L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Neues aus Israel und Ägypten

Zwei interessante Meldungen flatterten mir via Israel heute-Newsletter ins Haus.

Meldung 1:

Am Donnerstag hat das Oberste Gericht einer Petition der Bürgerrechtsvereinigung in Israel (ACRI) gegen eine Militärorder stattgegeben, laut der Palästinenser nicht auf Route 354, 10 km südwestlich von Hebron fahren dürfen. Das Gericht benannte die Entscheidung der Armee eine „disproportionale Aktion.“ Das Gericht räumte der israelischen Armee drei Monate ein, um alternative Methoden zu finden, um die Bewohner der Siedlung Negohot zu schützen. Die Maßnahme, so das Gericht, soll 150 jüdische Siedler schützen, aber schadet tausenden Palästinensern, die nun nicht mehr auf dieser Strasse fahren dürfen.

„Israelkritiker“ lernen hier zwei Dinge:

1. Entgegen aller anderslautenden Anschuldigungen von Besserwissern ist Israel definitiv ein demokratischer Rechtsstaat, in dem eine unabhängige Justiz schonmal staatliche Organe, insbesondere das Militär, in seine Schranken weist und Fehlurteile rückgängig macht. Selbst wenn die Leidtragenden dieser Urteile keine Juden, sondern Araber sind.

2. Es gibt zudem in Israel vom selbigen Rechtsstaat geschützte (statt- wie anderswo- verfolgte) Bürgerrechtsbewegungen, die sich für die Rechte der Palästinenser einsetzen, Petitionen einreichen und vom Obersten Gerichtshof sogar noch recht bekommen können. (Welche derartigen Möglichkeiten gibt es eigentlich in Hamas- oder Fatahstan?)

Und bevor wieder falsche Verdächtigungen von Kommentatoren aufkommen: ich (und vermutlich auch meine Bloggerkollegen) begrüsse(n) selbstverständlich dieses Urteil des Obersten Gerichtshofes. Auch wenn die Sicherheit der Siedler keinesfalls unwichtig ist, so kann es doch nicht sein, dass ihretwegen die Bewegungsfreiheit der Araber im Westjordanland unverhältnismässig hart eingeschränkt wird. Hier haben wir den Triumph eines Rechtsstaates gesehen, wie es ihn in dieser Form im Nahen Osten nur in Israel gibt.

Meldung 2:

Ein sudanesischer Mann versuchte am Mittwoch auf einem Flug der Egypt Air von Istanbul nach Kairo das Flugzeug mit Hilfe eines Messers der Flugzeugmahlzeit zu entführen. Seine Forderung: das Flugzeug nach Jerusalem zu fliegen. Er wurde allerdings von Sicherheitsleute im Flugzeug überwältigt und das Flugzeug setzte ungestört seinen Flug nach Kairo fort, wo der Mann den Sicherheitsbehörden übergeben wurde.

Frage an die „Israelkritiker“: Wie kommt, dass ein Sudanese in den bösen „Apartheidsstaat“ möchte?
Und wieso interessiert die Linke sich eigentlich nicht für den Genozid in Darfur und die daraus resultierenden Flüchtlingsströme nach Israel, die den so gerne von selbsternannten Intellektuellen Europas boykottierten jüdischen Staat allem Anschein nach- mehr noch als die Türkei oder Ägypten(!)- für ihre Rettung halten?

Oktober 22, 2009 - Posted by | Ägypten, Israel, Sudan | , ,

31 Kommentare »

  1. CK:

    > „Israelkritiker“

    Firwat Apostrophen? Wells de eigentlech Anti-Semiten wolls schräiwen? Firwat mëss de et dann net?

    Oder däerf/kann een Israel net kritiséieren ouni Anti-Semit an rietsradikal ze sinn?

    An alt gutt, dass se eng onofhängeg Justiz hunn. Hier Politiker sinn jo oft genuch korrupt …

    > Hier haben wir den Triumph eines Rechtsstaates gesehen, wie es ihn in dieser Form im Nahen Osten nur in Israel gibt.

    An sou Justizwiesen sollt et natierlech méi ginn.

    > Welche derartigen Möglichkeiten gibt es eigentlich in Hamas- oder Fatahstan?

    Spillt dat eng Roll? Reagéiert Israel moralesch richteg, well eppes moralesch richteg ass oder well anerer et maachen resp. net maachen?

    > Wie kommt, dass ein Sudanese in den bösen „Apartheidsstaat“ möchte?

    Woer et e Moslem?

    Kommentar von Grommel | Oktober 22, 2009

  2. @Grommel
    Es gibt halt Israelkritiker und „Israelkritiker“, der Unterschied dürfte klar sein und auch, an wen sich CK wendet.

