L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Meinungsmache beim ZDF

Nein, diesmal geht es nicht um Israel oder Killerspiele, sondern um ObamaCare. US-Republikaner haben seit jeher einen schweren Stand in Europa und die jetzige Diskussion um Obamas Gesundheitsreform spielt natürlich den üblichen Vorurteilen in die Hände.

Und die Millionen-GEZ-Verschwendung des neuen Heute Journal spielt kräftig mit (nachsehen kann man das Ganze in der ZDF-Mediathek, Beitrag „Ringen um US-Gesundheitsreform“, Sendung vom 11.08.).

Doch ist die Sache wirklich so klar, wie das ZDF sie darstellt? Claus Kleber ist USA-Kenner und so verwundert es ein bisschen, dass er den Beitrag mit stellenweise überspitzter Betonung einleitet:

„Der Gedanke, dass der Staat eine so große, wichtige Sache übernimmt und regelt (…), das gilt Vielen in den USA als Schritt Richtung Sozialismus. Obamas Gegner, die lange Zeit wie gelähmt waren, sehen in diesem Thema endlich eine Chance den Star im weißen Haus ein Stück runter zu ziehen.“

Kann man gelten lassen, muss man aber nicht, denn von Seiten der Conservatives wurde bereits die letzten Monate lautstark Vieles kritisiert, sei es der Bail-Out oder auch nur die Nominierung Sotomayors an den Supreme Court of the United States. Die sogenannten TEA-Parties gibt es auch nicht erst seitdem die Gesundheitsreform in den Fokus rückte.

Aber dann geht es los:

„Das passiert wenn eine Diskussion völlig aus dem Ruder läuft. Rush Limbaugh, einflussreicher Radiomoderator und inoffizielle Stimme der Republikaner, vergleicht das Logo von Obamas Gesundheitsreform mit dem Naziadler.“

Zunächst einmal kamen die Nazivergleiche zuerst von Nancy Pelosi, Demokratin und Sprecherin des US-Repräsentantenhauses. Diese hatte indirekt die Gegner der Gesundheitsreform in die rechtsextreme Ecke gerückt, indem sie sagte, sie habe unter den Demonstrierenden „Swastikas und solche Symbole“ gesehen. Dies veranlasste einen Blogger zu entgegnen, dass sie vielleicht nur das ObamaCare-Logo gesehen habe. Limbaugh greift diese Idee auf (er zitiert also diesen Blogger und baut das Bild aus) und poltert auf seine Art zurück. Der Unterschied ist, dass Pelosi solche Aussagen unterlassen sollte, da sie eine politische Funktion inne hat und als mächtigste Frau der Welt darüber stehen sollte. Solche Diffamierungskampagnen gegenüber Andersdenkender müsste sie eigentlich unterlassen. Limbaugh hingegen ist weder Politiker, noch will er einer sein. Er ist ein Entertainer, der die Politlandschaft nicht mit dem scharfen Blick eines Analysten angeht, sondern mit dem Bulldozer alles umpflügt. Jede Schwäche wird gnadenlos aufgeblasen und nachgetreten. Das muss man nicht mögen, aber man kann das Radio kurzerhand ausschalten. Pelosi hingegen muss der Amerikaner aushalten.
Ferner ist die Ernennung Limbaughs als „inoffizielle Stimme der Republikaner“ eine Formulierung der Demokraten um den Republikanern Führungslosigkeit vorzuwerfen.

Das anschließende Zitat Limbaughs ist also auch eher im Kontext einer Antwort auf Pelosis Frechheit zu sehen.
Und dass Sarah Palin einen an der Waffel hat, ist bekannt. Die Frau fiel derart oft durch unüberlegte und simplifizierende Aussagen auf, dass es schwer fällt diese als Ausrutscher zu begreifen.

„The America I know and love is not one in which my parents or my baby with Down Syndrome will have to stand in front of Obama’s ‚death’panel’ so his bureaucrats can decide… whether they are worthy of health care. Such a system is downright evil.“

Dennoch ist auch ihr Zitat nicht völlig unsinnig, wenn man weiß, dass die USA eine sehr konservative Sicht zum Thema Abtreibung hat. So hat die letzte Umfrage von Gallup gezeigt, dass eine Mehrheit (mittlerweile wieder) Pro-life eingestellt ist. Mit diesem Hintergrund offenbart Palins Aussage eher eine Angst, dass beispielsweise ein verstaatlichtes Gesundheitssystem vorschnell zu Abtreibungen raten würde, weil so ein Gesundheitssystem sehr schnell sehr teuer wird. Oder eben die Beiträge erhöht oder Dienste streicht, weil jemand sich weigert ein behindertes Kind abzutreiben.
Dass sie sich im Ton vergriffen hat steht allerdings außer Zweifel.

„Kein Wunder, dass die Abgeordneten, die in ihren Wahlreisen die Reform erklären wollen, keine Chance haben, Tumulte statt Diskussionen überall im Land.“

Man könnte dieses Zitat auch umkehren und sagen, dass die Gegner nicht zu Wort kommen und sich noch von Pelosi beleidigen lassen müssen. Es geht immerhin darum, dass sie zu etwas gezwungen werden sollen, was sie nicht wollen.

„Es geht um viel. Das amerikanische Gesundheitswesen ist das teuerste der Welt und geht doch an Vielem komplett vorbei. Die Konzerne verdienen Milliarden, aber fast 50 Millionen Amerikaner sind nicht versichert.“

Das stimmt. Auch wenn der Seitenhieb auf die Gewinne der Konzerne reflexartig wieder die Gierkeule schwingt, so sind diese Gewinne wichtig – nur mit Gewinn funktionieren Firmen, auch Versicherungen. Dieses Prinzip führt dazu, dass sich die staatlichen Versicherungssysteme hier in Europa in den nächsten Jahrzehnten etwas einfallen lassen müssen, um nicht zu kollabieren.
Das US-System ist ein Drittel bis fast die Hälfte teurer als hier. Andererseits ist die enge Verbindung von Forschung und Wirtschaft dafür verantwortlich, dass gerade in der US-Pharmaindustrie große Fortschritte gemacht werden.

„Präsident Obama möchte eine gesetzliche Krankenkasse für Alle einführen, bisher gibt es die nur für Kinder, Behinderte, Alte und die ganz Armen. Doch viele, die eine private Krankenversicherung haben, befürchten nun die Regierung wolle ihnen diese nehmen zu Gunsten der Gesetzlichen. Davon ist zwar gar nicht die Rede, doch in einer einzigartigen Propagandaschlacht fördern die Republikaner gezielt diese Ängste.“

Ja, verschiedene Gruppen sind bereits beim Staat versichert. Was als „ganz arm“ zu definieren ist, liegt beim einzelnen Bundesstaat.

Es ist ebenso wahr, dass im Moment keiner davon spricht, dass es nur noch staatliche Gesundheitsfürsorge gibt. Wirklich? Wie das Video zeigt, sprach Obama in seiner vorpräsidentialen Zeit ganz andere Worte.

