L for Liberty

…because liberty is not negotiable.

Ein Symbol menschlicher Größe

Vor genau 40 Jahren, am 16.Juli 1969, brachen die ersten Astronauten zum Mond auf, wo sie vier Tage später landeten. Anlässlich des Jahrestages der erfolgreichen Apollo 11-Mission publiziert LfL hier eine deutsche- von mir selbst angefertigte und daher leider wohl nicht sehr professionelle- Übersetzung eines Artikels von Ayn Rand über den gelungenen Raketenstart. (gefunden via Objektivismus Heute.)

16.Juli 1969. Der Raketenstart: Ein Symbol menschlicher Größe
Von Ayn Rand
Aus “Apollo 11”, The Objectivist, September 1969.

“Was auch immer für Unannehmlichkeiten Sie ertragen und welche Kosten Sie auf sich nehmen mussten, um hierherzukommen,“ meinte ein NASA-Führer zu einer Gruppe Gästen im Anschluß einer Tour durch das Raumfahrtzentrum in Kap Kennedy am 15. Juli 1969 „morgen früh werden sieben Minuten Ihnen das Gefühl geben, dass es dies alles wert war.“ Dem war so.

Der Raketenstart begann mit einer großen, hellen, gelb-orangefarbenen Flamme, die seitwärts unter der Raketenbasis hervorschoß. Sie sah wie eine gewöhnliche Flamme aus und ich empfand den Schlag eines Augenblicks Angst, als ob ein Gebäude in Flammen stünde. Im nächsten Augenblick waren die Flamme und die Rakete von einer solchen Schleife dunkelroten Feuers verhüllt, dass die Angst verschwand: dies war nicht Teil einer gewöhnlichen Erfahrung und konnte nirgendwo eingeordnet werden. Das dunkle, rote Feuer zerteilte sich in zwei gigantische Flügel, als wenn ein Hydrant Ströme von Feuer nach oben Richtung Zenith ausschiessen würde- und zwischen den beiden Flügeln, einem pechschwarzen Himmel entgegen, erhob sich langsam die Rakete, so langsam dass es schien, als hinge sie noch in der Luft, ein bleicher Zylinder mit einem blendenden Oval weißen Lichtes an der Unterseite, wie eine umgedrehte Kerze, deren Flamme zu Erde zeigte.

Dann wurde mir bewusst dass all dies in totaler Stille geschah, denn ich hörte die Schreie der Vögel, die ungestüm von den Flammen wegflogen. Die Rakete stieg schneller hoch, ein wenig schräg liegend, ihre angespannte weiße Flamme hinterließ eine lange, dünne Spirale bläulichen Rauches. Sie war in den weiten, blauen Himmel gestiegen und das dunkelrote Feuer hatte sich in enorme Wogen braunen Rauches verwandelt, als das Geräusch uns erreichte: es war ein langes, gewaltiges Krachen, kein rollendes, sondern ein spezifisch knackendes, reibendes Geräusch, als ob der Weltraum auseinanderbrechen würde, aber dies erschien irrelevant und unwichtig, denn es war ein der Vergangenheit entstammendes Geräusch und die Rakete war längst sicher beschleunigend ausser Reichweite- obwohl es merkwürdig war zu erkennen, dass nur ein paar Sekunden vergangen waren. Ich ertappte mich dabei der Rakete unfreiwillig zuzuwinken, ich hörte Menschen applaudieren und tat es ihnen gleich, unser gemeinsames Motiv erfassend; es war unmöglich passiv zuzuschauen, man musste, durch körperliche Handlungen, ein Gefühl ausdrücken, welches nicht Triumph war, sondern mehr: das Gefühl dass der reibungslose Bewegungsablauf dieses weissen Gegenstandes die einzige Sache war, die in diesem Universum von Bedeutung war.

Was wir gesehen hatten, in nackter Essenz -aber in der realen Welt, nicht in einem Kunstwerk- war die konkretisierte Abstraktion der Grösse des Menschen.

Die fundamentale Bedeutung des Triumphes von Apollo 11 ist nicht politisch, sie ist philosophisch, genauer gesagt moralisch-epistomologisch.