    „> Welche derartigen Möglichkeiten gibt es eigentlich in Hamas- oder Fatahstan?

    Spillt dat eng Roll? Reagéiert Israel moralesch richteg, well eppes moralesch richteg ass oder well anerer et maachen resp. net maachen?“

    Das spielt insofern eine Rolle, da „Israelkritiker“ (mit Anführungszeichen^^) Israel alle möglichen (falschen) Vorwürfe machen und dabei gegenüber der Hamas und Fatah blind zu sein scheinen!

    Kommentar von Popeye | Oktober 22, 2009

  3. @popeye:

    „Israelkritiker“ ist man also wenn man Israel alle möglichen falschen Vorwürfe macht und Israelkritier wenn man Israel berechtigte Vorwürfe macht?

    Scheint klar. Aber der Unterschied zwischen berechtigten und unberechtigten Vorwürfen dürfte aber zumindest manchmal Ansichtssache sein?

    Kommentar von Grommel | Oktober 22, 2009

  4. „Israelkritiker“ ist man also wenn man Israel alle möglichen falschen Vorwürfe macht und Israelkritier wenn man Israel berechtigte Vorwürfe macht?“

    Nicht ganz, es kommt auch darauf an, wie man etwas sagt. Ein gutes Beispiel hier ist das Heiraten in Israel:
    http://beer7.wordpress.com/2009/08/12/heiraten-in-israel/

    Um zu prüfen, was berechtigte Kritik ist und was nicht,schlug der frühere stellvertretende israelische Premierminister Natan Sharansky einen „3-D-Test“ vor.

    „Diese „3 Ds“ sind: die Dämonisierung und Delegitimierung Israels sowie die Anwendung von Doppelstandards, das heißt: das Messen der Politik Israels mit anderen Maßstäben als denen, die an das Handeln anderer Staaten angelegt werden“
    http://www.lizaswelt.net/2008/03/die-libido-der-israelkritiker.html

    Kommentar von Popeye | Oktober 22, 2009

  5. Die zweite Meldung ist unvollständig wiedergegeben. Der Sudanese wollte „Jerusalem befreien“. Das war nun wohl gar keine Sehnsucht im Judenstaat zu leben, sondern ein Angriff:
    http://www.digitaljournal.com/article/280848

    Kommentar von heplev | Oktober 22, 2009

  6. @Grommel: „Firwat Apostrophen? Wells de eigentlech Anti-Semiten wolls schräiwen? Firwat mëss de et dann net?“

    Deen Begreff „Israelkritiker“ (bewosst mat Apostrophen!) huet an eiser liberaler Bloggerszen séng Bedeitung an amfong sinn dermatter Antizionisten oder Antisemiten gemengt, jo, déi sech ower selwer léiwer als „Israelkritiker“ bezeechnen, déi et „jhust gutt mengen“.

    „Oder däerf/kann een Israel net kritiséieren ouni Anti-Semit an rietsradikal ze sinn?“

    Ech schléissen mech der Ausso vum Popeye un. Et haenkt vun der Form vun Kritik of. Ob se nach verhältnisméisseg an sachlech ass (an dermatter emmer een méi oder manner wertvollen Beidrag an enger Demokratie, déi Israel jo definitiv ass) oder eben onfair, vun Hass op Israel, Scholdkomplexer asw. geprägt. Keng Angscht, Du wars trotz eisen scharfen Differenzen net gemengt, wanns Du dorobber erauswells. An och net den Asselborn.

    „Hier Politiker sinn jo oft genuch korrupt“

    Néi méi oder manner oft wéi d´Politiker an aneren Demokratien.

    An sou Justizwiesen sollt et natierlech méi ginn.

    Eben. Genau dat wuar méng Ausso😉

    Spillt dat eng Roll?

    Besonnesch fir d´Palästinenser eng ganz grouss Roll. An em déi an hir Rechter geet et jo wuel, zumindest deenen éierlechen Israelkritiker (ouni Apostroph.)

    Reagéiert Israel moralesch richteg, well eppes moralesch richteg ass oder well anerer et maachen resp. net maachen?

    Kloer éischteres an daat ass och gutt esou, mee esou eng Astellung giew een sech bei aneren mol wenschen.

    Woer et e Moslem?

    Keng Ahnung-éierlech gesoot.

    Aber der Unterschied zwischen berechtigten und unberechtigten Vorwürfen dürfte aber zumindest manchmal Ansichtssache sein?

