liberalismus, Sozialismus, USA, Wirtschaft | , ,

2 Kommentare »

  1. Super Artikel, jetzt muss ich nur noch jemanden finden der Ahnung davon hat und mir das ganze nochmal im Detail erklären kann.

    Kommentar von internet guru | November 20, 2009


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