Die Bedeutung des Augenblicks lag in der Tatsache dass man, als diese dunkelroten Feuerflügel sich Bahn brachen, wusste dass man nicht ein normales Vorkommen betrachte, sondern einen Kataklysmus, der- falls von der Natur freigesetzt- den Menschen aus der Existenz weggefegt hätte- und man wusste ebenso dass dieser Kataklysmus vom Menschen geplant, freigesetzt und kontrolliert wurde, dass diese unvorstellbare Kraft durch die seine gesteuert wurde und, ergeben seinem Zweck dienend, den Weg freimachte für ein feingliedriges, aufsteigendes Raumschiff. Man wusste, dass dieses Schauspiel nicht das Produkt lebloser Natur, wie die Polarlichter, des Zufalls oder des Glücks war, sondern unmissverständlich menschlich-mit „menschlich“ einmal Grösse bedeutend-, dass ein Zweck und eine lange, erlittene, disziplinierte Anstrengung diese Reihe von Momenten zu erzielen angegangen war und dass der Mensch erfolgreich war, er Erfolg hatte, Erfolg! Endlich einmal und wenn nur für sieben Minuten, mussten die Schlechtesten unter denen, die es sahen, fühlen- nicht „Wie klein doch der Mensch verglichen zum Grand Canyon ist“- sondern „Wie groß doch der Mensch ist und wie sicher die Natur doch ist, wenn er sie erobert!“

Dass wir eine Demonstration vom Besten des Menschen gesehen hatten, konnte niemand anzweifeln- das war die Ursache der Anziehungskraft des Ereignisses und des fassungslosen, betäubten Zustandes in dem es uns zurück ließ. Und niemand konnte anzweifeln dass wir eine Errungenschaft des Menschen in seiner Kapazität als rationales Wesen gesehen hatten- eine Errungenschaft von Vernunft, Logik, Mathematik und totaler Widmung dem Absolutismus der Wirklichkeit.

Frustration ist das Leitmotiv im Leben der meisten Menschen, vor allem heutzutage- die Frustration unartikulierter Wünsche, in Unkenntnis der Mittel sie zu erzielen. Im Angesicht und -hören einer zerbröckelnden Welt, führte Apollo 11 die Geschichte eines kühnen Zwecks auf, seine Ausführung, seinen Triumph und die Mittel die es erreichten- die Geschichte und die Demonstration des höchsten Potentials des Menschen.

Advertisements

Juli 16, 2009 - Posted by | Lesestoff | , ,

13 Kommentare »

  1. Die „Reise zum Mond“ war ein gigantisches steuerfinanziertes Projekt. Wie die Begeisterung für so ein Projekt zu einem „Ich werde nie für andere leben, und ich werde nie von anderen verlangen, dass sie für mich leben“ passt, würde mich mal interessieren.

    Kommentar von nana | Juli 16, 2009

  2. @nana: Man kann doch die unglaubliche Leistung dieser Menschen bewundern. Natürlich wäre es besser, NASA-Projekte würden sich komplett privat finanzieren (es gibt ja sicher genug reiche Millionäre und mglw. andere Spendengeber, die in sowas freiwillig investieren), das streitet doch gar keiner ab. Dies ändert aber nichts an der Grösse des Projekts, der Bedeutung für die Welt der Wissenschaft und Technik.

    Wenn ein Lehrer (ohne Lehrer jetzt mit Astronauten vergleichen zu wollen) unglaubliche gute Arbeit leistet, redet man das ja auch nicht schlecht, nur weil er im heutigen, staatsmonopolistischen Bildungssystem auf Kosten der leider in ihrer Wahl ziemlich eingeschränkten Steuerzahler tätig ist. Oder ein Arzt. Oder eine Krankenschwester. Oder ein Informatiker. Oder ein Polizist. Oder ein Soldat. (Wobei diese letzten beiden Funktionen ja selbst in einem Randschen Extrem-Minimalstaat noch gegeben wären.) Usw.usf.

    Kommentar von CK | Juli 16, 2009

  3. Klar, kann man. Das ist nicht die Frage. Man kann auch einen Bombenabwurf über einer Stadt bewundern, man muss dabei nur ein paar unschöne Dinge ausblenden. Damit wäre man aber ein verabscheuungswürdiger „whim-worshipper“. Tja, alles nicht so einfach, vorallem nicht, wenn man die eigenen Maßstäbe bei sich selbst anlegt.