    Oft sogar. Nämlich dort, wo wir uns in moralischen Grauzonen bewegen, derer es in der Tat viele gibt, besonders in Kriegen. Aber die Vorwürfe der „Israelkritiker“ (mit Apostroph!) sind doch klar als „unberechtigt“ zurück zu weisen. Ich meine, wir reden hier u.a. von dreisten Propagandalügen wie dem angeblichen „Massaker von Jenin“ oder eben der Behauptung, Israel sei kein Rechtsstaat udgl.

    Kommentar von CK | Oktober 22, 2009

  7. @heplev: Danke für die Berichtigung! Zwar hätte einem die Geschichte sofort komisch vorkommen können (illegale Einwanderer gehen ja meist ganz anders vor), aber da Alkohol im Spiel war…

    Na dann ist das ja nochmal gut ausgegangen und ein Terroranschlag wurde gottseidank verhindert.

    Peinlich, peinlich aber, was mir da in der Schnelle für ein dummer Bock unterlaufen ist. Nichtsdestotrotz ist es ja bekannt, dass Sudanesen auch schonmal nach Israel zu fliehen versuchen. Lila hat ja die Tage erst darüber gebloggt.

    Kommentar von CK | Oktober 22, 2009

  8. Ich war hier heut grad auf ner Konferenz wo’s u.a. auch um die Rechtsfragen ging.

    Tatsache ist, dass Israel ein Rechtsstaat ist. Tatsache ist aber genauso, dass die Umsetzung der oftmals sehr progressiven Entscheidungen des HCJ oftmals Jahre dauert. Im Falle einer arabisch-israelischen Familie, der man aufgrund ihres Arabischseins verboten hat, ein Haus in einer rein-jüdischen Stadt zu kaufen, sogar ganze 15 Jahre. Es gibt eine de facto strukturelle Diskriminierung. Deren Existenz ist in der Wissenschaft kaum umstritten.

    Was den Fall des Sudanesen angeht ist ganz interessant, was die israelische Presse seit Tagen beschäftigt. Nämlich das Schicksal „ausländischer“ Kinder, die in Israel geboren wurden und die nun abgeschoben werden sollen.

    http://www.haaretz.com/hasen/spages/1120966.html

    Eine hohe Anzahl an „Gastarbeitern“ ist nach 1987, dem Beginn der ersten Intifada, ins Land gekommen. Die haben die Palästinenser als „billige“ Arbeitskräfte ersetzt. Allerdings ist für diese Menschen kein Platz vorgesehen im israelischen Narrativ, das den eigenen Staat als denjenigen des jüdischen Volkes betrachtet, und somit Nichtjuden generell keine Staatsbürgerschaft gewährt (es sei denn, sie konvertierten). Jahr für Jahr werden Zehn- bis Hunderttausende Menschen über Kontrakt- und Anwerbeorganisationen geholt. Die Bedingungen, zu denen diese Menschen in Israel leben, sind miserabel. Oftmals ist ihre Aufenthaltserlaubnis an einen einzigen Arbeitgeber gebunden. Sobald sie ihren Job verlieren, müssen sie zurückkehren. Effektiv leben mitlerweile hunderttausende Illegale im Land. Und da die Regierung sich aufgrund der Staatsideologie weigert diese Menschen zu legalisieren und ihnen und ihren Kindern langfristig eine Staatsbürgerschaft und permanent residence anzubieten, werden nur noch mehr geholt, um die legalen Jobs aufzufüllen.

    „Welche derartigen Möglichkeiten gibt es eigentlich in Hamas- oder Fatahstan?“

    Diese „Argument“ ist dermaßen dümmlich und Dir eigentlich unwürdig. Wieviel Relativismus steckt da eigentlich dahinter? Da kann ich auch sagen: was beschwert sich der Schwarze, dass er in Cottbus zusammengeschlagen wird? Im Kongo hätte man ihn längst umgelegt..
    Wenn etwas kritikwürdig ist, dann wird es nicht deshalb besser, weil anderswo ganz andere, noch schlimmere Saachen passieren.

    Kommentar von Parsa Kakashanian | Oktober 23, 2009

  9. @Parsa: 15 Jahre sind natürlich vollkommen indiskutabel (die Mühlen der lieben Bürokratie), wie es überhaupt unredlich ist, dass beim Verkauf eines Hauses einer Person A an eine Person B Dritte sich einschalten. Aber darf man fragen um welchen Ort es sich hierbei handelte? Und welche Quellen belegen eine systematische Diskriminierung der Araber?