Anschließend wird der Journalist Marvin Kalb zitiert. Diejenigen, die das Paket ablehnen, wollen nicht nur, dass es keine Gesundheitsreform gäbe, sondern sie wollen Obama zerstören. Aha. Solche Aussagen kann man ganz klar in die demokratische Propaganda-Maschinerie einordnen, denn ihre Rolle ist nicht weniger polemisch, nicht logischer oder vernünftiger als die republikanischen Schlachtrufe, welche ein staatliches Gesundheitssystem als Machtinstrument sehen um den Einzelnen zu kontrollieren und mit dessen Geld auch noch Dinge bezahlt werden, die der Zwangsversicherte nicht unterstützt.

Gegen Ende wird es dann doch noch von Max Pappas von Freedom Works gesagt:

„Es geht um eine ur-amerikanische Frage, das Prinzip der individuellen Freiheit, der Selbstorganisation und das Prinzip, dass man sich nur freiwillig an etwas bindet. Dem gegenüber steht die Staatsmacht, die mir etwas vorschreiben will.“

Und genauso soll es doch auch sein, oder? Nur dienen Berichte wie dieser HeuteJournal-Beitrag überhaupt nicht dazu differenziert an die Sache heranzugehen. Hier wurden viele alte Vorurteile gefüttert und die Konservativen wieder an den Pranger gestellt, obwohl in diesem speziellen Fall besonders die Demokraten alles andere als glänzen.

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August 12, 2009 - Posted by | Klassischer Liberalismus, Offene Gesellschaft, USA | , , , ,

27 Kommentare »

  1. @Jay-Jay: Guter Text insgesamt.

    Nur ein Denkanstoß: „Mit diesem Hintergrund offenbart Palins Aussage eher eine Angst, dass beispielsweise ein verstaatlichtes Gesundheitssystem vorschnell zu Abtreibungen raten würde, weil so ein Gesundheitssystem sehr schnell sehr teuer wird. Oder eben die Beiträge erhöht oder Dienste streicht, weil jeman sich weigert ein behindertes Kind abzutreiben.“

    Das gilt aber auch für private KV, die Gewinn machen wollen. Allerdings kann man davon ausgehen, dass viele KV freiwillig ihren Kunden solchen Service anbieten würden, ja gar freiwillig Kunden höhere Beiträge zahlen würden, damit nicht bzw. zumindest nicht aus finanziellen Gründen abgetrieben werden wird.

    Denkbar wäre bspw. dass es zwecks Konsumentenfreiheit Listen mit KV und ihren Dienstleistungen gibt und vor allem gläubige Christen die KV vermeiden werden, welche eine Abtreibung finanzieren würden zugunsten derer, die dem Kind ein ordentliches Leben bezahlen würden, wobei es auch zig KV mit der Qual der Wahl geben würde.

    Kommentar von CK | August 12, 2009

  2. „Nur ein Denkanstoß“

    Wenn über 50% der Leute pro-life sind, und nur (je nach Umfrage) 25% für ein bedingungsloses Abtreibungsrecht, kommt keine Versicherungsfirma auf die Idee sich gegen diesen Strom zu stellen, denn das könnte ganz schnell Kunden kosten.

    Kommentar von JayJay | August 12, 2009

  3. „mit stellenweise überspitzter Betonung“

    Überspitzt? Ich würde eher sagen, die Kritik an dieser Reform ist längst aus dem rationalen Ruder gelaufen. Wenn Kleber von „Sozialismus“ spricht (wie lächerlich ist das?), dann gibt er die Slogans der Teebeutler exakt wider.

    „Zunächst einmal kamen die Nazivergleiche zuerst von Nancy Pelosi, Demokratin und Sprecherin des US-Repräsentantenhauses. Diese hatte indirekt die Gegner der Gesundheitsreform in die rechtsextreme Ecke gerückt, indem sie sagte, sie habe unter den Demonstrierenden „Swastikas und solche Symbole“ gesehen.“

    Hier widersprichst Du Dir selbst. Pelosi hat gesagt, was sie gesehen hat. Nicht sie hat mit den Nazivergleichen angefangen, sondern die Volldeppen, die SS-Runen und Hakenkreuze auf ihre Anti-Obama-Plakate klebten. Ich finde sogar, dass ein Politiker die Pflicht hat, auf solche Entgleisungen hinzuweisen! Ihr jetzt den schwarzen Peter unterzujubeln, ist völliger Humbug.

    „Solche Diffamierungskampagnen gegenüber Andersdenkender müsste sie eigentlich unterlassen.“

    Wenn jemand den Präsidenten mit Nazis gleichsetzt, und ich dies anspreche, diffamiere ich denjenigen dann? Nein. Diese Argumentation ist völlig gaga.

    „Dennoch ist auch ihr Zitat nicht völlig unsinnig“

    Doch, vollkommen. Es schürt Angst und ist obendrein vollkommen unwahr. Und auch die Abtreibungsgegner sind nicht alle völlig meschugge, um sich mit Palin in eine Reihe zu stellen.

    „Angst, dass beispielsweise ein verstaatlichtes Gesundheitssystem vorschnell zu Abtreibungen raten würde, weil so ein Gesundheitssystem sehr schnell sehr teuer wird.“

    Krude Logik. Erstens ist das jetzige, größtenteils private Gesundheitssystem um fast die Hälfte teurer als die in Europa oder Kanada, die aber die komplette Bevölkerung abdecken. Zweitens fordert auch Obama keine Verstaatlichung, sondern lediglich die Einführung einer staatlichen Alternative für die Unversicherten. Drittens erschließt sich mir der Zusammenhang zwischen staatlichem Gesundheitssystem und vorschnellen Abtreibungen keineswegs?

    „Oder eben die Beiträge erhöht oder Dienste streicht, weil jemand sich weigert ein behindertes Kind abzutreiben.“

    Sorry, aber hier setzt Du die USA mit einer totalitären Diktatur gleich. Wie kommst Du auf die Idee, ein staatliches System würde Menschen bestrafen, die sich weigern ein behindertes Kind abzutreiben??? Gehen die Antidiskriminierungsrichtlinien vom Staat aus, oder von den privaten Krankenkassen? Wenn überhaupt würde ich vermuten, dass Private sich weigern diese Familie dann noch weiter zu versichern, weil ein behindertes Kind ja ihre Profite drückt. Ein nicht-profitorientiertes System kann hier viel menschlicher auf den Einzelfall eingehen.

    „so sind diese Gewinne wichtig – nur mit Gewinn funktionieren Firmen, auch Versicherungen.“

    Schön für die Firmen, schlecht aber für all jene Menschen, für die keine Versicherung angeboten wird, weil sie nach Marktkriterien schlicht nicht rentabel wäre. Der Markt versagt bei der Bereitstellung gesamtgesellschaftlich gewollter öffentlicher Güter. Obama hat dies erkannt und darum greift er ein, zum Wohle der 50 Mio. Unversicherten.

    „dass es nur noch staatliche Gesundheitsfürsorge gibt. Wirklich?“

    Wow! Da präsentierste uns ein Propagandavideo. Fakt ist, dass weder im House noch im Senate über eine komplette Verstaatlichung der Gesundheitsfürsorge debattiert wird. Dort aber wird das Gesetz letztlich beschlossen. Nun tendenziös Angst vor dem Überwachungsstaat (Sozialismus!) zu schüren, ist vollkommen unter aller Sau.

    „Solche Aussagen kann man ganz klar in die demokratische Propaganda-Maschinerie einordnen“

    Sicherlich ist das eine tendenziöse Aussage. Allerdings geht es vielen Gegnern genau darum. Obama und die Demokraten haben für die Liberalen eine seit Jahren nicht mehr dagewesene Machtfülle erhalten, einen überzeugenden Wählerauftrag. Das frustriert die Konservativen. Natürlich wollen sie diesen populären Präsidenten beschädigen. Das Vorbild ist Bill Clinton und HillaryCare Anno 1993. Ein Jahr später fand Gingrichs Conservative Revolution statt. Genau das würde man wiederholen wollen.

    „Nur dienen Berichte wie dieser HeuteJournal-Beitrag überhaupt nicht dazu differenziert an die Sache heranzugehen.“

    Wieso? Die haben doch am Ende sogar diesen Freedom-Menschen zitiert? Auch ansonsten die Debatte wunderbar wiedergegeben. Danke, Heute Journal. Danke auch, dass die Menschen in Deutschland unter GEZ-Terror leiden, sonst gäbe es nur noch RTL2 News.

    Im übrigen finde ich diese Gequatsche von der „individuellen Freiheit“ etwas pubertär. Keiner, absolut keiner will durch die Reform irgendjemandem seine Versicherung wegnehmen. Es geht allein darum, den Unversicherten auch ein Leben in Würde zu erlauben. Ich hab selbst in Amerika gelebt. Und wer im armen Maine mal die Zähne der örtlichen Highschool-Schülerschaft gesehen hat, der erinnert sich an das alte sozialdemokratische Bon Mot „man sollte die Klassenzugehörigkeit nicht mehr am Lachen erkennen“…

    So long.

    Kommentar von Parsa Kakashanian | August 13, 2009

  4. Die Aussage Pelosis ging in die Richtung, die Gegner als Nazis zu titulieren. Sie schiebt den Demonstrierenden eine Gesinnung unter, welche nicht da ist, und genau darum geht es. Das ist nicht souverän von einer so ranghohen Poitikerin und dient dazu sämtlichen Diskussionen auszuweichen. Ebenso ihre „astroturfing“-Aussage. Die Argumentationslage ist eben dürftig.

    „Im übrigen finde ich diese Gequatsche von der “individuellen Freiheit” etwas pubertär.“

    Wenn das eine Deiner Prämissen ist, verstehe ich, warum Du so denkst. Nur bin ich dann wohl der falsche Dialogpartner, denn ich sehe in der Herabsetzung dieser „individuellen Freiheit“ einen großen Schritt Richtung Totalitarismus.

    Desweiteren sind die Gegner von ObamaCare keine kleine Mindeheit. Ja, mein Artikel ist tendentiös und das US-Gesundheitssystem ist nicht perfekt, klar, aber eine Neid-Debatte (denn das steht auch hier im Hintergrund) sollte nicht über ein so großes Thema zu entscheiden. Sozialdemokratie hin oder her, das Gerede von „Klassenzugehörigkeit“ ist das eigentliche Opium fürs Volk.

    So short.

    Kommentar von JayJay | August 13, 2009

  5. Mist, das war es dann leider mit der strikt parsafreien Zone 😀

    „Wenn Kleber von “Sozialismus” spricht (wie lächerlich ist das?), dann gibt er die Slogans der Teebeutler exakt wider.“

    Stimmt schon. Ist aber auch nicht falsch. „Socialised Medicine“ ist nunmal etwas Anderes als ein „freier Markt“ (=Kapitalismus), der zudem bereits heute nicht gegeben ist. Wieso man sich bei aller Kritik an ObamaCare auch davor hüten sollte, den „Status Quo“ zu verteidigen.

    „Nicht sie hat mit den Nazivergleichen angefangen, sondern die Volldeppen, die SS-Runen und Hakenkreuze auf ihre Anti-Obama-Plakate klebten.“

    Da muss ich Dir recht geben, FALLS dies so wirklich stimmen
    SOLLTE. Nur leider habe ich noch nirgendwo Fotos mit solchen Symbolen darauf gesehen (im Gegensatz zu vielen Anti-Israel oder Anti-Bush-Demos.) Wenn welche auftauchen, werde ich als Erster dies vehement kritisieren. JayJay sicher auch.

    „Und auch die Abtreibungsgegner sind nicht alle völlig meschugge, um sich mit Palin in eine Reihe zu stellen.“

    Natürlich nicht. Wir übrigens auch nicht (ich bin sowieso pro-Choice).

    „Erstens ist das jetzige, größtenteils private Gesundheitssystem…“

    Ein gutes Beispiel dafür, dass man nicht jedes scheinbar private „neoliberale“ System gutheissen sollte. Das wird nämlich dann mit einer „wirklich marktwirtschaftlichen Lösung“ verwechselt, wieso dann nachher geglaubt wird, der Markt sei schuld und nicht die Bürokratie.

    „Zweitens fordert auch Obama keine Verstaatlichung, sondern lediglich die Einführung einer staatlichen Alternative für die Unversicherten.“

    Mein persönlicher Vorschlag: der Staat sollte demjenigen, der sich wirklich nichtmal eine minimale Grundsicherung leisten kann, eine solche stellen indem er ihm das Geld für eine private KV vorstreckt. Vorerst sollte man aber erstmal schauen, dass man Perspektiven für jedermann schafft, statt Leute in die Abhängigkeit des Staates zu treiben, indem man die Märkte kaputtreguliert.

    „Der Markt versagt bei der Bereitstellung gesamtgesellschaftlich gewollter öffentlicher Güter.“

    Gesundheit ist zwar in meinen Augen kein öffentliches, sondern ein privates Gut, aber ich gebe nochmal zu bedenken, drüber nachzudenken ob hier nun wirklich der Markt oder doch eher die Politik versagt (hat).

    „Obama hat dies erkannt und darum greift er ein, zum Wohle der 50 Mio. Unversicherten.“

    Worunter auch viele sind, die sich bereits heute eine leisten könnten, aber aus freiwilligem Entschluß keine abschliessen. Oder temporär keine haben wegen Jobwechsel. (Wobei man ja sowieso egtl. nur eine braucht für den Risikofall einer schweren Krankheit.)

    „Natürlich wollen sie diesen populären Präsidenten beschädigen.“

    Parteipolitik eben, die Demokraten sind umgekehrt nicht besser. Ich stelle mich da als „Independent“ auf keine Seite.

    „Danke auch, dass die Menschen in Deutschland unter GEZ-Terror leiden, sonst gäbe es nur noch RTL2 News.“

    Quatsch. Es gibt auch gute private Nachrichtensender wie ntv bspw. Ausserdem dürfen Sie von mir aus gerne ihre GEZ-Gebühren auch in Zukunft bezahlen, nachdem diese auf freiwillige Basis gestellt wurden.

    „Keiner, absolut keiner will durch die Reform irgendjemandem seine Versicherung wegnehmen.“

    Es geht darum, dass man JEDEM eine Versicherung aufzwingen will. Unter den zig Unversicherten sind sicher nicht nur welche, die wirklich auf Hilfe (die zudem noch durch private Wohlfahrt erfolgen könnte) angewiesen sind (und selbst wenn, wäre immer noch ZUERST zu klären, inwiefern zuerst „mehr Freiheit“ und „Möglichkeiten zur Selbsthilfe“ helfen würden.)

    Kommentar von CK | August 13, 2009

  6. „Sie schiebt den Demonstrierenden eine Gesinnung unter, welche nicht da ist, und genau darum geht es.“

    Schon mal Obama+Nazi bei Google-Bildsuche eingegeben? http://images.google.de/images?q=Obama%2Bnazi&oe=utf-8&rls=org.mozilla:de:official&client=firefox-a&um=1&ie=UTF-8&sa=N&hl=de&tab=wi

    Sorry, aber wir sollten nicht so naiv sein, zu glauben, die armen Obama-Gegner wären alles Menschen mit den besten Motiven. Aktuell auch sehr interessant die „Debatte“ darüber, dass er ja angeblich kein Amerikaner sei… Meiner Ansicht nach spielt da noch jede Menge Rassismus rein. Die Inbrunst, mit der die Konservativen hetzten, ist unvergleichlich. Hier hatten die Liberalen immer schon einen Nachteil, was sich allein dadurch beweist, dass „liberal“ in weiten Teilen Amerikas ein Schimpfwort ist.

    „das Gerede von “Klassenzugehörigkeit” ist das eigentliche Opium fürs Volk.“

    Natürlich kommen derartige Worte von jemandem, der ohnehin privilegiert ist. Unsere Debatten leiden darunter, dass die Unterprivilegierten ausgeschlossen sind.
    Es gibt nach wie vor eine Klassengesellschaft. Wer offenen Auges durch die Welt läuft, der wird dies sehen. Der entscheidende Faktor ob man im bundesrepublikanischen Schulsystem reüssiert, ist nicht Leistung, sondern Herkunft. Aber ihr verbucht das wahrscheinlich unter „individuelle Freiheit“. Die „individuelle Freiheit“ des Hochwohlgeborenen von den Kanacken und Arbeiterkindern geschützt zu werden..

    „“Socialised Medicine” ist nunmal etwas Anderes als ein “freier Markt” (=Kapitalismus)“

    Ich gehe von der Prämisse aus, dass der freie Markt das benötigte Gut nicht bereitstellen kann, weil er nur Güter bereitstellt, deren Bereitstellung rentabel ist. Sind wir soweit auf einer Linie?
    Der Markt allein produziert also eine Allokation, die gesamtgesellschaftlich nicht gewünscht ist, da der politische Wille besteht, ALLEN Menschen ein Leben in Würde zu garantieren. Es bleibt dem Staat also nichts anderes übrig, als einzugreifen. Ich finde auch, dass dies in den letzten 100 Jahren ganz erfolgreich gelaufen ist.

    „FALLS dies so wirklich stimmen“


    „wieso dann nachher geglaubt wird, der Markt sei schuld und nicht die Bürokratie.“

    Nun ja, als Gläubige der Marktideologie kann für euch natürlich NIE der Markt an etwas Schuld sein 😉 Ich gehe davon aus, dass Märkte versagen können und ohne staatliche Eingriffe oftmals kein optimales Outcome zeitigen. Der Markt besteht nur aus Menschen. Zu glauben, die wären unfehlbar, ist Quatsch. Und auch in großer Masse verschwinden nicht die Dummen, sondern gewinnen eher an Einfluss.

    „der Staat sollte demjenigen, der sich wirklich nichtmal eine minimale Grundsicherung leisten kann, eine solche stellen indem er ihm das Geld für eine private KV vorstreckt.“

    Vorstreckt? Sollen sich die Leute über beide Ohren verschulden, um ein menschenwürdiges Leben führen zu können?

    „statt Leute in die Abhängigkeit des Staates zu treiben, indem man die Märkte kaputtreguliert.“

    Also ich würde mich definitiv wohler fühlen, wenn ich wüsste, meine KV unterlege keinen Profitzwängen. Gesundheit halte ich für einen solch sensiblen Bereich, das dort Profitinteresse nicht an erster Stelle stehen sollte.

    Weiterhin werden Märkte nicht kaputtreguliert. Märkte zeichnen sich ja gerade durch ihre Anpassungsfähigkeit aus. Wenn der Staat interveniert, oder neue Regeln setzt, werden sich die Marktteilnehmer anzupassen haben. Wer sich nicht anpasst, der wird herauskomplimentiert, weil er zu schwach ist.

    „Worunter auch viele sind, die sich bereits heute eine leisten könnten, aber aus freiwilligem Entschluß keine abschliessen.“

    Das wird wohl eine Minderheit sein. Für solche Leute bestünden sicherlich auch nach einer Reform noch Mittel und Wege, keine KV abzuschließen.

    „Wobei man ja sowieso egtl. nur eine braucht für den Risikofall einer schweren Krankheit.“

    Das ist Unsinn, wenn Du Dir mal anschaust, wie hoch Arztrechnungen in Deutschland so ausfallen. Das kann den Normalbürger ganz schnell in die Bredouille bringen. Wenn es keine KV gäbe, wäre er selbst gezwungen sich Rücklagen anzulegen. Für die Wohlhabenden kein Problem, für die Masse schon.

    „Es gibt auch gute private Nachrichtensender wie ntv bspw“

    Hast Du schonmal versucht länger als eine Stunde NTV zu schauen? Man mag ja über die GEZ-Sender meckern, aber qualitativ sind sie immer noch besser als der Schund, der bei den meisten Privaten läuft. Wobei auch dort die Entwicklung eher nach unten zeigt..

    „die zudem noch durch private Wohlfahrt erfolgen könnte“

    Private Wohlfahrt heisst Almosen. Menschenwürde ist allerdings kein Almosen, sondern ein Recht. Ich habe keinen Bock mir meine OP zu erbetteln. Ich will ein Recht darauf haben im Bedarfsfall. Und dieses Recht garantiert die Solidargemeinschaft.

    Kommentar von Parsa Kakashanian | August 13, 2009

  7. „Die Inbrunst, mit der die Konservativen hetzten, ist unvergleichlich.“
    Es ist sehr wohl vergleichbar mit den Liberals 2002 gegen Bush. Die Rhetorik war damals schon dämlich und ist es heute noch, egal von welcher Seite.

    Und bitte bleib sachlich. Die vielen Unterstellungen gegen uns in Deinem Kommentar sind unsinnig und beleidigend. Aussagen wie „Die “individuelle Freiheit” des Hochwohlgeborenen von den Kanacken und Arbeiterkindern geschützt zu werden..“ sind einfach nur ekelhaft und widerspricht der Philosophie des Liberalismus zutiefst.

    Kommentar von JayJay | August 13, 2009

  8. „vergleichbar mit den Liberals 2002 gegen Bush“

    2002 war Kritik an der Regierung eher unamerikanisch, wenn ich mich richtig erinnere… Da sah man sich ja gerade als citadelle assiégée im Kampf gegen den Islamofaschismus.

    „widerspricht der Philosophie des Liberalismus zutiefst“

    Ja, wenn man Freiheit mehr als nur ökonomisch definieren würde.

    Kommentar von Parsa Kakashanian | August 13, 2009

  9. @Parsa K.: Diese Bilder sind einfach nur ekelhaft, ich stimme Ihnen zu, dass sowas nicht sein sollte. Hitler-Vergleiche verbieten sich von selbst, ob gegen Bush, Obama oder sonstwen.

    Ansonsten bitte auch ich Sie darum, uns hier nicht böse Motive zu unterstellen. Uns geht es wirklich um positive Vorschläge zum „Wohlstand für alle“.

    Ich habe Ihnen bspw. auch schon mal gesagt dass wir keine Freunde des staatsmonopolistischen BRD-Schulsystems sind, welches Union und peinlicherweise die FDP verteidigen.

    „Natürlich kommen derartige Worte von jemandem, der ohnehin privilegiert ist.“

    Sie kennen JayJay doch gar nicht? *lach* Falls Sie aber darauf hinaus wollen, dass alle Luxemburger privilegiert sind, dann kann es Ihnen ja auch egal sein, dass wir bei uns ein privates KV-System verlangen.

    „Der Markt allein produziert also eine Allokation, die gesamtgesellschaftlich nicht gewünscht ist, da der politische Wille besteht, ALLEN Menschen ein Leben in Würde zu garantieren.“

    Der menschliche Wille dazu besteht und somit können auch die Menschen dies so erreichen.

    „Ich finde auch, dass dies in den letzten 100 Jahren ganz erfolgreich gelaufen ist.“

    Mehr oder weniger, wir haben 75 Millionen Defizit anscheinend. Trotzdem gibt es nun kostenlos die Pille.

    „Der Markt besteht nur aus Menschen. Zu glauben, die wären unfehlbar, ist Quatsch.“

    Tue ich auch nicht. Das Gleiche gilt aber für den Staat.

    „Sollen sich die Leute über beide Ohren verschulden, um ein menschenwürdiges Leben führen zu können?“

    Mißverständnis. Hab mich schlecht ausgedrückt. Ich meinte mit „vorstrecken“ durchaus hier „schenken“.

    Das ist Unsinn, wenn Du Dir mal anschaust, wie hoch Arztrechnungen in Deutschland so ausfallen.

    Ja, wieso sind diese bloß so hoch?

    „Wer sich nicht anpasst, der wird herauskomplimentiert, weil er zu schwach ist.“

    Eben. So erhalten sich die Starken ihre Macht mit Hilfe der Politik STATT durch reine Leistung. Staatskapi… äh -korporatismus.

    „Hast Du schonmal versucht länger als eine Stunde NTV zu schauen?“

    Nein, ich schaue sehr selektiv fern, Nachrichten kriege ich fast immer nur via Internet.

    Dieses Recht garantiert die Solidargemeinschaft.

    Wieso ist diese nur als zentralistisches Monopol und via Zwangsgebühren denkbar?

    Kommentar von CK | August 13, 2009

  10. Holà,

    …das musste wohl so enden…

    http://en.wikipedia.org/wiki/Godwin%27s_law

    „„Der Gedanke, dass der Staat eine so große, wichtige Sache übernimmt und regelt (…), das gilt Vielen in den USA als Schritt Richtung Sozialismus. “

    Komisch nur dass keiner sich ebenfalls so vehement gegen den 10^x teureren „bailout-sozialismus“ des Finanzsektors dagegen gestellt hat…“Back in the USSA“…

    „Was der Joey6pack nicht kennt, das isst er nicht!“…

    —-

    „Das US-System ist ein Drittel bis fast die Hälfte teurer als hier.“

    …tendiert sogar gegen 2:1…bei +/- gleicher Leistung…


    NB: ’nen grossen Teil von ∆(Health Expenditures per Capita US – aver. AUS, CA, D, NL, NZ, UK) sind Verwaltungskosten…


    NBII: t=10a

    http://en.wikipedia.org/wiki/Cherry_picking
    unter „Business“…

    und z.B.:

    Hasta
    Pancho

    Kommentar von Pancho | August 13, 2009

  11. @Pancho: Godwin’s Law 😉 Merci ower fir déi interessant Links!

    „Komisch nur dass keiner sich ebenfalls so vehement gegen den 10^x teureren “bailout-sozialismus” des Finanzsektors dagegen gestellt hat.“

    Tea-Parties verschlafen? Jene wandten sich besonders gegen die Bailouts. Und auch schon vorher gegen Bushs Ausbau des Überwachungstaates gab es zumindest von „Libertarians“ Widerspruch. Oder beziehst Du Dich hier nur auf den Kongreß?

    Nen grossen Teil von ∆ sind Verwaltungskosten…

    Eben. Planwirtschaft im Gesundheitswesen. Und dies nicht nur in den USA.

    „If an auto insurance company insured only good drivers by cherry picking them from among all drivers this would enable a company to gain an advantage over a company that insures all drivers.“

    Nicht unbedingt. Aber wenn Letztere die gleichen Konditionen bekommen, wohl schon.

    Kommentar von CK | August 13, 2009

  12. *HaHa* Godwin’s Law. Kannte ich noch gar nicht 😉 Wobei das hier nicht zählt, da der Eingangstext das ja schon erwähnt.

    „Komisch nur dass keiner sich ebenfalls so vehement gegen den 10^x teureren “bailout-sozialismus” des Finanzsektors dagegen gestellt hat“

    Was sagen unsere Liberalen dazu? War es notwendig, dass Vater Staat Milliarden in die Banken pumpt, die (Vorsicht: NEID!) das teilweise direkt an ihre führenden Angestellten weiterleiten?

    „bitte auch ich Sie darum, uns hier nicht böse Motive zu unterstellen.“

    Mache ich nicht. Ich würde Euch nur bitten, auch die Anti-Obama-Bewegung etwas im Auge zu behalten. Meiner Ansicht nach sind die Republikaner in den Staaten auf dem besten Weg sich zu einer Sekte zu entwickeln. Schon die Entwicklung seit 2000 war fatal. McCain ist tatsächlich der Anständigste unter all denen.

    „keine Freunde des staatsmonopolistischen BRD-Schulsystems sind, welches Union und peinlicherweise die FDP verteidigen“

    Ich bin nicht gegen öffentliche Schulen. Ich bin nur dagegen, dass Schüler im Alter von 10 auf drei Schulformen aufgeteilt werden, und der Staat eine davon komplett vernachlässigt. Wie ist das in Luxemburg?

    „Der menschliche Wille dazu besteht und somit können auch die Menschen dies so erreichen.“

    Ich bin da weniger optimistisch. Wie Du ja weisst, sehe ich das mehr unter machtpolitischen Gesichtspunkten. Die Politik kann nicht in jedem Falle etwas durchsetzen, weil oftmals mächtige Interessen dagegen stehen.

    „wir haben 75 Millionen Defizit anscheinend“

    Hach wie süß 😉 Meine Heimatstadt hat allein 60 MILLIARDEN Schulden (allein die Zinsen übersteigen euer Defizit). Luxemburger Probleme möchte man haben..

    „So erhalten sich die Starken ihre Macht mit Hilfe der Politik STATT durch reine Leistung.“

    Vom marktwirtschaftlichen Standpunkt sehe ich das Problem. Etwas böse könnte man einwenden: die Welt ist nicht gerecht, noch nicht mal für Unternehmen 😉 Generell bleibt aber eben das Problem, dass der Markt in unserem Fall keine optimale Lösung liefert. Der Staat ist also gezwungen einzugreifen.

    „Wieso ist diese nur als zentralistisches Monopol und via Zwangsgebühren denkbar?“

    Solidarität ist ein vorstaatliches Phänomen, und hat natürlich nicht nur was mit dem Staat zu tun. Allerdings ist ein funktionierendes Solidargemeinschaftsmodell in einem 80 Millionen Staat schwierig ohne den Staat zu organisieren. Rein empirisch kenne ich auch keine Gesellschaft, in der dies funktioniert, und in der tatsächlich sozialstaatliche Leistungen auf dem Niveau, das wir haben, bereitgestellt werden. Die einzigen Staaten ohne funktionierenden Sozialstaat sind Entwicklungsländer. Und das dortige Elend, sowie die eklatante Diskrepanz zwischen Reichen und Armen weist uns darauf hin, dass die private Solidargemeinschaft dort nicht sehr gut funktioniert. Dort wo es etwas vergleichbares gibt, sind es übrigens häufig Kirchen oder Parteien, die sowas organisieren. Also auch nicht-ausschließliche Solidarverbände. Und die verknüpfen die Leistung dann natürlich auch mit gewissen Bedingungen. Was glaubst Du, warum die Hamas so populär ist in Palästina? Liegt nicht in erster Linie am propagierten Judenhass, sondern daran, dass sie eine Solidargemeinschaft organisiert hat.

    Kommentar von Parsa Kakashanian | August 13, 2009

  13. Holà Parsa & CK,

    @Parsa

    „Wobei das hier nicht zählt, da der Eingangstext das ja schon erwähnt.“

    …gut aufgepasst…LOL

    @ CK

    „Eben. Planwirtschaft im Gesundheitswesen. Und dies nicht nur in den USA.“

    You’ve got the tune(=hint)…now seek the title(=error)…

    Hasta
    Pancho

    Kommentar von Pancho | August 13, 2009

  14. @Parsa: War es notwendig, dass Vater Staat Milliarden in die Banken pumpt?

    IMHO Nein. Nehmen wir an, der Luxemburger Staat hätte Fortis nicht „gerettet“. Dann hätte halt ne andere Bank die Fortis aufgekauft. Ich glaube nicht, dass es wirklich zu einem drastischen Verlust vieler Ersparnisse gekommen wäre. Wäre Fortis wirklich so faul und komplett am Arsch gewesen, könnte auch der Staat jetzt nichts mehr retten. Kleinere Brötchen müssten aber schon wohl gebacken werden, evtl. gäbe es auch Entlassungen.

    „McCain ist tatsächlich der Anständigste unter all denen.“

    Bei Ihnen hätte ich nun aber auf Colin Powell getippt, aber vermutlich nehmen Sie dem noch den Irak-Bericht vor der UNO übel, den auch ich damals nicht überzeugend fand. Die Republikaner betrachte ich ohnehin genauso skeptisch wie die Demokraten, keine Angst.

    „Die Politik kann nicht in jedem Falle etwas durchsetzen, weil oftmals mächtige Interessen dagegen stehen.“

    Genau das spricht eben gegen die gängige Parteipolitik und den Parlamentarismus. Und für mehr direkte Demokratie und individuelle Entscheidungen.

    Bzgl. 75 Millionen Defizit: das ist egtl. nur die Kalkulation für 2010. Ich staune aber darüber wie kalt lächelnd man Defizite als Deutscher hinnimmt.

    Sozialhilfe wird m.E. am besten dezentral und in freiwilligen Netzwerken organisiert. Von mir aus kann es einen (minimalen) Sozialstaat geben, ich bin da sogar explizit für, ziehe aber jederzeit private Wohlfahrtsinitiativen vor. Gerne auch über Kirchen und Parteien, Bedingungen hin oder her. Bedingungslose Hilfe gibt es sowieso nicht, schon gar nicht vom Staat.

    „Ich bin nicht gegen öffentliche Schulen.“

    Ich auch nicht unbedingt, aber ich bin für mehr Bildungsfreiheit, -vielfalt, -flexibilität und somit gegen
    das starre, unflexible, rigide heutige System, welches ich als zentralistisch-autoritär empfinde und mindestens so katastrofal wie das deutsche ist und ähnliche Probleme produziert. Desweiteren gehört der Beamtenstatus für Lehrer abgeschafft. (Aber ich bitte Sie, ontopic zu bleiben, hier ist der Thread über ObamaCare. Daher werde ich in Zukunft auch nur auf Dinge zum Topic hier noch eingehen.)

    @Pancho: Ich sehe sehr wohl dass die „privaten“ Kosten in den USA explodiert sind. Das verwundert mich nicht. Privatisierungen, die nicht mit einem „Mehr an Freiheit“ einhergehen, schaden der Idee des freien Marktes bekanntlich meistens nur.

