L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

UN-Clownerie

Als ich das Buch „Die UN-Gang“ von Pedro A. Sanjuan las, dachte ich zunächst, dass dort vielleicht ein enttäuschter Diplomat Dampf ablassen wollte. Wenn man sich aber die heutigen Reden anhört, ist man sprachlos.

Besonders Gaddafi sorgte für einen Eklat. Aber in erster Linie für einen Lacheklat, denn der Mann wirkte, als ob er nicht mehr alle Tassen im Schrank habe. Die New York Times schreibt:

The Afghan war, too, he said, should be investigated for possible prosecution. At times, Colonel Qaddafi veered into conspiracy, saying, for example, that the H1N1 influenza virus, also called swine flu, might be a military or corporate weapon that got out of a lab, and he intimated that an Israeli hand was behind the assassination of President John F. Kennedy.

Ich habe mir nicht die ganze Rede gegeben, aber das war bei diesem hanebüchenen Unsinn wohl auch besser. Fox News resümierte im Titelbild das ganze so:

Besonders seine Einschätzung Obamas hat einen interessanten Twist.

Referencing Obama as „my son,“ Qaddafi said: „We are happy that a young African Kenyan was voted for and made president.“ (Fox News)

Da er sich selbst als König Afrikas sieht, ist Gaddafi damit indirekt der König des US-Präsidenten? Es ist fraglich, ob Obama dieser Titel gefallen sollte. Ebenso seine Aussage, dass Obama für immer Präsident sein sollte. Präsident auf Lebenszeit kennt man nämlich nur aus Diktaturen.

Gaddafi würde ganze Artikel füllen, sein Gekritzel, sein Zeltbau, das Überziehen seiner Sprechzeit, der fragwürdige Inhalt, der vor Nationalismus, Antisemitismus und Verschwörungsquatsch nur so strotzte. Er hat zwar ein bisschen recht, wenn er die Sitzverteilung und die Limitation der Veto-Mächte kritisiert, doch ist das erstens ein alter Hut, zweitens hat er es mit der Geschichte nicht sehr genau genommen. Und was die Ermordung Kennedys in der Rede zu suchen hatte weiß auch keiner, die Bezeichnung „bizarre“ (CNN) ist da noch euphemistisch, der Mann scheint definitiv in anderen Sphären zu schweben.

Irgendwie scheint es eine ungeschriebene Regel zu geben: Je mehr der US-Präsident sich zurücknimmt, je mehr er Hände ausstreckt und sich diplomatisch um die eigentlichen Namen herummanövriert, desto direkter sprechen die Feinde der Freiheit. Vielleicht verstehen sie wirklich Toleranz und Ganzheitlichkeit als Schwäche.

Ebenso war Sarkozys Rede alles andere als überlegt. Sein Springen von Thema zu Thema, von der Bankenkrise zu Afrika zur Umwelt, zeigte auch ein Bild einer bankrotten Politik, die nur noch mit Luftblasen hantiert, inhaltsleer werden Klischees und Allgemeinplätze abgespult, die nur niemanden anecken sollen. Wen interessiert schon, dass man ein Flüchtlingslager platt macht, wenn man vor den Vereinten Nationen über die Wichtigkeit eines Einbeziehens Afrikas punkten kann? Sowas nennt man Heuchelei.

Die Rede Obamas war eine typische Obama-Rede, viel Selbstlob, ein paar klare Worte, die dann aber wieder im ganzen Hope-Geträume entkräftet werden. Interessant:

But if the governments of Iran and North Korea choose to ignore international standards; if they put the pursuit of nuclear weapons ahead of regional stability and the security and opportunity of their own people; if they are oblivious to the dangers of escalating nuclear arms races in both East Asia and the Middle East — then they must be held accountable. The world must stand together to demonstrate that international law is not an empty promise, and that treaties will be enforced. We must insist that the future does not belong to fear.

Die Regierungen Irans und Nordkoreas haben bereits mehrfach die internationalen Standards ignoriert. So langsam kommt man sich wirklich vor wie im Film Team America.

The United Nations was born of the belief that the people of the world can live their lives, raise their families, and resolve their differences peacefully.

Und genau deshalb sollte die UN nicht Spielplatz antisemitischer, rassistischer und krimineller Spinner sein. Angesichts dieser Clowns muss ich mich wirklich fragen, wie es sein kann, dass sich in diesen Händen Macht ansammeln darf. Und ich muss auch als Liberaler an Ikonen der alten Linken denken:

In jeder Stadt und in jedem Land,
Schreibt die Parole an jede Wand.
Keine Macht für Niemand!

Alle Clowns? Nein, Zumindest Vaclav Klaus enttäuscht nicht und hat sich für die Wichtigkeit offener Grenzen und der freien Marktwirtschaft ausgesprochen:

When looking for an appropriate reaction to the problems connected with the
current crisis, we should build on the idea that the crisis was basically a failure of
governments, not markets. (…)
Global economic development will benefit from a removal
of barriers, not from creating new ones because they would substantially complicate the access of
poorer countries to foreign markets and their ability to develop by their own means. pdf

Doch vielleicht hätte er auch seine Sprechzeit überziehen sollen, damit wenigstens etwas hängen bleibt.

Der Oberclown spricht gleich. Eine Überraschung wäre es, wenn er sein Comedyprogramm diesmal nicht durchziehen würde. Aber da ist eh jedes weitere Wort verloren.

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September 24, 2009 - Posted by | Aussenpolitik, Kurioses, Lesestoff, Offene Gesellschaft, Pluralismus | , ,

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