    Bzgl. Asyl und illegale Einwanderung will ich Dir gar nicht unrecht geben. Allerdings sollte man fairerweise immer zuerst vor seiner eigenen Haustür kehren. Die EU und die USA sind hier mitnichten besser. Auch bei uns warten Asylanten oft ewig auf eine Arbeitserlaubnis, sind strengen Auflagen ausgesetzt bzgl. Aufenthaltsrecht, bekommen Diplome nicht anerkannt oder werden unter fragwürdigen Umständen abgeschoben so wie die Afrikaner- ich glaub Nigerianer waren es- die Frieden ins Flugzeug nach Hause gesetzt hat, obwohl die in Luxemburg gut integriert wohl waren. Dann gibt es da noch die netten Grenzzäune an den EU-Aussengrenzen, den Pakt Berlusconi-Ghaddafi zum Abballern von Flüchtlingen… Und in den USA ist das Thema „illegals“ sowieso ein Dauerbrenner, wo ich befürchte, dass Obama sich leider nicht durchsetzen wird gegen die Republikaner. Ich wünsche mir überall, auch in Israel logischerweise, selbstverständlich Verbesserungen dbzgl.

    „Wieviel Relativismus steckt da eigentlich dahinter?“

    Da hast Du aber etwas missverstanden. Ich begrüsse eine pluralistische Gesellschaft, in der es Organisationen wie das ACRI gibt. Und ich bin für Grundrechte und Rechtsstaatlichkeit. Überall auf der Welt. Insofern habe ich meine Wut und mein Bedauern darüber geäussert, dass die palästinensischen Führer ihren Bürgern dergleichen verweigern und ihre Rechte verletzen.

    Viel Spass noch im schönen Haifa! (Wo es ja sehr gute arabische Restaurants gibt.)

    Kommentar von CK | Oktober 23, 2009

  10. CK:

    Sinn ech dann en Israelkritiker oder en „Israelkritiker“?

    Kommentar von Grommel | Oktober 23, 2009

  11. @Grommel: Ech widderhuelen mech: „Keng Angscht, Du wars trotz eisen scharfen Differenzen net gemengt, wanns Du dorobber erauswells.“

    Natirlech ass daat ower keen Fraibréif fir d’Zukunft.

    Kommentar von CK | Oktober 23, 2009

  12. Die Quellen reiche ich nach. Ich habe das einem Vortrag des ehemaligen Innenministers Ophir Pines-Paz entnommen, der über derartige Strukturen in seinem Ministerium sprach. So werden arabische Ortschaften bei der Vergabe der Budgetmittel systematisch benachteiligt. Um dies festzustellen, reicht bereits eine einfache Fahrt in arabische Städte in Kernisrael (Umm al-Fahm, Nazareth, Jizr az-Zarqa zum Beispiel).

    Ich bin übrigens nicht in Haifa, sondern in Tel-Aviv. Habt Ihr ein automatisches IP-Adressen-Überprüfungssystem?

    Kommentar von Parsa Kakashanian | Oktober 23, 2009

  13. Auf Wiki ist das eigentlich am besten zusammengefasst.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Arab_citizens_of_Israel#Discrimination

    Kommentar von Parsa Kakashanian | Oktober 23, 2009

  14. @Parsa: Nein, ich hab nur aus Neugierde die IP getraced. Mach ich manchmal.

    Den besagten Wiki-Abschnitt kenne ich schon länger, ebenso ähnliche Erläuterungen auf qantara.de bspw. Ich hab das schon vor Monaten einem Anderen geschrieben. Diese Art der „Diskriminierung“ finden wir in jedem demokratischen Staat.

    Der Staat verteilt sein Geld nicht gleichmäßig über die Gemeinden. Darunter leiden allerdings nicht nur die Araber. Wer sich ansieht, wie die Infrastrukturen im bürgerlichen Norden und im armen Süden Tel Avivs gepflegt werden, stellt schnell fest, dass hier wie überall auf der Welt gilt: Wer die bessere Lobby hat, bekommt mehr Geld. Es gibt ja auch genug Israelis, die sich darüber aufregen, dass zuviel Geld in Siedlungen im Westjordanland gesteckt werden würde, vor allem hinsichtlich Sicherheitsvorkehrungen, während woanders Strassen schlecht geteert sind. Merkst nicht, das sind vollkommen normale Probleme, wie wir sie auch in unseren Staaten haben und die selbstverständlich natürlich kritikwürdig sind? Es spricht auch gegen den etatistischen Zentralismus und für dezentrale, liberale Strukturen.

    Kommentar von CK | Oktober 23, 2009

  15. Nein, Du leugnest das zentrale Problem. Die arabischen Ortschaften sind ja auch schlechter gestellt als die sog. Entwicklungsstädte, in denen ursprünglich mehrheitlich sephardische Juden lebten.

    Es gibt eine systematische Diskriminierung der arabischen Bevölkerung. Ich kenne auch kein Land der Welt, in dem ein teil der Staatsbürger von führenden Regierungsmitgliedern als „Krebsgeschwür“ beschimpft werden und ihre Ausbürgerung empfohlen wird. Während man in Österreich großes TammTamm macht, wenn derartige Politiker an der Regierungskoalition beteiligt werden, ist dies in Israel zur Normalität geworden.

    Das alles hat nichts mit „besserer Lobby“ zu tun, sondern schlicht und einfach mit Nationalismus. Ich erlebe das hier selbst. Es gibt so gut wie keine Interaktion zwischen jüdischer und arabischer Bevölkerung. Mischehen z. Bsp. sind undenkbar. Darüber hinaus ja auch staatlicherseits völlig unmöglich.

    Und bei der Vergabe von Jobs heisst es immer wieder: wir nehmen nur Leute, die Wehrdienst geleistet haben. Offensichtlicher kann man den arabischen Bevölkerungsteil nicht diskriminieren.

    Kommentar von Parsa Kakashanian | Oktober 25, 2009

  16. @Parsa: Nun, wieso diese arabischen Ortschaften so arm dran sind, müsste man natürlich näher analysieren und wie bei jedem Problem wird es dafür wohl mehrere Gründe geben.

    Ich kenne auch kein Land der Welt, in dem ein teil der Staatsbürger von führenden Regierungsmitgliedern als „Krebsgeschwür“ beschimpft werden und ihre Ausbürgerung empfohlen wird.

    Dafür kenne ich jede Menge Länder, u.a. den Iran, wo Staatsbürger nicht nur mit unangebrachten Worten bedacht, sondern regelrecht verfolgt, misshandelt, eingesperrt oder sogar umgebracht werden. (Damit will ich aber keinesfalls verbale Ausfälle von Lieberman oder Anderen entschuldigen und jede Form gesellschaftlicher Diskriminierung halte ich für falsch. Leider kann Krieg jede Atmosphäre vergiften.)

    „Es gibt so gut wie keine Interaktion zwischen jüdischer und arabischer Bevölkerung.“

    Meinst Du das jetzt aufs Privatleben bezogen? Im Wirtschaftsleben gibt es doch jede Menge Interaktion. Falls ja, da haben wir leider auch in Luxemburg und Deutschland massive Defizite trotz multikultureller Gesellschaft.

    „Mischehen z. Bsp. sind undenkbar. Darüber hinaus ja auch staatlicherseits völlig unmöglich.“

    Eingetragene Lebenspartnerschaften müssten aber gehen und auch staatlich anerkannt werden. Oder man fliegt nach Zypern. Dass es wenige Mischehen gibt, kann aber natürlich auch bloss daran liegen, dass die meisten Menschen jmd. heiraten wollen, der mit ihnen auf einer Wellenlänge liegt, auch weltanschaulich, politisch und religiös.

    „Wir nehmen nur Leute, die Wehrdienst geleistet haben. Offensichtlicher kann man den arabischen Bevölkerungsteil nicht diskriminieren.“

    Okay, das wusste ich nicht. Anscheinend will man sich so der Loyalität zu Israel absichern. Araber dürfen ja freiwillig zur Armee und manche tun das ja sogar auch. Macht sogar Sinn, ist aber in der Tat unglücklich. Aber diesen Formen der „Diskriminierung“ (unter Anführungszeichen, weil diskriminieren im illegitimen Sinne kann egtl. nur der Staat, privat gilt natürlich zurecht das Eigentumsrecht und die Vertragsfreiheit) kann man leider nicht mit Gesetzen entgegenwirken und dererlei Versuche wären bloss kontraproduktiv wie das AGG in Deutschland. Das geht nur durch ein Umdenken in der Bevölkerung.

    Kommentar von CK | Oktober 25, 2009

  17. Hallo Parsa,

    soso aus Israel schreibst Du? Interessant zu wissen.

    Dann hast Du mit Sicherheit selber diese Nachricht gesehen: http://www.ynetnews.com/articles/0,7340,L-3790188,00.html
    Nur 18.6% arabische Israelis bezahlen die Kommunalsteuer, waehrend 53.7% der juedischen Israelis das tun. Damit koennen deutlich schlechtere Infrastruktur und Service in rein arabischen Kommunen schon zum grossen Teil erklaert werden, ohne dass Du gleich Diskriminierung bemuehen musst. Die Gruende dafuer liegen u.a. auch in einem kulturell anderen Verhaeltnis zum Staat an sich (also nicht zu Israel als juedischem Staat, was nationalistisch waere).