    Kommentar von nana | Juli 16, 2009

  4. @nana: Einen brutalen Akt der Zerstörung, der zudem zig Menschenleben kostet, kann man nun aber wirklich nicht mit der Reise zum Mond vergleichen. Du übersiehst zudem einfach, dass es einfach nicht möglich ist, sich dem Etatismus komplett zu verweigern. Selbst die lieben AnCaps (mit denen ja ich ja gerne trefflich „streite“) benutzen letzendlich öffentliche Strassen.

    Kommentar von CK | Juli 17, 2009

  5. Du kannst es nur nicht vergleichen, weil Du nicht gewillt bist, die destruktiven Effekte des Bombenabwurfs ebenso auszublenden wie die destruktiven Effekte des Apollo-Projekts. Und deshalb lässt Du Dich anders als bei der „Reise zum Mond“ nicht davon beeindrucken, was für eine gewaltige geschichtliche Bewegung ins Rollen gekommen sein muss, damit eine Bombe auf eine Stadt abgeworfen werden kann. Dahinter stehen Jahrtausende Menschheitsgeschichte, unzählige Erfindungen, unzählige Biografien, ungeheure Arbeitskraft.
    Allein Nagasaki, was für ein Effekt, was für ein Bild, was für eine entfesselte Kraft! Man muss nur manches verdrängen können, wie gesagt.
    Und das kann der „whim-worshipper“ bestens. Nun wäre gegen so einen launengesteuerten Menschen ja nichts zu sagen, es sei denn, er hieße Ayn Rand.

    „Du übersiehst zudem einfach, dass es einfach nicht möglich ist, sich dem Etatismus komplett zu verweigern.“

    Übersehe ich nicht.
    Aber: Bloß weil man sich scheinbar nicht verweigern kann, muß man nun noch lange nicht ins Gegenteil der völlig unkritischen Jubelei verfallen.

    Kommentar von nana | Juli 17, 2009

  6. Holà CK,

    „Die fundamentale Bedeutung des Triumphes von Apollo 11 ist nicht philosophisch, sie ist rein politisch, genauer gesagt moralisch-propagandistisch.“

    @Nana

    „Dahinter stehen Jahrtausende Menschheitsgeschichte, unzählige Erfindungen, unzählige Biografien, ungeheure Arbeitskraft.“

    Warum?

    Hasta
    Pancho

    Kommentar von Pancho | Juli 17, 2009

  7. @nana: Die destruktiven Effekte eines Bombenabwurfs sind nun wirklich nicht mit gewöhnlicher Steuereintreiberei zu vergleichen (Oder siehst Du noch andere, destruktive Effekte?). Das mag ich an extremen Libertären so, jeder noch so extreme Vergleich kommt ihnen gerade recht. Da ist auch gleich jeder Finanzbeamte mal ein Staazi (Wortkreation aus Nazi und Stasi, komplett verrückt).

    Selbstverständlich ist auch die Erfindung von Bomben und Waffen durchaus eine Leistung des Menschen (in Deinem Beispiel der Atomphysiker), auch wenn damit viel Unheil angerichtet werden kann und leider auch wird. Auch sind Waffen nicht per se böse, notfalls muss man sich nämlich auch militärisch verteidigen können. Inwiefern Nagasaki wirklich notwendig war, überlasse ich aber Historikern. Whim-Worshipper bewundern Zerstörung der Zerstörung wegen, Macht der Macht wegen, Kraft der Kraft wegen. Das ist natürlich krank. Selbst die Menschen, die Nagasaki oder Dresden taktisch und vlt.sogar moralisch verteidigen, werden-sofern noch bei Verstand- sicher nicht den Akt selber bewundern.

    Im Fall der Reise zum Mond muss man zudem anmerken, dass sie viel gebracht hat, was man von vielen anderen vom Staat bezahlten Unsinnsaufgaben wahrlich nicht behaupten kann. (Das gilt umgekehrt auch für die Leistungen der UdSSR in der Raumfahrt. Das festzustellen will ich aber bitte nicht als Relativierung deren Verbrechen verstanden wissen.)