    Kommentar von CK | August 13, 2009

  15. Holà CK,

    „…Dann hätte halt ne andere Bank die Fortis aufgekauft. etc. etc. etc.“

    Nie und nimmer…

    Quick-„Altus, Maximus…Fortis“ aka „Rise and Fall of „Financial Utopia“-Zusammenfassung by „Pancho“…

    Realwirtschaft:
    subprime defaulters up->TP->LehmanBros&(p)al aka-„Kinderüberraschungen“-emitters down->weltweit Vertrauen weg (siehe z.B.Euribor&TEDspread)->Liquiditäten „Maximus“ aka „Fortis“ raus + „external money flow“ eingefroren für rein->EK(Fortis)->0 = adios „Fortis“ + teilweise auch Ersparnisse…(Kleinere „Fortis“-Aktienbesitzer…eh „keine Chance“…)

    ->Staat rein->vertrauen da->system relevant bankruptcy (momentarily)avoided-> aufatmen, abwarten und Tee trinken…“Finanz-Gauk-Behörde aka Bad Bank“ or whatsoever in die Wege leiten…“Geldfluss“ wieder herstellen…und „hoffen“ aka „sich überraschen lassen“…

    NB: TP-> http://en.wikipedia.org/wiki/Tipping_point_(sociology)

    —-

    „Wäre Fortis wirklich so faul und komplett am Arsch gewesen, könnte auch der Staat jetzt nichts mehr retten. Kleinere Brötchen müssten aber schon wohl gebacken werden, evtl. gäbe es auch Entlassungen.“

    Realwirtschaft (part II):

    Veeerry…big prob…

    Festlegung des realen Wertes der „Derivatpapiere etc.“ (Eigentümer=Bank) um EK der Bank genau bestimmen zu können…kann noch sehr lange dauern da haupts. p.end(Derivatpapiere-tied-2-„subcrime“)=f(t)…siehe „hoffen“…

    (p.end= +/-endgültiger Preis)

    1)Da ist schon was „faul“…aber noch keiner weiss genau „wo“ und „wieviel“…

    2)Rein „finanztechnisch“ gesehen…ja, „Fortis“ (und andere) stand vor dem „Aus“ aka „am Ar…“…

    3)Solange EK von Bank nicht genau bestimmt wurde und „deleveraging“-Verfahren im Gange ist => Lage „prekär“…

    Mini-Fazit:

    Der Staat kann (ich betone „kann“!) sich als grosser „Gewinner“ oder aber auch als grosser „Verlierer“ entpuppen…siehe (noch einmal) „hoffen“…

    Analog dazu: siehe auch „Immobilienkrise & Banken“ in Schweden Anfang 90er Jahre…(genügend „Papers“ im „Net“)

    —-

    Pancho’s Lieblingszitat:

    „Mama always said life was like a box of „CDS“…You never know what you’re gonna get…“
    …ROTFL…

    Hasta
    Pancho

    Kommentar von Pancho | August 13, 2009

  16. @Pancho: Wie Du selber sagst, niemand kann genau abschätzen, wie bestialisch die faulen Eier wirklich stinken. Aber an einer Entwertung kommen wir jedenfalls nicht vorbei, wobei ich auch im Interesse des Steuerzahlers hoffe, dass diese möglichst gering ausfällt. Dennoch glaube ich nicht, dass die Fortis heute ohne den Staat bankrott wäre, es ohne Juncker und Frieden den Deal mit BNP Paribas nicht gegeben hätte usw. Und selbst wenn ein Insolvenzverfahren in die Wege geleitet worden wäre, wäre bei einem solchen der Schutz der Ersparnisse klar vorrangig gewesen und vor allem Anderen gegangen.

    Und der Staat ist nicht dazu da um die Interessen von Aktionären, auch nicht von Kleinaktionären zu schützen. Wer in Aktien investiert, muss sich des damit einhergehenden Verlustrisikos stets bewusst sein. Man kann schliesslich auch ein Festgeldkonto anlegen, wenn man lieber sicher sparen will.

    Kommentar von CK | August 13, 2009

  17. Holà CK,

    „Aber an einer Entwertung kommen wir jedenfalls nicht vorbei…“

    Höchswahrscheinlich nicht…hängt jetzt nur davon ab wie hoch diese „Entwertung“ letztendlich aussehen wird…

    —-

    „Dennoch glaube ich nicht, dass die Fortis heute ohne den Staat bankrott wäre…“

    Nenne mir eine einzige „Problem-Bank“ die nicht anhand „direkter“ oder „indirekter“ Unterstützung/Beteiligung des Staates (als Garant wohlgemerkt) gerettet wurde/aus dem Sumpf rausgezogen wurde…

    —-

    „Und selbst wenn ein Insolvenzverfahren in die Wege geleitet worden wäre, wäre bei einem solchen der Schutz der Ersparnisse klar vorrangig gewesen und vor allem Anderen gegangen.“

    Weil die Iren das ja auch vorgeführt haben…
    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/garantien-fuer-spareinlagen-sorgen-fuer-zwist%3B2056279

    —-

    „Und der Staat ist nicht dazu da um die Interessen von Aktionären…“

    …da hast du vollkommen Recht…aber was geht dann ab wenn „der Staat“ ebenfalls zum „Aktio-när“ wird…?
    http://www.france24.com/fr/20090407-banque-finance-etat-francais-premier-actionnaire-bnp-paribas-augmentation-capital-sppe-amf-participation
    …ROTFOL…

    —-

    „…auch nicht von Kleinaktionären zu schützen.“

    Hängt wiederum davon ab…bei solchen „Geschäftspraktiken“ aka „Drückermethoden“ (falls auch so vorhanden)…trotzdem schon…
    http://www.daserste.de/plusminus/beitrag_dyn~uid,o0g6kk7xiif8vv5u~cm.asp

    —-

    „Internet, die Freiheit ’nehm ich mir“…LOL…

    Hasta
    Pancho

    Kommentar von Pancho | August 14, 2009

  18. „Nenne mir eine einzige “Problem-Bank”“

    Ich weiss ja, dass Du recht hast, aber niemand weiss was passiert wäre, wenn nicht (sofort) der Staat eingesprungen wäre.

    Ich kann die Politiker ja noch verstehen unter diesem enormen Druck. Solange sie nur den Glauben der Menschen an den Staat zwecks Stabilisierung ausnutzen wollen, sozusagen mit Wörter und Garantien allein „bank runs“ verhindern, ist das ja noch moralisch vertretbar, vlt. sogar geboten(jedenfalls solange nicht wirklich Steuergelder gezogen werden müssen.)

    Das (Gegen-???)Beispiel Irland kapiere ich nicht. Mir ging es darum, dass im Fall einer Insolvenzerklärung alles in die Insolvenzmasse fliesst, aus deren Veräusserung dann zuerst und zuvorderst die Spareinlagen gerettet werden.

    Bzgl. Betrug sind wir uns vollkommen einig. Die Polizeifunktion ist ja eine der von mir als legitim angesehenen Staatsfunktionen. Wer jedoch als Aktionär bewusst Risiken eingeht, muss dafür die Verantwortung übernehmen. Polizist ja, guter Papa nein.