    Im Erwerbsleben sind Menschen, die Zivildienst geleistet haben, denjenigen gleichgestellt, die Militaerdienst geleistet haben. Diese Option existiert auch fuer arabische Staatsbuerger und wird mit Enthusiasmus angenommen, auch wenn es den arabisch-israelischen Politikern gar nicht gefaellt, vgl. hier http://beer7.wordpress.com/2007/10/28/zivildienst-fuer-arabische-israelis/

    Was die ausserordentlich schleppenden, juristischen Vorgaenge angeht, kann ich keine einseitige Benachteiligung von arabischen Israelis erkennen. Die Raeumungen im Jerusalemer Stadtviertel Shimon HaZaddik oder Dscheich Dscharrach, die vor ein paar Monaten zu internationalem Wirbel gefuehrt hatten, waren das Ergebnis eines Rechtsstreits, der seit 1972 anhaengig war! Die juedischen Eigentuemer mussten also 37 Jahre auf ihr Recht warten.

    Kommentar von beer7 | Oktober 26, 2009

  18. Achja, in Oesterreich ist es ja auch nicht Usus, dass Vertreter von ethnischen Minderheiten feindliche Staaten bereisten und zur Vernichtung des oesterreichischen Staates aufrufen…

    Kommentar von beer7 | Oktober 26, 2009

  19. Ach Ruth, Du bist die Beste!
    Ich wusste, ich hatte das mit den Steuern schon mal bei Dir gelesen und mich schon für eine mühevolle Suche gewappnet, aber zum Glück kamst Du mir zuvor! (-;

    Kommentar von Popeye | Oktober 26, 2009

  20. @beer7: Vielen Dank für diese Klarstellung! Stimmt, Du bist die Beste🙂

    Kommentar von CK | Oktober 27, 2009

  21. Das mit den Steuern wusste ich noch gar nicht. Ohnehin leben die israelischen Araber verdammt gut, man schaue sich mal die Slums in Kairo zum Vergleich an.

    Kommentar von lalibertine | Oktober 27, 2009

  22. „Ohnehin leben die israelischen Araber verdammt gut, man schaue sich mal die Slums in Kairo zum Vergleich an.“

    Solche Aussagen sind an Werterelativismus kaum zu überbieten.

    Nimm ein Problem, vergleiche es mit einem völlig anderen (schrecklicheren) Zustand, und erkläre das Problem für nichtig.

    Ohnehin sollten sich Schwule in Russland nicht beschweren, wenn ihnen die Fresse poliert wird. Den geht’s doch total gut. Man schaue sich nur mal an, was mit Ihnen in Saudi-Arabien geschieht.

    Kommentar von Parsa Kakashanian | Oktober 28, 2009

  23. @ beer

    Ich lese normalerweise nicht täglich Ynet. Aber es wäre schön, wenn Du diesen Artikel selbst gelesen hättest bevor ihn hier zu zitieren.

    „Haj claims that the low tax payment rate derives from the poor economical state of the Arab population as opposed to the Jewish population. He reached the conclusion that in communities of high socio-economic status the collection rate is equally high and vice versa.“

    Die Gemeindesteuer wird nicht aus Anti-Israel-Ressentiment nicht aufgebracht, sondern weil in den größtenteils arabischen Gemeinden die Familien eben viel ärmer sind. Ihnen daraus einen Strick zu drehen, ist reichlich perfide. So nach dem Motto „Ihr dummen Armen seid doch selbst schuld an eurer Armut.“

    In Israel finanzieren sich die Gemeinden nicht nur über die Grundsteuer, sondern bekommen auch Budgets vom Innenministerium zugewiesen. Da ist es schon auffällig, dass zwar jede Menge Geld da ist, um in Aschkelon oder Beersheba innerhalb kürzester Zeit modernste Wohnquartiere für die russischen Einwanderer aus dem Boden zu stampfen, das Geld jedoch kaum reicht um den arabischen Gemeinden und Städten eine funktionale Anbindung an die öffentlichen Verkehrsmittel zu geben.

    Ist natürlich eine Lobbysache, wie Monsieur Klein richtig festgestellt hat. Im Innenministerium sitzt Eli Yishai von der antidemokratischen Shaspartei, der sich gerade darin gefällt kleine in Israel geborene Kinder möglichst bald in ihre „Heimat“ zu deportieren, ansonsten aber dafür sorgt, dass die wachsende Zahl der ultraorthodoxen Arbeitsverweigerer und Frauenunterdrücker weiterhin staatlich alimentiert wird (und auf Staatskosten das eigene ultraorthodoxe Bildungssystem auszubauen).

