L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Impressionen aus Israel (2) – Westjordanland

Wir waren natürlich auch im Westjordanland (Autononomiegebiet der Palästinenser, wo die Fatah um Abbas regiert), um uns ein Bild über die Lage der Menschen dort zu machen. Im folgenden ein paar Eindrücke aus Ramallah, dem Regierungssitz und aus Betlehem, dem Geburtsort Jesu.

Als lalibertine und ich mit dem Sharut aus Jerusalem in Ramallah ankamen, stellten wir witzigerweise gleich mal fest, dass die Uhren in Palästina anders ticken, die liegen nämlich eine Stunde hinter der israelischen Uhrzeit, was den Muslimen wegen Ramadan allerdings wohl auch sehr entgegen kommt, da es so früher dunkel wird (und es früher wieder etwas zu essen gibt.)

Palästinaflagge

Ramallah sieht wirklich nicht aus wie eine Stadt in einem Entwicklungsland. Selbst Kairo ist grösstenteils ein Elendsviertel verglichen mit Ramallah. Ramallah hat Geschäfte, Boutiquen, Apotheken, Einkaufscenter und vieles, was das Herz begehrt. Wirtschaftlicher Aufschwung scheint hier durchaus vorhanden zu sein, wenngleich vieles natürlich mit Hilfe von Organisationen wie bspw. USAID (deren Werbung auch nicht zu übersehen ist) finanziert wurde/wird. Bezüglich Arbeitslosenzahlen mag die Sache allerdings wohl nicht mehr so rosig aussehen, zumal so einige Palästinenser, die in Israel arbeiteten, nach der zweiten Intifada ihren Job verloren haben. Diese israelischen Arbeitsplätze gingen dann an Neueinwanderer aus Osteuropa oder an Gastarbeiter von den Philippinen. Da können sich die Palästinenser aber mal bei diesen tollen „Helden des Befreiungskampfes“ bedanken. Dennoch: wirkliche Armut sieht anders aus, man sehe sich beispielsweise Länder wie Malawi, Simbabwe oder den Senegal mal an. Aber die Palästinenser haben weltweit ja auch ne sehr große Lobby und kriegen daher Hilfe von jedermann. Nirgendwo boomt die sogenannte „Rescue Industry“ wohl mehr.

Ein paar Eindrücke gefällig? Gerne.

Einkaufscenter
Eiscreme
Straße
Al-Assel
Appartement
Appartements
Fahnen
Firmengebäude
Ramallah
Wohnviertel

Das letzte Bild stammt aus einem leicht heruntergekommenen Teil Ramallahs, aber solche Häuser sieht man durchaus auch in Israel. Mit der korrupten Fatah-Behörde hat der Durchschnittspalästinenser allerdings wohl wenig Spass.

UN-Autos gibt es hier natürlich sowieso zu sehen:
UN-Auto

Vor diesem Gebäude standen mehrere palästinensische Polizisten. Scheint wohl ein wichtigeres Gebäude zu sein:
Polizei

Auch Starbucks gibt es 😉
Starbucks

Und palästinensisches Bier mit- so der Werbeslogan- dem „Geschmack der Revolution“:
Pali-Bier

Fatah-Chef Abbas mit Vorgänger Arafat auf einem großen Plakat:
Abbas

In der Nähe einer griechisch-orthodoxen Kirche kann auch Basketball gespielt werden:
Basketball

Nach Ramallah ging es mit einem weiteren Sharut an mehreren Dörfern vorbei nach Betlehem.
Betlehem

Die Geburtskirche in Betlehem, angeblich genau dort errichtet wo sich vor über 2000 Jahren die Krippe befand, in der Maria den Sohn Gottes zur Welt brachte:
Geburtskirche
Geburtskirche
Geburtskirche
Geburtskirche

Leider bringen es die Christen immer wieder fertig, ihren Kirchen auch einen völlig unnötigen Hauch von Kitsch zu verpassen:

Geburtskirche-Kitsch
Geburtskirche-Kitsch

Trifft so gar nicht meinen Geschmack.

Einkaufsstraße
Markt

Betlehem hat auch eine Universität. Hier gibt es im Gegensatz zu den israelischen Universitäten (wir waren u.a. auf dem Campus der Uni in Beer Sheva) natürlich keine Sicherheitskontrollen wegen Terrorgefahr.
Betlehem University

In Betlehem gibt es auch ein sogenanntes Peace Center, welches sich offiziell um Frieden zwischen Israel und Palästina bemüht, aber recht einseitig Stellung für den „edlen Underdog“ bezieht.
Friedenscenter

Hier wird darauf aufmerksam gemacht, dass im Rahmen der israelischen Sicherheitsvorkehrungen, die auch die Kontrolle ganzer Strassen beinhaltet, die Palästinensergebiete immer mehr zu einem Flickenteppich werden:
Bantustans

Es ist zudem von einer „Apartheidsmauer“ die Rede:
Apartheidsmauer

Dieses Peace Center wird natürlich massiv von Schweden mitfinanziert:
Schweden

Drinnen gab es aber immerhin hübsche Fotos vom Mosaik im Felsendom zu sehen, sowie sehr schöne Krippendarstellungen.
Krippe

Auf dem Rückweg nach Jerusalem mussten wir durch einen Checkpoint hindurch:

Wachturm
Mauer
Checkpoint
Checkpoint

Wie alle Mauern zieht auch der Anti-Terror-Fence der Israelis Graffitisprüher an wie das Licht die Motten.
Nein, das war kein St.Pauli- oder Metalfan, sondern hier wird auf die Okkupation der „bösen Zionisten“ aufmerksam gemacht:
Okkupation

Ich kann mir schon vorstellen, dass solche Kontrollen jeden Tag sehr nervig sein können (wobei es in Israel ja auch überall genug Sicherheitskontrollen für alle gibt), vor allem für in Israel arbeitende Palästinenser, aber auch hier gilt: schuld daran haben ja wohl die Terroristen. Und ich kann nicht bezeugen, dass die Leute vor mir in der Schlange demütigend behandelt wurden. Als Fussballfan bin ich aber sowieso einiges gewöhnt 😉

Auffallend war auch, dass man im Westjordanland- verglichen zu noch vor zehn Jahren- viel mehr Frauen, zumindest mit Kopftuch oder gar ganz verhüllt, sah. Ein Phänomen, was ja angeblich überall in der arabisch-muslimischen Welt zu beobachten ist. Wobei es in Betlehem, wo ja auch einige Christen wohnen, durchaus auch noch unverschleierte, einheimische Frauen zu sehen gab. Dennoch: der Trend geht hin zu einem bewussteren Leben nach islamischen Regeln.

Muslima

Der alte PLO-Haudegen an der Wand eines Restaurants in Jericho (wo wir zwei Tage später auf einer Tour durchkamen):
Arafat

Auch manche Palästinenser mögen Friedenstauben (in der Nähe einer Tankstelle in Jericho aufgenommen):
Frieden

Möge dies ein gutes Omen für eine hoffentlich friedliche Zukunft zwischen Israel und Palästina sein.

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September 25, 2009 - Posted by | Israel | , , ,

2 Kommentare »

  1. Schöne Fotos, insbesondere von Ramallah

    Kommentar von peet | September 26, 2009

  2. ich fand es vor allem auffallend, wie viel mehr Palästinenserinnen heute Kopftuch/Hijab tragen als noch vor 12 Jahren, als ich das letzte mal im Westjordanland war. Der Trend geht wohl massiv in Richtung Islamisierung.

    Kommentar von lalibertine | September 26, 2009


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