    Und der Staat sollte auch nirgendwo Aktionär sein. Ein Schiri, der selber auf dem Fussballplatz mitspielt, verursacht nur Chaos und Ungerechtigkeiten. Eigentlich ist das so einleuchtend, dass jedes kleine Kind es bereits kapieren sollte, dennoch sind die Trennung von Staat und Wirtschaft und eine vernünftige Ordnungspolitik heute leider Utopie. 😦

    Kommentar von CK | August 14, 2009

  19. Holà CK,

    (sprooche-switch)…

    „Das (Gegen-???)Beispiel Irland kapiere ich nicht. Mir ging es darum, dass im Fall einer Insolvenzerklärung alles in die Insolvenzmasse fliesst, aus deren Veräusserung dann zuerst und zuvorderst die Spareinlagen gerettet werden.“

    D’Bsp. ass och e bessi „onglécklech“ ausgewielt ginn (sorry)…

    …wou ech (domadder) hinaus wollt kommen wor, daat am Fall vun énger Insolvenzerklärung, déi Veräusserung effektiv fir d’éischt d’Spareinlagen gerett hätt…mä zu waat fir éngem %-Saatz? (Gesamtspareinlagen: 100%)

    40%?,50%?60%? (ët hätten och graadesougudd, héichgegraff, 100% kinnten sinn, mä och vläit nëmmen 10…)

    Càd, wannste trotzdem? (deemools ganz héchstwahrscheinlech esouguer) eng „Differenz“ tëschent der „Veräusserung“ an (und) den Spareinlagen gehaat häss (am Fall vun engem Insolvenzantrag), déi Differenz hätt jo missen „gedéckt“ ginn…mais „par qui?“…(„Yes, it’s Superstate, strange visitor from another planet, with powers and abilities far beyond those of common men…“)

    …an Irland als „Zugland“ an der EU wor den éischte Staat waat duerch déi „Garantiënzouso“ fir déi (deemoolëg éventuell=speklatioun) Verloschter opkomm wier…

    Spontan? „Garantienzouso“ déi dunn natiirlech all aanere Staat an der EU zum +/- selwechten „witschaftspolitëschen Zugzwang“ opgefuerdert huet…

    P.S: Ët kann een natiirlech dee „modus-operandi“ mat „pseudo-héich-pédantësch&komplex Schnörkeleien“ aus dem „Bankenjargon“ erklären…mä de „Pancho“ ass éischter interesséiert d’Saachen ze vereinfachen an se mam „Numm“ ze nennen…;-)

    —-

    „Die Polizeifunktion ist ja eine der von mir als legitim angesehenen Staatsfunktionen.“

    An deem Fall (siehe Link)…fällt mer bei deer heiten Ausso „Doch noch sind es die Kunden, die alleine einen langwierigen Klageweg vor sich haben. Lückenlos müssen sie beweisen, dass sie getäuscht wurden.“ nëmmen eng Saach an…:

    …“je rame, tu rames, il rame, nous ramons, vous ramez, ils râlent“…(„Via dolorosa“ héich 10)

    —-

    „Eigentlich ist das so einleuchtend, dass jedes kleine Kind es bereits kapieren sollte…“

    Jo…stëmmt jo och…mä Europa ass nach e bëssi vun deer „Offensichtlëchkeet“ entfernt…(d’Mauer ass vläit gefall, mä an de Käpp nach ëmmer méi ewéi präsent…siehe Ausso vum Helmut S.) an déi (legitim!?) Angscht virun der „Gefor“ vun den „fräi denkend Elektronen“ ass duerch eng „politësch/ideologësch/dogmatësch gedriwwen an opgezwongen assimilatioun“ déi lescht 60 Joër „an enger momentaner Lethargie“ versaat ginn…(waat zu gudder Lescht déi aktuell „Trägheet“ vun der EU ausmécht…well se sech jo nach ëmmer op den „ideologëschen Trümmer“ beweegt…)

    Motto: „Mier wëllen kéng fräi denkend Leit…mier wëllen Lämmecher…an waat d’Leeschtung ubelaangt…on s’en tape…“ (hu mer jo bei de Bänker gesinn an gëtt a.A. och méi einfach fir de „Rum-ta-ta“ ze „managen“…)

    Spontant Niewengedanken…
    D’Piratenpartei ass jo u sech nëmmen d'“Emanatioun“ vun der éischter „Internet Génératioun“…vill Spaass bei der zweeter Génératioun…

    —-

    „…dennoch sind die Trennung von Staat und Wirtschaft und eine vernünftige Ordnungspolitik heute leider Utopie.“

    Ët wäert ménger Meenung no zu éngem bestëmmten „degré“ vun Trennung tëscht Staat an Wirtschaft kommen…(chose inéluctable dans la construction européenne…soss „KaBoum“), mä ët wäert séng Zäit brauchen…

    „Il n’y a pas de grande réalisation qui n’ait été d’abord utopie.“ obschons daat: „Utopia is that which is in contradiction with reality.“…

    Hasta
    Pancho

    Kommentar von Pancho | August 14, 2009

  20. Holà CK,

    „…wou ech (domadder) hinaus wollt kommen wor, daat am Fall vun énger Insolvenzerklärung, déi Veräusserung effektiv fir d’éischt d’Spareinlagen gerett hätt…mä zu waat fir éngem %-Saatz? (Gesamtspareinlagen: 100%)“

    Oooops…an der „Hétz“ haat ech natierlëch den ultimativen(!) „mot cléf“ vergiess, deen hei extreem wichtëg ass…(Verständisméissëg…)

    Am Kasino (um Dësch bei der Roulette) gëtt en: „double“ genannt…am Bankenwiesen: „Hebeleffekt“…LOL…

    http://en.wikipedia.org/wiki/Leverage_%28finance%29

    Hasta
    Pancho

    Kommentar von Pancho | August 14, 2009

  21. @Pancho: Jo, d’Praxis ass net emmer esou einfach an kloër wéi d’Theorie. 😦

    Fir de Rescht sinn mer eis zimmlech eenz, denken ech. Schéin ze gesinn datt et ower nach Leit wéi Dech bei eis am Land gett.

    Elo ower back ontopic. De Parsa versteet soss sws hei naischt 😀

    Kommentar von CK | August 14, 2009

  22. Lesenswert:
    http://www.theatlantic.com/doc/200909/health-care

    Kommentar von CK | August 24, 2009

  23. http://www.iie.com/realtime/?p=595

    Kommentar von CK | November 9, 2009

  24. http://aaeblog.com/2009/12/18/healthcare-con/

    Kommentar von CK | Dezember 24, 2009

  25. http://www.capmag.com/article.asp?ID=5668

    Kommentar von CK | Januar 13, 2010

  26. Kevin Carson, der selbsternannte (links-)libertäre Sozialist, der wohl selber im Gesundheitssektor tätig ist, mit einem PDF zum Thema „Health Care Crisis“:

    http://c4ss.org/wp-content/uploads/2010/03/C4SS-The-Healthcare-Crisis-A-Crisis-of-Artificial-Scarcity-by-Kevin-A.-Carson.pdf

    Habe ich selber noch nicht gelesen, sollte aber sicher wieder mal recht lesenswert sein.

    Kommentar von CK | April 20, 2010


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