    Seit ich hier bin habe ich das Gefühl, dass nicht nur die Araber diskriminiert sind, sondern der Großteil der säkularen, leistungsbereiten und kulturschaffenden Juden. Vielleicht sollten letztere mal darüber nachdenken ihre eigene Urban Guerilla zu begründen, um der Masse an Religiösen, Nationalisten, Siedlern etwas entgegenzusetzen. Habe gestern Dov Khenin von Ir Lekhulanu erlebt. Solche Menschen machen Hoffnung. Auch wenn seine politischen Ambitionen wohl nur in HaBuah umzusetzen sind😉

    Kommentar von Parsa Kakashanian | Oktober 28, 2009

  24. p0wned …

    Kommentar von Grommel | Oktober 28, 2009

  25. @Parsa: Genauso dumm und einseitig wäre es aber zu sagen: „Die Gesellschaft ist schuld an deren Armut“ und damit jede Eigenverantwortung dieser Menschen zu verleugnen. Meiner Erfahrung nach sind die Dinge da immer komplexer.

    Wie gesagt, ich sage nicht mal dass Du Unrecht hast, aber dies sind m.E. alles Probleme, die Du in solcher oder ähnlicher Form auch in allen anderen westlichen Demokratien finden kannst. Und ich würde sie mit Dir zusammen wohl- bis zu einem gewissen Grad jedenfalls- anprangern.

    Ich persönlich bin kein Freund der Shas, ganz im Gegenteil (Ich finde es eh schade, dass es zu keiner großen Koalition Kadima-Likud ohne die Shas kam, wieso auch immer Zipi Livni sich dem verweigert hat.) Ich bin für die strikte Trennung von Religion und Staat und egtl. auch für die Trennung von Bildung und Staat. Und von den Bewohnern Mea Shearims halte ich auch wenig bis nichts. Sie sollen von mir aus ihr Leben leben und natürlich die gleichen Rechte haben wie jeder Bürger Israels, aber gefälligst für sich selber aufkommen. Nichtsdestotrotz gibt es wohl genug leistungsbereite und kulturschaffende religiöse Juden.

    Den Vorwurf des Werterelativismus an lalibertine finde ich allerdings daneben, zumal er von Dir kommt.

    Aber dass Du als Exiliraner nach Israel einreist (hast Du egtl. zwei Pässe dann?), wundert mich ja auch schon seit Tagen. Ich habe langsam den Verdacht, dass Du Diplomat bist(Berlin als Wohnsitz böte sich da ja auch an). Kann das sein?

    Kommentar von CK | Oktober 28, 2009

  26. Diplomat? *lmao*

    Wirke ich irgendwie diplomatisch….? Wenn ja, muss ich eine völlig verquere Selbstwahrnehmung haben.

    Nee, ich bin deutscher Staatsbürger. Damit kann ich hier einreisen. Außerdem lebt meine Tante hier, weil ihr Mann hier für 2 Jahre arbeitet.

    Lalibertine würde ich übrigens noch ganz andere Dinge vorwerfen. Aber ich werde nie an das herankommen, was die Gute mir vorwirft. Is ja ein ziemlich emotionales Mädel😉

    Ich muss mich jetzt übrigens mehr hier rumtreiben, weil die ultraliberalen FDOG mich gesperrt haben. Für Nazismus und Antisemitismus und weil ich ein republikanisches Nationsverständnis propagiere und leugne, dass der blonde schwedische Jude ethnisch viel mehr mit dem schwarzhäutigen Falascha zu tun hat als mit seinem pöhsen nordischen Nachbarn. Kapitale Gedankenverbrechen.

    Kommentar von Parsa Kakashanian | Oktober 29, 2009

  27. „Wirke ich irgendwie diplomatisch….?“

    Touché😉 (Nein, alles Andere als dies sogar, aber manchmal toben sich Leute ja gerne im Netz aus…)

    „Nee, ich bin deutscher Staatsbürger. Damit kann ich hier einreisen. „

    Das habe ich mir schon gedacht, aber nachdem Du nun ein israelisches VISA im Pass hast, darfst Du doch nicht mehr in den Iran rein… daher die Frage ob Du zwei
    Pässe hast.

    Bei den FDOG hast Du „nur“ eine Sperre von 14 Tagen bekommen. Bei uns wirst Du übrigens „moderiert“, will heissen, jeder Beitrag von Dir wird vorm Freischalten kontrolliert. Daher nicht wundern, wenn nicht jeder abgegebene Beitrag sofort erscheint.

    Kommentar von CK | Oktober 29, 2009

  28. In Deutschland sind zwei Pässe überhaupt kein Problem. Den Zweitpass kannst Du ganz normal beim Bürgeramt beantragen. Eine normale Erklärung, dass man mit dem Visa von Staat X schlecht nach Staat Y komme, reicht schon aus.

    Mein Problem war nicht das israelische Visum (das im übrigen für die ersten drei Monate nur aus nem Einreisestempel besteht, und selbst den kann man vermeiden), sondern das iranische. Mit nem iranischen Dreimonatsvisum riskiert man ne stundenlange Befragung, und wenn dann noch ein schlauer Geselle herausfindet, dass unsere Namen persisch sind, dann kann man sich schnell wieder auf dem direkten Rückflug befinden…

    Meine Schwester und ich hatten aber Glück. Wahrscheinlich auch weil wir keine arabisch-anmutenden Namen haben. Ein Mohammad aus D’land hat bestimmt höhere Chancen verhört zu werden.

    „Bei den FDOG hast Du „nur“ eine Sperre von 14 Tagen bekommen.“

    Wie gnädig von Zensurtine. Wenn ihre hyperventilierten Vorwürfe stimmen sollten, ist es fraglich, warum sie mich überhaupt noch zulässt. Insofern nehme ich freiwillig lebenslänglich. Freiheit gedeiht nicht an Orten der Dummheit, Diffamierung und Zensur.

    Kommentar von Parsa Kakashanian | Oktober 29, 2009

  29. @Parsa: Danke erstmal für die Infos!

    „Mein Problem war nicht das israelische Visum“

    Du willst mir doch nicht etwa erzählen, dass der Iran Dich problemlos einreisen würde, nachdem Du Hochverrat begangen hast und in Israel warst? Den Stempel kenne ich, ich war mit lalibertine ja auch kürzlich erst da.

    „Mit nem iranischen Dreimonatsvisum riskiert man ne stundenlange Befragung“

    Das stelle ich mir in der Tat übel vor. Ich fand schon die normale Befragung an uns EU-Mitglieder sehr nervig, zumal wir als Backpacker Antworten gaben, die denen wohl nicht so gefielen. Schliesslich wollen die ja gerne wissen wo man zu übernachten gedenkt usw. usf. Und das wussten wir ja selber noch nicht😉
    Wirklich traurig, dass wegen der Regierung um den bärtigen Irren das Verhältnis zwischen Israel und dem Iran so angespannt ist. Ich habe schon oft gelesen (ich weiß nicht, ob das so wahr ist, Du weisst da sicher mehr darüber) diese beiden Völker eigentlich immer sehr gut miteinander auskamen und oft immer noch auskommen.

    „Wie gnädig von Zensurtine.“

    Ich würde Dich bitten, bei uns nichts gegen Mitglieder der FDOG oder den Blog zu schreiben. Lass es einfach auf sich beruhen. Ich kenne Dich nur aus dem Netz, aber lalibertine kenne ich real, ich habe sie schon öfters getroffen und war eben auch mit ihr zusammen in Israel. Ich lasse hier nichts auf sie kommen, die Frau ist spitze und man muss sie einfach mögen🙂 Lass halt das unnötige Provozieren, man kann auch sachlich kontrovers miteinander diskutieren. Nur so als Tipp für einen geregelten Umgang miteinander.

    Kommentar von CK | Oktober 29, 2009

  30. „Ich habe schon oft gelesen (ich weiß nicht, ob das so wahr ist, Du weisst da sicher mehr darüber) diese beiden Völker eigentlich immer sehr gut miteinander auskamen und oft immer noch auskommen.“

    Ich habe bei VZ ein paar Iraner kennengelernt und kann dies nur bestätigen!

    Kommentar von Popeye | Oktober 29, 2009

  31. „Du willst mir doch nicht etwa erzählen, dass der Iran Dich problemlos einreisen würde, nachdem Du Hochverrat begangen hast und in Israel warst?“

    Nein, mit israelischem Stempel komme ich nicht in den Iran. Aber ich hab ja noch meinen Erstpass, und darüberhinaus könnte ich bei der Botschaft auch einen iranischen Pass beantragen. Alles ganz easy.

    „diese beiden Völker eigentlich immer sehr gut miteinander auskamen und oft immer noch auskommen.“

    Unter dem Schah gab es eine Menge offiziöse Kommunikation. Empfehlenswert zum iranisch-israelischen Verhältnis ist das Werk von Trita Parsi: Treacherous Alliance.
    Generell stehen die meisten Iraner Israel recht indifferent gegenüber. Aufgrund der traditionellen persisch-arabischen Antipathie gibt es keine natürliche Solidarität mit den Palästinensern.

    „man kann auch sachlich kontrovers miteinander diskutieren“

    Wenn man dem Gegenüber ein Recht auf seine Meinung zubilligt, dann ja. Wenn man ihn diffamiert und den Mund verbietet, weil man sich selbst argumentativ völlig verrannt hat, dann war’s das mit der Diskussion. Mit den Freunden der Geschlossenen Gesellschaft hab ich abgeschlossen.

    Kommentar von Parsa Kakashanian | Oktober 30, 2009


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