    „Bloß weil man sich scheinbar nicht verweigern kann, muß man nun noch lange nicht ins Gegenteil der völlig unkritischen Jubelei verfallen.“

    Diese Kritik ist nun wirklich vollkommen falsch, wenn sie sich an unseren Blog richtet. Und an Ayn Rand wohl auch.

    @Pancho: Natürlich war Apollo 11 auch ein politischer und ein propagandistischer Erfolg (Sieg der USA über die UdSSR bzw. des Kapitalismus über den Sozialismus). Aber weisst was? Auch diesen finde ich durchaus erfreulich.

    Kommentar von CK | Juli 17, 2009

  8. @CK

    „Auch diesen finde ich durchaus erfreulich.“

    Steht ausser Frage…

    Wenn wir schon über „Propaganda“ reden…dann stell ich jetzt mal eine spontane „Quizfrage“…Könnte es sein dass Frau Ayn Rand nicht auch im Ee (während des „kalten Krieges-Hype“) ebenfalls als „Propaganda-Objekt“ eingesetzt worden ist?

    Hasta
    Pancho

    Kommentar von Pancho | Juli 17, 2009

  9. @Pancho: Klar, die wurde ja nicht grundlos eingeladen und genausowenig war sie grundlos Zeugin des HUAC 1947 😉

    Kommentar von CK | Juli 17, 2009

  10. (Was hast Du immer mit diesen „extremen Libertären“? Wer soll das sein? Nicht meine Baustelle.)

    Nochmal: Es ging darum, Ayn Rand mit ihrem *eigenen* Maß zu messen. Aber daran Du scheinst nicht interessiert zu sein. Auch gut.

    Kommentar von nana | Juli 18, 2009

  11. @nana: Wenn das nicht Deine Baustelle ist, dann ist es ja gut. Deine Argumentation erinnerte mich halt leider nur unglücklicherweise sehr gut an die mancher Ideologen aus dem libertären Lager, deren Ideen ich zwar sehr interessant finde, aber deren Vergleiche mir oft bescheuert vorkommen. Auch Dir fiel nichts Besseres ein als ein Atombombenabwurf um Deine Kritik an der staatlichen Finanzierung der NASA vorzubringen. (Immerhin zur Abwechslung mal nicht der Holocaust.) Vlt. habe ich da einfach zuviele negative Erfahrungen mit deutschen AnCaps gemacht, dass ich bei sowas halt allergisch reagiere, sorry. Es geht auch ne Spur kleiner. Das gilt von mir aus auch für Ayn Rand.

    Selbstverständlich kannst Du die gute Frau auch an ihrem eigenen Maß messen. Ist doch okay. Nur finde ich im obigen Text keinen Lobgesang auf die Finanzierung per Steuergelder.

    Ach ja:
    http://www.aynrand.org/site/News2?page=NewsArticle&id=5318&news_iv_ctrl=1021

    „As long as NASA remains a government entity, it will continue to deteriorate. The only hope lies in commercial, non-political sponsorship–which is, in fact, quietly growing (and is how space exploration should have been launched from the start).

    Whoever does go back to the moon will be led not by politicians and bureaucrats, but by visionaries and entrepreneurs. I just hope I’m around to work on such a mission.“

    Kommentar von CK | Juli 18, 2009

  12. @ck
    Sach mal, willst Du mich veräppeln?

    Noch einmal: Es geht mir nicht um eine „Kritik an der staatlichen Finanzierung der NASA“, sondern um die Diskrepanz zwischen „extrem-libertärem“ Anspruch („ich werde nie von anderen verlangen, dass sie für mich leben“) und tatsächlichem Handeln von Ayn Rand.

    (Ich hab auch nicht behauptet, dass Rand *bewusst* die Art der Finanzierung bejubelt hätte. Ich habe etwas von Ausblendung bzw. Verdrängung geschrieben.)

    Aber das können wir wohl jetzt beenden, da hier nichts mehr zur Schließung dieser klaffenden Lücke zu erwarten ist.

    Kommentar von nana | Juli 18, 2009

  13. @nana: Diese Diskrepanz sehe ich ja auch, aber diese ist halt unvermeidlich.

    Kommentar von CK | Juli 18, 2009


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: